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Full text of "Kunstgewerbeblatt"

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T^AM-T- (^^.o^/f^d 



Saritatt (CoUege Ittttatj. 

rnoH TB> ■■4U7KST or 

CHARLES SUMNER, LL.D., 
OF BOSTON, 

(ClU* Of lljD}. 

" For bookt reUting to Polilics and 
Fine Art»." 



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KUNSTGEWERBEBLATT 



Herausgegeben 



ARTHUR PABST, 

Direktor des Kunstgewerbemuseums zu KUin. 



NEUE FOLGE 



Dritter Jahrgang 



LEIPZIG 

Verlag von E. A. Seemann 
1892. 



PA 1)2. 



/(ff/, Ö^. 4 / - // /^, sö/et /(.. 



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- ^ '/ti-i-r e/.. 



Inhalt des dritten Jährgangs. 



Grossere Arttkel. 

Naturstudien. Von Göttlich Kempf 

Die Auwtellang orieoUlischer Teppiche in Wien, 

Von OUo mm FaOce 

Der Becher »on Veere vom Jahre 1546. Von Julius 

Ijueing 

Bauchßater in Baden. Von Marc Ttosenberq .... 

Neue Vorlftgwiwerke für Innendekoration 

Die Vereteigernng der Sammlung Vincent 

Das Fürsteneckzimmer au Frankfurt a. Main .... 

Zur Technik der Witmutmalerei 

Bemerkungen flber Modelleure der FQrstenberger Por- 

zellanmanufafctur und ihre Modelle. Von Chr. Sehcrer 

HäuBliche Kunstarbeiten 

Der Ehrenbüi^rbrief der Stadt Berlin für Rudolf 

Virchow. Von Georg Busa 

Wand- und Deckenschmuck einea römischen HauseB 

una der Zeit des AugUEtuB. Von Julius Leasing . 
Wandleuchter aus dem Merkantil - AmUgebäude in 

Bozen. Von F. Pauiert 

Ein Leipziger Teppichweber des Iß. Jahrhunderts.. Von 

O. Wustmatm 

Der gewerbliche Centralverein jn Danzig 

Der Corvinusbecher von Wienet Neustadt Von Julius 

Lessing 

Spanische Eiaenarbeiten. Von Arthur Pabst .... 
Eine Ofenlieferang aus dem 16. Jahrhundart. Von 

Otto Oerhmd 

Zwei Fäkcbungen. Von Marc Bos^tberg' 

Aus den großherzoglichen Kunstsammlungen zu 

Schwerin II. Von Friedrick Sdilie 

Barock, Rokoko und Zopf im heutigen kunstgewerb- 
lichen Unterricht. Von Moser 

Neue Vorlagenwerke für das Kunsthandwerk .... 
Moderne Kirchenstoffe und Stickereien. Von Max 

Heiden I. 11. 79. 

Die deuteche Weltausstellung der Zukunft. Von Her- 

mann HtUger. (Mit Genehmigung des Verfiissers al>- 

gedruckt) 

Der kunstgewerbliche Geschmack in England. Von 

P. Jessen. I. Die moderne Reform; die Wohnung . 



Seite 

Die Schnitzlerechule in Brienz. Von B. Eändcke . . lOi) 
Die Rheinische GlashQtte zu KO)n -Ehrenfeld. Von 

Artkur Pabst Iffi 

Naturstudium oder Vertrocknung, Von H. E. von 

Berlspsch ]32 

Das Bismarckmuseum in Schönbausen. Von K. Osmi . 143 

■j Jamnitzer. Von Marf. Bosenherg 146 

Heue Bacher und Vorlagenwerke 14S 

Litttrarkehe Notlun. 

Bisehoff, F., Schmiedeeisen ßi 

Ein neuer „Broctkaus" I. I! 45. 152 

Christenseti , Neue Flachomamente 152 

Franke, Eniil, Neue Stickereimonogramme 61 

Fraiike, Emil, Rondomont^amme fUr Stickereiwerke 61 

Graf, M., Möbel im brauchbarsten Rokoko 36 

Hottenroth, Die Trachten, Haus- Feld- und Kriegsgerat- 

schaften der Volker alter und neuer Zeit 152 

Krciixer. farbige Bleiverglasnngen 36 

Küttner, C, 74 Blattmonogramme, Zierschriften und 

Kronen ßi 

Masner, Die KostOmauBstellung des Österreichischen 

loseums in Wien 89 

Sckiendl, Cieschichte der Photographie 4ß 

SchmehfarbenbUder, photi^raphische, auf Email, Por- 
zellan und Glaa 46 

Scholx,, Ehrenfried, Kunstindustrielle RenaissancemotiTe 

der Metalle 36 

Vogel, Praktisches Taschenbuch der Photographie . . 46 

BUcherseluiit. 

Th. Kraulh u. Franx Saks Meger, Das Schloeserbnch . 12 
I BoseiAergs Goldschmiedeieichen. Erster Nachtrag: 

j Antwerpen 103 

Sleffahny, Hcrmiiie, Neue Entwürfe fflr allerlei Nadel- 

! arbeiten 103 

I MnseeD, Schalen, Vereine, eesellsdaft«!!. 

Amsterdam, Buchgewerbliche Ausstellung 155 

; Basel , Schweizer Ausstellung der gewerblichen Fach- 
schulen 155 









IV 



INHALTSVERZEICHNIS. - 



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Seite 
Berlin, EunstgewerbemuBeum . . . .' . . 24. 43. 124 

Berlin^ Verein fQr deutsches Kunstgewerbe 62 

,, Museum für deutsche Volkstrachten und Er- 
zeugnisse des Hausgewerbes 156 

Berlin, Verein für Volkskunde 154 

Weltausstellung 155 

Ausstellung von Wohnungseinrichtungen . . 155 

Bremen, Gewerbemuseum 24 

Breslau, Kunstgewerbeverein 106 

Museum schlesischer Altertümer 106 

Frauenbildungsverein 154 

Chicago, Weltausstellung 1893 ... 54. 107. 140 154 
Dresden, Kgl. Kunstgewerbeschule und Kunstgewerbe- 
museum 90 

Düsseldorf, Gentralgewerbeverein f. Rheinland etc. . . 44 

„ Kunststickereischule 123 

,, Verein zur Beförderung der Anstalt für 

Kunststickerei und Frauenerwerb 153 

Frankfurt alM,, Stiftung von Jf. Lind von Werken 

der Kleinkunst 139 

Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe .... 36 

Hanau, Königliche Zeichenakademie 137 

Karlsruhe, Badischer Kunstgewerbeverein ... 54. 91 

„ Kunstgewerbeschule 105 

„ KimststTckereischule des Badischen Frauen- 
vereins 44. 89 

Karlsruhe, Kunstgewerbemuseum 105. 123 

Kbln, Kunstgewerbemuseum 61. 121 

„ Gewerbliche Fachschule 121 

Magdeburg, Kunstgewerbeverein 63 

Mainz, Ausstellung für christliche Kunst 155 

München, Kunstgewerbeschule 24 

Nürnberg, Bayerisches Gewerbemuseum 90 

Paris, Ausstellung der Arts de la femme 156 

Pforxheim, Kunstgewerbeschule 90 

Kunstgewerbeverein 14. 138 



V 



Seite 

Pforxheim, Anfertigung einer Elefantendecke aus Gold 138 

Prag, Allgemeine Landesausstellung 14 

Reichenberg, das Nordböhmische Gewerbemuseum . . 137 

Stuttgart, Württembergischer Kunstgewerbeverein . . 63 

Venobledenes. 

Ein Mustermusterbuch 45 

Kafieekanne in Silber getrieben, Paris 1758 .... 77 

Silberne Gießkanne, 1722. Nürnberg 78 

Katalog über Architektur von Innendekorationen. Von 

K. W, Hiersemann 61 

Katalog über omamentale Vorlagenwerke. Von Karl 

W. Hiersemann * 54 

Kunstauktion von Heberle 36 

Kunstauktion Heberle. Die Sammlung Hammer aus 

Stockholm 91. 124 

Berichtigungen 64. 92 

Zn den Tafeln. 

Ada/m, Einbanddecke 156 

Qötx, Herrn,, Tafelaufsatz 64 

Oötx, Herrn., Standuhr 78 

Oötx^, Ehrenpreis der Großherzogin von Baden . . . 140 

Marcus, Paul, Standuhr 64 

Paukert, F., Intarsien von einem SchrSnkchen und einer 

Truhe 140. 156 

Peter, Mannheim, Zierschmuck 46 

Rudi, M,, Zierschmuck in englischem Geschmack für 

ein Damenzimmer 78 

Tiroler Intarsien 24 

Geschnitzter Spiegelrahmen aus Südtirol 64 

Renaissancethür in Wismar 64 

Zwei preisgekrönte Regulatorgehäuse 78 

Thür im Dogenpalast zu Venedig > • - 78 

Aus dem Kunstgewerbemuseum zu Karlsruhe .... 156 



Verzeichnis der niustrationeiL 

(Die mit t bezeichneten sind Einzelblätter.) 



fDiestel- und Kiefemzweig. Zeichnung von O. Kempf, 

Heliogravüre von R, Paulussen Zu S. 1 

Zwei Brombeerzweige. Zeichnung von QoUfr, Kempf 1 
Zweig einer wilden Rose mit Hirschkäfer. Zeichnung 

von Gottfr. Kempf ,••.,., 2 

Entwurf zu einem Rahmen in Ebenholz mit MetaJl- 

dekorationen. Von Direktor H Götz in Karlsruhe . 3 
** Modemer Senneteppich aus Kurdistan. Heratimuster 

mit Blumen durchsetzt 4 

^* Modemer Kaschkaiteppich mit Aschkalimuster . . 4 
** Persischer Teppich. 18. — 19. Jahrhundert .... 5 
** Moderner Teppich der Tekke- Turkmenen, fälschlich 

Bokhara genannt 5 

^"^ Modemer Teppich aus Schirwan in Transkaukasien 5 
♦* Persischer Wollteppich mit Goldfäden. 16.— 17. Jahrh. 5 
** Persischer Wollteppich mit Gold- und Silberfaden 

16. Jahrh 7 

»♦Persischer Wollteppich 16.— 17. Jahrh 8 

Die mit ** bezeichneten Abbildungen sind dem Katalog der 
AuBstellang orientalischer Teppiche in Wien entnommen. 

Becher der Stadt Veere. Stich von 1751 10 

** Modernes Oberlichtgitter nach Barockmotiven ... 12 



*^ Gitterfüllung mit Rokokomotiv 

** Ans Eraaths und Meyers Schlosserbach. 

Feuerbock aus Bronze. Aufgenommen und gezeichnet 
von F. Sutter 

Frühchristliches Rauchfass 

Romanisches Rauchfass 

Renaissance -Rauchfa;Bs 

'^^ Wanddekorationen aus dem ehemaligen Palais Thum 

und Taxis 21. 22. 

"»'Aus Luthmer, Plastische Innendekorationen. 

tlntarsiafüllung von einem Schränkchen, im Besitze des 
Direktors H Kamauth in Bozen. Aufgenommen von 
F, Paukert, Farbendrack 

flntarsiafüUung von einer Kassette, im Besitz des Direk- 
tors H, Kamauth in Bozen. Aufgenommen von F, 
Paukert. Farbendmck 

Wanddekoration aus dem Fürsteneckzimmer in Frank- 
furta/M 

fThürgmppe aus dem Fürsteneckzimmer (1615) im Kunst- 
gewerbe -Museum zu Frankfurt a/M. Heliogravüre. 

Zu S. 



13 



17 
18 
18 
20 

25 



24 

24 
26 

27 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Seite 
Aus dem Werke: Heiden^ Motive. (Leipzig, Arthur See« 

mann) 30. 47, 49, G5, 75, 77 

GupidO; Porzellan figur. Holzschnitt von Käseberg & 

Oertel 32 

Andromeda. Porzellanfigur. Holzschnitt von Käseberg 

& Oertel 33 

fProbeblatt aus Büttners Lederschnitt und Lederplastik. 

Zu S. 35 
Oberlichtgitter. Aufgenommen von L. Hoixfeld ... 37 
fDer Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin für Virchow. 
Von Döpler d, j. Lichtdruck von H, S. Hermann in 

Berlin Zu S. 37 

f Einbanddecke zu dem Ehrenbürgerbrief der Stadt 
Berlin für Virchow, Entworfen von L, Döpler d, j. 
Einband. von Fr. Vogt, Silberbeschlag vom Ciseleur 

Lind, Berlin Zu S. 37 

Wandschränkchen im Kunstgewerbe-Museum in Berlin 39 
Oberlichtgitter aus dem Kloster zu Ottobeuem. Auf- 
nahme von Kiendl 40 

Wanddekoration eines römischen Hauses aus der Zeit 

des Augustus 41 

Aus dem Werke von Lessiko und Hau: Wand- n. Decken- 
schmuck eines römischen Hauses. 
Tiroler Truhe von Kiefernholz. Aufgenommen von F. 

Paukert 43 

Füllungen von einem Wandschränkchen im Kunst- 
gewerbe-Museum in Berlin (s. S. 39) 46 

fZierschrank von L. S, Peter, Mannheim 46 

fWandleuchter aus dem Merkantilgebäude zu Bozen. 

Aufgenommen von F. Paukert Zu S. 47 

■{■Vergoldeter Wandspiegel aus dem Merkantilgebäude 

zu Bozen. Aufgenommen von F. Paukert . Zu S. 47 
fWandspiegel aus dem Merkantilgebäude in Bozen. 

Gezeichnet von F, Paukert Zu S. 47 

Spiegelrähmchen. Im Original 17,4 cm hoch .... 48 
Spiegelrähmchen. Im Original 27 cm hoch .... 53 
fDas urteil Salomonis. Leipziger Wandteppich von 

1557. Gezeichnet von M. Lämmel .... Zu S. 49 
fEisemer Thürklopfer aus Sevilla um 1580 . . Zu S. 55 
Schmiedeeiserner Beschlag aus Spanien, 15. Jahrhundert 55 
Riegel aus Eisen geschnitten, Sevilla um 1550 ... 57 

Einzelteil des Riegels auf S. 57 64 

Vergoldete Silberkanne. (Fälschung) 59 

Perlmutterkanne im Grünen Gewölbe zu Dresden . . 59 
Kokosnussbecher mit vergoldeter Montirung. (Ausstel- 
lung in Budapest 1884) 62 

fRenaissancethÜr in Wismar. Gezeichnet von 0. Oeerke, 

Zu S. 64 
■^Schmiedeeiserne Standuhr. Gezeichnet und ausgeführt 

von Paul Marcus, Berlin Zu S. 64 

f Spiegelrahmen aus Salum, Südtirol. Aufgenommen von 

F. Paukert Zu S. 64 

fTafelaufsatz. Entworfen von H, Qötx in Karlsruhe, 

ausgeführt von F, Wollenweber in München . Zu S. 64 
Gravirung des Mantels einer silbernen Kanne. Ge- 
zeichnet von C Malchin 66 

Silberne Kanne, Schwerin. Holzschnitt 67 

Pilaster für Malerei, Stil Ludvngs XIV 69 

GiebelkrOnung imSchloß Schleißheim, Stil Ludwigs XIV. 69 
Detail von einem Tabernakel in Ottobeuem .... 96 

Gitter, im Stile Ludwigs XIV 70 

Deckenmalerei, im Stile Ludwigs XIV 70 

Treppengeländerdetail aus Prag, Rokoko 71 

Silberkanne, im Stile Ludwigs XV 71 



Seite 
Detail einer gemalten Thürfüllung zu Nymphenburg, 

Stil Ludwigs XV 72 

Mittelstück eines Rahmens zu Nymphenburg, Stil Lud- 
vngs XV 72 

Detail einer Stuckdecke aus Würzburg, Rokoko (zu S. 70) 76 

Zwei Studienblätter. Von Otto Oeerke 74 

Kaffeekanne in Silber getrieben, Rokoko 77 

Silberne Gießkanne 77 

fEntwürfe zu Regulatoren von P, Marcus und A, Bauer, 

Farbendruck von J. O. Früxsche . ... Zu S. 78 
fStanduhr. Entworfen von Q, öötx in Karlsruhe . . 78 

fZierschrank. Entworfen von M, Rudi 78 

fThür im Dogenpalast zu Venedig. Aufgenommen von 

Miltenberger Zu S. 78 

fKasel, Grundstoff weiter Sammet auf gelbem Seiden- 
grund Zu S. 79 

fKasel, Grundstoff weißer Seidendamast ... Zu S. 79 
Gestickte Borte eines Leinentuches. Entwurf von Ih, 

Prüfer, Berlin 79 

Darstellung des Granatapfelmusters in verschiedenen 
Beispielen. Entnommen von Stoffen des 15. und 
16. Jahrhunderts. (Aus: Heiden, Motive) .... 82 
Zwei Hälften enes gestickten Kaselmusters. Entnommen 
von Zeichnungen aus Würzburg: Anfang des 18. Jahr- 
hunderts. (Aus: Heiden, Motive) 82 

Sammetbrokat rot und Gold. Nachbildung eines Ori- 
ginals aus dem 15. Jahrhundert 83 

Sammetstoff, rot auf gelbem Seidengrund 84 

Ornament. Entworfen von M, E. Beck in Hermhut . 109 
Kaselkreuz. Von Bessert-Nettelbeck, Berlin .... 111 
Antependium, nach Entwurf von Hase in Hannover ge- 
arbeitet im Henriettenstift daselbst 112 

Antependium. Von M. K Beck in Hermhut .... 113 
Antependium. Von M. E, Beck in Hermhut . . . . 114 
Antependium. Entworfen von J. Wolff, Ausgeführt 
vom Niedersächsischen Paramentenverein in Helm- 
stedt 116 

fKasel, nach mittelalterlichen Vorbildern, gestickt in 

der Werkstatt von Bessert-Nettelbeck in Berlin . . 116 
Antependium. Von Bessert-Nettelbeck in Berlin . . . 117 
Kaselkreuz aus Oliva. (Verkleinert aus: Heiden, Motive 

T. 208) 118 

Kirchliche Leinenstickerei. (Aus: Heiden, Motive T. 221) 119 
fEnglisches Wohnzimmer im arabischen Stil. (Archi- 
tekten Hampton and 5ons] Zu S. 93 

f Englischer Kamin-Einban im Renaissance-Geschmack. 

(Architekten Notley & Trollope) Zu S. 93 

Halle mit Treppe. Holzschnitt von Käseberg & Oertel. 96 
Fensternische. (Architekten Bodley & Gamer) ... 97 
Wohnzimmer. (Architekt Norman Shaw. Holzschnitt 

von B. Berthold) lOO 

Schlafzimmer. (Architekt R. W. Edis) 101 

Wohnzinuner, im Stil des 18. Jahrhunderts. Archi- 
tekten Holland and Sons) 102 

Aus H. Steffahny: Neue Entwürfe für allerlei Nadel- 
arbeiten. (Verkleinert) 104 

fWandschränkchen. Arbeit der Schnitzlcrschule in 

Brienz 109 

Holzschnitzerei aus Brienz HO 

Entwurf zu einem Ofenschirm, Holzdrechslerei mit 

Lederfüllung von E, Härring 122 

Seitenansicht des Ofenschirms von Seite 122 .... 123 
f Fächer. Entworfen von Direktor H. Öötx in Karlsmhe 

Zu S, 124 



VI 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Seite 
Porzellankanne mit Silbermontirung im Kunstgewerbe- 
Museum zu Berlin 124 

Nachbildungen römischer und fränkischer Gläser, aus 

Ehrenfeld 125 

Nachbildungen römischer Gläser aus Ehrenfeld . . . 127 
Gebrauchs- und Ziergläser, im Stil des 16. Jahrhunderts 127 
Ziergerät im venezianischen Stil, Gläser aus Ehrenfeld 128 

Gold-Rubin-Gläser aus Ehrenfeld 129 

Achtzehnteiliges Tafelservice aus Ehrenfeld .... 131 
Das Glück. Silberstatuette. Entworfen von Prof. Rud. 

Wagner in Karlsruhe 120 

fAdresse für den Direktor der Rheinischen Glashütte in 
Ehrenfeld. Entworfen von F. Matisx. Lichtdruck von 

A, Sehmilx Zu S. 132 

t Intarsia von einem Schränkchen. Im Besitze des Direk- 
tors H, Kamatäh in Bozen. Aufgenommen von F, 

Paukert Zu S. 140 

fEntwurf zu dem Ehrenpreise Ihrer K. H. der Gross- 
herzogin Luise von Baden zur deutschen Fächer- 
ausstellung von Direktor H. Oötx .... Zu S. 140 
Kassette für den Hanauer Ehrenbürgerbrief für den 
Fürsten Bismarck 141 



Seite 
fEbrenschild fär den Fürsten Bismarck gestiftet von 
den Offizieren des Landwehrbataillon Burg und Stendal 143 

Relief der Hanauer Kassette (S. 141) 144 

Das Bismarckmuseum in Schönhausen 145 

Die Jamnitzerburg ' . . . . 14(5 

Grundriss der Silberburg 147 

* Rokokomöbel von A. Hoffmann, Berlin 148 

* Rokokorahmen von A. Hoffmann, Berlin 149 

* Barockständer von A. Hoffmann, Berlin 150 

*) Aas Hofltaianns Holzskalpturen and Möbel in Rokoko) 
t Beschlag aus verzinntem Schmiedeeisen. Ans dem 
Kunstgewerbemuseum zu Karlsruhe. Aufgenommen 
und gezeichnet von K. Kieser, — Stuhllehne in Nuss- 
baum geschnitzt. Kunstgewerbemuseum zu Karls- 
ruhe. Gezeichnet von G. Beihäuser Zu 15(5 

t IntarsiaftÜlung von einer Truhe im Besitze des 
Direktors Kamauih in Bozen. Aufgenommen von 

F. Paukert Zu 156 

t Einbanddecke zu der Adresse für Direktor Rauter in 
Köln-Ehrenfeld. Angefertigt von Patä Adam in Düssel- 
dorf Zu 156 




Zum Beschluss. 



•-«•«)•*►' 



Mit gegenwärtigem Hefte endigt der 3. Jahr- 
gang der Neuen Folge des Kunstgewerbeblattes^ das 
nun auf acht Jahre erfolgreicher Wirksamkeit 
zurückblickt. Erfolgreich insofern, als die Grund- 
lagen, auf denen das Blatt sich aufgebaut hat^ mehr 
und mehr Zustimmung bei den deutschen Kunst- 
gewerbevereinen gefunden haben, so dass seine Ab- 
nehmerzahl auf 5000 gestiegen ist; eine bedeutende 
Erweiterung und Hinzutritt neuer Freunde zu der 
Sache, der das Kunstgewerbeblatt dient, steht in 
naher Aussicht. 

Von dem nächsten Jahrgange an wird das Blatt 
vollkommen der Ausdruck dessen zu sein versuchen, 
was gegenwärtig im deutschen Kunstgewerbe ge- 
wünscht und angestrebt wird. Es ist mögUch ge- 
wesen, durch die zunehmende Beteiligung das Blatt, 
was Text und Abbildungen anbelangt, reichhaltiger 
und vielseitiger zu gestalten. Insbesondere soll nun 
in Zukunft das langsam erstarkte moderne Ennst- 

Leipzig, Ende August 1892. 



gewerbe in erhöhtem Masse berücksichtigt werden. 
Beständige Verbindung mit tonangebenden Fach- 
männern, die im Kunstgewerbe teils durch Lehre, 
teils durch praktische Thätigkeit beständig wirken, 
setzen den Verleger in den Stand, das Blatt zum 
Ausdruck der gegenwärtigen Strömungen zu machen, 
die zwar nicht alle gleich gerichtet sind, aber doch 
der Hauptsache nach denselben Zielen zustreben. So 
viel es möglich ist, soll das Wünschenswerte in dem 
vorliegenden Blatte vereinigt werden; dazu aber ist 
nötig, dass alle Freunde des Kunstgewerbes in einerlei 
Richtung zu wirken suchen und möglichst das Be- 
stehende, das sich bewährt hat, zweckmässig aus- 
bilden. Je lebhafter diese Mitwirkung ist, um so 
leichter wird es sein, das Erspriessliche zu treffen, 
und desto reicher und wertvoller kann der Inhalt 
des Kunstgewerbeblattes werden, das sich bemüht, 
einen Mittelpunkt im kunstgewerblichen Leben zu 
bilden. 



E. A. Seemann. 



DISTEL -"UND KIEFERZWKIG 




4» 



NATFRSTÜDIEN VON GOTTLIEB KEMPP. 



Die ßaadleiste, welche diese Zeilen begleitet, 
ist aus zwei Brombeerzweigen zusammengesetzt, an 
denen . Blüten und FrDclite sich drängen, ein Teil 
der letzteren scbon dunkel gefärbt. Oben rechts 
schwebt ein Schwalbenschwanz, lichtgelb und 
schwarz gestreift. — Auf der beiliegenden Tafel 
sehen wir einen Kiefer- und einen Distelzweig, von 
einem schmalen Seidenhande zusammengehalten. Der 
Distelzweig hat leider des Formates wegen zer- 
schnitten werden mUssen, um das Ganze in Original- 
größe bringen zu können. — Die Schiusavignette 
giebt einen Zweig von wilden Bösen, auf dem ein 
großer Hirschkäfer sitzt. — Alles ist mit geringen 
Veränderungen unmittelbar nach der Natur gezeichnet, 
zuerst in Blei, dann mit der Feder, jedoch ohne 
voraufgegangene Skizzen. 

Oottlieb K&mpf, der Urheber dieser köstlichen 
Zeichnungen, ist ein Wiener Eind, geboren am 
24. Juni 1871, als Sohn eines k, k. Telegraphen- 
beamten. Er besuchte zuerst die Volksschule und 



dann drei Jahre lang das Gymnasium; hier aber 
ging es ihm so schlecht, dass es das Beste war, die 
gelehrten Studien aufzugeben. Auch die Zeichen- 
Bchnle brachte zuerst keinen guten Erfolg. Nach 
anderthalb Jahren wurde zwar die Aufnahmsprtifong 
in die Vorbereitungsschule des Österreichischen Mu- 
seums glücklich bestanden , aber mit dem Unter- 
richte wollte es nicht vorwärts. So versuchte es 
denn Kempf nach einem halben Jahre mit dem Ein- 
tritt in die Akademie, bestand die Prüfung und 
machte in der Schule des Professors Julius Berger 
bald große Fortschritte, zunächst im Zeichnen, dann 
auch im Malen. Die vorli^enden Federzeichnungen 
sind Ferienarbeiten aus dem Jahre 1889- Sie trugen, 
im Verein mit anderen, gleich vollendet ausgeführ- 
ten Blättern, dem jungen EDnstler bei der aka- 
demischen Preisverteilung 1890 die goldene Füger- 
medaille ein. Im Jahre 1891 erhielt Eempf fQr eebe 
trefflichen gemalten Studienköpfe, Stillleben und 
Entwürfe den Gundelpreis. C. v. L. 



Eotwuif in «inem Rahmen in KbevliolE mit Hstklldekorationea. Von Direktor H, arm In KKlsnili«. 



Die Leitung des Osterreichischen Handels- 
moseums hatte mit der Veranstaltung dieser Ans- 
stellui^ einen sehr glücklichen Griff gethan. 
Sie war unter den kunstgewerhlicbeo Spezial- 
ausstellnngen dieses Jahres nicht nur die bedeu- 
tendste , sondern fKr alle Fachkreise sicherlich 
die erwünschteste. Denn in je weitere Kreise 
während der letzten Jahrzehnte das Bedürfnis nach 
einer farbenfrohen und kOneÜerischen Wohnnogs- 
ansstattung gedrungen ist , um so zahlreichere 
Freunde und Verehrer hat sich auch der orienta- 
lische Teppich erworben. Aber mit der steigenden 
Liebhaberei für dieses prächtigste Erzeugnis des 
muhamedanischen Kunsthandwerks hat das Ver- 
ständnis dafllr und die Erkenntnis seiner Herkunft 
und Geschichte keineswegs Schritt zu halten ver- 
mocht. Während die älteren Exemplare zumeist 
Persien als dem von alters her berühmtesten Hei- 
matlande der Teppichknüpferei ziemlich unterschieds- 
los zugewiesen werden, muaste man sich auch für 
die Produkte der Gegenwart mit einer Anzahl von 
Benennungen begnügen, die einerseits für die unend- 
liche Vielgestaltigkeit der orientalischen Teppiche 
nicht ausreichten, andererseits zum Teil bloße Han- 
delsnamen sind, welche häufig genug mit der wirk- 
lichen Heimat eines Stückes nichts zu thun haben. 
Hier einigermaßen Klarheit zu schaffen, war nur 
möglich durch die Zusammenstellung von typischen 
Exemplaren aller oder doch der für den Welthandel 
wichtigeren Sorten persischer, centralasiatiscber, kau- 



kasischer and kleinasiatischer Teppiche. Erst wenn 
man diese kennen gelernt hatte, wenn man sie nach 
Material, Musterung und Technik unterscheiden konnte, 
durfte man hoffen, von dieser Grundlage ausgebend 
auch hinter die Geheimnisse der alten Teppiche zu 
kommen. 

In letzterer Hinsicht sind die Erwartungen aller- 
dings nicht ganz erfüllt worden. Denn der bekannte, 
freilich vielfach sehr Überschätzte Konservativismus 
der orientaliachen Kunst in Sachen des Ornamentes 
und der Technik hat hier wie auf anderen Gebieten 
den starken Einwirkungen des VerfaJles und der 
Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des abendländi- 
schen Marktes nicht Überall stand gehalten. Immer- 
hin ist das, was schon die Berücksichtigung des 
Levantehandels vom Mittelalter bis zum 17. Jahr- 
hundert wahrscheinlich macht«, vollauf bestätigt wor- 
den. Dass die Teppiche mit vorwiegend geometri- 
schen Mustern oder gradlinig stilisirtem vegetabilen 
Ornament, wie sie Julius Lessing nach Gemälden 
der Renaissance veröffentlicht hat, dass diese damals 
fast allein in Europa vertretene Art nicht persischen 
Ursprungs ist, sondern den tnrkischen Produktions- 
stätten am Kaukasus und in Kleinasien entstammt. 

Feste Anhaltspunkte für die Zeitbeslimmung hat 
die Ausstellung nicht geben können. Sie hat uns 
vielmehr eine Stütze hinfällig gemacht, die man bis- 
her dankbar annahm, weil es die einzige war, die 
auf genauer Kenntnis der altorientalischen Littera- 
tur beruhte, das Werk „über die persische Nadel- 



DIE AUSSTELLUNG ORIENTALISCHER TEPPICHE IN WIEN. 



malerei Susandschird" too EarabaÖek. Darin war 
ein seidener, mit Gold nnd Silber durchwirkter Tep- 
pich aus palaeographiechen oder vielmehr krjpto- 
graphischen Gründen in das 14. Jahrhundert und 
zwar nach derpersischeu 
Stadt Korkub versetzt 
worden. Die Ausstel- 
lung bringt nun als 
Gegenstück ein zweites 
fast identisches Exem- 
plar, das in Centtalasien 
in den siebziger Jahren 
unseres Jahrhunderte 
gearbeitet wurde. Das 
wird doroh die Ähn- 
lichkeit mit uideien 
modernen Seidenteppi- 
chen aus CbineBiscli- 
Turkestau (Khotan) be- 
stätigt. Die zahlreichen 



Uodcmer Sanneteppicli ana : 



Was fUr die Kenntnis der modernen Industrie 
z\i thon überhaupt möglich war, hat die Ausstellung 
in derThat geleistet. Mit Hilfe der vielseitigen levan- 
tinischen Verbindungen des Handelsmuseums und 
der in Wien ansäßigen 
großen Handelshänser, 
wie Haas, Adutt,Zacchiri 
u. a. ist es gelungen, fast 
ausnahmloa alle Arten 
des geknßpften und ge- 
wirkten Teppichs aus 
der ganzen Welt des 
Orients von Japan im 
Osten bis nach Marokko 
im Westen in etwa drei- 
hundert Exemplaren 
voraufUhren, welche 
nach Material, Muste- 
rung nnd Farben, nach 
Qualität und Technik 



'"/, 



Modernei Kaschkaiteppich mit Aeabbalimiut^r. 



und dankenswerten Berichte des genannten Werkes 
aus den arabischen und persischen Quellen werden 
dadurch nicht tangirt, aber das Beispiel zeigt, wie 
schwierig und unsicher es ist, erhaltene Gegenstände 
auf die dunklen Stellen der Litteratur zu beziehen. 



ab typisch ftir die einzelnen Produktionastätten 
gelten können. Das Studium der nach geographi- 
schem Gesichtspunkt geordneten modernen Abteilung 
wurde wesentlich erleichtert durch den illustrir- 
ten Katalog, der weitaus mehr enthält, als man sonst 



DIB AUSSTELLUNG ORIENTALISCHER TEPPICHE IN WIEN. 



bei einer TorQbergehenden Ausstellung zu erwarten 
gewöhnt und berechtigt ist. Er bietet außer allge- 
meineD Einleitungen über die Geschichte, die älteren 
FärbeTerfahreo , die KnUpftechnik noch für jede 
Gruppe eine ausführliche Beschreibung des ümfangea 



Exemplar bis zu einem Drittel höher geschätzt wird, 
als ein ganz neues Stück derselben Qualität. 

Yon persiBchen Teppichen allein konnte man 
ungefähr zwanzig Arten kennen und unterscheiden 
lernen. Es zeigte sich, dass der in Europa bis vor 



Fsnlaoher Tappiob. IS.— 19. J&hrh. 

Aar dnnkalbUaam annd Bäume und Tiare, Eum Teil bereilj 

in dei Stiliiirons des ABobliftUiniiitara, 



Hodarner Teppich der Tekks-TntknieDen, 

niichlich Bokhirk geiiaiiDt. 

Oeomatriscbaa Hiutar »at duDkelroCem Omnd, 



Xodemer Teppich ans Sohirvui in Traoakaakulen. 



der Industrie, der Materiale, der verschiedenen 
Dessins and Knüpfarten und in vielen Fällen die 
auf dem Stambuler und Wiener Markt üblichen Preise 
fär ältere und neue Stücke. Es ist hier bezeichnend, 
gleicherweise Rlr den gegenwart^en Rückgang wie 
fUr die Dauerhaftigkeit des orientalischen Teppichs, 
dass in der R^el ein mehrere Jahrzehnte altes 



wenigen Jahren am meisten verwendete Perahan- 
teppich durch den fabriksmäßigen Betrieb in Sul- 
tanabad sich sehr verschlechtert bat. Schuss und 
Kette sind ßaumwolle, das Knüpf'material Schafwolle. 
Die KinlÜhrung alter Dessins hat sich nicht bewährt; 
am häufigsten wird das Heratimuster verwendet, das 
in seinen Elementen auf die altpersische Ranke mit 



6 



DIE AUSSTELLUNG ORIENTALISCHER TEPPICHE IN WIEN. 



gezacktem Lanzettblatt und der distelartigen BlQte 
zurückgeht. Die Knüpfung ist ziemlich locker, die 
Schur ungleichmäßig. — Dass die alte sorgfältige 
Art der Handarbeit, die durch die größte Anzahl von 
Knüpfungen einen möglichst dichten und dauerhaf- 
ten Flor zu erzielen strebt, doch noch nicht überall 
verloren gegangen ist, zeigen die in Persien höchst 
geschätzten Teppiche der beiden Hauptproduktions- 
orte von Kurdistan, Senne und Gerus, die bis zu 
7200 Knüpfungen auf 1 Quadratcentimeter aufweisen. 
Durch dieses dichte und feingeschorene Gewebe geben 
sich die Kurdistaner Senneteppiche als die Nachkom- 
men des altpersischen Luxusteppichs zu erkennen, 
dessen Blütezeit in das 16. und 17. Jahrhundert 
fallt. Auch ihre an blumenreiche Wiesen erinnern- 
den Muster zeugen für diese Abstammung, denn auch 
ihnen liegt dcks alte Rankenwerk in der Raumver- 
teilung des Heratimusters zu Grunde, Die Tiere 
und chinesischen Motive sind aber ganz daraus ge- 
schwunden, sie sind nur noch kleinlich gewordene 
Epigonen der einheitlich entworfenen, schwungvollen, 
tadellos im Linienfluß durchgeführten Zeichnungen 
aus der Sefevidenzeit. Kurdistan liefert auch unge- 
wöhnlich fein gearbeitete Kilims, das sind glatte 
ohne Flor in Gobelinart gewirkte Teppiche. 

An Schönheit der Farbe wie an seidenartigem 
Glanz des WoUflores stehen die Senneteppiche nicht in 
erster Reihe unter den persischen Arbeiten. Das sind die 
unerreichten Vorzüge der Teppiche, die von den in den 
Bergländem zwischen Mesopotamien und Schiraz no- 
madisirenden Stämmen der Kaschkai auf dem Wege 
der Hausindustrie hergestellt werden. Bei den der 
türkischen Rasse angehörenden Kaschkai hat sich die 
alte Färbekunst am unverfälschtesten erhalten. Außer- 
dem steht ihnen die feinste, glänzendste und weichste 
Schafwolle zu Gebote, die sie auch ausschließlich 
verwenden. Sie vermeiden es, wie es sonst vielfach 
üblich ist, fdr Kette und Einschlag Baumwolle oder 
Hanf zu nehmen, und erzielen dadurch auch fllr ihre 
langhaarigen, schweren Stücke ein weiches, schmieg- 
sames Gewebe. Die Motive ihres beliebtesten Dessins, 
des sogenannten Aschkalimusters, sind wie fast überall 
bei den von Nomadenfrauen gearbeiteten Webereien 
gradlinige — sogenannte geometrische Figuren. Diese 
sind aber ursprünglich durch eine primitive Stilisi- 
rung aus vegetabilen Elementen, Bäumen, Ranken, 
Blättern und Rosetten und aus Tierfiguren entstan- 
den. Es haben sich mehrere ältere Teppiche erhal- 
ten, die gerade für die Kaschkaiteppiche die noch 
deutlich erkennbaren Vorstufen bilden. Ein zweites 
Muster, reihenweise versetzte indische Palmetten mit 



umgebogener Spitze, auch Palmwipfel genannt, teilen 
die Kaschkaiteppiche mit den Teppichen des öst- 
lichen Persiens. Je nach dem Handelswege, auf 
welchem die Kaschkaiteppiche ihre Heimat verlassen, 
werden sie Mekka-, Kirmanschah- oder Schiraztep- 
piche genannt 

Neben diesen Arten finden wir in Persien nicht 
viel Erfreuliches mehn Manche im Lande hoch be- 
zahlte und sonst gute Produkte werden durch ver- 
unglückte Einführung europäischer Ornamente ent- 
stellt, wie die Seidenteppiche von Kaschan und Sul- 
tanabad, auch die Wollteppiche vbn Kirman. Andere 
leiden durch allzu lockere Knüpfung oder durch 
unechte und deshalb vergängliche Farben von schrei- 
ender Wirkung. Letztere Fehler sind vielfach bei 
den früher berühmten Arbeiten aus der Provinz 
Khorassan zu bemerken. 

In sehr schönen Exemplaren waren die dunkel- 
roten, kurzgeschorenen Teppiche derTekketurkmenen 
aus Russisch-Turkestan vertreten, die im Handel als 
Bokharateppiche allgemein bekannt und seit der 
russischen Okkupation der Chanate auch sehr ver- 
breitet sind. Nächst den Senne haben sie das dich- 
teste Gewebe und die größte Dauerhaftigkeit. Ihre 
Wolle hat, trotz dem kurzgeschnittenen Flor, wun- 
derbares, seidenartiges Lüster. Das Grundmuster 
zeigt Reihen polygoner Felder, ursprünglich wohl 
Rosetten, dazwischen kreuzförmige Ornamente. Kenn- 
zeichnend ist auch die tief indischrote Farbe des Grun- 
des, die als die herrschende wirkt. Verwandt, aber 
von weniger feinem Gewebe, längerem Flor und 
durch helleres Rot unterschieden sind die Teppiche 
von Khiwa und die eigentlichen Bokharawaren. 
Erst seit wenigen Jahren in Europa aufgetaucht und 
auch jetzt wohl noch selten sind die langhaarigen 
weichen Teppiche der Nomaden von Belutschistan, 
von allen anderen Arten durch auffallend düstere 
Färbung unterschieden. 

Nächst Persien ist zweifellos das Kaukasusge- 
biet das bedeutendste Teppichland. Es producirt 
eine sehr große Zahl verschiedener Arten, für deren 
Mehrzahl ein buntfarbiges, blumiges Aussehen cha- 
rakteristisch ist. Die Farben sind aber zumeist echt 
und harmonisch gestimmt. Die Unterscheidung der 
kaukasischen Knüpfteppiche von den persischen No- 
madenarbeiten der Kaschkai ist nicht immer leicht, 
weil die Hauptmotive der sehr wechselnden und 
vielseitigen Ornamentik wiederum geometrische Stili- 
sirungen von Pflanzenteilen, Tieren und mensch- 
lichen Figuren sind. Diese sind mit rein geometri- 
schen Figuren in der verschiedensten Weise kombi- 



DIE AUSSTELLUNG ORIENTALISCHER TEPPICHE IN WIEN. 



nirt. Auf der AuBstellung waren ans dem Kaukasus 
uBgeßlir 15TerBchiedeDelQdu8trieorte vertreten, deren 
Produkte im Handel unter dem kudlaufigea Namen 
.D^hestaD" zusammengefasst werden. Diese am 
kaspiachen Meere gelegene Provinz kann aber nur 
für die ciskaukasiBclieu Teppiche als Haupt^ebiet 
angesehen werden. Ihre bekanntesten Erzeugnisse 
sind die glatten Samakhs, broscbirt« Gewebe, bei 
welchen die Schussenden entweder an der Rückseite 
kurz al^eschnitten werden oder lose herabhängen. 



Teppiche mehr in der Farbenzosammenstellung von 
rot, blau und grQn liegt, als in eigenartigen Dessins. 

In Indien ist die Knüpftechnik erst unter Kaiser 
Akbar zu Ende des 16- Jahrhunderts eingeführt 
worden. Natflrlich bildeten persische Exemplare die 
Vorbilder, an manchen Orten wurden auch persische 
Arbeiter berufen. 

Da die vom South-Kensington-Museum einge- 
sendeten modernen indischen Arbeiten zumeist die 
alten StDcke des 16. und 17. Jahrhunderts aus Labore 



Penlsch«r WaUUppioh n 



ir cblnulacbem BlDflnss. 



Die bessere Qualität der Sumakh stammt aus Der- 
bent, die geringere aus KUre. Ähnliche Gewebe 
sind die Arbeiten aus Veme und Sile. In Trans- 
kaukasien sind die Hauptorte Schirwan und Kara- 
bagh. Ersteres liefert auch Seidmteppiche. 

Die kleinasiatiscben Teppiche aus GiÖrdes, 
Uschak, Kula und anderen Orten, die nach dem 
Ausfuhrhafen Smyma genannt werden, waren am 
unvollständigsten vertreten. Es ist auch nicht gut 
möglich, hiervon ein genaues Bild zu geben, weil 
in diesen Orten, die ausschließlich für Europa und 
Amerika arbeiten, je nach Wunsch des Bestellers 
tttrkisohe und persische Muster kopirt werden, so 
dass das Kennzeichen der modernen anatolischen 



imitiren, erscheint auch unter diesen persischer Ein- 
fluss vorherrschend. Von den Südslaven sind nur 
die bosnischen Gobelins und Teppiche aufgenommen 
worden; es ist nicht wahrscheinlich, dass das Fehlen 
der Bulgaren, Rumänen, Serben etc. sehr zu be- 
dauern ist. 

In der Abteilung der alten Teppiche wurden 
diejenigen vereinigt, die ein Alter von mehr als 
hundert Jahren haben. Dass diese Grenze streng 
eingehalten war, kann man nicht mit Gewissheit be- 
haupten; es waren namentlich unter den kleineren 
Stücken, bei den anatolischen Gebetteppichen, gar 
manche, die wohl nicht viel mehr als fünfzig Jahre auf 
dem Rücken hatten. Man darf nicht vergessen, dass 



DIE AUSSTELLUNG ORIENTALISCHER TEPPICHE IN WIEN. 



gerade diese kleineren Teppicbe', die dem Muhame- 
daner fSr seine Üblichen Religions&bungen nötig 
sind nnd ihn auf allen seinen Reisen begleiten, einer 
beständigen AbnUizung ausgesetzt sind. Dadurch 
ist es erklärlich, daes auch ihre besten Qualitäten oft 
schon nach einigen Jahrzehnten mehr gelitten haben 
die großen 



Kunst- und Lu- 
xusteppiche, die 
in den Palästen 
und Schatzkam- 
mern orientali- 
scher und euro- 
päischer Forsten 
ein ziemlich un- 
gestörtes Dasein 
fahren konnten 
und sich zuwei- 
len fast anbe- 
rührt Tom 16. 
Jahrhundert bis 
auf unsere Tage 
erhalten haben. 
Obgleich die an- 
tike Abteiinng 
nicht ganz 150 
Nummern um- 
fasate, giebt es 
doch kaum eine 
Kat^orie alt- 
aaiatischer Tep> 
piche, die nicht 
in einem oder 
mehreren Exem- 
plaren von guter, 
oft erster Quali- 
tät zur Anschau- 
ung gebracht 
worden wäre. 
Das Zugstück 
war der soge- 
nannte Jagdtep- 
pich, als Ge- 
schenk Peters 
des Großen in den Besitz des kaiserlichen Hauses 
gekommen, das Oberhaupt nach Anzahl, Vollendung 
und guter Erhaltung der Stücke an der Spitze aller 
Aussteller stand. Der Jagdteppich ist in einer Länge 
von 7 Metern und einer Breite von 3 Metern ganz 
in Seide geknilpft und stellenweise mit Gold und 
Silber durchwirkt. Dai^estellt sind auf lachsrotem, 







H 



blumenbesäetem Grunde zahlreiche Jf^er zu Pferde 
und zu Fuß in der Verfolgung des verschiedensten 
Wildes vom Löwen bis zum Hasen. In der Mitte 
und den Ecken finden sich chinesische Drachen, in 
der dunkelrot«n Bordüre geÖQgelte Genien. Wegen 
Tracht und T^us der Jäger hat man an tnrkeBt&ni- 
sche Arbeiter ge- 
dacht, wo in der 
ThatsichKhotan 
seit Jahrhunder- 
ten gerade durch 
Seidenteppicbe 
ausgezeichnet 
hat. Die chine- 
sischen Elemente 
würden nicht 
gegen Fersien 
sprechen, denn 
sie sind seit dem 
Mittelalter der 
persischen Orna- 
mentik durchaus 
geläufig. In auf- 
iallender Menge 
waren die gleich- 
falls in Seide mit 
Gold und Silber 
au^eftihrten so- 
genannten Polen- 
teppiche aufge- 
taucht. IhrRan- 
kenomament ist 
zwar das persi- 
sche, lässt aber 
etwas europäi- 
schen Einfiuss in 
der Anordnung 
erkennen; doch 
aber nicht genug, 
um sie wirklich 
mit der noch sehr 
unsicher beglaa- 
bigten Industrie 
in Polen in Ver^ 
bindung zu bringen. Man wird wohl eher au 
Arbeiten der Türkei zu denken haben. Die höchste 
Blüte des persischen Knfipfteppichs in Wolle be- 
zeichnete ein Teppich des Fürsten Lobanow. An 
Feinheit des Gewebes, Sicherheit und Schönheit der 
Zeichnung, durch die tadellos reine Ausführung der 
zierlichsten Rauken, Arabesken, Inschriften und 






m 



mm 






DER BECHER VON VEERE. 



Tiergestalten tiberragte er weit den Jagdteppich. 
Sein Ornament ist typisch f(ir den persischen Luxus- 
teppich zur Blütezeit der Sefevidendynastie, um das 
Jahr 1600. Eine freiere Art persischer Musterung 
zeigte ein Teppich Hes Handelsmuseums mit natura- 
listisch gnippirten aufsteigenden Bäumen und Blumen, 
mit Vögeln besetzt. Gleichwertig in seiner Art war 
ein marokkanischer Seidenteppich aus kaiserlichem 
Besitz, mit feinen Arabesken in grtin und rot, wohl 
das schönste Exemplar dieser Gattung, das noch 
existirt. 



Es ist erfreulich, dass wie schon die keramische 
Ausstellung des Handelsniuseums, so auch diese ein 
dauerndes Andenken hinterlassen wird. Das Handels- 
museum hat bereits eine große Publikation begonnen, 
die auf 150 Tafeln eine Auswahl des Besten, begleitet 
von fachmännischen Monographien tiber die ein- 
zelnen Industrien enthalten soll. Nach deti dafür 
gewonnenen Kräften und dem zur Verfügung stehen- 
den Material zu schließen, wird diese Publikation das 
bisher noch fehlende Hauptwerk über alte und neue 
orientalische Teppiche werden. 



DER BECHER VON VEERE VOM JAHRE 1546. 

VON JULIUS LESSINO. 
MIT ABBILDUNG, 




ßR öffentliche Besitzstand 
Hollands an altem Silber- 
gerat ist leidlich gut be- 
kannt. Die Ausstellung von 
Altertümern , Amsterdam 
1873, noch mehr aber die 
Silberausstellung in Amster- 
dam 1880 haben das meiste 
des erhaltenen Materials zu Tage gefordert, die 
betreffenden Publikationen haben die Hauptstücke 
festgehalten, das bekannte Werk von Ewerbeck und 
Neumeister über die Renaissanse in Holland hat 
auch die Werke der Silberschmiede berücksichtigt. 
In den Ausstellungen war es sehr auffallend, 
wie gering der Vorrat nicht nur an Werken des 
Mittelalters, sondern auch an Werken des sechs- 
zehnten Jahrhunderts ist. Die spanischen Kriege 
am Schlüsse des Jahrhunderts haben alles aufgezehrt, 
und erst im 17. Jahrhundert wurde Holland stark 
und reich genug, neue Schätze hervorzubringen und 
auch festzuhalten. 

Aber gerade die niederländischen Werke des 
16. Jahrhunderts haben für uns eine hervorragende 
Bedeutung. Der Einfluss der Niederlande auf deutsche 
Kunst war auch in jener Zeit erheblich, auf Nord- 
deutschland, besonders die Seeküsten war dieser Ein- 
fluss vielleicht großer als der von Süddeutschland. 
Innerhalb der Holzschnitzerei, wie sie in Holstein 
und einem großen Teile Norddeutschlands geübt 
wurde, ist dieses Verhältnis ohne weiteres erkenn- 

KvBstgewerbeblatt. N. F. ITI. 



bar, in der Metallarbeit werden wir die Spuren 
schwerer verfolgen können und werden um so 
mehr genötigt sein, jedes datirbare Stück genau 
zu beachten. 

Zu den in Holland am meisten gerühmten Ar- 
beiten des 16. Jahrhunderts gehört der Becher von 
Veere, einer Stadt, die von ihrer einstigen hohen 
Blüte außer dem Turm des Rathauses und diesem 
Becher kaum noch etwas gerettet hat Trotzdem 
besitzt die völlig verarmte Gemeinde den erfreulichen 
Stolz, diesen Becher nicht zu verkaufen, obgleich ihr 
1867 bei der Ausstellung des Stückes in Paris die 
stattliche Summe von 100000 Frank geboten wurde. 
1873 erschien der Becher auf der Ausstellung in 
Amsterdam und figurirt in dem Catalogue raisonn^ 
von Havard*) als ,une des plus beUes quon puisse 
voir* die auf S. 22 beigefügte Radirung giebt jedoch 
mehr eine malerische Oesamtansicht als ein ge- 
naues Bild. 

Auf der Amsterdamer Ausstellung von 1880 ist 
der Becher nicht gewesen, so dass ich ihn nicht 
gesehen habe und im wesentlichen auf die flotte 
aber doch etwas skizzenhafte Darstellung angewiesen 
war, welche Ewerbeck giebt (Bd. IV Hft. 27 Bl. 3), 
der das Stück für eine deutsche Arbeit ansieht. 

Dieser Becher ist aber bereits im vorigen 
Jahrhundert mit allen zugehörigen Aktenstücken 

*) Henry Havard. Objects d'art et de curiosit^ tirßs des 
grandes collections Hollandaisee, expos^s ti Amsterdam 1873. 
Haarlem 1873. 



DER BECHER VON VEERE. 



publiairt, jedoch an so entlegener Stelle, 
ratsam scheint, diese Abbildung der allgi 



Becber der Stadt Yeer«. Stich v 



KenntnisDahme zuzuführen. Der Stich ist etwas 
manierirt aber ei^änzt die Zeichnung Ewerbecks 
in willkommener Webe. 



Das betreffende Werk*), in der Ornamentstich- 
sammluDg des Kunstgewerbemuseums, gehört zu den 
sogenannten Entree's, es schildert in Text and 
großen Bildertafeln die Huldigung des Prinzen 
Wilhelm von Oranien als Markgraf Ton.Veere, am 
1. Juni 1751. Die damals noch sehr stolze Stadt 
Veere veröffentlicht hierbei alle errichteten Ehren- 
pforten, wie dies regelmäßig in den verwandten 
Werken geschieht, außerdem aber — und dies ist 
etwas sehr UngewShnliehes — den Becher, aus 
welchem dem Prinzen und seinem Hause unter dem 
Donner von 21 Kanonen die Gesundheit zu getrunken 
wurde. Der Becher war das OlanzstQck im Besitze 
der Stadt und der Beschreiber des Festes druckt die 
Urkunde ab, durch welche es der Stadt zu6el. 
Hieraus ergiebt sich, dass Maximilian von Burgund 
der erste Markkraf von Veere, diesen Becher 1551 
der Stadt geschenkt hat, welchen er selbst von seinem 
Onkel Maximilian von Egmont, Grafen zu Buren, 
ererbt hat. 

Auf den Qrafen zu Buren bezieben sich daher 
die 1546 datirten figürlichen Darstellungen, vom 
Grafen von Burgund ist sein Wappenschild in bunten 
Emailfarben im Innern des Deckels zugefügt, die 
Stadt Veere bat dann noch der Deckelfigur (in der 
Beschreibung Pallas genannt) den Schild mit dem 
Stadtwappen gegeben. Übrigens war die Schenkung 
so abgefasst, daes der Becher erst nach dem Ableben 
des Grafen von Burgund an die Stadt fiel und dass 
Verkauf, Verpfandung oder Belastung des Bechers 
auf das bestimmteste unters^^ ist, bei Vermeidung 
des Rückfalles an die Nachkommen des Stifters. 
Hieraus mag sich auch wohl die lange Erhaltung 
an der orsprllnglichen Stelle erklären. 

Dieser Becher, welchen ich so lange als hollän- 
dische Arbeit ansehen möchte, bis nicht etwa auf- 
gefundene Silbermarken ein anderes beweisen, ist 
ein ungewöhnlich gutes Stück, so übersichtlich in 
der Form, so klar in der Ausbildung der einzelnen 
Theile, wie wir dies innerhalb der nordischen Renais- 
sance nur sehr selten finden. Der Fuß mit seinem 
kräftigen Nodus und den klar aufsteigenden Äkan- 
thusblättem erinnert weit mehr an italienische Bron- 
zen als an die spielend überladenen nordischen Silber- 
arbeiten. Auch die breiten Bügel, welche vom Fuß 
zum Becher überleiten, kommen ähnlich an italie- 
nischen Kandelabern vor. Ebenso scharf gegliedert 
in guten Verhältnissen bt der DeckeL Der Körper 

*) Andreas Andrieagen, Pletige Inhuldiging van Wilheln) 
Karl Henrik Friso Prinae van Onmje als Marl^raf van Veere. 
Amaterdam bei Isaac Tirion. 1751. 



DER BECHER VON VEERR 



11 



mit seiner historischen Darstellung ist frei heraus* ' 
gehoben, die Inschrift wie ein schmückendes Band 
hingestellt. So darf das Ganze als vorbildlich im 
besten Sinne bezeichnet werden. Im Aufbau erinnert 
er an die Omamentstiche von Brosamer und Altdorfer, 
aber in den einzelnen Gliedern ist das italienische 
Element stärker als bei den Nürnberger Meistern. 

Eigentümlich und auch für die Niederlande 
charakteristisch ist die Darstellung auf dem Körper 
und Deckel, die durchweg in getriebener Arbeit 
ausgeführt ist. Über den Inhalt derselben giebt die 
gravirte Umschrift ausführliche Nachricht, XV. Sep- 
temb. MDXLVI MaximiL Comes a Buren invitis 
hostibus trajecto Rheno Caesareis castris suas con- 
jungit copias. „Am 15. September 1546 hat Maxi- 
milian Graf von Bueren trotz feindlichen Wider- 
standes den Rhein überschritten und seine Truppen 
dem kaiserlichen Lager zugeführt.*' 

Diese Vorgänge werden nun in historischer Treue 
veranschaulicht. Auf dem Deckel, welcher ebenso 
wie die Rückseite des Bechers a. a. 0. abgebildet 
ist, sieht man die Truppen auf Kähnen imd Flößen 
übersetzen. Auf dem Körper bietet die Rückseite 
(in der Radirung von Havard gegeben) nur die An- 
sicht des Flusses, des Lagers und einiger Schanzen, 
die Vorderseite stellt die Begrüssung des Herzogs 
Maximilian durch den Kaiser oder den kaiserlichen 
Heerführer dar, nach der vorliegenden Zeichnung er- 
innert der Reiter rechts an Karl V., hinter ihm ist 
die kaiserliche Standarte mit dem Doppeladler er- 
kennbar, der ihm entgegenkommende Reiter mit dem 
Feldhermstab muss der Graf Maximilian von Buren 
sein. Etwas verwunderlich bleibt es nun, dass der 
Graf von Burgund, welcher den Becher durch Testa- 
ment vom Grafen von Buren erhalten hatte, 1551, 
also nur fünf Jahre nach dem Ereignis von dem 
Becher ausdrücklich sagt: „Dargestellt auf dem 
Becher ist die Gefangennahme des Herzogs von 
Sachsen in Deutschland '^ Hiermit kann nichts 
anderes gemeint sein, als die Gefangennahme des 
Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich in der 
Schlacht von Mühlberg 1547, ein Ereignis, an dem 
wahrscheinlich der Graf von Buren nach Vereinigung 
mit dem Kaiser teilgenommen, und welches sich 
seinem Neffen und Erben, dem Grafen von Burgund 
80 stark eingeprägt hat, dass er trotz der Inschrift 
die er augenscheinlich nicht gelesen, ohne weiteres 



annahm, dass gerade dieses auf dem Familienbecher 
dargestellt sein musste. Dieses Beispiel ist sehr 
lehrreich dafür, wie unachtsam zu allen Zeiten die 
Besitzer ihre Kunstwerke ansehen, wie sie stets ge- 
neigt sind, gewisse Familienüberlieferungen mit den- 
selben in Zusammenhang zu bringen, noch gläubiger 
als die Kirchen, welche Stücke älteren Besitzes 
so gerne auf ihre Patrone und Stifter zurückführen. 

Merkwürdig ist der Becher femer durch die 
völlig realistische Darstellung des Vorganges. In 
jener Zeit war man durchaus geneigt, die Ereignisse 
durch symbolische Darstellung zu feiern. Auf der 
großen Schüssel von Lüneburg von 1556 ermahnt 
der alte Bürgermeister seine Nachkommen, sich der 
Tugenden der Väter zu erinnern — als solche er- 
scheinen die Heldenthaten der Römer Scävola, Codes 
u. s. w. Auf dem Lüneburger Becher 1552, welcher 
die Aufhebung des Augsburger Interims feiert, 
finden sich lediglich biblische Darstellungen. Ein 
Becher mit Figuren im Zeitkostüm, wie der hessische 
Willkommen mit der Darstellung des Primspieles 
1571, ist eine ganz seltene Ausnahme. 

Eng verwandt in der Behandlung der Figuren 
und gleichzeitig ist dem Becher von Veere die Kanne 
mit Schüssel im Louvre, welche die Eroberung von 
Tunis durch Karl V. darstellen; diese Stücke sind 
aber ebenfalls niederländische Arbeit, sie tragen den 
Stempel von Antwerpen. In ähnlicher Weise mit 
historischen Darstellungen im Zeitkostüm versehen 
ist femer die Schale aus dem Besitze der Hohen- 
lohe, ein Ehrengeschenk der holländischen Stadt 
Breda 1595, und femer die Schale der friesischen 
Stadt Emden 1603. 

Wir werden also wohl nicht fehlgehen, wenn 
wir in dieser realistischen Richtung der Silberarbeit 
einen eigenartigen Zug der niederländischen Kunst 
sehen, welche die omamentalen Formen vollständiger, 
als Deutschland es that, von Italien herübemahm, 
dagegen das Figürliche in naiver Unbefangenheit 
nach dem wirklichen Leben bildete und es doch 
fertig brachte, die Figurengruppen gleichmäßig und 
leicht über die Fläche zu verteilen, so dass die Ar- 
beit keineswegs in den plastischen Reliefstil über- 
geht und die Qesamtwirkung durchaus dekorativ 
bleibt. 

Nach allen diesen Richtungen ist der Becher 
von Veere ein sehr lehrreiches Beispiel 



o« 



Modaniea Olrailichtgittsr nMb Bkrockmotiven. (Am Ennth & Heyen SobloEgerbnoh.) 



BÜCHERSCHAU. 



Das SobloBBerbuoh. Die Kunst- und Bauschloaserei 

in ihrem gewöhnliclien Umfange mit besonderer 

Berücksichtigung der kunatgewerblicben Form, 

von Theodor Kraulh und Franx Saks Meyer. Mit 

350 Abbildungen im Text und 100 Tafeln, gr. 4- 

Leipzig, £. Ä. Seemann, br. 18 M., geb. in 2 Bde. 

M. 21^0. 

Es ist eine unbestrittene Tbataacbe, daae kaum 

ein Kunsthandwerk in den letzten zwanzig Jahren 

so bedeutende Fortschritte gemacht hat, wie das 

Schlossergewerk, das in hartem Kampfe mit dem 

widerstrebenden Materiale und vielleicht gerade 

durch diesen Kampf den Antrieb zur Vollbringnug 

der sohwierigsten Aufgaben erhalten hat. Ein Werk, 

dass die Bau- und Kunstscblosserei behandelt, wird 

daher vielen und großen Anforderungen entsprechen 

mtlssen, wenn es seinen Zweck in vollem Maße er- 

ftÜlen soll. 

Es hat denn auch in den letzten Jahren nicht 
an mannigfachen Versuchen gefehlt, den Stoff in 
einer iHr den Gewerbtreibenden verständlichen Weise 
zu bearbeiten; diese Versuche sind aber nicht immer 
glücklich au^efallen. TTm so mehr ist die Arbeit der 
beiden Karlsruher Schulmänner mit Freuden zu be- 
grüßen, die zu dem früher von ihnen herausgegebenen 
„Schreinerhuche", insbesondere zu dem ersten Teile 
desselben, der die Bauschreinerei behandelt, ein eben- 
bOrtiges Seitenstück bildet. Wie dort, so ist auch 



hier die praktische Seite des Handwerks nicht min- 
der berücksichtigt als die kOnstlerische, und in dieser 
Vereinigung der technischen mit der ästhetischen 
Belehrung liegt ein großer Vorzug des stattlichen 
Werkee, dass denn auch ganz nach dem zweckent- 
sprechenden Fn^amm des Schreinerbuches aufge- 
baut ist. Zuerst wird das Material besprochen, hierauf 
werden die Werkzeuge des Schlossers, die Bearbei- 
tung des Schmiedeeisens und die verschiedenen Tech- 
niken zur Verschönerung und Vollendung der Ar- 
beit, sowie die Verbindungen des Eisens bei techni- 
schen und künstlerischen Lösungen durchgenommen. 
Die beiden darauf folgenden Kapitel, Zierformen und 
Stilformen, sind mit großer Sachkenntnis und be- 
sonderer Liebe bearbeitet. Die originelle Art des 
Vortrags, der frisch und knapp hervorhebt, wie man 
durch Tcrhältnismäßig einfache Mittel beim Schmiede- 
eisen die starre Form beleben und zu künstlerischer 
Wirkung bringen kann, ist ein Muster populärer 
Unterweisung. Unterstützt werden die Ausführungen 
durch eine FüUe von äott gezeichneten Skizzen. 

Die folgenden Abschnitte befassen sich mit den 
Schlössern und den Beschüßen. Hier ist der Schwer- 
punkt mit Recht auf die technische Seite gelegt und 
wir vermissen gern den dekorativen Aufputz, der bei 
modernen Arbeiten dieser Art kaum mehr in Fr^e 
kommt-. Das .Schreinerbuch" ei^änzt im übrigen 
die scheinbare Lücke, indem es auf gegossene Arbeit 



bOcheeschaü. 



13 



Rttcksiclit nimmt, während es den Yerfassern hier 
darum zu thun war, das Schmiedeeisen in seinen 
cbarakteristUclien Qestaltungen zu zeigen. 

Das geschieht denn auch in der anecbaulichsten 
Weise in den sich anschlieOenden Abschnitten, in 
denen die Thore und Thtlren, die Fenster, Laden, 
Vordächer, Fensterrorsetzer, Blumenbänke, die ver- 
schiedenen Arten von Gittern, ferner Wandarme, 
Firstkrönungen, "Wetterfahnen, Tische, Ständer, kurz 
all und jedes Gerät und jede Vorrichtung zur Sprache 
kommt, ffir deren Herstellung die kunstreiche Hand 
des Schlossers erforderlich ist. Bei diesen Dingen 
ist die Kunstform die Hauptsache, das die Nutzform 
belebende Element, an dessen pulairendem Leben der 
Laie wie der Künstler das Auge weidet. Alles, was 
hier geboten wird, gehört zu dem Besten, was die 
naive SchafiTensfirende unserer Vorfahren und der 
Qberfeinerte Luxus unserer Tage hervorgebracht hat 
Nahezu die Hälfte des Buches ist diesem Teile zu- 
gewiesen, in welchem denn auch die Abbildungen 
Überwiegen und, in gewissem Sinne die früheren Ka- 
pitel Über Zier- und Stilformen ergänzend, einen 
"Überblick über die historische Entwickelung der 
Schmiedekunst bieten , wie er sonst nii^endwo in 
gleicher Keichhaltigkeit zu finden ist. 



Parallel mit den 350 Abbildtingen im Texte 
laufen 100 Tafeln mit Darstellungen, deren bei 
weitem grdßte Zahl mit dem MoDogramm tod Th. 
Krauth gezeichnet ist. Aber auch ohne dies Speichen 
würde man den Meister erkennen, mit dessen kor- 
rekter , sicherer imd klarer Darstellnngaweise wir 
uns schon aus dem iSchreinerbuche' vertraut ge- 
macht haben. Weder das konstruktive noch das 
ästhetische Moment ist vernachlässigt, die Auswahl 
der Beispiele vortrefflich, der Maßstab genügend 
groß, um ein anschauliches Bild zu geben. Der Ar- 
chitekt wie der entwerfende Gewerbsmann wird in 
dieser Vorbildersammlung eine Fundgrube der köst- 
lichsten Ideen erblicken. 

Inhalt und Form befriedigen in gleichem Maße. 
Frei von jeder Pedanterie erscheint das Werk nicht 
nur zur Belehrung, sondern vorzugsweise anch zur 
Anregung dienlich, und aus der Anregung erwächst 
der Sporn zur "Obung, zu der Freude am eigenen 
Schaffen, die den Lehrling zum Meister macht. So 
wird denn das „Schlosserbuch" in der Werkstatt, 
nicht minder wie in den Baubureaus vorzügliche 
Dienste leisten und bei der unbedeutendsten wie bei 
der glänzendsten Aufgabe ein willkommener Rat- 
geber sein. A. BBAUSEWETFEB. 



OittarlUluiig mit fiokokomotiv. (Anü EnnCh &lUajen S«UoflB«rbucli.) 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Allgemeine Landesausstellung Prag 1891. Über dieses 
unternehmen giebt ein Mitglied des „Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe zu Berlin" folgenden launigen Bericht, der 
sachlich auch mit anderen uns gewordenen Mitteilungen 
von unbefangener Seite übereinstimmt. f^Heute noch über 
Ausstellungen zu berichten , ist eine der schwierigsten 
Aufgaben, welche einem Berichterstatter gegeben werden 
können; am schwierigsten von solchen Orten, wo man, um 
deutlich zu sein, „nicht deutsch sprechen will**, wo aber 
deutsch verstanden und gesprochen wird. — Ende Mai, vier- 
zehn Tage nach Eröffnung dieser Ausstellung, kam ich 
nach Prag und besuchte sie. Bei dem Eingange gelang es 
mir, durch Vermittelung eines deutsch sprechenden Knaben 
einen deutschen Katalog mit 760 Druckseiten im Gewichte 
von 0,750 kg, also IVa Pfund Schwere zu erhalten; er ent- 
hält auf 347 Seiten das Verzeichnis der etwa 4Ö00? Aus- 
steller, 192 Seiten sind Annoncen, die übrigen 221 verschie- 
dene Mitteilungen. Es hätte vom Ganzen die Hälfte genügt, 
um sich zurechtzufinden, wenn, was die Hauptsache ist, an 
den ausgestellten Objekten sich mit denen im Katalog über- 
einstimmende Nummern befunden hätten. Nicht nur dass 
diese nicht vorhanden gewesen, sondern es waren auch keine 
die Gruppen begrenzenden Schilder vorzufinden; diese Ab- 
teilung der Gruppen selbst auch nicht derart, um sich an 
der Hand dieses Druckwerkes zurechtzufinden. Eine münd- 
liche Auskunft war nicht zu erhalten, denn sowohl das amt- 
liche Aufsichtspersonal als auch die sogenannten Vertreter 
der Aussteller, beiderlei Geschlechts, haben auf Fragen in 
deutscher Sprache keinerlei Antwort gegeben, mit Ausnahme 
einer Abteilung, wo recht gute Leistungen einer unter der 
Aufsicht von Ehrendamen wirkenden Wohlthätigkeitanstalt 
zu finden waren und wo mir eine hochgebildete Dame in liebens- 
würdigster Weise deutsch! Auskunft gab. Ich kann daher 
jedermann raten, der die Absicht hat, diese Ausstellung noch 
zu besuchen, entweder vorher in einem „böhmischen Dorfe" 
böhmisch zu lernen, oder lieber zu Hause zu bleiben. Die 
Ausstellung als solche, entspricht selbstverständlich nicht dem, 
was ihr Name besagt. Es ist keine Landes-, sondern eine unter 
dem Drucke der Verhältnisse aufgebaute Ausstellung. Man 
sieht nicht annähernd die sämtlichen Erzeugnisse des Lan- 
des, sondern nur der Aussteller, welche entweder sogen. 
Ausstellungsabonnenten, d. h. solche, die auf jeder Ausstellung 
unter irgend welchem Titel zu finden sind, und solche, 
welche einfach ausstellen mussten. — Wir haben also das 
gleiche Bild wie auf allen Ausstellungen, die gewaltsam 
gegründet werden, um eben eine Ausstellung zu machen. — 



Nach diesen Ausfuhrungen noch auf einzelnes einzugehen, 
ist kaum von Interesse. Das, was als gut daselbst zu sehen 
ist, ist uns von früheren österreichischen Ausstellungen be- 
kannt; insbesondere die Halbedelstein-, Glas-, Holz-, Eisen- 
industrie etc. Dagegen waren die bedeutende Textil- und 
einige andere Industriezweige Deutschböhmens so zu sagen 
gar nicht vertreten. Das Arrangement der Ausstellungs- 
objekte und insbesondere der Aufbau einzelner Pavillons 
ist recht stilgerecht und geschmackvoll und beweist, dass die 
Böhmen auf das Ausstellen mehr Kosten aufzuwenden ver- 
stehen, als die Norddeutschen. — Sehr wohlthuend berührte 
auf dieser Ausstellung der Mangel der auch letztes Jahr in 
Bremen noch im großen Umfange zugelassenen Karussels, 
Luflbahnen, Theater und sonstigen Tingeltangels. — Ich bin 
sicher, dass, wenn diese Ausstellung als wahrhafte Landes- 
ausstellung in liberaler Weise durchgeführt worden wäre, 
sie alle Teile befriedigt hätte; die Grundlage ist eine syste- 
matische, von kundigen Händen angelegte und geleitete." 

Rd. Pforxheim, Der Bericht über die Thätigkeit des 
Kwisigewerbererems fiir das Jahr 1890/91 zeigt den Verein 
in größerer Zurückhaltung als in früheren Jahren: es gilt, 
wie in dem Bericht ausfuhrlich dargelegt wird, alle Kräfte 
aufzusparen zu einer im nächsten Jahr durch den Verein zu 
veranstaltenden Fachausstellung für Bijmäeriefabrikaiion 
aus Anlass der Eröffnung des Kunstgewerbemuseums für 
Metalliechnik und des 15jährigen Bestehens des Vereins. 
Nach 15j ährigem Streben und Ringen, wird der Verein im 
kommenden Jahr soweit sein, dieses sein Hauptziel zu er- 
reichen. Seit seiner Gründung hat er an Beschafiung 
und Vermehrung einer Sammlung mustergültiger Vorbilder 
gearbeitet; kein Opfer gescheut, das Beste und Brauchbarste 
zu erwerben: jetzt erst werden in dem Gebäude der Kunst- 
gewerbeschule durch Verlegung der gewerblichen Schule 
in ein anderes Gebäude, Räume frei, diese Sammlungen 
au stellen und nutzbar zu machen. Bei Veranstaltung 
der Ausstellung, deren Programm der Bericht in großen 
Zügen mitteilt und die vier Abteilungen : die Kunstgewerbe- 
schule; die fertigen und rohen Goldschmiedearbeiten; die 
neuen maschinellen Einrichtungen zur Verbesserung der 
Technik; Schmuckgegenstände aller Zeiten bis zur Gegen- 
wart, umfassen soll, rechnet der Verein auf die Unterstützung 
des Staates, der Gemeinde, überhaupt aller beteiligten Kreise. 
Wünschen wir dem Unternehmen guten Erfolg. — Bei der 
beschränkten Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre 
konnte er bei einem Etat von 10787 M. 15 Pf. mit einenj 
Saldovortrag von 4569 M. 5 Pf. die Kasse abschließen. 




Neue folge. III. Ho. : 



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Preis 28 H., geb. in Kaliko 30 M., in 

Halbfranz 32 M. 



'/ -j^yj: 









Feuerback Kue Bronze. Aiifgenommeit und gezeichnet T< 



RAUCHFÄSSER IN BADEN. 

VON MARC EOSENBERQ. 
MIT ABBILDUNGEN. 




£NN Baden auch nicht so 
gltlcklicli ist, ein Gesetz zu 
haben, welches den Verkauf 
von Kunstwerken verbietet, 
so besitzt es doch in seinem 
Konservator, Geh. Hof rat 
Dr. Wagner einen Mann, der 
wachsamen Auges die Denk- 
mäler des Landes schützt, und wo eine Alienirung droht 
mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen ein- 
springt Ihm verdankt die Großherzogliche Altertums- 
sammlung den Besitz eines romanischen QauchfasBCS, 
welches die Kirche zu Immenstaad am Bodensee zu 
veräußern im Begriffe stand. Es ist eines jener StUcke 
wie sie im Mittelalter mehrfach vorkommen, das 
aber durch eine Untersuchung, welche mit gütiger 
Genehmigung des Herrn Konservators an demselben 
vorgenommen ist, unserem Interesse naher gerlicktist. 
Als romanische Arbeit steht es in der Mitte zwischen 
zwei anderen Rauchfässern, einem altchristlichen und 
einem der Kenaissanceperiode, welche wir kurz hier mit 
hereinziehen, weil es uns bemerkenswert erscheint, 
da88 das kleine hadische Land für die Hauptpunkte 
in der Entwicklung dieses Gerätes so merkwUrdige 
und in ihrer Art einzig dastehende Beispiele besitzt. 
KanatgewerbeblaU. N. F. III. 



Die Sitte des Bäucherna bei gewissen heiligen 
Handlui^^en hat die christliche Kirche aus der Sy- 
ni^oge Qbemommen; denn wenn sich auch schon das 
heidnische Altertum des Räucherwerks zn Knltus- 
zwecken bediente, so scheint das Christentum einen 
so ausgedehnten Gebrauch von demselben zu machen, 
dass wir eben an einen anderen Znsammenhang, 
einen orientalisch-jüdischen denken müssen. Einer 
der griechischen Kirchenväter spricht einmal zu den 
Heiden, „wir brauchen mehr Weihrauch, um einen 
Toten zu b^raben, als ihr um eure Götter zu ehren," 
Für den Tempel zu Jerusalem dagegen ließ schon 
Salomou 10000 goldene Rauchfasser machen! Ptole- 
mäua Philadelphus lasst bei einem Feste 300 Bauch- 
fässer schvringen, und auf einem byzantinischen Elfen- 
beinreüef, jetzt im Museum zu Trier, finden wir bei 
der feierlichen Einbringung von Reliquien eine ganze 
Schar Rauchfässer schwingender Personen an den 
Fenstern des Palastes. In späterer christlicher Zeit 
macht man bekanntlich keinen so ausgiebigen Ge- 
brauch vom Rauchfasse mehr und die ursprüngliche 
Sitte gerät so sehr in Vergessenheit, dass man bei 
Wiederauinahme der Forschungen über die Ge- 
schichte der Liturgie im vorigen Jahrhundert an- 
nehmen konnte, die Kirche räuchere, um die 



18 



RAUCHFÄSSER IN BADEN. 



schlechten Gerfiche einee Ortes za vertreiben. 
Das mag der Ursprung des RauchemB Qherhanpt 
gewesen sein, die Kirche aber Qbemahm die 
Sitte mit volIstSodiger sakraler Bedeutung und 
durch das ganze Mittelalter geht die Yorstellong, 
dass wo ein Heiliger sich zeigt, ein Wunder sich 
vollzieht, die Luft mit Wohlgerüchen eriBllt ist. Die 
Redensart .im Gerüche der Heiligkeit stehen" ba- 
sirt auf einem ganz konkreten Begriffe. In den Re- 
lationen aber Heiligentranslationen findet man oft 
die Erzählung, dass in dem Momente, wo man das 
langvergessene Grab eines Märtyrers eröffiiete, der 
entströmende Wohlgeruch und die Konservirung des 
Körpers andeuteten, ditss man sich hier an geweihter 



Mannheim, hat Professor Lessing ein solches entdeckt. 
(Fig. 1.) Man findet es abgebildet und beschrieben in 
den JahrbQchem der königh preußischen Kunstsamm- 
lungen H. 89 ff. Lessing nimmt an, dass es aus dem vier- 
ten bis sechsten Jahrhundert stamme, Kraus will es 
durchaus im vierten Jahrhundert festhalten, und ich 
möchte vorschl^en, die zwei Jahrhunderte Spiel- 
raum, welche das konstanttnische Monogramm ChriBti 
gestattet, hinzuzunehmen und das Rauchfass in das 
sechste Jahrhundert zu versetzen. Wir sehen in 
diesem StQck den Typus aller späteren christlichen 
Rauchfösser; die deuthch durchgeführte Trennung 
der Kohlenpfanne von dem rauchdorchlassenden 
Deckel ; femer die dop]>eÜe Vorrichtung zum Hinstellen 



Flg. 



FrUlicluiBtllcheB Bauchfass. 



Flg.! 



uii^diea EiuchfiLU. - 



Statte befindet, und wo erst der heilige Geist selbst 
sich naht, wie in den Legenden bei der Verkündigung 
Mariens, da füllt sieh ihr Kämmerlein von Wohlge- 
rüchen, erschreckt und befangen bhckt sie auf, um 
die Botschaft zu vernehmen. Auf manchen Bildern 
sieht man auch den Engel mit einem Rauchfass 
in den Händen sich ihr nahen. 

Der Gebrauch des Räucherwerks in der alt- 
christlichen Kirche ist uns aus den Schriften der 
Väter, ans liturgischen und monumentalen Quellen, 
sowie aus den Berichten über die Schenkungen der 
Päpste im Liber pontificalis verbürgt, aber man wird . 
vergeblich die alten syrischen Kirchen absuchen, 
vergeblich die italienischen Sammlungen und Kirchen- 
schätze durchmustern, um ein altchristliches Rauch- 
fass im Originale zu finden, welches die Grundformen 
der späteren Entwickelung schon andeutet. Erst in 
einer kleinen Sammlung, dem Hofantiqu: 



auf die Fü&e sowohl als auch zum Schwingen an den 
Ketten. Wenn die romanische Periode diese Grund- 
form übernommen hat, so hat sie es doch verstanden, 
dieselbe in sehr eigenartiger Weise weiterzubilden; 
sie bringt Neues im Bezug auf die Technik der Ge- 
faßbildung, selbst, als auch in Bezug auf die Kom- 
position; sie verwandelt die drei einzelnen Füße, 
welche beim Schwingen des Gefäßes leicht irgendwo 
anhangen ki5anen, in einen festen Stehrand und 
bringt dann, was technisch ebenso wichtig ist, den 
Deckel in eine bequeme Verbindung mit dem Unter- 
teil, indem sie ihn auch auf einem System von 
Ketten ^ei laufen läßt. Hat sie mit diesen beiden 
Neuerungen zur Genfige erwiesen, dass sie den An- 
sprüchen, den der Gebrauch an dieses Gefäß stellt, zu 
genügen wusste, so erlaubte sie sich in der Dekoration 
eine Veränderung, welche sich von der eigentlichen 
Gefäßbildung trennt, aber doch einem liebens- 



RAUCHFÄSSER IN BADEN. 



19 



würdigen Gedanken Ausdruck verleiht. Die Gesamt» 
bildung nimmt einen arcliitektonisclien Charakter an. 
Wenn bei den ReUqaiarien das Haus mit Satteldach, 
oder das Langschiff der Kirche das Modell abgiebt, so 
ist es hier der Centralbau, dem der künstlerische 
Gedanke entlehnt ist Seit der römischen Zeit 
war der Centralbau das liebenswürdige Schoßkind 
der Architekten und Bauherren und trotzdem, dass 
der christliche Ritus im Langschiff seine vorteil- 
hafteste Entfaltung findet, hat doch das opu- 
lentere byzantinische Christentum seine vornehmsten 
Baugedanken im Centralbau ausgesprochen und 
das Abendland hat stets mit unverhohlener Bewun- 
derung auf das Pantheon geblickt, das von außen, 
mit seiner schweren Calotte trübblickend, mit seinem 
lichten ebenmäßigen Innern auch auf uns Verwöhn- 
teren von zauberhafter Wirkung ist. Wagte das 
Abendland auch nicht außer in einigen Taufkirchen 
diesem Baugedanken von dem es besessen war, vollen 
Ausdruck zu verleihen, so sehen wir doch im Ok- 
togon Karls des Großen zu Aachen, in der Michaels- 
kirche zu Fulda, im Zehneck von St. Gereon zu 
Köln, in der Centralanlage der Liebfrauenkirche zu 
Trier und in der achteckigen Karlskirche zu Prag 
diese Idee immer und immer wieder hervorbrechen. 
Wie in der Renaissancezeit die Künstler Cibo- 
rienals Rundtempel bUden, wie einRaffael im Hinter- 
grunde seines Sposalizio eine solche Anlage malt, 
wie ein Bramante sein Tempiotto in Montorio mehr 
in den Maßen eines Modells, denn eines Nutzbaues 
hinstellt, so haben auch die mittelalterlichen Künstler 
eine wahre Freude daran gehabt, die Idee des Cen- 
tralbaues in diesem kleinen Geräte, dem Rauchfass, 
zu verkörpern. Überblicken wir die ganze R«ihe 
romanischer Rauchfasser: es ist mit wenigen Aus- 
nahmen ein architektonischer Gedanke, der hier 
zum Ausdrucke gelangt. Für diese aus rein künst- 
lerischem Gesichtspunkte entstandene Form hat sich 
auch bald eine symbolische Deutung gefunden. Wir 
besitzen in der Schrift des Theophilus (12. Jahrh.) 
einen oft citirten Abschnitt über die Anfertigung 
eines Rauchfasses. Auch hier wird die architekto- 
nische Bildung empfohlen, nicht aber als Problem 
eines Centralbaues, sondern als Darstellung des himm- 
lischen Jerusalem, welches der Prophet geschaut 
hat. (Theophilus, ed. Hg S. 251). £s ist interessant 
zu sehen, dass dieses himmlische Jerusalem auf 
einem silbernen Rauchfass die Formen der Steinarchi- 
tektur annimmt, auf einem bronzenen aber die Ge- 
stalt des Holzbaues mit Strohdächern gewinnt. Dieser 
letzteren Art gehört das Rauohfa99 von Immenstadt 



an (Fig. 2). Es unterscheidet sich von vielen andern 
gleichzeitigen dadurch, dass der untere Teil, technisch 
widersinnig, durchbrochen gearbeitet ist. Wenn wir 
ferner die Vorschriften desTheophilus über die Bildung 
des Rauchfasses durchlesen, so begegnen wir seinem 
Rat, die Ketten durch Türmchen, Menschen- oder 
Löwenköpfe zu ziehen. An unserem Rauchfass sehen 
wir wohl die Türme, aber außer denselben noch 
andere, in die ganze Komposition nicht hineinpassende 
vortretende Teile, durch welche die Ketten laufen. 
Aus stilistischen Gründen, deren Erörterung hier zu 
weit ftihren würde, lässt sich schließen, dass diese 
Form die jüngere sein muss, die, welche Theophilus 
beschreibt, die altere. Wenn wir nun eine Datirung 
des Stückes versuchen, so weist uns die romanische 
Palmette wohl auf das Ende des 12. Jahrhunderts, 
aber der eben geschilderte umstand, sowie der vorhin 
erwähnte, dass der untere Teil durchbrochen ist, 
also eines zweiten Einsatzes ftir die Kohlen bedarf 
sowie endlich das Maß von 21 cm, welches etwas 
über die Abmessungen des romanischen Rauchfasses 
hinausgeht und sich dem gotischen nähert, beweisen, 
dass wir das Stück später, bis tief ins 13. Jahrhundert 
hinein zu versetzen haben. Theophilus verlangt als 
Material zu einem Rauchfass zunächst reines Kupfer. 
Er beschreibt die Gewinnung desselben aus den Erzen 
Cap. LXV (Hendrie Cap. LXVI) und die Reinigung 
Cap. LXVI (Hendrie Cap. LXVII). Das Verfahren 
aber, welches er ftbr diese letztere anwendet, ist 
nicht genügend, um wirklich reines Kupfer zu er- 
zielen. Indessen bereitet er aus dem auf diese 
Weise gewonnenen Metalle das Messing, indem er 
Galmei zusetzt Er drückt sich über das Quantum 
des Zusatzes in einer Weise aus, welche eine Be- 
rechnung des Prozentsatzes sehr schwierig macht 

Vom technischen Standpunkte aus können 
wir demnach annehmen, das Rauchfass sei eher in 
einer kleinen Werkstätte entstanden, als in einem 
großen Fabrikationscentrum. Dieses würde auch 
die späte Datirung des romanischen Stückes recht 
fertigen. 

Wir lassen den Uebergang vom romanischen 
zum gotischen Rauchfass unerörtert; bemerken 
aber, dass die architektonische Gestaltung, obgleich 
sie im Prinzip der Gotik liegt, nicht mehr so glücklich 
ist, wie sie in der romanischen Zeit war. Aus dem soliden 
künstlerisch durchgebildeten romanischen Rauchfass 
wird entweder eine gewöhnliche Gürtlerarbeit in 
Bronze oder eine spitzfindige, zerbrechliche Fialen- 
arbeit in Silber. Alle späteren Zeiten vermochten 
noch viel weniger die Aufgabe, ein Rauchfass zu 



20 



RAUCHFÄSSER IN BADEN. 



bilden, löseD, und ich kenne unter allen Denkmälern, 
welche ich im Original oder auf Abbildungen ge- 
sehen habe, nur ein BenaissanoersuchfasB, das allen 
künstlerischeD Anforderungen gerecht wird, und 
auch dieses befindet sich auf badischem Boden, 
nämlich in Tiefenbronn (Fig. 3). Die Reize dieses 
wunderbaren Stfickes sprechen so deutlich aus der 
Abbildung zu uns, dass kein weiteres Eingehen 
nötig ist. Die Wappen festzustellen, habe 



Schrift eintritt,') sagt interpretirend: „Der Ueihge 
Areut sich der Legirung, die er entdeckt bat, Silber, 
Gold und ein wenig Eisen." Aus der Inschrift et- 
giebt sich das nicht, wir mQssen also annehmen, 
Professor Neumann habe eine quantitative Unter- 
suchung Toroehmen lassen, und diese habe das Re- 
sultat ergeben, welches er uns mitteilt 

Bevor die Untersuchungen von Professor Noi- 
mann über Bischof ßemward erschienen waren, hatl« 



mich noch nicht bemfiht. Die Inschrift sicut ich mich an das preußische Unterrichtsministeriiu 



entspricht dem Ge- 
bete des Priesters 
beim Schwingen des 
Rauchfasses. 

So sehen wir 
denn in badischem 
Besitz eines der 
frühesten Ranchfaa- 
ser und unter den 
späteren einee der 
schönsten, die roma- 
nische Periode aber 
in einem Beispiele 
vertreten, welches 
uns Anlass gegeben 
hat, einen mittel- 
alterlichen Schrift- 
steller in seinen tech- 
nischen und kiinst- 
leriscben Vorschrif- 
ten zu kontrolliren. 

Ich möchte den 
Gegenstand nicht 
verlassen, ohne auf 
eine andere Frage 
hinzuweisen, welche 
für die Geschichte 
des Bronzegusses sehr wichtig ist und welche 
mich schon lange interessirt hat, weil ich sahi 
dass man über die Schwierigkeit, die sie darbot, 
immer spielend hinwegging. Wer kennt nicht 
jene interessante Leuchterinschrift in Hildesheim: 
Bemwardus .... candelabrum .... non auro 
non argento et tarnen ut cemis conflare iubebat 
Professor Neumann, der einzige, der meines Wissens 
in eine soi^laltige Untersuchung der ganzen In- 



gewandt und gebe- 
ten eine chemische 
Untersuchung d« 
Bemwardslenchters 
vornehmen zulassen. 
Mit der Bereitwillig- 
keit, mit welcher 
man dort an alle 
wissenschaftlichen 
Fr^^n herantritt 
wurde mein Gesuch 
genehmigt and Prof- 
Dr. Weber mit der 
Untersuchung be- 
auftn^ Sie ergab 
97,23 % Silber und 
eine unwesentUohe 
Beimischung tod 
Kupfer. Dass es ein 
weißliches Metall 
war, hatten alle be- 
merkt, aber dass es 
sich sozns^en um 
reines Silber han- 
delt, ergiebt sich 
erat jetzt Was be- 
deutet nun die In- 
schrift gegenüber dieser Thataache? Ich glaube vor 
allem, dass Bischof Bernward an den ihm zuge- 
schriebenen Arbeiten nicht den materiellen Anteil 
hat welchen man geneigt ist ihm zuzuschreiben, 
sonst würde er sich wohl nicht in seiner eigenen 
Werkstätte von einem Knaben so sehr haben ine 
führen lassen. 



BaoiiUsiiiiM-KaucbbsB. — Tiefenbrunn. 



1] Uitteilungen dea k. k. Österr, Muaeuma, 1890, S. U9- 



Aas dun «bemal, Palais Tburn & TaiEs. TianfcfniC a. H. 



NEUE VORLAGENWERKE FÜR INNENDEKORATION. 



MIT ABBILDUNGEN. 



ELTEN sind uns aus der 
Periode des Barock und 
Rokoko in Deutschland Pa- 
läste von kleinerem Umfang 
erhalten. Die ganze Bich- 
tung jener Zeit drängte zu 
mächtigen baulichem Anla- 
gen mit Üppiger Innendeko- 
tion. Dieae gewaltigen Leistungen dekorativer Kunst 
sind dann die Quelle der Anregung für unsere in jenen 
StUformen schaffenden Künstler geworden und oft 
wohl daran schuld, dasa die Fülle des Schmuckes nicht 
recht in Einklang steht mit der Größe der modernen 
Räume. Es ist daher dankenswert, dass uns in einer 
neuen Publikation Luthmera ') einmal ein Palais von 
kleinen Dimensionen mit Oberaus zierlichem und 
reizYollem Inuendekor geboten wird. Es ist das 
frühere Palais Thum und Taxis in Frankfurt a. M. 
dessen Erbauung in die dreißiger Jahre des vorigen 
Jahrhunderts föllt Die prächtige aber zierliche und 
decente Ausstattung der mäßig großen Räume dieses 
Gebäudes ist in den Formen gehalten, die dem Rokoko 
unmittelbar vorausgehen. Unzweifelhaft französischer 
Erfindung — der Erbauer war ein französirter Italiener 
— und wohl auch Ausfahrung sind die vorzüglichen 
Schnitzereien, die Wände und Plafonds überziehen. 
Dieselben sind nach jeder Richtung hin als muster- 
gültige Vorbilder für unsere Zeit anzusehen und die 
Fülle der Details, welche die Tafeb bieten, dürft« 
für Stuccateure, Bildhauer, aber auch Maler, Mo- 
delleure u, a., eine reiche Fülle von Anregung und 

1) F. Luthmer, Plastische InnenclekoratioDen aaa dem 
Palais Thom uod Taiis lu Frankfurt a. M, 20 Tafeln Fol 
in Lichtdruck. — Frankfurt a. M., U. Keller. 25 Mark. 



Motiven bieten. Es enthält auf 20 Tafeln Decken- 
und Wanddekorationen, ganz und im Detail, Rahmen- 
wark, Thüren, Vouten, Bekrönungen aller Art, Ver- 
täfelungen, Follnngen und zahlreiche omamentale 
Einzelheiten aller Art, von deren Zierlichkeit die 
Abbildungen eine Yorstellung geben. 

Bringt uns das eben genannte Werk plastische 
Dekorationen einer beschränkten Zeitepoche, so giebt 
die zweite Folge des großen Werkes von Emat 
Ewald ') wie der erste abgeschlossene Band das Beste, 
was zu allen Zeiten auf dem Gebiete dekorativer 
Malerei geleistet ist. Die Fülle des hier Gebotenen, 
ist geradezu erstaunlich, mit richtigem Verständnis 
sind die einzelnen Blätter ausgewählt und ausge- 
zeichnet wiedei^egeben. Auch hier ist den Re- 
naissancedekorationen wieder ein großer Raum zu- 
geteilt: Rom, Mautua, Parma, Paris haben beige- 
steuert; eine prächtige Doppeltafel giebt die Decken- 
malerei des Fuggerschen Badezimmers. Barock- und 
Rokokodekorationen aus Potsdam , München und 
maurische Dekorationen aus Tunis werden geboten. 

Diesem ersten großen Unternehmen, dessen Nütz- 
lichkeit durch die außerordentliche Verbreitung und 
Erscheinen eines zweiten Bandes erwiesen ist, bat 
dieselbe Verlagsbuchhandlung ein zweites folgen 
lassen, welches Moderne DekorationsmalereUn in mäch- 
tigen farbigen Tafeln wiedergiebt ^). Man darf be- 

1) Farbige Dekorationen TOm 15. bis 19. Jahrhundert. 
Herausgegeben von E. Ewald. Berlin, Wasmuth. 2. Band. 
Jede Lieferung 20 Mark. 

2) Neue Malereien. Sammlung praktischer Vorbilder 
fQr die Werkstatt und Schule ansgef&brt von herrornigenden 
Me)Bt«m unserer Tage. Herausgegeben von Ernst Wasmutb. 
— Imp. Fol. Berlin, E. Wosmuth. 10 Lieferungen je 
8 Tafeln. Pro Lieferung 10 Mark. 



22 



NEUE VORLAGEN WERKE FÜR INNENDEKORATION. 



baupten, daas eine derartige Publikation nocb nicbt 
unternommen iat Zunäcbst ist die technische Voll- 
endung der Tafeln Ober alles Lob erhaben. Sowohl 
die Wiedergabe der Farben als der Technik sind 
geradezu erstaunlich; man sieht bei den flott hinge- 
worfenen Malereien fast jeden einzelnen Pinselstricb, 
so dass man glaubt Originalentwürfe und nicht Re- 
produktionen vor sich zu haben. Dabei sind die 
Tafeln so groß (50 : 70 cm und oft Doppeltafeln), dass 
sie auch in Schulen als ganz vortreffliche Muster- 
blätter gebraucht werden können. Oerade unsere 



MUnchener, die wirkungsvollen dekoraÜTen, farben- 
reichen Renaissancemotive und eine größere Anzah l 
Qberaus fein gestimmter prächtiger Barockdekora- 
tionen nach Entwürfen von Kayser & v. Großheim 
von Karl Lange au^efUhri Privat- und Gescbäfls- 
bäuser, Fassaden und Restaurationen haben Beitr^e 
fUr die beiden ersten Hefte geliefert, kurz wer vieles 
bringt, bringt jedem etwas und so wird das schöne 
Werk gewiss die weiteste Verbreitung finden. 

Allmählich schreitet nun auch das Werk dessel- 
ben Berliner Verlages vor, welches der Tüpexierkunst ') 



Dekorationsmaler klassen leiden ja unter dem Mangel 
an genügend großen Vorlagen und nicht jede An- 
stalt kann Expeditionen ausrüsten zur Herstellung 
von Originalaufnahmen, wie Berlin. Hier nun wird für 
wenig Geld ein auch flir diese Zwecke brauchbares 
Material geboten. Die Auswahl beschränkt sich bis 
jetzt — es sind zwei Lieferungen erschienen — fest 
ausschließlich auf Berlin; gern würden wir mehr süd- 
deutsche Arbeiten sehen, mit denen durch zwei Blätter 
der Anfang gemacht ist. All das, was heute die 
Dekorationsmalerei leistet» ist aber jetzt schon be- 
rücksichtigt: die flotten Malereien in der Art der 



gewidmet ist. Bei dem großartigen Aufschwung, 
den gerade dieser Zweig der gewerblichen Künste 
gewonnen hat, machte sich der Mangel farbiger Vor- 
bilder besonders geltend. Die prächtigen französi- 
schen Vorbilder der sechziger und siebziger Jahre 
sind fast alle farblos, in Lichtdruck gegeben; sie 
stehen heute ohne Nachtrage in den Bibliotheken. 
Die ersten farbigen Werke sind nach unseren heu- 
tigen Begriffen so wenig gerade in den Farben ge- 
s sie kaum noch zu brauchen sind. Neben 

1) Die TapezierkuDst. S Liefernogen ed je 8 Tafeln 
M. Berlin, E. WasmuÜi, 



DIE VERSTEIGERUNG DER SAMMLUNG VINCENT. 



23 



einigen anderen neuerdings erschienenen Vorlagen- 
werken für Tapezierer, zeichnet sich auch das vor- 
li^ende durch gute Farbendrucke aus. Es bietet 
ganze Innenansichten, Wand-, Thür- und Penster- 
dekorationen in allen Stil arten, meist in reicher Aus- 
stattung. Die Mehrzahl dieser Entwürfe rührt von 
einem Herrn Remon her, der daf&r unleugbares 
Geschick hat, er entwirft diese Sachen im Stil einer 
bestinmiten Zeit, was gewiss sehr löblich ist, da 
heute auf Stilreinheit und Stileinheit, die früher nie 
existirt haben, besonderer Wert gelegt wird. Sogar 
eine gotische Fensterdekoration ist da. Ja, die guten 



Leute des Mittelalters würden Augen machen, wenn 
sie das sähen. Die hingen sich eine dicke Decke 
vor ihre unverglasten Fenster oder machten die Läden 
hübsch zu, um Wind und Wetter abzuhalten; aber 
Fensterdekorationen kannten sie nicht. Auch die ofb 
aufs Jahr bestimmten Bezeichnungen der Dekora- 
tionen in den späteren Eunstformen sollten durch 
„in der Art* oder »im Stil* ersetzt werden. Jeden- 
falls hat der Künstler eine große Fähigkeit und 
Gewandtheit, sich für seine Zwecke aus den ver- 
schiedenen Perioden Motive heraus zu holen und wird 
sicher damit vielen Decorateuren einen Dienst erweisen. 

A. P. 



DIE VERSTEIGERUNG DER SAMMLUNG VINCENT. 



P. — Die Vermutungen, die wir am Schlüsse 
unseres früheren Artikels über den Ausgang der 
Versteigerung Vincent geäußert haben, sind durch 
den Erfolg in vollem umfang bestätigt worden. Von 
allen Seiten waren Kauflustige herbeigekommen und 
wer nicht selber konmien konnte, der hatte wenig- 
stens Aufträge erteilt. Gerüchte über fabelhafte 
Aufträge liefen während der Besichtigimgstage um- 
her oder wurden verbreitet und fanden willig Glauben. 

Es war bekannt, dass die Schweizer Eidgenossen- 
schaft für das neu zu begründende Landesmuseum 
in Zürich größere Ankäufe machen werde: eine sehr 
bedeutende Summe stand den Delegirten zur Ver- 
fügung; aber auch die Museen der kleineren und 
kleinsten Schweizer Städte — und welche hätte kein 
Museum! — wollten das Ihrige wieder haben und so 
war ein Wettstreit und Preistreiberei unausbleiblich. 
Doch waren die Schweizer gut organisirt: kein 
Schweizer Museum bot, wenn ein anderes am Bieten 
war. Auch darf sich die Schweiz bei den übrigen 
Teilnehmern bedanken; denn es wurde dem Landes- 
museum manches Stück überlassen, eben weil es für das 
Landesmuseum war. So sind denn die für die Schweiz 
Interessanten und wertvollen Scheiben nicht über 
den Bodensee — wie ich am Ende des ersten Arti- 
kels in mangelhafter geographischer Kenntnis schrieb 
— wohl aber in die Schweiz zurückgekehrt was ganz 
erfreulich ist Weniger Rücksicht nahm ein Schweizer 
Patriot, der sein Landesmuseum in rücksichtsloser 
Weise trieb selbst auf die Gefahr hin, Narrenpreise 
zu zahlen imd ausgelacht zu werden. 



Freilich musste es schon toll konamen, wenn 
man in Konstanz von Narrenpreisen redete: denn 
alle guten Stücke wurden überhaupt schon über Ge- 
bühr bezahlt — auch bei den Porzellanen und an- 
deren Gegenständen der Kleinkunst — durchweg 
aber bei den Scheiben. Der Marktpreis derselben 
wie er im Kunsthandel namentlich der Schweiz sich 
im Laufe der letzten Jahre festgestellt hatte, wurde 
fast immer um die Hälfte oder das Doppelte über- 
schritten: die schonen Standesscheiben mit Lands- 
knechten oder Wappen, die bisher 3000 Frs. im 
Durchschnitt kosteten, gingen zu 4500 bis 5000 Mk. 
weg. Zeichneten sie sich nun durch etwas bessere 
Qualität aus, dann stiegen sie fast aufs Doppelte. 
Die Scheibenfolge aus Kloster Dänikon, die leider 
vereinzelt wurde, zeigten sich bei näherer Betrach- 
tung nicht als das Höchste der Schweizer Kunst, 
gingen aber zu hohen Preisen meist nach Zürich. 
Alles was Wappen hieß, wurde gut bezahlt: Kantone, 
Städte und Familien wetteiferten, die Zeugen ihrer 
alten Herrlichkeit zurückzuerobern. Niedriger im 
Preise hielten sich die kirchlichen Scheiben zum Teil 
niederdeutscher Herkunft, die wohl größtenteils in 
Museen gelangten: kleine Grisaillen^ die in Köln 
noch öfter^ vorkommen, wurden jedoch hoch be- 
zahlt Man hatte bei der Auktion das Gefühl: hier 
ist j zum letztenmal Gelegenheit geboten, gute 
Schweizer Malereien zu erwerben und da sucht jeder, 
der dazu in der Lage ist, zu bekommen, was er 
kriegt. Ob sich diese horrenden Preise im Handel 
halten werden, möchten wir bezweifeln. Die guten 



24 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Stücke werden selbstverstänzlich immer teuer sein 
und sogar im Werte steigen; die Mittelware wird 
und muss auch hier fallen. 

Es zeigte sich dies deutlich bei den Majoliken. 
Die Kollektion enthielt bis auf wenige Stöcke nur die 
gewöhnliche ürbino wäre mit figlirlichen Darstellungen, 
Teller, die heute mit 250 bis 300 M. pro Stück bezahlt 
werden. Ein weiser Mann soll den Erben diese 
Kollektion auf 120000 Francs gewertet haben; das 
Resultat der Versteigerung en bloc — sie waren erst 
einzeln ausgesetzt— ergab 18 000 M., womit sie reichlich 
bezahlt waren und wofür sie zurückgezogen wurden. 
, Man darf als Resultat dieser sehr lehrreichen 
Versteigerung hinstellen, dass alle wirklich guten 
Sachen sehr hoch bezahlt wurden, vielleicht diesmal 
zu hoch^ was in den besonderen, oben angedeuteten 
Verhältnissen seinen Grund hat. Femer dass auch 
diesmal ein großer Teil der besseren Sachen in öffent- 



lichen Besitz übergegangen ist und so dauernd zum 
Studium und Genuss zugänglich ist. So hat die Schweiz 
bis auf wenige Stücke wohl alles erhalten , was sie 
wollte. Auch das Germanische Museum hat, dank 
der Freigebigkeit eines hochherzigen Stifters, eine 
Anzahl der besten Stücke bekommen, und andere 
Museen, namentlich Karlsruhe, haben auch Gutes 
erobert. Die Hauptkonkurrenten waren einige 
Sammler^ deren Vertreter auf Grund unlimitirter 
Auftrage oft riesige Preise zahlen konnten: dagegen 
ist natürlich nichts zu machen. Aber ein Trost bleibt 
denMuseen doch : einmalmüssen alle Privatsammlungen 
ans Messer, — freiwillig oder unfreiwillig — und 
entgehen ihrem Lempertz nicht und dann wandern 
auch von den Sachen, die heute in die Hütten der 
notleidenden Großindustriellen gelangt sind, die 
besten Stücke in die Museen und so weiter, bis 
nichts mehr zu haben ist. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Rd. Bremen, Das Oewerbemtiseum erstattet diesmal 
seinen Bericht fQr beide Jahre 1889 bis 1891 zusammen. 
Wesentlich wurde die Thätigkeit des Instituts während dieser 
Jahre für die Bremer Gewerbeausstellung in umfassender 
Weise in Anspruch genommen, namentlich durch direkte 
Unterstützung der Handwerker, durch Lieferung von Zeich- 
nungen ftir Schränke, Aufstellung etc. Das Museum be- 
teiligte sich selbst durch Ausstellung von Origrlnalzeich- 
nungen, Schülerarbeiten, gefärbten GipsahgOssen und Ver- 
suchsarbeiten; mehrere Beamte der Anstalt wurden prämiirt. 
Die Vermehrung der Mustersammlung wird als eine erfreu- 
liche bezeichnet; es wurden 304 Nummern erworben, dar- 
unter 73 durch Schenkung. Auch die Vorbildersammlung 
vermehrte sich in ansehnlicher Weise. Der Gesamtbesuch 
betrug 37236 Personen. Über den Einfluss und die Rich- 
tung, welche das Gewerbemuseum auf das Bremer Gewerbe 
zu äußern vermochte, konnte die nord westdeutsche Gewerbe- 
und Industrieausstellung bereits nach mancher Seite wohl- 
erkennbare Merkmale geben. Das Vorherrschen des stren- 
geren Renaissancestiles, die ernstere Farbenstimmung, die 
überwiegende Verwendung soliden Materials, Symmetrie der 
Anordnung u. s. w. haben nicht nur bei Einzelgegenständen, 
Gruppen und vollständigen Ausstattungen, sondern auch an 
zahlreichen Ausstellungsschränken und der Anordnung von 
Ausstellungsobjekten verwandte Eigenschaften gezeigt und 
dadurch den bremischen Erzeugnissen eine gewisse künst- 
lerische Einheitlichkeit verliehen. Auch die Anwendung 
neuer Kunsttechniken, sowie die Wiederaufnahme außer Ge- 
brauch gekommener Dekorationsmittel machte sich mehrfach 
bemerkbar und fand in Auszeichnungen durch das Preis- 
gericht verdiente Anerkennung. 

P. München. Die keramische Fachschule an der kgl. 
Kunstgewerbeschule in München, eine auf Anregung des Ver- 
bandes keramischer Gewerbe in Deutschland gegründete 
Anstalt erstattet aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens 



einen übersichtlichen Begebt Über ihre bisherige Thätigkeit. 
Da diese besondere Abteilung der blühenden Münchener 
Schule, nur jenen Teil des keramischen Unterrichts erteilt, 
welcher die „künstlerische Geschmacksbildung und die Aus- 
übung der Kunst im Dienst der Keramik zur Aufgabe hat", 
so mag auch an dieser Stelle auf den Bericht hingewiesen 
sein. Derselbe giebt über die Einrichtungen der Schule, 
Lehrplan, Lehrkräfte etc. eingehende Auskunft und verfolgt 
die Entwicklung bis heute. Die Gesamtschülerzahl betragt 
seit der Gründung 69, von denen allerdings nur der vierte 
Teil den vorgeschriebenen Lehrkursus von drei Jahren durch- 
gemacht hat. Von diesen haben eine ganze Reihe beim 
Rücktritt ins praktische Leben ihre auf der Schule erwor- 
benen Kenntnisse erfolgreich verwerten können. Die Förde- 
rung, welche der Verband keramischer Gewerbe in Deutsch- 
land der Schule zu teil werden ließ, beziffern sich bisher 
auf 9642 M., die für Stipendien, Prämien und Lehrmittel 
verwendet wurden. 

0. M. Im Lichthof des Kunstgewerbemttseums xu Berlin 
ist gegenwärtig die in der Werkstatt der Kunststickerei- 
anstalt von Bessert-Nettelbeck in Aufnäharbeit aus Seide und 
Goldfäden ausgeführte Fahne des Turnvereins GutsMuths in 
Berlin (Moabit] ausgestellt Die Zeichnung ist nach Angabe 
des Verwalters der Stoffsammlung des Kunstgewerbemuseums, 
Max Heiden^ von Max Ebersbach, einem Schüler derselben 
Anstalt, gefertigt und besteht auf der weißseidenen Vorder- 
seite aus einer breiten Randeinfassung von stilisirtem Blatt- 
werk und Eichenlaub, welche den Namen, Ort etc. des ge- 
nannten Vereins einschließt, während die rotseidene Rück- 
seite das Tumerzeichen in Umrahmung eines Eichenkranzes 
mit Kartusche enthält 

X.— Der heutigen Nummer liegen zwei Farbentafeln 
beL Tiroler Intarsien darstellend, die wir der fleißigen Hand 
Franz Paukerts verdanken. 



INTARSIAFÜLLUNG VON EINEM SCHRÄNKCHEN 

im Besitze des Direktors H. Kabhautr in Boiea. 

Aufgeoominen vod F. Pauke». 



!\,i;L' H:.,.- \, -^-N i;M.i 




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Vatlic HM E. A. ScflKUD la Lelpii«. Lilh. AsM. n» J. U. Ifntacbc in [^]»l|. 



INTARSIAFÜLLUNG VON EINER KASSETTE 

im Besitze des Direktors H. Kakmauth in Boteo. 

AnfgenommcD von F. Paukirt. 



■ J. G. Fritoch* in L^piif. 



THimOKIIPPE AUS IliilM PÜFfSTFNF.rK --ZIMMPIR ilGlbl 



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Ana dem Fal&lB Thurn und Taxia zu Frankfurt am HaJli. 



DAS FÜRSTENECKZIMMER ZU FRANKFURT A. M. 



MIT ABBILDUNGEN UND EINER TAFEL. 



EIT März d. J. ist die 
Sammlung des Mitteldeut- 
schen Künstle werbe Vereins 
zu Frankfurt a. M. durch ein 
Zimmergetäfel bereichert 
worden, welches nicht allein 
als einer der wenigen Reste 
TOn Alt frankfurter Patriziet- 
AusstattuDg hohes lokales Interesse beansprucht, 
sondern auch vom allgemeinen kunstgeschichtlichen 
Standpunkt als ein Tomehmes DekorationsstQck 
der deutschen Spätrenaissance Beachtung verdient. 
Es hatte bis vor wenigen Jahren seinen Platz 
in dem alten , mit spätgotischen Ecktörmchen 
gezierten BUrgerhause „zum Fürsteneck" in der 
Fahrgasse als vielbesuchte Sehenswürdigkeit und 
oft umworbenes Objekt fllr Liebhaber — erzählt 
man doch, dass seiner Zeit schon Louis Philippe ein 
hohes, aber vergebliches Kaufgebot gemacht habe. 
um so größer war auf der einen Seite die Ent- 
täuschung, als sich vor etwa drei Jahren die Nach- 
richt verbreitete, das „Ffirsteneckzimmer" sei nach 
dem Auslände verkauft — auf der andern Seite die 
freudige Genugthuung, als dasselbe nach etwa Jahres- 
frist wieder im Frankfurter Eunsthandel auftaachte. 
Dem entschlossenen und opferwilligen Zugreifen des 
Vorsitzenden des Frankfurter Vereins gelang es, das- 
selbe fQr den Besitz des letzteren zu sichern. Nach 
einer sehr sorgfältigen, von sachkundiger Hand und 
unter steter Aufsicht bevrirkter Keinigung und nach 
minimalen Ergänzungen des geradezu wunderbar er- 
haltenen Werks — wunderbar, wenn man in Betracht 
zieht, dass der mit demselben ausgestattete Saat 
viele Jahre einem Tanzlehrer ab Übungslokal ge- 
dient hatte! — fand es seine Aufstellung in dem 
an die Sammlungsräume des mebrgeaannteu Vereins 
KnnitgewerbebUtt. H. F. in. 



anstoßenden Sitzungszimmer. Die Decke, eine mit 
etwas derbem Ornamente gezierte große Eassetten- 
teilung, welche im Original wohl direkt an Ort und 
Stelle in Stuck modellirt war, wurde abgeformt und 
den veränderten RaumverhältnisBen aufs beste ange- 
passt, die Fenster mit Bleivei^lasung und dem Schmuck 
einiger wertvoller geroalter Scheiben versehen. So 
ist dies hervorragende Werk alter Holzdekoration in 
vrilrdigster Weise dem Publikum zur Schau gestellt. 
Während in dem ursprünglichen Raum das Ge- 
täfel einem unregelmäßigen Fünfeck angepasst war, 
umzieht es heute die Wände eines rechteckigen 5,5 m 
auf 7,80 m messenden Zimmers. Die 2 m hohe Täfelung 
gliedert sich in glatte Füllungen, mit atlasglänzen- 
dem ungarischem Kschenholz fumirt, welche durch 
eigentttmliche Lisenen, (s. S. 26) geteilt sind. Zwei 
nach unten veijUngte Stützen von- äußerst bevregter 
Zeichnung, oben unter dem Kapital in zwei seitliche, 
mit gedrehten Knöpfen verzierte Homer ausgeweitet, 
in der Mitte durch eine Nische mit einer gedrehten 
Docke unterbrochen, fassen zwischen sich eine der 
Höhe nach zweigeteilte, mit einem reichen Nischen- 
motiv dekorirte Füllung. Die reichste Verwendung 
verschiedenfarbiger Hölzer, sowie die überall ange- 
brachten Jntarsien geben dieser Teilungsarchitektur 
einen hohen farbigen Reiz. Geschweifte Konsolen, 
über das Hauptgesims hinübergreifend und wieder 
mit den gedrehten Knöpfchen besetzt, endigen die 
Stutzen nach oben. Die Leibungen der Fenster sind 
mit einem einfacheren und breiteren Nischenmotäv 
bekleidet, in dessen bekrönendem Aufsatz Medaillons 
mit vorspringenden Köpfen angebracht sind, welche 
die vier Weltteile in je einem männlichen und einem 
weiblichen Bewohner charakterisiren. Der unter dem 
mit Zahnscbnitten versehenen Hauptgesims rings um- 
laufende Fries ist mit länglichen OmamentfUllungen 




'*K 



Fig. i. Vom Fiinleneckiimmer in Frankfurt ». M. Kig i- Vom Fürsteneckiimmer in FraDkfnrl «. »■ 



ZUR TECHNIK DER WISMUT MALEREI. 



27 



geschmückt, die abwechselnd in schwach aufgelegtem 
Relief und Intarsia gehalten sind. Auch der Sockel 
ist den Wandteilungen entsprechend gegliedert, in 
verkropfte und reichprofilirte Füllungen aufgelöst 
und mit Intarsia geschmückt. Die bis jetzt beschriebene 
Wandbekleidung wird an zwei Stellen durch reichere 
Gruppen unterbrochen: an einer Schmal wand durch 
einen Waschschrank und in der Mitte der den Fen- 
stern gegenüberliegenden Langwand durch die über- 
aus reich gestaltete Zwillingsthür. Der Wasch- 
schrank, zweietagig, unten mit dorischen Säulchen, 
oben mit elegant gezeichneten Eandelabersäulen ge- 
gliedert, ist etwa gegen Ende des 17. Jahrhunderts 
seiner Bestimmung entzogen, wie eine den Charakter 
dieser Zeit tragende ornamentirte Füllung beweist, 
welche jetzt die ursprüngliche obere Nische schließt 
Hinsichtlich des architektonischen Aufbaues der Thür- 
gruppe dürfen wir auf unseren Lichtdruck verweisen 
und nur bemerken, dass auch hier der Wechsel der 
Holzer und die vielfache Anwendung der Intarsia 
zur höchsten Prachtentfaltung gesteigert ist. Die in 
Holz geschnitzten Figuren, welche die frei vorstehen- 
den Säulen bekrönen, zwei drachentötende Ritter und 
eine Fortuna auf der Kugel, sind augenscheinlich 
nach Jost Ammannschen Motiven gearbeitet. Der 
ursprüngliche Beschlag, in reichen Bändern und 
höchst komplizirten Schlössern mit sorgföltiger Gra- 
virung bestehend, ist ebenfalls tadellos erhalten. 
Über die Erbauer oder Besteller des Zinmiers, 



bezw. über die Besitzer des Hauses zur Zeit seiner 
Entstehung ist es bis jetzt nicht gelungen. Näheres 
zu ermitteln. Das Einzige, was uns im Zimmer 
selbst einen Aufschluss geben könnte, sind die beiden 
schön modellirten Wappentafeln, welche, in Thon 
gebrannt und mit Ölfarbe bunt gemalt, die Aufsätze 
über den Thüren schmücken. Das der linken Hand 
des Beschauers gegenüber, also heraldisch rechts 
stehende Wappen enthält in silbernem Feld einen 
schwarzen, mit drei silbernen Sternen besetzten Quer- 
balken und als Helmzier silberne Homer, die Helm- 
decke ist silbern und schwarz. Das andere enthält in 
rotem Feld einen silbernen Balken, mit drei goldenen 
Sternen besetzt, im imteren roten Feld einen schwim- 
menden silbernen Schwan auf silbernen Wellen. Die 
Helmzier ist ebenfalls ein silberner Schwan^ die 
Helmdecke silbern und rot Letzeres Wappen ist als 
dasjenige der ursprünglich bürgerlichen, später ge- 
adelten bayerischen Familie Fick ermittelt worden; 
das erste ist noch unbekannt. 

Auf der Rückseite des einen der Wappen findet 
sich, in den frischen Thon eingeritzt die Inschrift: 
Christianus Steffen possirer und haffher foecit 1615. 
Da die Wappen unzweifelhaft mit dem übrigen 
Schmuck des Zimmers gleichzeitig entstanden und 
wohl die zuletzt fertig gewordene Arbeit sind, so ist 
mit dieser Jahreszahl gleichzeitig eine ziemlich 
sichere Datirung des ganzen Werkes gegeben. 

L. 



ZUR TECHNIK DER WISMUTMALEREI. 



ER Ankauf eines Kastens 
mit sog. Wismutmalerei aus 
dem Jahre 1557 für das 
Hamburgische Museum für 
Kunst und Gewerbe hat der 
Direktion des Museums An- 
lass gegeben, über die Tech- 
nik dieser im 16. und 17. 
Jahrhunderte beliebten und verbreiteten Kasten durch 
Herrn Dr. F. Wibel in Hamburg eingehende Unter- 
suchungen anstellen zu lassen, über welche im An- 
hang zum diesjährigen Jahresbericht des Museums 
eingehend gehandelt ist. Wir entnehmen demselben 
mit Genehmigung der Herrn Dr. Brinkmann folgen- 




des: Die chemische Untersuchung hat dabei zur Evi- 
denz ei^eben, dass der metallische Malgrund dieses 
Kastens aus fast reinem Wismut besteht. Wie haben 
nun die Alten diesen Malgrund hergestellt? 

Ein Aushämmem oder Auswalzen des reinen 
unlegirten Wismut zu einer dünnen Folie ist nach 
unseren heutigen Kenntnissen von der physikalischen 
Natur desselben unmöglich; eine Legirung aber mit 
vorwiegend dehnbaren Metallen (Kupfer, Blei, Zinn) 
kommt, wie erwiesen, hier nicht in Betracht Will 
man daher nicht zu der Annahme seine ZuSucht 
nehmen, es sei den alten Metalltechnikem ein in- 
zwischen verloren gegangenes Verfahren bekannt ge- 
wesen, das spröde Wismut walz- und hämmerbar 

4» 



28 



ZUR TECHNIK DER WISMUTMALEREI. 



zu macheD, ähnlich wie wir es heute bei dem noch 
spröderen Zink auszuführen wissen, so bleibt nur 
die Schlussfolgerung übrig, dass sie den erwähnten 
gleichmäßigen dünnen Malgrund gar nicht mittels 
einer Folie, sondern in ganz anderer Weise er- 
zeugten. Die Untersuchungen bieten denn auch 
die notigen Anhaltspunkte zur Aufklärung. Es 
hat sich gezeigt, dass der ganze Metallgrund nicht 
direkt auf das Holz gelegt ist, sondern auf einem 
Untergrunde aus Ejreide und einem leimartigen 
Bindemittel lagert. Infolgedessen ist es wohl denk- 
bar, dass auf diesen ICreidegrund das Wismut in 
Pulverform aufgetragen und dann mittels des 
Polirstahls oder Polirsteins zu einem gleichmäßig 
zusammenhängenden metallisch glänzenden Über- 
zuge geglättet wurde. So fände auch die außer- 
ordentliche Dünne der Metallschicht ihre beste Deu- 
tung. Wie die direkten Versuche in dieser Rich- 
tung überzeugt haben, ist in der That ein solches 
Verfahren leicht ausführbar und vom besten Erfolge 
begleitet. 

Streicht man auf Holz einen mäßig dünnen 
Brei von Kreide mit Leimlösung, lässt diesen er- 
härten, schleift dann dessen Oberfläche eben, über- 
zieht diese abermals mit dünner Leimlosung und 
streut jetzt etwas fein gepulvertes Wismut darauf, 
so lässt sich nach dem Trocknen die bis jetzt noch 
mattgraue Oberfläche mit dem Polirstahl sehr leicht 
zu einem schönen metallglänzenden, zusammenhän- 
genden Metallüberzug umarbeiten. Je härter das 
Holz, je besser die Erhärtung des Ereidegrundes, je 
ebener dessen Oberfläche und je gleichmäßiger und 
dünner die Bestreuung mit Wismutpulver ist, desto 
schneller und besser vollzieht sich die letzte Arbeit 
mit dem Polirstahl. Es sind auf diesem Wege Me- 
tallflächen aus Wismut hergestellt, die in der That 
kaum etwas zu wünschen übrig lassen und der auf 
dem vorliegenden Kasten vorhandenen vollständig 
gleichen. Es dürfte wohl nicht zu bezweifeln sein, 
dass in diesem Verfahren die Kunstgriffe dieser auf 
den ersten Anblick etwas rätselhaften Technik klar- 
gelegt sind. 

Für die Entscheidung der weiteren Frage, warum 
die Verfertiger überhaupt zu , einem Metallgrund 
dieser Art und warum speziell isum Wismut ge- 
griffen haben, darf man sich ^icht an den Eindruck 
halten, den der Kasten jetzt macht. Der unvermeid- 
liche Einfluss, den die Luft und die Berührung mit 
den Händen infolge der langen Zeit und der Ab- 
blätterung des Lackes und der Farben auf den Me- 
tallgrund ausgeübt haben^ giebt sich durch den voll- 



ständigen Verlust seines MotaUgl&nzes und seiner 
Farbe zu erkennen, weil das Wismut — zum Unter- 
schied vom Golde — unter solchen Verhältnissen 
allmählich mit einer unansehnlichen Haut von Sauer- 
stoff-, Schwefel- und anderen Verbindungen sich über- 
zieht. Zweifelsohne hat ursprünglich eine schöne 
metaUglänzende Flache dem Lacke wie den Farben 
jene Steigerung an Feuer, Kraft und Tiefe verliehoi, 
wie wir sie ja in noch erhöhtem Grade bei der Ver- 
wendung von Goldgrund schätzen, von welchem aber 
bei derartig gewerbsmäßigen Fabrikaten schon der 
Kosten wegen abgesehen werden musste. Darf man 
nun mit Recht annehmen, dass eben die Erzielung 
eines solchen Effektes auch im vorUegenden FaUe 
die Veranlassung zur Metallgrundirung gewesen ist, 
dann bekundet sich damit nach meiner Überzeugung 
zugleich die Feinf&hligkeit der Künstler für die 
Wahl gerade des Wismuts. Denn während das 
Blei bei ähnlicher Behandlung einen wenig an- 
sprechenden blaugrauen Farbenton und einen nur 
mäßigen Glanz entwickelt, besitzt das Zinn zwar 
einen reinen silberweißen Ton und kräftigen Glanz, 
aber diese haben etwas Hartes und Schreiendes an 
sich, deren weniger angenehmen Eindruck auf das 
Auge man erst recht deutlich bei einem Vergleiche 
mit einer Wismutfläche empfindet. Das Weiß 
einer solchen ist durch eine leichte Beimischung von 
Rot und Blau gemildert und auch der Glanz ver- 
liert dadurch seine allzu blendende Kraft. Erwägt 
man femer die Möglichkeit, dass solche Wismut- 
flächen unter Umständen mit einem wirklichen 
Hauch von rotem, blauem und grünem Farbenschiller 
sich überziehen, so würde hieraus noch eine weitere 
Verstärkung der Gesamtwirkung angedeutet sein, 
welche sich die alten Künstler vielleicht zu nutze 
zu machen gewusst haben. Aus allen diesen Ge- 
sichtspunkten erscheint jedenfalls die spezielle Aus- 
wahl des Wismuts zu einer derartigen Maltechnik 
wohl begründet und liefert meines Erachtens einen 
neuen Beleg dafür, wie sorgfältig man in jenen 
Zeiten die Hilfsmittel für gewisse künsÜeiische 
Effekte aufzufinden, zu unterscheiden und anzu- 
wenden verstand. 

In eingehender Weise behandelt dann der Ver- 
fasser die Geschichte und Etymologie des Wismut 
und der Wismutmalerei, als deren wichtigste Re- 
sultate folgendes sich ergiebt: 

Das Wismut ist höchst wahrscheinlich zuerst 
von O, Ägricola (1490—1555) als Metall in allen 
seinen Eigenschaften, seinem Verhalten u. s. w. ge- 
kennzeichnet, und auch mit einem besonderen Namen 



ZUR TECHNIK DER WISMUTMALEREI. 



29 



als splambom cinereum* =» ^asclifarbigeB Blei* in 
die Wissenschaft eingeführt worden. Für letztere 
kann er deshalb als der eigentliche Entdecker des 
Wismuts gelten. Die bisher für eine frühere Kennt- 
nis dieses Metalles angeführten Zeugnisse sind hin- 
fallig. 

In Übereinstimmung mit den noch heute be- 
stehenden natürlichen Verhältnissen war auch zu 
Agricolas Zeiten das sächsisch-böhmische Erzgebirge 
und speziell Schneeberg und Dmgegend die einzige 
bekannte und technisch in Betracht kommende euro- 
päische Fundstätte des Wismuts. 

Der Name Wismut ist nach Agricola's Zeugnis 
zweifellos deutschen Ursprunges; er giebt ihn aber 
hauptsächlich in der latinisirten Form mit .Bise- 
mutum^, gelegentlich deutsch mit „Bismut". Letz- 
tere Schreibweise scheint entschieden nur durch die 
Latinisirung bedingt und also fakch zu sein; alle 
sonstigen Autoren haben den Anfangsbuchstaben W. 

Der Name Wismut ist bis 1472 zurückzuver- 
folgen und zuerst zur Benennung von Zechen (Oruben) 
verwendet worden^ so dass also das Metall erst 
später nach dieser Zeche benannt worden wäre. Wenn 
die Schreibweise des Namens «Wismut** (mit u) 
wirklich die älteste ist, wie unbedingt am wahr- 
scheinlichsten, so dürfte die Entstehung dieses Gruben- 
namens darauf zurückzuführen sein, dass eine Reihe 
dieser Zechen, zumal die als älteste bekannte j,St. 
Georgen* in dem bestinmit nachweisbaren Schnee- 
berger Revier „Wiesen* gelten war und dort „ge- 
mutet** worden ist, woraus sich dann „Wiesemutung*- 
oder ^Wiesemut" und „Wismut" -Zeche entwickelte. 
Diese Ableitung erscheint mir von allen versuchten 
als die annehmbarste. Erst später ist dann das 
dort gewonnene Metall darnach genannt. 

Die Zeit unserer ersten Kenntnis des Metalles 
igt gegen das Ende des 15. Jahrhunderts, vielleicht 



zurück bis 1480 zu setzen. Als Ursprungsort und 
Heimatland dieser Technik ist zweifellos Deutsch- 
land anzunehmen, da ja das Wismut selbst seinem 
Vorkommen und seiner Geschichte nach als ein spe- 
zifisch deutsches Metall gelten darf. Natürlich aber 
schließt dies nicht aus, dass sie durch Deutsche auch 
ins Ausland verpflanzt und dann wieder von diesem 
zurückimportirt sei. So bedarf es z. B. der Prü- 
fung, ob mit der von Mathesius erwähnten ,MeiIen- 
dischen arbeit, welche man Gonterfey nennt'' unsere 
^»Wismutmalerei*' gemeint ist, die sehr wohl durch 
Agricola in Oberitalien eingeführt sein könnte. Das 
Alter der Technik ist an dasjenige des Wismuts 
geknüpft und würde somit nach dem Früheren etwa 
bis 1480 zurückgehen können. Sollten dagegen sichere 
Fabrikate dieser Technik von unzweifelhaft höherem 
Alter nachgewiesen werden, so müssten auch unsere 
Anschauungen über die Geschichte des Wismuts 
einer Revision und Umgestaltung sich unterziehen. 

Überhaupt ist gegenüber den mannigfach noch 
bestehenden Unsicherheiten unserer Schlussfolge- 
rungen eine gründliche Untersuchung der in Mu- 
seen bewahrten „Wismutmalereien^S namentlich der 
ältesten Fabrikate» sehr wünschenswert. Dieselbe 
hätte sich zu erstrecken auf die chemische Analyse 
des Metallgrundes, auf die möglichst genaue Alter- 
bestimmung des Objektes und auf die ergänzende 
historische Nachforschung über das älteste Auf- 
treten und die genaue Schreibart des Namens dieser 
Technik. 

Wir haben hier nur die wichtigsten Resultate 
der sehr eingehenden und sorgfaltigen Untersuchung 
des Herrn Dr. Wibel, soweit sie für die Zwecke un- 
seres Blattes in Betracht kommen, mitgeteilt. Er 
hat unzweifelhaft die erste Klarheit in diese viel 
umstrittene Frage gebracht, und dafür gebührt ihm 
der wärmste Dank aller Freunde deutscher Kunst. 



a Werbe: Heidei 



[otive (LelpElg, A. Sacmuin). 



BEMERKUNGEN ÜBER MODELLEURE 

DER FÜRSTENBERGER PORZELLANMANUFAKTUR 

UND IHRE MODELLE. 



VON CHR. SCHERER. 
MIT ABBILDUKQEN. 



M Yorigen Jahrgänge dieses 
Blattes S. 109 ff. hatte ich 
an einigen Figuren aus der 
Sammlung der Fürstenberger 
Porzellane des herzoglichen 
Museums zu ßraunschweig 
die Arbeitsweise der Mo- 
delleure an der FUrstenberger 
Manufaktur zu beleuchten rersuoht. Heute bin ich 
in der Lage, einige weitere Beiträge zu diesem 
Thema liefern zu können, von denen ich hoffe, dass 
sie den Freunden der Keramik nicht unwillkommen 
sein werden. 

Zunächst einen Nachtrag bezw. eine Berichtig- 
ung zu meinem früheren Aufsatz. Durch Nach- 
forschungen ist es mir gelungen, das statuarische 
Vorbild für die von mir Venus oder SeegSttin ge- 
nannte Porzellanfigur') zu finden. Schon damals 
vermutete ich, dass auch die Bronze, welche ich als 
Vorbild dieser Figur nachweisen konnte, keine selb- 
ständige Schöpfung, sondern die Kopie nach einem 
der großen Plastik angehörigen Werke sei; doch 
irrte ich, als ich dasselbe in der italienischen Kunst 
suchen zu müssen glaubte. Inzwischen habe ich es 
n&nlich in 'einer Marmoratatue der Amphitrite, 
einem Werke von Michel Anguier (f 16S6) entdeckt, 
das aus dem Garten von St. Cloud in den Saal 
Coysevox des Lonvre versetzt worden ist.') Wenn 

1) Abgeb. SnnBtgewerbebUtt. N. F. I. S. 110. 

2) Abgeb, bei Lacroi«, XVII eiecle Fig. 143. 



nim auch die Möglichkeit, dass der Fflrstenbe^ 
Modelleur unmittelbar nach diesem Originalwerk 
oder vielmehr nach einem Stiche desselbea') g«- 
arbeitet habe, zugegeben werden soll, so scheint doch 
in diesem Falle die Annahme, dass er die Bronze- 
statuette als Vorbild benutit hat, um vieles vtia- 
scheinlicher. Doch wie dem auch sei, sicher ist die 
Porzellanfigur keine originale Schöpfung, sondero 
die getreue Nachbildung eines älteren Werkes. 

Wie dieses im vorliegenden Falle französischeii 
Ursprunges war — denn auch die Bronze dürfte j«tit 
nach Entdeckui^( des Originalwerks eher fiw- 
zösischer denn italienischer Herkunft sein — so hil 
auch für eine andere Fürstenberger Figur der hie- 
sigen Sammlung ein Werk der französischen Skalptor 
vorbildlich gewirkt. Es ist die 0,215 hohe, schlicht 
weiße und glasirte Statuette eines sitzenden Cupidot 
der den Finger nachsinnend an den Mund gel^ 
hat und schelmisch vor sich hinblickend sein Opfo 
ins Äuge zu fassen scheint, für welches er dem neben 
ihm liegenden Köcher einen Pfeil zu entnehmen sich 
anschickt (s. Abbild.). Das Werkchen ist so frisch nnd 
lebendig, so fein und liebenswürdig erfunden und dniw 



1) Die Sbttue soll nach einer Angabe bei H>gl«> 
EttnrtlerlexikoD I. S, 130 von L. Desplacea gestochen wiiL 
doch ist mir dieser Stieb nicht bekaunL Dagegen kenne k^ 
den schlechten nnd rSllig manierirten Stich von SianJ" 
Thomassin in seinem 1710 zuerst erschienenen nnd 1750 n^ 
herausgegebenen Buche: Collectio figoranun, coaiganb"' 

nnm ubi nunc conspiduntur in Ärce et Aola Versalien« 

Tab. 118. 



PÜRSTENBERGERPORZELLANMANÜPAKTUR. 



31 



gefQhrt, dass man sofort auf den Gedanken kommt: 
dies kann unmöglich die selbständige Arbeit eines 
gewöhnlichen Modelleurs sein, sondern muss in seinem 
Grundgedanken auf die Schöpfung eines wirklichen 
Künstlers zurückgehen, und in der That, eine Um- 
schau unter den hier in Betracht kommenden Werken 
bestätigte diese Vermutung. Ein Amor im Saal der 
Goustou des Louvre, das Werk des bekannten französi- 
schen Rokokobildhauers E. M. Falconet (1716--1791) 
ist das Vorbild für diese Fürstenberger Figur gewesen. 
Es ist dasselbe Werk des auch auf dem Gebiete der 
religiösen Plastik hervorragenden Meisters» unter 
welches Voltaire die bezeichnenden Verse schrieb: 
^Qui que tu sois, Yoici ton maitre, 
II Test, le fut, ou le doit ^tre." 

Mit diesem Werke Falconet's stimmt die Statuette, 
selbst in allen Einzelheiten yöUig überein; jedoch 
scheint dieselbe nicht unmittelbar nach dem Originale 
kopirt zu sein, da die im Fürstenberger Arbeits- und 
Formenbuche unter Nr. 128 aufgeführte Figur eines 
sitzenden Cupido, welche mit dem Zusätze Sevres- 
modell^ versehen ist, mit unserer Statuette identisch 
sein dürfte.') 

Gevnss sind dies nicht die einzigen Beispiele 
der hiesigen Sammlung, in welchen ältere oder gleich- 
zeitige Bildhauerwerke von den Modelleuren der 
Fürstenberger Manufaktur kopirt worden sind. Ist 
doch auch in andern Fabriken die Einwirkung der 
monumentalen Skulptur auf die Arbeiten der Mo- 
delleure oft genug nachzuweisen 2), und welch' enger 
Zusammenhang zwischen der Groß- und Eleinplastik 
jener Zeit bestand, lehrt die Thatsache, dass auch 
umgekehrt Werke der letzteren als Modelle für 
Statuen in Sandstein und Marmor verwertet worden 
sind. 3) 

Ich glaube daher, dass Zais a. a. 0. S.93 den Ein- 



1) Dasselbe scheint der Fall zu sein bei der Statuette 
einer sitzenden Venus im herzogl. Museum, die unter Nr. 129 
im Formenbuche genannt wird und zwar mit demselben 
Zusatz. Diese Statuette bat in ihrer ganzen Ausführung so 
viel Verwandtes mit dem sitzenden Cupido, dass sie offenbar 
als dessen Gegenstück gedacht und wahrscheinlich auch von 
derselben Hand gefertigt ist. 

2) So vermutet z. B. Zais, Die kurmainzische Porzellan- 
manufaktur zu Höchst S. 93 mit Recht, dass die Werke der 
Adam zu Sanssouci die Berliner Manufaktur beeinflusst 
hätten. 

3) £8 sei hier nur an die Höchster Modellen nachge- 
bildeten Sandsteinfiguren der „Türkischen Musikanten" im 
Bolongaro^schen Garten zu Höchst sowie an die im Parke 
von Schönbrunn befindlichen Statuen erinnert, welchen, zum 
Teil wenigstens (Artemisia, Herkules, Omphale u. s. w.) Lud- 
wigsburger Porzellanfiguren zu Grunde liegen. Vgl. J. Demjac 
in Meyers Künstlerlexikon HI, S. 783 ff. 



fluss der außerhalb der Porzellanfabriken stehenden 
Bildhauer unterschätzt, wenn er die Werke der Por- 
zellanplastik ihrer „Mehrzahl nach als selbständige 
Schöpfungen, als Erfindungen begabter Modelleure'' 
bezeichnet Dies mag ft&r viele Falle zutrefiTen, ftbr die 
Mehrzahl jedoch sicher nicht Man erweist den Model- 
leuren, die doch im allgemeinen nichts weiter als ge- 
schickte Handwerker waren, zu viel Ehre, wenn man 
ihnen eine hervorragende Erfindungsgabe und eine 
große Originalität zuschreibt Beides hat, wie zahl- 
reiche Beispiele lehren, den meisten unter ihnen ge- 
fehlt und nur wenige dürften beanspruchen, wirkliche 
Künstler genannt zu werden, wie dies mit vollem 
Kecht von Eendler in Meissen, Melchior in Höchst, 
Niedermayr in Wien und Beyer in Ludwigsburg be- 
hauptet werden kann. Fürstenberg wenigstens hat 
keinen Modelleur gehabt, der sich mit diesen Meistern 
auch nur annähernd vergleichen ließe. Nur ein ge- 
ringer und leider nicht der beste Teil von dem, was 
die Fabrik auf dem Gebiete der figürlichen Plastik 
hervorgebracht hat, beruht auf eigener Erfindung 
ihrer Modelleure; weitaus das meiste haben sie ent- 
lehnt oder kopirt^ und nichts ist bezeichnender für 
die unkünstlerische und geradezu mechanische Ar- 
beitsweise dieser Leute als die Art, wie sie sich ihre 
Modelle verschafften und wie sie dieselben benutzten. 
Einige Beispiele mögen dies näher beleuchten. 

Ein auch in anderen Fabriken übliches Ver- 
fahren bestand darin, die Modelle auswärtiger Fa- 
briken, wo man derselben habhaft werden konnte, 
ohne weiteres nachzubilden. Hierfür besitzt die hie- 
sige Sammlung ein charakteristisches Beispiel in der 
derb übermütigen „Liebesgruppe mit dem Harlekin*^ 
welche der Fürstenberger Modelleur Luplau^) nach 
einem Meißener Modell kopirt hat. 

Wie man auch über dieses Verfahren vom Stand- 
punkte des Rechts und einer strengeren Eunstan- 
schauung denken mag, die Thatsache seiner allge- 
meinen Verbreitung im vorigen Jahrhundert steht 
außer Zweifel und dürfte sich z. T. wenigstens aus 
den Gewohnheiten einer Zeit erklären lassen, welche 
die Gesetze vom Rechte des Urhebers noch nicht 
kannte und einer weniger ernsten Auffassung vom 



1) Anton Carl Luplau ist der vollständige und rich- 
tige Namen dieses Modelleurs, der bisher Leplau (so auch 
noch von mir in meinem vorigen Au&atz) und Leplan ge- 
lesen worden ist Durch Zufall habe ich denselben bei P. 
Weilbach, Dansk Konstnerlexikon, S. 797 entdeckt, wo u. a. 
mitgeteilt ist, dass L. in den 70 er Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts in Fürstenberg als Modelleur wirkte und später in 
gleicher Eigenschaft an der königl. Porzellanfabrik zu Kopen- 
hagen thätig war, wo er 1795 starb. 



32 FÜRSTENBERGEB PORZELLANMANUFAKTUR. 

Berufe der Kunst huldigte; möglich auch, dass zeit- tur, scheiueo die Fälle gewesen zu sein, in welchen Ge- 
weilige ArheitettberhÄufung oder lebhafte Konkurrenz mälde oder vielmehr die leichter zugänglichen Kupfer- 



die Modelleure an der Entfaltung einer selhständigen 
Tätigkeit verhinderte nnd zwang, nach dieser leich- 
teren und sicher auch einträglicheren Methode zu 
arbeiten. 

Man braucht nur einen Blick in das Arbeits- 
nnd Formenbuch der FUrstenbeiger Manufaktur zu 
werfen, um sofort zu erkennen, welch' ausgedehnten 
Gebrauch die dort thätig gewesenen Modelleure von 
diesem so Überaus bequemen Verfahren gemacht 
haben. Da begegnen uns, um noch einige weitere 
Beispiele anzuiUbren, 
„Kronenleichter" nach 
Berliner Modell, die vier 
Jahreszeiten „nach dem 
Franz ösisclieii" (also je- 
denfalls nach Sevres- 
modellen), die schon 
oben genannten Figuren 
eines sitzenden Capido 
und einer sitzenden Ve- 
nus, gleichfalls nach Sev- 
resmodellen und schließ- 
lich ein Kruzifix mit 
Postament sowie die Sta- 
tuette einer Pallas, nach 
einem sächsischen (also 
Meißener) Modell kopirt. 
Femer findet sich bei 
einer großes Anzahl an- 
derer Werke, Gruppen 
und Einzelfiguren, neben 
dem Namen des Model- 
leurs der Zusatz „cop. 
oder copirt", doch ohne 
nähere Angabe der Ma- 
nufakturen, denen die 
benutzten Vorbilder angehörten. Hier würde eine ein- 
gehende Vergleichung des gesamten Materials ge- 
wiss manch wichtiges Ergebnis zu Tage fördern 
und interessante Einblicke in den künstlerischen Zu- 
sammenbang der verschiedenen Fabriken gewähren.') 

Nicht ganz so häufig, wenigstens nicht immer 
so sicher nachweisbar wie bei den Werken der Skulp- 



Cnplda. Fttrateubergci FocEelUn. 



1) So hat rieh mir durch Vergleicbacg ergeben, daaa 
die im F. Arbeitsbuch erwähnte Gruppe eines MSncheB, „der 
eine Frau im Stroh trägt", auf ein Meißener Modell zurück- 
geht; vennatlich sind auch mehrere von den Einzelfiguren 
des FQr^tenberger Afienkonzertee nach dem bertlhmteu 
Meißener Atfenkonzert aus der Zeit Augusts 111. kopirt.. 



Stiche nach denselben von den Modelleuren als Vor- 
li^en benutzt worden sind. Zumeist wird es sich 
hier weniger um eine Nachbildung der ganzen Vor- 
It^e als vielmehr um die Entnahme einzelner Figtuen 
bezw. Gruppen gehandelt haben; oft dQrften die 
Stiche den Modelleuren auch nur die Anregung zu 
ihren Schöpfungen gegeben haben. So arbeitete 
man in Frankenthal, wie Zais a. a. 0. S. 94 mitteilt, 
unter ausdrücklicher Berufung auf Gallot, Boucher 
und Grenze. Ganz besonders scheinen des letzteren 
Malers tngendsame, aber 
zugleich veritlhrerische 
Mädcheubilder, in wel- 
chen er dem Geschmacke 
seiner Zeit entsprechend 
sinnliche Anmut mit 
einem Schleier von Em- 
pfindsamkeit nnd Un- 
schuld so schon zu um- 
geben verstand, den Mo- 
delleuren der Porzellan- 
fabrikenreichen Stoff für 
ihre Werke dargeboten 
zu haben ; wenigsten« 
verraten Gruppen wie 
u. a. die zu Höchst ge- 
fertigten «Mädchen mit 
Vogel und Hündchen* 
und (Frauenzimmer mit 
Käfig"3owie dasFöreten- 
berger .Mädchen mit 
Vogelnest" die größt« 
geistige Verwandtschaft 
mit den Gemälden dieses 
französischen Meisters, 
80 dass hier wie in vielen 
anderen Fällen seine Beeinflussung kaum zweifelhaft 
sein kann. Ähnliches darf von Fran9oi8 Boucher gelten, 
dessen Wirksamkeit für die Porzellanfabrik von Sevres 
nicht minder bekannt geworden ist wie diejenige fSr 
die Oobelinsmanufaktur zu Beauvais. Die erstere wird 
zudem noch ausdrücklich durch die Angabe anf 
Stichen nach seinen Werken bestätigt, dass die dar- 
gestellten Figuren für Sevres erfunden seien. Eine 
reiche Anregung zu den Figuren im ZeitkostOm, den 
ländlichen Gruppen und FarnÜienscenen sowie zn 
den sog. Chinoiserien haben schließlich aach die 
Schöpfungen Watteau's und seiner Nachahmer, Iao- 
cret's, Pater's, Eisen's u. a. gegeben, deren Spuren 



_^ 



tURSTENBERGER PORZELLANMANÜFAKTUR. 



wir überall in der PorzellaDplaatik des 18. Jahr- 
hunderts b^egnen. 

Unter solchen Umständen kann es nicht Wun- 
der nehmen, wenn auch die Modelleure FUrst«nbe)^, 
dem Beispiele ihrer Kollegen an anderen Fabriken 
folgend, ihre Zuflucht zu den ßenmlden und Stichen 
der Meister ihrer Zeit nehmen. Die Fabrik befand 
sich selbst im Besitze einer umfangreichen Samm- 
lung von Kupferstichen, über welche im Oktober 1770 
von einem gewissen Kohl ein Inventar aufgenommen 
wurde. Es geschah dies, kurz bevor infolge einer 
Undesherrlichen Verordnui^ die Werkstätte ftlr 
Bnntmalerei von Fürsten- 
berg nach Braunschweig 
verl^ wurde, wobei zu- 
gleich die bisher dort be- 
findlich gewesenen Stiche, 
welche auf Kosten der 
Fabrik angeschaflPt worden 
waren, mit Ausnahme we- 
niger Stücke ebendahin ab- 
gegeben werden mussten. 
In diesem Inventar werden 
u. a. Landschaften von 
Weirotter, Gessner, Zuccs- 
relli uudWeitsch, Figuren- 
stücke von Nilson^Boucher 
und Eisen sowie Blumen- 
stöcke von Tessier ge- 
nannt, und wenn auch alle 
diese Stiche in erster Linie 
als Yorlf^en für die Maler 
gedient haben mögen, so 
dürften sie doch auch, 
wie uns mannigfache Bei- 
spiele beweisen, den Mo- 
delleuren reic hen Stoff zu 
ihren Werken geboten ha- 
ben. So werden z. B. in dem schon erwähnten Formen- 
bnche unter den Modellen des Jahres 1772 mit der 
Bemerkung „nach Kupfer poussirt" „Zwei alt Teusche 
Soldaten mit ein Schachspiel" genannt. Die hier ge- 
meinte Gruppe befindet sich in der Sammlung des 
hetzogL Museums. Es sind zwei theatralisch aufge- 
putzte Männer in einem an die Tracht der Urgermanen 
erinnernden Kostüm, die an einem Tische einander 
gegenübersitzen und — ein etwas kühner Anachronis- 
mus — Schach spielen. Die im Buche beigefügte Be- 
merkung kann nur so gedeutet werden, dass die Gruppe 
nach einem Kupferstich modellirt ist; der Name des 
Stechers ist nicht genannt und bleibt zu erraten. 
Kuiulf «weibabULt. N. F. in. 



Andromeda. FÜTsteDbeTBer PoitellaD. 



33 

Ein besonders schSnes und charakteristiBohes 
Beispiel für die Art der Benutzung solcher Vorigen 
ist die Figur einer Andromeda im herzogl. Museum 
(s, Abbild.). Die 0,285 hohe Gastalt der Heroine, welche 
nackt ist bis auf ein donkelviolettes Gewand, das 
durch ein schmales Band am linken Oberarm gehalten 
mit einem Zipfel den Schoß bedeckt und den 
Rücken entlang über einen Felsblock fallend einen 
wirksamen Hintergrund fllr den nackten, rosigen 
Körper bildet, ist mit dem linken Arm and rechten 
fVßgelenk am Feben angeschmiedet und in energi- 
scher Seitwartsbewegung bemüht , sich ' von den 
ehernen Fesseln zu be- 
freien. Der Kopf mit einer 
Perlenschnur im brüun- 
lichen gelockten Haar wen- 
det sich in leidenschaft- 
licher Erregung nach links, 
während die Rechte wie ab- 
wehrend gegen das Unge- 
heuer au^eatreckt ist, das 
als soeben aus dem Meere 
hervortauchend vorauszu- 
setzen ist. Die Bewegung 
der Figur ist lebendig, voll 
Rhythmus und Energie, 
der Körper mit den schön 
geschwungenen Umrissen 
eorgfältig und fein model- 
lirt, und doch ist nicht zu 
verkennen, dass die ganze 
Gestalt eine gewisse thea- 
tralische, rein auf eine 
äußere Wirkung berech- 
nete Haltung zur Schau 
trägt. Obwohl auf den 
ersten Blick aus sich allein 
erkennbar und keiner wei- 
teren Deutung bedürftig, regt diese Andromeda 
doch unwillkürlich die Vermutung aa, dass sie als 
Einzelfigur von vornherein nicht beabsichtigt war, 
sondern einer größeren Komposition entnommen zu 
sein scheint. Zu meiner Freude fand ich dieselbe 
nach längerem Suchen in dem Stiche von L. Cars 
(1699 — 1771) nach einem Gemälde des Franjois 
Lemoine (1688—1737), welches die Befreiung der 
Andromeda durch Perseus darstellt. Wir erblicken 
hier Andromeda genau in derselben Lage wie in 
unserer Gruppe; links neben ihr taucht das Unge- 
heuer aus den Fluten, welches der ans der Luft her- 
niederschwebende Perseus mit Harpe und Gorgonen- 



34 



FÜRSTENBERGER PORZELLANMANUFAKTÜR. 



Schild bewafihet angreift. Im Hintergrande scliaut 
auf einer mit einem burgähnlichen Oebäude besetz- 
ten Landzunge eine Gruppe Menschen in lebhafter 
Bewegung dem Schauspiele zu. Die Andromeda 
dieses Stiches ist völlig getreu, Punkt flir Punkt, 
Linie um Linie im fügsamen Thone nachgebildet 
und wir müssen Desoches — so heißt der Modelleur 
dieser Figur — zugestehen, dass er es wohl ver- 
standen hat, sich ein Vorbild zu wählen, dessen 
unmittelbare Übertragung aus der Malerei in die 
Plastik auch mit den Forderungen einer strengeren 
Ästhetik nicht allzu sehr im Widerspruche stehen 
dürfte. 

Ein andereS; nicht weniger interessantes Beispiel 
bietet die im herzoglichen Museum vorhandene Gruppe 
dreier Figuren, welche die Verwandlung der Dryope 
in einen Baum nach Ovid, Metamorph. IX, fab. 6 
darstellt. Das hier zu Grunde liegende Vorbild ist 
eine von L. Le Grand gestochene Zeichnung J. M. 
Moreau's le jeune, welche sich in der bei Prault im 
Jahre 1769 zu Paris erschienenen Ausgabe der 
Metamorph. DI, pl. 97 findet. Auch bei diesem 
Beispiele ist, von wenigen unbedeutenden Einzel- 
heiten abgesehen, die Nachbildung der .Zeichnung 
durch den Modelleur eine so völlig getreue, dass an 
der Abhängigkeit des einen von dem andern auch 
nicht der geringste Zweifel obwalten kann. Diese 
Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, in welcher 
Weise die Modelleure Fürstenbergs die Stiche ihrer 
Zeit für ihre Werke ausgenutzt haben. 

Wie ich diesen Aufsatz mit einem Nachtrag be- 
gann, so schließe ich ihn auch mit einem solchen, 
indem ich den s. Z. von mir erwähnten Fällen von 
Nachbildungen einiger Figuren aus Sammlungen des 
herzogl. Museums durch die Fürstenberger Model- 
leure noch einige ergänzende Bemerkungen hinzu- 
füge. Ich verdanke dieselben in erster Linie dem 
schon mehrfach erwähnten Arbeits- und Formenbuche 
der Fabrik. In diesem Buche wird u. a. als No. 219 
„eine nackende Venus auf einem Postament'* erwähnt 
mit dem Zusatz „nach einem braunschweigischen 
Holzmodell kopirt". Freilich lässt sich in diesem 
Falle nicht mit Bestimmtheit behaupten, ob dieses 
Modell sich damals im Besitze des Museums oder 
in den Händen eines anderen Eigentümers befand. 
Denn wenn auch unter den „Arbeiten in Holz", 
welche das herzogl. Museum gegenwärtig noch b^ 
sitzt, die Figur einer nackten Venus auf einem Posta- 
ment vorhanden ist, so muss doch, so lange deren 
Nachbildung in Porzellan noch nicht nachgewiesen 
ist, unentschieden bleiben, ob wir in ihr das erwähnte 



Modell erkennen dürfen. Besser verhält es sich mit 
einer Gruppe anderer Werke, die in dem Formen- 
buche unter der Überschrift „Basreliefs, welche teils 
aus dem Kunstkabinet nachkopiret und mit FleiS 
abgegossen sind" zusammengefasst werden. Für die 
daselbst an erster Stelle genannten Stücke, das Mahl 
der Götter, die Tötung der Kinder der Niobe und 
das Bacchusfest, sind die benutzten Vorlagen noch 
jetzt in der Elfenbeinsammlung des herzoglichen 
Museumcs vorhanden J) Dieselben sind im Jahre 
1778 vom Modelleur Schubert „aus dem Kunsthauüe 
abgegossen" und dann als Füllungen für ein recht- 
eckiges Kästchen^) benutzt worden, von dem sich 
ein modemer Abguss aus der alten Form im Museum 
befindet. Ein Blick auf diesen Abguss zeigt, wie 
viel die Reliefs durch ihre Übertragung in die weiche 
Porzellanmasse und die dicke Glasur eingebüßt habea 
Nimmt man hierzu noch, dass sie ihrer Bestimmung 
zu liebe z. T. beschnitten und durch den Brand be- 
trächtlich geschwunden sind, so wird man leicht 
begreifen, dass von der Schönheit der Elfenbeinreliefi 
in diesen Porzellannachbildungen nicht viel mehr 
übrig geblieben ist. 

Was die übrigen, in dieser Gruppe angeführten 
Werke betrifft, so lässt sich vorläufig noch für keins 
derselben die Vorlage mit unbedingter Sicherheit 
nachweisen; immerhin aber dürften sich die Beliefs: 
Venus, Adonis, Cupido sowie eine Minerva und ein 
Mars mit einigen dieselben Gegenstände behandehi- 
den Reliefs der Elfenbeinsammlung mehr oder weniger 
sicher identificiren lassen.^) Dass ganz besonders 
die letztere Sammlung sehr häufig Gegenstande zum 
Zwecke der Abformung oder Nachbildung in Por- 
zellan hat herleihen müssen, geht auch aus einem 
Schreiben Herzog Karls I. an den damaligen Vor- 
steher des „Kunstkabinets", den Eanonicus Höfer, 
hervor. Nachdem nämlich der Herzog am 21. No- 
vember 1765 durch eine Zuschrift Höfer an- 
gewiesen hatte, die Elfenbeine aus Fürstenberg," 
welche dort beschädigt worden waren, wieder in 
stand setzen zu lassen und dieses mittlerweile ge- 
schehen war, schreibt er in einem vom 27. Dezember 
desselben Jahres datirten Briefe folgendes: „Hie^ 



1) Siehe „Führer durch die Sammlungen des herzogl. 
Museums'S S. 234, Nr. 262, 263 u. S. 235 Nr. 281. 

2) Das Kästchen ist 0,230 lang, 0,165 hoch, 0,165 breit, 
An den beiden Langseiten ist das Göttermahl und die Tö- 
tung der Niobiden dargestellt, an den ßreitseiten jedesmal 
das Bacchusfest, auf dem abnehmbaren Deckel nochmals die 
Tötung der Niobiden. 

3) Siehe z. B. „Führer" S. 237, Nr. 328 oder S. 241, 
Nr. 395. — S. 238, Nr. 332 oder 333-350, 



HÄUSLICHE KÜNSTARBEITEN. 



35 



mit habe ich Ihm auf dessen pro memoria vom 23. 
dieses, und ein andres hiemit noch in Antworth 
wissen lassen wollen, dass es Mir lieb ist, dass die 
Ton Fürstenberg gekommene Elfenbeine Figuren 
wieder repariert sind. Sie können vorerst in der 
Bibliothek stehen bleiben^ bis ich mahl Zeit habe, 
sie zu sehen'^ Es geht also aus diesem Schreiben, 
das übrigens von neuem wieder das hervorragende 
Eunstinteresse Herzog Karls bestätigt, mit Sicher- 



heit hervor, dass schon frühe Gegenstande des Eunst- 
kabinetts in Fürstenberg nachgebildet und abgeformt 
worden sind. In welch' ausgedehntem Maße dieses statt- 
gefunden hat, dürfte durch unsere Schilderung klar 
geworden sein; ob man aber berechtigt ist, hieraus 
den Modelleuren der Fabrik einen besonderen Vor- 
wurf zu macheu, wird, da möglicherweise hier ein 
höherer Befehl bestimmend eingewirkt hat, vorläufig 
unentschieden bleiben müssen. 



HÄUSLICHE KUNSTARBEITEN. 



Seitdem einsichtige Pädagogen eifrig bemüht 
sind, den Handfertigkeitsunterrricht in Schülerwerk- 
stätten zu pflegen und zn fordern, findet die Be- 
schäftigung mit allerlei Eunstarbeiten, die eben so 
viel Freude wie Nutzen gewähren, auch in den 
Ereisen unserer jungen Damen lebhaften Anklang. 
An die Stelle der Nadel ist vielfach schon Stift, 
Pinsel und Modellirholz getreten, deren Handhabung 
kaum weniger Geschicklichkeit erfordert als Sticke- 
reien und Häkelarbeiten, dagegen eine in mancher 
Hinsicht interessantere Unterhaltung gewährt Jede 
Anregung nach dieser Richtung hin ist gewiss mit 
Beifall zu begrüßen. 

unter den jüngsten Erscheinungen auf dem 
Büchermarkt verdient deshalb ganz besonders die 
überaus praktische, leicht verständliche Anleitung 
zur Lederplastik von Georg Büttner (Verlag von 
E. A. Seemann in Leipzig, Preis 40 Pf.) als treffliches 
Forderunsgmittel häuslicher Eunstarbeit hervorge- 
hoben zu werden. 

Der Verfasser, Inhaber einer Lehrwerkstatt för 
Lederarbeiten, giebt eine durch zahlreiche Abbil- 
dungen unterstützte, leicht verständliche Anweisung 
zu einem gegen die frühere Praxis wesentlich ver- 
einfachten Verfahren, das verhältnismäßig wenige 
Werkzeuge erforderlich macht, keinerlei körperliche 
Anstrengung verursacht und auch keine allzu große 
Voraussetzung an künstlerische Befähigung erhebt. 
Erhöht wird die Brauchbarkeit des Schriftchens 
durch die Beigabe von vierzig Vorlagen, die. eine 
Auswahl von größeren und kleineren Gegenständen, 
als Cigarrentaschen, Handtaschen, Stuhlbezügen, 
Mappen, Qürteln u. s. w, bieten, alle mit Oeschmack 



und mit Rücksicht auf die praktische Ausführbar- 
keit entworfen und in Farbendruck die Wirkung 
der ausgeführten Arbeit veranschaulichend. Dem 
Anfanger giebt der Verfasser noch eine bequeme 
Handhabe in den der stattlichen Mappe beigefüg- 
ten PatcsebogeHy mit deren Hilfe die Umrisse des 
dargestellten Zierwerks auf das Leder durchgepaust 
werden können. (Preis der ganzen Mappe M. 10.50.) 

Wir wollen nicht unterlassen, bei dieser Ge- 
legen heit das treffliche Handbuch der Liebhaherkünste 
von Professor Franz Saks Meyer in Erinnerung zu 
bringen, das ebenfalls im iSeemannschen Verlage er- 
schienen ist und bereits eine zweite verbesserte Auf- 
lage (Preis geb. M. 8.25) erlebt hat, — Beweis 
genug für die Brauchbarkeit des im anmutigsten 
Unterhaltungstone geschriebenen Buches und für 
den großen Beifall, mit dem es allerorten aufge- 
nommen wurde. Die genannte Verlagshandlung kul- 
tivirt das einschlägige Gebiet, das sie zuerst mit 
den von Professor C Orunow, L Direktor des Eunst- 
gewerbemuseums in Berlin, herausgegebenen Eerb- 
schnittvorlagen (2. Aufl. 1889) betreten hat, mit wach- 
sendem Erfolge. Auch die von ihr verlegte Anlei- 
tung zur Kerbschnitxerei von Clara Roth, ein eben- 
falls aus der Praxis hervorgegangenes, anschaulich 
geschriebenes Heftchen ist in neuer Auflage er- 
schienen und durch Beigabe von vierzig Tafeln 
mit einer großen Auswahl von Eerbschnitzarbeiten 
in natürlicher Größe für den Gebrauch noch beson- 
ders nutzbar geworden. 

Werkzeugkasten sowohl für die Ledertechnik 
als auch für die Eerbschnitzerei sind von den Ver- 
fassern der genannten Schriften zu beziehen. 



5* 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



P. Der oDermüdliche Verlag von Bernhard Friedrich 
Voigt in Weimar bringt von den ebenso unermüdlichen 
Architekten Max Oraef in Erfurt wiederum ein neues Möbel- 
werk, diesmal nicht mehr in dem früher von Graef vertei- 
digten „deutschen Nationalstil", sondern im „brauchbarsten" 
Rokoko. Das Werk [Möbel im brauchbarsten Rokoko etc. 
24 Taf. Fol. und 8 Tafeln nebst Einzelheiten in natürlicher 
Größe. Preis in Mappe 9 Mark) bietet alle Arten Möbel 
und Geräte der Tischlerkunst in ziemlich einfachen Formen, 
mit Blatt- und Muschelwerk in der Art der einfacheren alten 
Rokokoarbeiten verziert. Freilich ist nicht alles Gold, was 
glänzt und nicht alles Rokoko, was Herr Graef dafilr an- 
sieht; manches Möbel erinnert verzweifelt an die Mobilien 
der dreißiger und vierziger Jahre unseres Jahrhunderts; aber 
der der Publikation zu Grunde liegende Gedanke: dem mo- 
dernen Bedarf Muster zu bieten , die wirklich verwendet 
und ausgeführt werden können, im Gegensatz zu den Prunk- 
möbeln des vorigen Jahrhunderts und die omamentalen For- 
men jener Zeit dem Bedarfsgerät unserer Tage vollständig 
anzupassen, — ist ein sehr richtiger und vielfach sehr gut 
zum Ausdruck gebracht. Vor allem hat der Herausgeber 
vermieden, das wüste und rohe Ornament zu verarbeiten, 
das heute als Rokoko vielfach angesehen wird: er verfährt 
namentlich sparsam mit dem Muschelwerk und hat damit 
eine gefährliche Klippe glücklich umschifft. Den Abbildungen 
auf den 24 Tafeln, denen vielfach Schnitte beigegeben sind 
kommen acht große Pianotafeln mit Einzelnheiten in flotter 
Zeichnung zu Hilfe. Ohne Zweifel wird das Buch sich viele 
Freunde erwerben, zumal es in seiner Art bis jetzt das ein- 
zige ist. — Von dem in gleichem Verlage erschienenen 
Farbendruckwerk von Kreuxer, „Farbige Bleiverglasungen", 
welches wir früher angezeigt haben, ist soeben die zweite 
Auflage zur Aasgabe gelangt: gewiss ein Beweis fQr die 
Nützlichkeit des Buches. Endlich möge hier noch ein Vor- 
lagenwerk erwähnt werden, welches Muster für Metallarbei- 
ten darbietet {Kunstindustricüe Renaissancemotive der Metalle, 
Entworfen und gezeichnet von Ehrenfried Scholz. I. Ab- 
teilung 1—20 Blatt. Fol. Berlin, Fußingers Buchhandlung. 
16 M.) Für Entwürfe in Edelmetall haben wir in den 
großen Publikationen der Schatzkammern und Privatsamm- 
lungen ein überreiches Material und gerade die Edelschmiede- 
kunst hat mit Erfolg ans diesen reichen Quellen alter Kunst 
geschöpft. Aber für das Bronzegerät des modernen Bedar& 
giebt es fast gar keine Musterblätter und was an alten 
Bronzen publizirt ist (Teirich) hat für praktische Zwecke fast 
gar keinen Wert. Wenn irgend eine moderne Industrie aus alten 
Mustern, soweit es sich um die Formen handelt, verhältnis- 
mäßig wenig Nutzen ziehen kann, so ist's die Bronzeindustrie. 
Die kümmerlichen Beleuchtungswerkzeuge der früheren Jahr- 
hunderte liefern nur wenig Anhalt in den Zeiten des Gases 
und elektrischen Lichtes; die Lampen, Schreibtische, Toiletten 
und Ziergerät, die Unsumme von überflüssigen und notwen- 
digen Gegenständen, die sich heute bei uns in allen Ecken, 
Winkeln, Tischen, Konsolen breit macht, kurz die hundert 
und tausend kleinen Bronzearbeiten, die uns die Magazine 
bieten, all das hat sich die künstlerische Ausgestaltung selbst 
suchen müssen. In Berlin besonders hat sich diese Industrie 
zu einer Riesenhöhe entwickelt, nicht immer zum Vorteil 
der Kunstf die dabei recht oft recht stark zu kurz gekommen 



ist Mit besonderem Eifer, Geschick imd Geachmwck bat 
sich der Herausgeber des vorliegenden Werkes gerade der 
künstlerischen Behandlung der Arbeiten in Metallen zuge- 
wandt und bietet hier eine Auswahl von 46 Entwürfen auf 
20 Tafeln zu freier Benutzung dar. Dieselben zeigen , da« 
sich der Künstler mit den Bedürfnissen der Bronzeindustrie 
wohl vertraut gemacht hat; sie vermeiden die feinere Be- 
handlung im Stil der getriebenen Silberarbeiten, woran ja 
viele Modelleure scheitern und zeichnen sich durch Eleganz, 
Zierlichkeit und gefällige Wirkung aus. Das Werk wird ge- 
wiss leicht Eingang in die Werkstätten finden und maanig- 
fache Anregung gewähren. 

Hamburg. Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt ädi 
auch im Jahre 1890, über welches Dir. Brinckmann den Bericht 
erstattet, wieder auf der Höhe. Der Gönner und Freunde, 
die freiwillig oder unter sanftem Druck die Sammlungen 
durch viele Spenden vermehrten, sind eine große Zahl und 
alle Abteilungen des Museums sind von ihnen mit treff- 
lichen Stücken bedacht worden. Nicht minder konnten die 
verschiedenen Abteilungen der Sammlung aus dem Budget 
erweitert werden, wobei im Berichtsjahre besonders den 
Möbeln und Holzarbeiten größere Beträge zu gute gekommen 
sind. Auch der keramischen und Stickereiabteilung wur- 
den für höhere Beträge Neuerwerbungen zugeführt, letzerer 
ein sehr interessantes und merkwürdiges Stück, eine der sehr 
seltenen schlesischen Fayenceschüsseln, deren Zeichnungen ein- 
geritzt und mit farbigen Glasuren, wie beim Zellenschmelz 
ausgefüllt sind. Auf einen selten hübschen Hirschvc^lkmg 
mag hier noch hingewiesen sein, um sein Vorhandensein 
für etwaige Liebhaber festzustellen. Von einzelnen der nen- 
erworbenen Stücke sind wie üblich Abbildungen von Wilhelm 
Weimar beigegeben; namentlich ist die Zeichnung eines 
japanischen Bronzewasserspeiers in Form eines Drachen 
eine Meisterleistung ganz ungewöhnlicher Art. Mit Über- 
sichtlichen Tabellen über Ankäufe aus öffentlichen Mitteln 

, (1800 — 225 Stück für 20000 M.) und aus Vermächtnissen 
und Beiträgen Privater (1889 und 1890 — 110 Stuck ffir 
14,500 M.) und über die Gesamtkosten der Sammlung 
(421000 Mark) — eine unerhört geringe Summe für das, was 
geleistet i«t — Besuchsziffem und frommen Wünschen für die 
Zukunft bohließt den Bericht Als Anhang ist denoselben 
eine sehr wertvolle Abhandlung des Prof. Dr. Wibel in 
Hamburg über IVismtämalerei beigegeben, die zum ersten 
Male Klarheit in diese ?iel umstrittene Frage bringt. Bei 
der Wichtigkeit derselben bringen wir dieselbe mit Geneh- 
migung des Herrn Direktor Brinckmann im Kunstgewerbe- 
blatt auszugsweise zum Abdruck, 

J. M. Heberte in Köln versteigert vom 9 — 11. Dezember 
eine reiche und schöne Gemäldesammlung (368 Nrn.) aus 
dem Nachlasse des Herrn J. J, Merlo in Köln, Es sind 
moderne Meister guten Klanges, doch hauptsächlich alte 
Holländer darunter, davon fünfzehn in Lichtdruck nachgebil- 
det Dem Katalog beigegeben sind: D. D. Sandvoort^ Bertk" 
heyde, M, A, di CampidogliOy DiMels, J, Ä. Duck, F^t, J. 
V. Qoyenj Ä. v, Ostade, W, de Poorter, P. Potter, de Rütgh^ 
J, V, Scorel, G, Terborch, S, de Vlieger, WoMcermann, — Am 

.11. Dezember wird dieselbe Firma noch eine Sammlung kunat- 
gewerbücher Erzeugnisse (Nachlass Essingh in Köln) 94 Stück, 
meist chinesiches und japemisches Porzellan aasbieten. 



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Probeblatt aus Büttners Lederschnitt und Lederplastik. 




Photographierahmen. ■/« 
(Bc^u vn.) 



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FÜR KUNSTGEWERBETREIBENDE! 




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EIN LEXIKON DES ORNAMENTS! 



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MOTIVE 



Sammlung von Einzelformen aller 
Techniken des Kunftgewerbes als 
Vorbilder und Studienmaterial. 



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I 



Auf 3oo Tafeln gr. Fol ca, 2000 Motive vou Plachmuftern aller Art aus Deutfchland, England, 
Frankreich, Spanien, Perfien, Indien, China etc. 

Auf 3oo Tafeln gr. Fol. ca. 2CXX) Motive aller Techniken als Weberei, Stickerei , Schnitzerei, In- 
tarfia, Mofaik, Taufchirung, Metallätzung und Gravirung, Glasfchleiferei, Malerei auf Holz, 
Stein, Porzellan etc. 

AuT 3oo Tafeln gr. Fol. ca. 2000 Motive des 11., 12., 13., 14., 15., 16., 17., 18. und 19. Jahr- 
hunderts. 

Gelammelt in den KuBftgewerbemufeen zu Berlin, Hamburg, Bremen, München, Dresden, 

Leipzig etc. etc. und zufammengeftellt unter Mitwirkung hervorragender Fachgenpffen 

> 

von 

MAX HEIDEN 

Verwalter der Stofffammlung des Kunftgewerbemuseums zu Berlin. 
30 Doppelhefte ä 2 Mark. — Bisher erschienen 21 Doppelhefte (Lieferg. i — ^42.) 









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i^VVVVVVVVi^ Verlag von ARTUR SEEMANN in Leipzig: 



>CCOCOCOCOCOCÖ 




DAS SCHLOSSERBUCH. 

Die Kunst- und BanSCUoSSerei mit besonder» Berückslclitigaiig der kinst^werbMen Form. 




Verlag von E. A. SEEMANN in Leipzig. 



VON 



THEODOR KRAÜTH und FRANZ SALES MEYER. 



Architekt und Professor 
|in der grofsh. Baagewerkenschule su Karlsrahe. 



Ardutekt nnd Professor 
«n der grofsh. Kuostgewerheschule xu Karlsruhe. 



Mit 350 Abbildungen und too Tafeln gr. 4^. 

Preis für das komplette Werk in^ Teilen (Text und Tafeln gesondert) brosch. 18 M.; 

geb. in 2 Bände M. 21.50. 



DAS SCHREINERBUCH 

VON 

THEODOR KRAUTH und FRANZ SALES MEYER. 

Die Bauschreinerei, mit 64 Tafeln und 238 Figuren im Text. Zweite 
verbesserte Auflage, gr. 4«. Preis 12 M., geb. 15 M. 

Die Möbelschreinerei, mit 121 Tafeln und 175 Figuren im Text gr. S» 
In 2 Bänden, (Text und Tafeln gesondert.) Brosch. 14 M., geb. M. 17.50. 



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Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin für Rudolf Virchow. 

AuiKefUhrl von E. Doeplct d. j. 



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n Zeagbaiue eq Kassel, Auhabme v 



DER EHRENBÜRGERBRIEF DER STADT BERLIN FÜR 
RUDOLF VIRCHOW. 



u den hervorragenden Ehren- 
bezeugungen, welche Prof. 
Kudolf Vircbow auB Änlass 
seines siebzigsten Geburts- 
tages erwiesen worden sind, 
geh&rt die Erteilung des Eh- 
renbUrgerrechtes der deut^ 
sehen Retchshauptstadt, in 
welcher der Gefeierte ein Menschenalter gewirkt 
und geschafft hat. Altem Brauche gemäß wurde 
diese Ehrenbezeugung auf Pergament^ welches 
Künstlerhand mit figuralem und ornamentalem 
Schmucke sinnreich geziert hate, niedergeschrieben 
und diese Urkunde dem verdienstvollen Manne in 
einem dauerhaften und reich geschmQckten Einbände 
als HuldiguDgsgabe feierlichst tiberreicht 

Mit der Ausfahrung des Ehren bürgerbriefes 
und mit dem Entwürfe des zugehörigen Einbandes 
war Prof. Döjiler d. j. betraut worden, der, wie be- 
kannt, seine Meisterschaft schon in zahlreichen Ar- 
beiten ähnlicber Art bekundet hat. Der KOnsUer 
besitzt eine besondere Gabe, solchen Urkunden und 
Diplomen bei aller Grazie und Schönheit ein wBr- 
diges, schier monumentales und feierliches Gepräge 
mit reichem, gedanklichem Inhalte passendster Form 
zu verleihen — ein Gepräge, aus welchem es echt 
Kilul(«watb«bl»U. K. F. III. 



deutsch und gemtitvoll anmutet Auch iu diesem 
Ehrenbßrgerbriefe fesselt er durch Eigenart und 
Schönheit der Komposition und die Kraft seines 
malerischen, in Gouachefarben erfolgten Vortr^es. 
Auf hohem Stufenunterbau erhebt sich vor 
der Nische einer säulengetragenen Palastarchitektur 
die mit Lorbeergewinden umkränzte Btiste Virchow's, 
beleuchtet von den goldenen Strahlen der Sonne, 
welche aus des Himmels Gewölk siegreich hervor- 
gebrochen ist. Hinter der wohlgetrofiFenen BQste 
schwebt mit ausgebreiteten Fittigen und malerisch 
flatternden Gewandmassen die edle Idealgestalt des 
Ruhmes, im Begriffe, dem Gelehrten den wohlver- 
dienten Kranz aufs Haupt zu setzen. Zu beiden 
Seiten des Postaments haben sich allegorische Ge- 
stalten niedergelassen: links, mit schönem Wurfe des 
Gewandes und mit der ehernen Tafel, jene der Ge- 
schichte, rechts jene männlich-kräftige des heilbrin- 
genden Äskulap und jene sanftere der Hygieia. 
Aus einer Seitennische schaut die Marmorstatue des 
Demosthenes hervor — ein Hinweis auf Virchow's 
orntorische Erfolge. Huldigend hat sich mit flattern- 
den Fahnen und Kränzen das Volk genaht, personi- 
fizirt durch Angehörige verschiedener Stände: durch 
den kräftigen Arbeiter, der den Spaten fQhrt, durch 
den Künstler, der seine Entwürfe unter dem Arme 



38 



DER EHRENBÜßGERBRIEF DER STADT BERLIN FÜR RUDOLF VIRCHOW. 



trägt, durch den gewappneten Kriegsmann und den 
Kaufinann. Li malerisch wirkender Gruppe stehen 
sie jubehid da, während von links her die königliche 
Gestalt der Berolina, die Städtekrone auf dem 
Haupte und den wallenden Mantel nach hinten ge- 
worfen, in Begleitung des Bären, des Wappentieres 
der Stadt, die Stufen hinanschreitet, um den Ehren - 
btirgerbrief vor der Büste niederzulegen. Unterhalb 
dieser herrlichen Frauengestalt fügen sich in reiz- 
voller Anordnung als linksseitiger Randschmuck die 
Darstellung des barmherzigen Samariters, der den 
Verschmachteten erquickt, umschlossen von einer 
ovalen Kartusche, und die Pläne der Kanalisation 
und des Städtischen Krankenhauses im Friedrichs- 
hain, sowie der menschliche Schädel und verschiedene 
medizinische Instrumente, als Hinweise auf den großen 
Anthropologen und Pathologen, an, umwallt von 
dem Weihrauche, welcher dem als Abschluss behan- 
delten Becken entströmt. Zu dieser krönenden und 
begleitenden Malerei gesellt sich die in Schwarz 
und Gold sorgföltig ausgeführte und trotz aller 
schmückenden Arabesken ungemein lesbare Schrift, 
welche des neuen Ehrenbürgers Verdienste um die 
Hauptstadt schildert. Eine in flacher Treibarbeit 
geschmückte Silberkapsel, das rote Wachssiegel der 
Stadt umschließend, ist dem Pergament mittels 
schwarzweissen Bandes angehängt. 

In ihrer Gesamtheit gewährt die Urkunde, deren 
Größe 41 zu 52 cm. beträgt, einen ungemein har- 
monischen und bedeutungsvollen Eindruck. Ihr 
entspricht in jeder Beziehung der in Maroquin von 
Franx Vogt gefertigte und vom Ciseleur Lindy Lehrer 
an der Ciseleurklasse der Unterrichtsanstalt des KgL 
Kunstgewerbemuseums, mit getriebenem Silberbe- 
schlage geschmückte Einband. 

Es kann nicht geleugnet werden, dass bei der 
Fülle von Adressen, welche in den beiden letzten 
Jahrzehnten aus Anlass der verschiedensten Ereig- 
nisse verdienstvollen und hervorragenden Männern 
des Vaterlandes dargebracht worden sind, in Be- 
zug auf die Einbände viel gesündigt worden ist. 
In dem Streben, etwas Reiches und Prächtiges 
zu schaffen, sind die zwecklichen Grenzen, welche 
auch in diesem Falle zum Erreichen eines guten 
Erfolges innezuhalten sind, nur zu oft überschritten 
worden. Mächtige Folianten sind hergestellt worden, 
welche die Täuschung erweckten, dass ihr Inhalt 
aus einigen Tausend Seiten bestehe, während sie 
doch nur einige Pergamentblätter bargen. Und bei 
solchen Attrapen traten Techniken, wie die 
Holzschnitzerei mit Hochrelief, in Dienst, welche 



bei solchen Einbänden nichts zu suchen haben, weil 
sie den Eindruck des Schwerfölligen und Unnatür- 
lichen nur erhöhen. Oder aber es wurden Materia- 
lien mit einander verbunden, wie Seide oder Sammet 
mit schwerem Metall, oder Leder mit Filigran, welche 
stofflich nicht zu einander passen, weil ihre Halt- 
barkeit und Derbheit grundverschieden sind. Kurz, 
der Einband wurde mehr oder weniger zu der 
Hauptsache gesteigert, so dass die Huldigungs- 
adresse in den Hintergrund treten musste. In solche 
Sünden ist man bei dem vorliegenden Einbände 
nicht verfallen: er ist gediegen, aber in richtigem 
Verhältnis zu dem Inhalte und dessen Bedeutung 
gehalten. Da Sammet oder Seide für den Einband 
solcher Urkunden, welche sich in den Familien der 
Gefeierten als teuere Vermächtnisse Jahrhunderte 
hindurch forterben sollen, wegen ihrer geringen 
Haltbarkeit nicht passen, so ist dem Leder der 
Vorzug zu geben und dieses in passende Verbin- 
dung mit dem flach gehaltenen Metallbeschlage zu 
bringen. Die Kunst hat dann Gelegenheit, sich 
an dem Beschläge in angemessener Weise zu 
äußern. Nach diesen Gesichtspunkten hat der 
Künstler den Entwurf zur Einbanddecke behandelt 
und auf Grund derselben eine vorzügliche Wirkung 
erzielt. 

Die Musterung des Silberbeschlages mit ihrem 
verschlungenen Bandwerk, welches die bestimmenden 
omamentalen Linien abgiebt, und mit dem zierlichen 
Füllwerk von feinen Blüten, Früchten, geschwun- 
genen und gerollten Blättern ist durch Lind's 
vorzügliche Technik in ihrem eigenartigen Reiz 
vollkommen zum Ausdruck gebracht. Wie bei ver- 
wandten Metallarbeiten Indiens und der deutschen 
Renaissance ist jenes Füllwerk zwischen den Bändern 
mit feinei^^ Punzen von oben durch Niederschlagen 
der Tiefen herausgebracht, aufs feinste modelliert, 
alsdann alt vergoldet und schwarz ausgerieben wor- 
den, während das tracirte Bandwerk und ebenso das 
umrahmende, schön geschwungene und verbundene 
Ranken- und Blattornament, welches von rückwärts 
fein herausgetrieben und modellirt ist, seinen grauen 
Silberton beibehalten hat. Zu mäßiger Höhe entwachsen 
organisch diesem flach gehaltenen Ornament des Be- 
schlages auf jeder Deckelseite fünf runde Silberknäufe, 
von welchen vier in ihren oberen Flächen mit Ro- 
setten von rotem, grünem und gelbem Golde in 
tauschirter Technik geschmückt sind, umgeben von 
fein niellirten Konturen, während die Fläche des 
fünften und mittelsten Knopfes das Monogramm 
Virchow's in derselben Technik in zweifarbigem 



DER EHREN BÜRGERBRIEF DER STADT BERLIN FÜR RUDOLF VIRCHOW. 



39 



Golde aufweist. Ad den AbfasuDgen sind sämtliche 
KnSpfe noch mit goldenen Blätteren t&aschirt 

Wie die Vorderseite des Deckels ist auch die 
Rückseite behandelt, nur mit dem unterschiede, 
dass die Vei^oldung des fallenden Ornaments zwi- 
schen dem Bandwerke weggefallen und der Silberton 
beibehalten ist. 

Eine Falle tod Arbeit steckt in diesen Be- 
schlägen, zumal ihre Ausführung in Platten von 
einem Millimeter Stärke mit größter Sorgfalt ge- 
schehen ist In den feinen, oft unmerklichen Hebun- 
gen und Senkungen des Blattwerkes, wie Überhaupt 
in der charakteristischen Ausprägung der Formen 
hat Lind sein Können in erfreulichster Art bewährt. 
Diese liebevolle Durchführung, welche das Einzelne 
gefunden, hat denn auch zu der schönen und 
vollkommenen Wirkung des Ganzen beigetragen. 
Eine feine Harmonie und eine prächtige Solidität 
äußern sich in dem ganzen Kunstwerk. Der milde, 
gedämpfte Glanz des Al^oldes und der graue 
Silberton im Beschläge wirken unter sich und ebenso 
in ihrer Verbindung mit dem matten, tiefen Rot 
de.« Leders ausgezeichnet 



Es gewährt einen rechten Genuss, sich in eine 
Arbeit zu vertiefen, welche, wie in diesem Falle, 
mit feinem Geftlhl und mit sorgsamem Fleiß unter 
Anwendung edler technischer Verfahrungsweiseu ge- 
liefert worden ist Bilden doch in der Zeit der Massen- 
produktion solche Werke, in welcher die Individualität 
und die Feinfahligkeit der menschlichen Hand zn 
gewinnender Äußerung gelangen, erquickende Oasen, 
die zu unserem Tröste eritennen lassen, dass wenn es 
gilt, das Höchste und Beste zu leisten, die Maschine 
zurücktreten muss. Und dementsprechend ist der 
Wunsch berechtigt dass sich ähnliche Aufträge, 
welche die Bethatigung echten und rechten ktlnst- 
lerischen Geistes und kunsthandwerklichen Könnens 
ermöglichen, in immer wachsender Fülle darbieten 
möchten, denn nur der Beschäftigung mit ihnen 
entquillt jene belebende Kraft, welche zn frohem 
Weiterstreben anspornt, und welche sich zugleich 
erweist als ein wirksames Gegenmittel gegen eine 
bedauerliche Verflachung, wie sie unter dem ein- 
seitigen Einflüsse der mehr oder weniger schablo- 
nenhaft schaffenden modernen Industrie notwendige!^ 
weise entstehen muss. GEOIiO BUSS. 



ObcrUeht^tttr ftus dem Kloster la OttobQnren b«i Hanuningen. AnftiBtama v 



WAND- UND DECKENSCHMUCK EINES RÖMISCHEN 
HAUSES AUS DER ZEIT DES AUGUSTUS. 



VON JULIUS LESSINQ. 
MIT EINER TAFEI, 



U Jahre 1880 stieß man an 
einer von der Kunst geweih- 
teD Stätte, in dem Garten 
der Faniesina zu Born bei 
Gelegenheit der Tiberregii- 
liruug auf die Spuren eines 
römischen Hauses. Man ging 
_ _ bei der Aufdeckung vorsich- 

tig zu Werke und hatte die Qenugthuung, nicht 
nur einen großen Teil der Wände, sondern sogar 
der Decken wieder aufzufinden. Viele Jahre lang 
haben diese Schätze verpackt und verbeißen gelegen 
und sind erat seit kurzem in dem neu eingerich- 
teten römischen Museum der Diokletians-Themien 



*) Wand- nnd Deekenscliinniik eines rSmlschen 
Hauses aas der Zelt des Aa^stns. Hurauugegebuu vom 
kaisetl. deutachen Archaologigchen Institut Mit 
Erl&uteruagen von Julius Legsin; und An^st Mau. 10 

Tafeln fulio. Iktlin, Georg Keiuier, 1891. 



zugänglich gemacht. Aber bald nach der Aufdeckong 
hat das Deutsche archäologische Institut genaue 
Aufnahmen hergestellt und dieselbe in den Mono- 
menti veröffentlicht Diese Publikation enthät mit 
wissenschaftlicher Genauigkeit alle Einzelheiten, be- 
sonders der figOrlichen Ausmalung, welche mit ihreD 
Darstellungen der Rechtspfiege ein eigenes antiqua- 
risches Interesse bietet. Aber viel weiter reichena 
ist das Interesse der rein dekorativen Teile und es 
ist daher in hohem Grade dankenswert, dass die Di- 
rektion des Institutes eine besondere Ausgabe dieser 
Tafeln zum Nutzen unseres Kunstgewerbes veran- 
staltet hat. Hierfür sind, unter Fortlassung der nnr 
archäologisch wichtigen Stücke, sechsxdtn Tafeln aus- 
gewählt, darunter drei in vollendet schönem Farben- 
druck, eine in Lichtdruck. Den erklärenden Teit 
zu den Tafeln hat August Mau verfasst, dessen ein- 
gehende Forschungen auf dem Gebiete der antiken 
Wandmalerei hinreichend bekannt sind, der Unter- 



42 



WAND- UND DECKENSCHMUCK EINES RÖMISCHEN HAUSES etc. 



zeichnete wurde von dem Institut aufgefordert, in 
der Einleitung auf die Bedeutung der Funde f&r 
die dekorative Kunst hinzuweisen und hat sich dieser 
Aufgabe gerne unterzogen, da er die Einf&hrung 
dieses Materials in unsere moderne Kunst f&r eine sehr 
wichtige Bereicherung unseres Formenschatzes hält. 

Wir kennen die dekorative Malerei der antiken 
Welt zumeist von den Wänden Pompejis. Die 
Prachtwerke von Zahn und Temite befinden sich 
in unseren Bibliotheken und scheinen ein fast über- 
reiches Material flir jeden zu bieten, der sich mit 
diesem Formenkreise vertraut machen «will. In diesen 
beiden Hauptwerken fehlt aber zunächst die Über- 
sicht über das Haus als Ganzes, ja sogar über das 
Zimmer als geschlossenen Raum, wir sehen fast 
immer nur die einzelne Wand. Diesem Übelstande 
hilft das Werk von Niccolini „le case di Pompeji" 
ab, aber die Bilder sind mangelhaft und das Werk 
ist schwer zugänglich. 

Einen zweiten Übelstand dürfen wir nicht über- 
sehen: Pompeji ist eine Provinzialstadt und verfügte 
nicht über Kräfte ersten Ranges, wie sie das kaiser- 
liche Rom besaß. Dieses Unterschiedes wurden wir 
uns zum ersten Male voll bewusst, als 1868 einige 
Gemächer in den Kaiserpalästen des Palatin aufge- 
deckt vnirden. Die beiden durch Gropius (Archiv 
für omamentale Kunst Tf. 59 und 65) bekannt ge- 
wordenen Wände sowie zwei andere vom Institut 
(Monumenti XI 22 und 23) veröffentlichten zeigten 
eine Große und Vornehmheit der Durchführung, 
welche alles bisher aus Pompeji bekannte weitaus 
überragte. Hiermit war aber unser Material ziem- 
lich zu Ende. 

Wir vnssen freilich, dass man seit dem Beginne 
der Renaissancekunst mit großem Eifer den Resten 
antiker Wandmalerei in Rom nachgegangen ist. An 
den Wänden der Thermen der Kaiserpaläste begei- 
sterten sich Raffael und seine Schule zu jener wun- 
derherrlichen Ausmalung der Loggien, welche für 
die moderne dekorative Kunst eine neue Grundlage 
schuf. Aber jene römischen Malereien sind im 15. 
und 16. Jahrhundert nur schlecht zugänglich ge- 
wesen, oder sind, sobald sie freigelegt waren, durch 
Luft und Licht zu Grunde gegangen. Einzelnes ist 
uns in Skizzenbüchem jener Zeit erhalten, von grö- 
ßeren Funden, namentlich des 15. Jahrhunderts, 
wurden Kupferstichwerke veröffentlicht, aber diese 
Abbildungen geben zumeist nur die hauptsächlichen 
Gemälde mit ihrer Einrahmung, das rein Ornamen- 
tale wird vernachlässigt oder so schematisch be- 
handelt, dass es uns ebenso sehr verwirrt als belehrt 



In diese Lücke tritt nun als Ergänzung von 
hoher Wichtigkeit das Haus der Farnesina. Die 
Malerei ist einfacher als vieles, was wir in Pompeji 
finden, die Bilder sind nur sparsam eingefügt, die 
phantastische Architektur, welche die Wände teilt, 
begnügt sich mit maßvoller Gliederung. Aber alles 
ist geistvoll, flott und meisterhaft behandelt, nirgends 
ein Zuviel. Gerade diese Einfachheit giebt den Räu- 
men den Charakter vornehm geschlossener Rahe, 
welche wir in Pompeji nur zu oft vermissen. 

Von besonderem Werte ist uns auch die Erhal- 
tung der Decken. Die Art der Einteilung in Felder 
verschiedener Große ist aus älteren Funden bekannt., 
aber hier konneu wir verfolgen, mit welchem Reich- 
tum von Erfindung das einmal angeschlagene Thema 
variirt wurde. Die in Stuck geschnittenen Orna- 
mente und Figuren, von welchen eine Lichtdruck- 
tafel Proben giebt, sind wohl das Reizvollste, was 
uns die dekorative Plastik der Antike erhal- 
ten hat. 

Die VeröflFentlichung dieses romischen Hauses 
kommt zur guten Stunde. Der Geschmack unserer 
Zeit fangt veieder einmal an, wie schon so oft, nach 
lustigem Herumschwirren in krausen Formen, sich 
der strengeren Linienführung der Antike zuzuwen- 
den. Wir haben dafCLr einen sehr sicheren Baro- 
meter auf den Eunstauktionen: die Empire-Stücke 
steigen! Unsere Eunstgewerbeausstellungen beleh- 
ren uns desgleichen. Sicherlich aber wird und kann 
man sich nicht damit begnügen, die Formen des 
Empire nachzuahmen, man geht über sie hinaus auf 
ihr eigentliches Vorbild, die römische Antike. Und 
wenn die Zeit um 1780 glücklich war, auf den 
noch neuen pompejanischen Funden fußen zu können, 
so besitzen wir jetzt eine Fülle damals noch unbe- 
kannter griechischer Arbeiten, welche einer Wieder- 
belebung den eigentlichen Adel geben werden. 

Diesen Funden reiht sich auf das glücklichste 
das Haus der Famesina an, welches uns für die 
Ausmalung Vorbilder giebt, die fast direkt übernom- 
men werden können, wenn es sich um Räume han- 
delt, die, wie jene alten, nicht mit Möbeln besetzt 
wurden. Aber weit darüber hinaus werden sie jedem 
ernsthaft schaffenden Künstler eine Fülle von An- 
regung bieten, sie werden das sehr viel reichere 
Material der pompejanischen Funde nicht überflüssig 
machen, sie werden es im Gegenteil erst recht e^ 
schheßen, indem sie dem Künstler für gehaltene 
und vornehme Benutzung desselben einen wahrhaft 
klassischen Maßstab geben. 



Tiroler Truhe von Kiefernholz. Einlagen von Kussbaum uod Palisanderholz. 
Im Besitze des Herrn Eabnadth, Fachschuldirektor in Bozen. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



L. Berlin. Ausskllutti/ im Kuitslgewerbemuseum. Nach- 
dem im KönigliclieQ KunstgewerbemuBeum bereits im Laufe 
dea Jahres eine neu erworbene große Sammlung orientiilischer 
Wandfliesen ausgestellt war, hat daseelbe jetzt im Lii^bthofe 
die übrigen Neuerwerbnngen des zu Ende gehenden Jabres 
gemeinsara mit einer Änzab! von neuerdin;^ angefertigten 
Ebrengea dienten , einipen Leihgaben , moilemen Äibeiten 
und einer größeren Zusammenstellong von Unterricht amate- 
rial zu einer sehenswerten Ausstellung vereinigt. Unter den 
Ebrengescbenken sind zunBx:hst die freilieb b.^i weitem mehr 
durch materiellen aU durch künstleriscben ^Ve^t hervorra- 
genden beiden goldenen Kassetten zu nennen, in welchen 
dem Kaiser bei seinem diesj&brigsn Besuche Londons die 
Adressen der Korporation der City und der Fiscbh&ndler- 
gilde überreicht worden sind; ferner die erst jetzt fertig ge- 
wordene, vom Professor Behrendt raodelürte und im Museum 
ausgeführte bronzene (ilück wünsch- und Ehrentafel der deut- 
schen Städte zum ÜO. Geburtstage Moltkes, ein stattlichea 
vornehmes Werk; des weiteren die zu Ehren von Belmholtz 
[von Tautenhajn in Wien) und Virchow (von A. ScharS da- 
selbst) in hober Vollendung hergestellten Medailh'n, sowie 
eine Auswahl künstlerisch wertvoller Adressen, widche den 
berühmten Forschem zu ihren 70. Geburtatagen gewidmet 
worden sind. Unter den Arbeiten befinden sich u. a- zwei 
Kassetten von ganz hervorragend schöner Ledernrbeit, völlig 
verschiedener Art, in tadelfreier Ausführung und \on fein- 
stem Geachmack, welche als Umhüllung der Viriliowme- 
daillen dienen, ebenfalls Wiener Arbeit von P. Pollack. Er- 
wShnenswert ist noch der EbrenbQrgerbrief der Stadt Berlin 
für Virchow von Prof Doeplet d. j. in einer Majiiie mit 
reicher Metalldekoration, sowie derjenige tZr Piof. Koch mit 
einem trefflich modellirten und ciselirten Kopf der Djgiea. 
beides, soweit MetAllarbeit in Betracht kommt, im Kunstge- 



werbemuseum gefertigt; femer eine Adresse der Uoivemit&t 
Bologna in einer Mappe von guter, namentlich durch rich- 
tige Behandlung des Materials ausgezeichneter Lederarbeit, 
eine aufs reichste mit Silber und verschiedenfarbigen Emails 
in byzantinischem Stil geschmückte Adresse russischer Arzte 
u. s. w. Die physikalisch -technische Heicbsanstolt hat ihrem 
Tjeiter Helmboltz eine Adresse in mächtiger Mappe gewidmet, 
deren Vorderseite eine aufs reichste figürlich und ornamen- 
tal geschmückte Metallplatte deckt; diese ist durch Anlaufen 
nach einem in der genannten Anstalt ausgebildeten Ver- 
fahren verschiedenartig gefärbt, eine Technik, welche an- 
scheinend noch in ihren Anfängen steht, aber wohl einmal 
von Bedeutung für da« Kunstgewerbe werden kann. Die 
Leihgaben besteben zunächst aus zwei Erinnerungen an 
Luther, deren Besitzer die Universit&t Greifswold ist: dem 
sogenannten Croyteppich, über den wir früher berichtet 
haben, sowie ein vergoldeter Sockel nebst einer för da« 
Museum hergestellten galvanoplastischen Nachbildung, den, 
laut Inschrift die Stadt Witt«nberg Luthern als Hoobzeits- 
gabe gewidmet bat. Eine weitere Leihgabe sind Kirchen- 
gewänder aus dem Kloster Oliva, bezeichnet 1636 und 163T, 
mit reichen, schOn gezeichneten Ornamenten in Gold- nnd 
Seidenstickerei auf roter Seide, Kunstwerke von höchster 
Vollkommenheit. Unter den Erwerbungen befinden sich vor- 
treffliche italienische Bronzen aus dem IG. Jahrhundert, apa- 
niache Pistolen in reicher Arbeit nnd französische Bronzen 
— darunter vier größere Karyatiden — die Jahreszeiten vQr- 
etellend, Modelle von einem Seh muck schrank der Königin 
Maria Antoinet.te — des vorigen Jahrhunderts — ein Mi- 
niatrantenpult in reicher Holzschnitzerei , bemalt und ver- 
goldet aus Venedig um IGOO, verschiedene gute Lederarbei- 
ten, Erzeugnisse japanesischen Kunstfleißes , altcbinesiache 
Seladona, einige erlesene italienische Mt^oliken des 16. Jahr- 



44 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



hunderts, Meißener Porzellane u. s. w. Besonderer Erwäh- 
nung wert ist noch eine persische Glasschale mit Untersatz 
aus dem 17. Jahrhundert von schöner, königsblauer Farbe, 
reich vergoldet und emaillirt, ein ebenso durch Schönheit 
ausgezeichnetes, wie seltenes Stück, wie es bisher nur im 
Britischen Museum vertreten war. Von den modernen Ar- 
beiten sind erwähnenswert mehrere tüchtige Leistungen der 
Bronzeklasse des Museums: Rokoko wandleuchter und Mon- 
tirungen für chinesische Vasen, femer einige in Bronze und 
Eisen getriebene Bildnisse vom Giseleur 0. Rohloff, dem jet- 
zigen Leiter der Ciseleurklasse des Museums, getriebene Ar- 
beiten in Leder und Kupfer aus der Werkstatt von B. Hirsch- 
wald hier, ein dem Museum geschenkter Marmorkamin im 
Stile der Regentschaft für das im vorigen Jahre erworbene 
Zimmer aus dieser Zeit von F. Wolle & Co., sowie Proben 
des Rohmaterials und ein ausführliches Bild in Glasmosaik 
aus der hier errichteten deutschen Glasmosaikanstalt von 
Wiegmann, Puhl & Wagner, einem Unternehmen, welchem 
im Interesse der heimischen Kunst gutes Gedeihen zu wün- 
schen ist. Einige Stickereien von recht guter Ausführung 
werden durch die oben erwähnten alten Stücke in den 
Schatten gestellt. Die geschilderten Gegenstände füllen die 
eine Hälfte des Lichthofes, während die andere durch ein 
reiches, das höchste Interesse beanspruchendes Lehrmaterial 
für die kürzlich an der Unterrichtsanstalt des Museums er- 
richtete Naturstudienklasse des Prof. Meurer eingenommen 
ist, in welcher die Entwickelung der Kunstformen aus denen 
der Natur von Grund aus und systematisch gelehrt wird. 

Karlsruhe, im Dezember. Seit einer Reihe von Jahren 
sind wir hier in Karlsruhe gewohnt, den Reigen der Weih- 
nachtsausstellungen durch den in diesen Tagen stattfinden- 
den Baxar der KunsstickereischtUe des Badischen Frauenver- 
eins in glänzendster Weise eröffnet zu sehen. Ganz beson- 
ders ist dies aber in diesem Jahre der Fall und die in den 
Räumen der Kunststickereischule geschmackvoll angeordnete 
Ausstellung bietet uns ein reichhaltiges, farbenprächtiges 
Bild hervorragender Leistungen kunstgeübter Frauenhand. 
Ein Hauptstück ist der mächtige, von der Oroßherxogin, 
für die neuerbaute katholische Kirche der hiesigen Süd- 
stadt gestiftete Altarteppich; eine im frühgotischen Stile 
entworfene Applikationsarbeit von Tuch auf Tuch, in den 
vollen y ernst und vornehm wirkenden Lieblingsfarben des 
Mittelalters, blau, gold, oder gelb und rot gehalten. Be- 
kanntlich leistet die Schule gerade auf diesem Gebiete kirch- 
licher Stickerei ganz Hervorragendes und Mustergültiges, 
dank der unermüdlichen Fürsorge der hohen Protektorin, 
welche fortwährend, zumal Abendmahls- und Altardecken, 
für die Kirchen des Landes in der Anstalt herstellen lässt. 
Neben diesem erwähnten Teppich dürfte wohl ein auf Be- 
stellung gearbeitetes, in Gold auf Weiß gesticktes sogen. 
Theetuch, dessen Kante eine altvenezianische Nähspitze bil- 
det, das interessanteste und vornehmste Stück der Ausstel- 
lung sein. Ein im Stielstich gefertigtes schwungvolles Ran- 
kenmuster ziert die großen Felder, deren omamentale Um- 
rahmungen in der sogen, arabischen Technik des Stiel- und 
Flachstiches ausgeführt sind. Ebenso bildet eine alte spa- 
nische Leinenspitze von reizender Zeichnung die Umran- 
dung einer in der dazu passenden spanischen Technik der 
Durchbruf'harbeit in Weiß und Gold auf rotem Damastunter- 
grund gefertigten kleineren Tischdecke, die derselben Be- 
sitzerin, yrie die obige, gehört In derselben spanischen Ma- 
nier ausgeführt, aber mit farbiger Ausfüllung des ^Musters 
in Plattstich sehen wir daneben[]gleichfalls eine kleine Tisch- 
decke, die in jeder Hinsicht zu den kostbarsten und kunst- 
reichsten Stücken der Ausstellung; gehört. Oberhaupt sind 



diesmal gerade die feineren Arbeiten in Applikationstechnik, 
Plattstich und dem jetzt wieder stark in Aufnahme gekom* 
menen, ursprünglich wohl aus Ungarn stammenden point 
d'Unghero, der in der italienischen Renaissance sehr im 
Schwünge war, aufs reichhaltigste und beste vertreten. Die 
Technik desselben besteht bekanntlich in der Altemirung 
von großen und kleinen Flachstichen, während das Muster 
vorwiegend die geflammten, in der Farbe reich nüancirten 
charakteristischeji Zickzacklinien ein dem Orient entstammen- 
des Dekorationsmotiv, aufweist. Einem kleinen Sofa dieser 
Technik schließen sich eine reiche Anzahl Sofiä-Streifen und 
-Schoner, Läufer und Deckchen in den verschiedensten 
Größen und feinen Sticharten an. Auch von der neuerdings 
so bevorzugten Stickerei mit Verwendung alter, insbeson- 
dere kirchlicher gestickter Gewandteile führt uns die Aus- 
stellung hervorragende Beispiele vor. So besonders eine auf 
rotem Seidengrunde neu applizirte Wanddekoration im 
schwungvollen, farbenprächtigen Spätrenaissancestil (Louis 
XIY.) gehalten und eine desgleichen mit applizirten Einzel* 
motiven, im Anklang an japanesische Vorbilder. Dass ferner 
daneben die kunstreichen, hauptsächlich durch die Zeich- 
nung wirkenden Leinenstickereien in Kreuz- und Ausfüll- 
stichen, die in früheren Jahren das Hauptkontingent der 
Ausstellung bildeten, nicht fehlen durften, wollen wir nur 
beiläufig erwähnen. Als etwas Neues lernen wir diesmal 
die in der sogen. Lustra-paint-Technik ausgeführten kleinen 
Salonmöbelchen kennen; — eine allerdings vielleicht mehr 
von den Launen der Mode, als von den strengen Gesetzen 
der Kunst eingegebene, immerhin recht gefällig wirkende 
und relativ leicht und mühelos herstellbare Verbindung von 
Stickerei mit Malerei, wobei das in Bronzefarben mit Unter- 
lage von Aquarellmalerei ausgeführte Füllungsomament mit 
Konturen von Goldschnur umstickt wird, so dass das Ganze, 
in einiger Entfernung gesehen, den Eindruck einer farbigen 
Stickerei in Plattstich gewährt. Neben all diesen kunst- 
reichen Techniken pflegt die Anstalt bekanntlich aber auch, 
infolge der Intentionen ihrer hohen Protektorin, die uner- 
müdlich bestrebt ist, der Frauenarbeit neue segensreiche Ge- 
biete zu erschließen, die Kartonnage- und Buchbinderarbeiten 
und auch hierin bietet uns die Ausstellung ein reichhaltiges, 
fesselndes Bild mustergültiger Leistungen. So gewahren wir 
eine ansehnliche gewählte Kollektion feinster Salonmöbel- 
chen und -Gegenstände aller erdenklichen Arten, die sämt- 
lich bis auf die Polstermöbel von den kunstfertigen Damen 
der Schule selbst montirt sind. Als eine gewiss reizvolle 
Neuerung ist hierbei die Verwendung von duftig zarter Aqua- 
rell- und Gouachemalerei, welche die Felder dieser Karton- 
nagearbeiten, wie Schmuckbretter, Photographie- und Nipp- 
sUUider, Rahmen etc. in anmutigster Weise dekorirt, zu be- 
grüßen. 

X. Düsseldorf. Der Centralgeicerheverein för Rheinland, 
Westfalen und benachbarte Bezirke hielt am Mittwoch, 
23. d. Mts., die zehnte ordentliche Generalversammlung. 
Im Anschluss an Punkt 1 der Tagesordnung hielt Herr 
Direktor Fravberger einen Vortrag Über seine neuesten Er- 
werbungen Herr Frauberger befand sich ungefähr fünf Mo- 
nate lang vom Beginn des Verwaltungsjahres ab auf einer 
Orientreise, zu der ihm von einem hochherzigen Vereinsmit- 
gliede eine Summe von 25000 Mark zur Verfügung gestellt 
worden war. Die dort von ihm gemachten Erwerbungen 
verteilen sich auf die verschiedenen Gruppen der orienta- 
lischen Kunstindustrie und füllen manche wichtige Lücke 
aus. Das Museum ist dadurch um tausend Nummern ver- 
mehrt worden. Zugleich hat Herr Dr. Bock auf der iberi- 
schen Halbinsel eine große Anzahl spanischer und portu- 



Einband des EhrenbQrgerbriefea der Stadt Berlin für Rudolf Virchow. 
Einband von Fbanz Voot. Silberbeschl^ vom Ciaeleur Likd, Berlin. 



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»^' 1*8-- * ■=? ^^. . ^ -tAs'?^ 



Zierschrank. 
Entworfen nnd ftoEgefOlirt von L. J. Pbtsr, HofmObelfabrik in Mannheim. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



45 



giesischer kunstgewerblicher GegenstSjide zuBammenge- 
bracht, deren Ankauf ein Yereinsmitglied durch die Schen- 
kung von 5000 M. ermöglicht hatte. Die Erwerbungen 
des Hm. Frauberger sowie die spanischen Ankäufe waren 
während des Sommers in der Kunsthalle (Photographien) 
und im Museum (Sammlungsobjekte) ausgestellt. Inglei- 
chen wurden einzelne Gruppen der reichen Sammlungen, 
die allmählich zur definitiven Aufstellung hergerichtet wer- 
den, nach einander zur OfTentlichen Ausstellung gebracht. 
So u. a. die persischen Sammete, zu denen ein kleiner Fuh- 
rer herausgegeben war; die Sammlung der Schmuckkästchen, 
Fayencen von Kutahia, Geräte etc. Die wichtigste Frage, die 
den Verein seit den letzten Jahren ununterbrochen beschäf- 
tigt, ist die des Neubaues. Derselbe ist jetzt gesichert 
durch die Gewährung einer Staatsbeihilfe von 100000 Mark. 
Der Kostenanschlag für den geplanten Museumsbau beziffert 
sich auf 270000 M., von welchem Betrage 250000 Mark ge- 
deckt sind. Die vom Verein angebahnten Hausindustrien in 
Neroth, Gerolstein und Heimbach haben guten Absatz. Die 
Anregungen in Idar, Krenznach und Ochtrup (Goldschmiede- 
und Töpferkunst) sind auf guten Boden gefallen. Somit kann 
der Gentralgewerbeverein nach wie vor mit großer Befriedi- 
gung auf seine Ergebnisse blicken. Der neue Etat balancirt 
in Einnahme und Ausgabe mit 32800 Mark; von den Ein- 
nahmen sind 16500 Mark Zuschüsse von Behörden und 13900 
Mark Mitgliederbeiträge. Die Sammlungen wurden besucht 
von 8062 Personen, die Vorbildersammlung und Bibliothek 
benutzt von 4300 Besuchern. Ffir den Einfluss, den der Ver- 
ein in dem Gebiet seiner Thätigkeit ausübt, spricht die Ver- 
sendung von 13458 Blatt Vorbildern und 1827 Sammlungs- 
objekten. 

Ein Muster-Afusterbuch. — Es ist zwar nicht Sache 
des Kunstgewerbeblattes, Musterbücher anzuzeigen — ob- 
wohl deren Bedeutung in späteren Zeiten als Quellen- 
material zur Geschichte der Kleinkünste groß werden dürfte, 
— aber keine Regel ohne Ausnahme, und ein Musterbuch, 
wie es die Firma L. Ä. Riedinger in Augsburg gele- 
gentlich der Frankfurter Ausstellung zur Ausgabe gebracht 
hat, verdient nicht nur Erwähnung, sondern sogar Bespre- 
chung. Dasselbe ist den Geschäftsfreunden, Architekten und 
Freunden des Kunstgewerbes gewidmet und enthält auf 21 
Tafeln eine Anzahl Beleuchtungskörper, von der frühmittel- 
alterlichen Lichterkrone bis zu den modernsten Versuchen, 
den Anforderungen des elektrischen Lichtes in neuen Kunst- 
formen gerecht zu werden. Diese Abbildungen sind nicht, 
wie in den meisten Musterbüchern, in möglichst billigen und 
deshalb miserablen Lichtdrucken oder Autotypien, sondern 
in flotter Federzeichnung, zum Teil von größter Vollendung, 
im Atelier von Lambert & Stahl hergestellt. Eine Probe 
davon konnten wir unseren Lesern im vorletzten Heft des vo- 
rigen Jahrgangs als Beilage vorlegen. Eine kurze Einlei- 
tung legt die Gesichtspunkte dar, nach welchen in künstle- 
rischer Richtung die Firma Riedinger geleitet wird, weist 
auf die außerordentlichen Hilfsmittel hin, die den Künstler- 
ateliers in der kostbaren Privatsammlung der Herren Rie- 
dinger — die vielen Besuchern der Augsburger Ausstellung 
vom Jahre 1886 noch in der Erinnerung sein werden — und 
die kunstgewerbliche Sammlung der Firma, die neben einer 
umfassenden Bibliothek und einer Kollektion von 10000 
Kupferstichen und Originalskizzen zur Verfügung stehen. 
So ist denn auch an zahlreichen Erzeugnissen der Einfluss 
des Studiums alter Vorbilder zu beobachten, die nicht in 
sklavischer Nachahmung, sondern in freier Erfassung der 
Bedeutung und Verwertung der alten Formen verwendet 
sind. Diese Anerkennung des Wertes alter kunstgewerb- 

Kanstgewerbeblatt. N. F. III. 



lieber Muster, ausgesprochen an richtiger Stelle und von 
einer Firma, die in ihrem Fache künstlerisch unbestritten 
auf der Höhe steht und auf der Basis der Erfolge, ist um 
so wertvoller und beachtenswerter, als heute noch viele Fa- 
brikanten und Handwerker die kunstgewerblichen Samm- 
lungen als nutzlose und Überflüssige Rumpelkammern an- 
sehen, aus denen nichts zu holen sei. Diejenigen, die die 
Zeichen der Zeit erkannt und die künstlerische Hinterlassen- 
schaft unserer Väter studirt haben, haben noch immer ihre 
Rechnung dabei gefunden. 

Sin neuer „BrookhauB'^ Im Jahre 1796 erschien 
zu Leipzig bei Löbel der erste Band eines Konversations- 
lexikons , welches nach verschiedenen Irrfahrten 1808 von 
F. A, Brockhatis, damals in Altenburg, angekauft und später 
in Leipzig glücklich vollendet wurde. Diese erste große 
deutsche Encyklopädie in lexikalischer Form (das große sog. 
Zedlersche Lexikon 68 Bände 1732 — 1754 kommt hier ver- 
gleichsweise nicht in Betracht) hat sich als ein monumen- 
tales Werk deutschen Fleißes und deutscher Wissenschaft; 
durch fast ein Jahrhundert behauptet. Im schweren Kampf 
mit hochachtbaren und un verächtlichen Gegnern ist es drei- 
zehn Mal in neuer Auflage auf dem Platz erschienen und 
stets siegreich auf dem Platze geblieben; in edlem Wett- 
streit haben es ihm die Gegner und Genossen nachgethan, 
und dieser Wettstreit ist deutscher Forschung, deutscher 
Wissenschaft und Verbreitung deutscher Bildung zu gute ge- 
kommen. Zum vierxehnten Mal beginnt jetzt Broekhau^' 
Konversationslexikon seinen Siegeszug durch die Welt; wo 
immer Deutsche wohnen, da gelangt der „Brockhaus" hin 
und mit ihm zieht Bildung, Aufklärung und Intelligenz ein« 
Mehr wie alle anderen Bücher vielleicht haben unsere deutr 
schen Encyklopädien dazu beigetragen, die Aufklärung in 
den breiten Schichten des Mittelstandes zu verbreiten; man 
rede nicht davon, dass dieselben die Oberflächlichkeit und 
Halbbildung fördern: wer das behauptet, hat sich nie ernst- 
lich in denselben umgesehen. Es sind allerdings keine Lehr- 
bücher: aber wo die ersten Geister der Nation in streng 
wissenschaftlicher Weise, aber allgemein verständlicher Form 
zu den besten Kreisen des Volkes reden, da kann von För- 
derung der Halbbildung keine Rede sein. Der beste Beweis 
für den Wert dieser Encyklopädien ist die Nachahmung der- 
selben bei anderen Nationen: Franzosen, Engländer, Italie- 
ner und Spanier, wo immer Drang nach Bildung vorhanden 
hst, sind den Deutschen gefolgt. 

So stehen denn dem Unternehmen auch jetzt auf seiner 
vierzehnten Weltreise wieder gegen 350 Mitarbeiter, dar- 
unter die ersten Männer der Wissenschaft, zur Verfügung. 
Unter 6800 Stichworten (gegen 3800 der letzten Auflage) 
wird man auf alle Fragen im Gebiete menschlichen Wis- 
sens Auskunft erhalten und durch 9000 Abbildungen, zum 
Teil auf Tafeln oder im Text , werden die Artikel erläutert 
werden. Vor uns liegt der erste stattliche Band, 64 Bogen 
stark, in glänzender typographischer Ausstattung: zählt er doch 
allein 71 Tafeln, darunter 8 in vorzüglichem Farbendruck 
und 25 Karten und Pläne. Von der Fülle des Materials an 
Text und Abbildung mag der Artikel Afrika, der heute ja 
alle Welt interessirt, einen Begriff geben: er umfasst einen 
vollen Bogen Text, mit 6 Karten und Abbildungstafeln. 
Rechnet man dazu, dass in demselben Bande auch Ägypten 
in ähnlicher Ausdehnung mit 6 Tafeln und Karten und 
Alexandrien wieder mit 4 Tafeln und Plänen zu finden ist, 
und nimmt weiter an, dass alle wichtigen Partien von 
Airika, wie Kapland, Natal, Kamerun etc. unter den betref- 
fenden Stichworten später behandelt werden, so kann man 
sich einen Begriff von dem machen, was hier geboten wird. 

7 



1 



46 



ELEKE MnTEILrNGEX. 



n Äi'.ikifUi z'-Jtr Kim»t i« w: 
r«i«n« atrSi». So nd -iw ahiayi-it^«. Knnd »>«■ T»- 
'^n^'Vi.dn^'juni. der iJesacinci-cb«) Ks:Kt ^» Taf«L 
4ec sL P*l«THtazae ia Bci^ 4> «ä kcmyv. der arabÖM^eB 

Mräir=iC der Si''j#;r>e9 imf— "ViT-ifhr» KicjC — Wir ^aah- 
t^ d>«<«s Biiv-^ Ulf (L« Stammnihd ii»«nra Lfans br- 
v.siiq« Kts^ÜK la Kia. wol ebb ndi hiv fidm>ll ^id 
Iptadlick ^V« f« K^KÖ» F ijyj iintenicct>v kaca. die in 
B^rii^chn B«iBBB n tivdn mc^ — Der CBi&iLf d«c 
Weck«* irt laf :•; Knie Intcoeut. die rw nnd ecfchiuck- 
T- ;: 0rt>=£,^« IM JK :•'• Mark 4der io 2X B«Aen n je 5" P%. 
■«<£ Bad BKk bcxoK^ «erie« kSan^ — 

"Etnia. fe* Oj-,*M«», Bei des riel«» Foftoehrrtten. die 
•üe ^-b-JtDpaik^äe Teräaök Bubt — j«derTsg bria^ £Mt 
V^acs — si,d M der «kitb vaetneaden Tetkreitnaf . die 
dive KbaecW TUc^et in Pabiiknai findet. BOclite« 



pa^iiF:: tn^vifs. di«f« B««eite Eneni^nii dn pbob^gn^-lii- 
•Hm LcttnaiET all eia Mfar » » efhai ittge« KmapaMÜDm eaa- 
;;^t>= Da* Weiki^n tft bei aller Knappbat dodi m- 
tK^^-ftnA. eeiir nscbfaahi^ nad ia der I>ant«lliii]^ setn klar 
«'>] faxLct. X«r «-«üsn derartigen Wcrka kaaa dai 
a^ebfn^Tthmt ««rde«. E> entbilt iL a. aorh <iia>iwiip.^ nu 
H«nt>^TlB^ 4v PaiiA<?püa. de* Fiatin- vmA de* Pigment- 
dracke*. der Tw^hrten Spief*-! TCegatiTe und der TergiS- 
r Hill! Yja BaofltftrMIt legt er anf Be^tecknng der 
vielbebni *orkcmnaidc« FeUer waA da«n Abhilfe. 

Hit einer Spenalüit anf de« Gebiete der Pbotogiaphie 
bncbSft:^ «■>b ein kleines Heft au» dem Lift^yan^>thra 



«^Idocf: 

I nd Glas. 

B«*aa^ ätdine Tee^^^ £hI acr 4mA die 

. kai:^^ ab» ia vie] 

v^itoTB UbSu« Verveal=ac tni/a. w«a da« Tor lityad e 

Bä«£:<:iB j^dea&Tj — "^V*-^ Aanfsac eMk&lt. 

£• l>iXI M>^ eis nrfmiftTf-rt Wok 



Gevrtkbie dn- F^x-oenjbi« ^ Bo^^ p-. S_ Pirä : 
Han;«bi>» V«rd^ Wkc^ IJM•Fl^w beäacö^ ii 
der Weite die E&nnck.ss^ dtr PboKci^iaie von den entea 
TerfQoc>°a an, ja ^rä ciit MiAcn For^as Ji f m in« AUertoai 
■nd llitulaher rcrärk. bt da* Back aaü £s eratec Linie 
fnr Farci^ne Ke«br>bcn. to «rrd et f^faer tmA des Laien, 
all I r li b«i den ungecreaie« Aa^ckrncf. d« die „Abm- 
tear-Pbo(oen]>iii«~ kede gevoiukea aal. vüIkaaaaaeB Hin 
□dJ liel de* laterewuiteB md Lei;jTeice«a k'ften- So Ana 
Kai^^el m. «e:«be* ^r.iKfaebe Vo^cite nad ^tdeckim- 
gea des IS. Jahiboadeita ÖÄrifst. In dts Abadisittoi 5 Ins 
12 «ad«B dann die Ta>ci:>den^ pboUigiapliisdeB Ter- 
UiiTB eine^becd bettaadrit. ma das aaa öa äbanehtliebes 
Bad aber die ^itwidücng da edaxeloea Zvdgc nad ihm 
Zata» aieaha ng mit d*tB Gicien giaiiint. Eine besondere 
lehimcbe Partie: .'üe Pbotofnjhie in kBnM>«ri9cba' Beaie- 
bniig~ hätte uaa ecva» laekr ■■nirdi liiil pg»aa*cht. denn 
ohne Frage snd bec:e die pb^toenfbiiefam Drucke aas den 
Atelio* TOB bacn. Daafimugl. da- pbo4agraphi«hea Ge- 
Klla-haft nad lai allem dor W;«cer und Beriiner Staate- 
anitaltm ab grOiiaT Kn iiw w gk e in betrachten, als Handerle 
TOD l^uadratmetein bemalter Leinwand. 

Dn- beuligai Jinmnier i~t die AbbQdcng eütea piicfa- 
tägen Zioichrankes beigegeben Aa in do' HoEinSbelfabrik 
von L. J. FrfT in ILiDub^im entworf^ and aoagefthil i«t- 




d«m WandschTinkefaen ai 



Nßue Folge IIL 



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1892. Nr. 4. 



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7\ 




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I 



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1892. Nr. 4. 






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Farbige Vorlageblätter. 

Zum Gebrauch für den Unterricht im Freihandzeichnen entworfen und gezeichnet von C. Deditius. 

20 Tafeln Querfolio, In Mappe 9 M. 

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blätter" als ein empfehlenswertes Hilfsmittel für das Zeichnen in Fortbildungsschulen erscheinen. 

Die Fortbildungschule 1888, No. 15. 

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amtlich eingeführt. _ . 

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mit besonderer Ber&cksichtiguug des gewerblichen Ornaraentzeiehnens. 

Ein systematischer Lelirgang 

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Georg Graf, 

Vorstand der Fachabteilung der gewerbliclien Fortbilduiigschule in München. 

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mit Text. Einzelne Abteilungen 2 M. jede zu 40 Tafela 

Wandtafeln 

für den Zeichenunterricht an Volksschulen und gewerblichen Fortbildungsschulen von Georg Gräf- 

20 Blatt auf Hanfpapier^ 63x84 cm., mit Text. 

Preis in Mappe 10 M. 
Diese Tafeln sind aus jahrelanger Schulpraxis hervorgefrangen , und ihre Herausgabe ist durch das Be- 
streben veranlasst, für den Massen- und Gruppenunterricht em durchaus brauchbares Material zu bieten. 

Stufengang des elementaren Ornamentzeichnens 

mit Kolorier- und Komponierftbungen. 

Eine auf dem Grunde der Leipziger Zeichenmethode stehende Anleitung zum Gebrauch an allgemein 

bildenden Lehranstalten von 

Martin Ludwig, 

Zeichenlehrer in Leipzig. 

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Ornamentale Formenlehre 

Eine systematische Zusammenstellurig des Wichtigsten aus dem Gebiete der Ornamentik zum Gebrauch 
fto Schulen, Musterzeichner, Architekten und Ge werbtreibende von Franz Sales Meyer, Professor 
an der Eunstgewerbeschule in Karlsruhe. 300 Tafeln mit erläuterndem Text. Großfolio. Li Mappe 

mit Zugband 78 M. 

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und sorgfältig durchgeführte Werk wird von der Fachpresse einstimmig als eine vorzügliche Leistung gepriesen. 

Ornamentvorlagen 

f&r Gewerbe, Fach- und Portbildungsschulen gezeichnet und herausgegeben von Ferdinand Moser, 

Hauptlehrer in München. 50 Tafeln kl. Folio. Ladenpreis 15 M. 

Dies Werk ist aus einem bei dem Zeichenunterricht an den Münchener Fortbildungsschulen schon lange 
fühlbar gewordenen Bedürfnisse hervorgegangen. Es bietet mustergültige Motive in vorzüglicher Darstellung zu 
einem verhöltnism&ßig geringem Preise. Den verschiedenen Fächern der Technik entsprechend zerfällt es in 5 Ab- 
teilungen: I. Ornamente für Holz-, Stein- und Thonplastik; 2. Ornamente für Eisenplastik; 3. Ornamente für Edel- 
metallplastik; 4. Ornamente für Flächendekoration; 5. Ornamente für Typographie und andere VervielßJtigungsarten. 

In den Mttnchener FortbildnngBScbnlen omtlicli eingeführt. 

Wandtafeln 

für den Zeichenunterricht an Gymnasien und Realschulen von 

Emil Schiele, 

Zeichenlehrer am Gymnasium zu Bruchsal. 

I. Umrisse antiker Geffisse und baulicher Zierformen. 10 Tafeln in Mappe mit Erläuterungen 

Preis M. 3.20. 

Das Werk führt die klassisch antiken Formen in einfachster Weise vor, und bringt Vasen, Schalen 
Rosetten, Stimziegel in scharfer, weithin sichtbarer Form, Sie sind für den Massenunterricht bestimmt und sollen 
den Sinn für die Schönheit antiker Formen wecken. 



• IXUTJXITJTjnjTJ-tJTJTJTJTJariJIJTXU' lf- 

Die'^em Heft liegt eine Beihige von Alexander Koch in Darmstadt bei. 

Diaek von Auirust Pries in Leipzig. 



( c. 



^y^i-^^<^^ 



Wandleuchter. 
Au3 dem MerkantilgebRude ii 



Vergoldeter Wandspiegel aus dem Merkantilgebäude zu Bozen. 



Wandspiegel aus dem Merkantilgebäude in Bozen. 



AuB dam W«rke: HnPEN, Hotive (LelpElg, A. SeemaDn.) 



WANDLEUCHTER 
AUS DEM MERKANTIL-AMTSGEBÄUDE IN BOZEN. 



MIT ABBILDUNGEN UND TAFELN. 



ITLBIDIG lächelnd sieht der 
moderne Beleuchhingstech- 
niker auch Echon auf die 
sein fachliches Interesse be-, 
rührend en Bestre))nngeD der 
letzten Jahrzehnte zurück. 
Steinöl, Leuchtgas and der- 
f^leichen Dinge sind für ihn 
Dberwundene Schwierigkeiten nnd der Begriff Kerze 
beschäftigt ihn nur noch da, wo es gilt, an die Leuchte 
kraft einen Maßstab zu legen. 

„Licht Ton 2 000000 Kormalkerzen Intensität 
entstrahlt der Lampe des Lenchttnrme)! zu Houstholm 
in Jütland." So oder ähnlich, hinsichtlich der Ziffer 
aber gewiss, klingt eine Nachricht, die jüngst ihre 
Runde gemacht 

Dem entgegen war es zu unserer Vorfahren 
Tage um Licht und Glanz freilich wohl etwas kläglich, 
doch trotz flackernder Spane und dampfender Talg- 
oder 011icht«r bei weitem nicht so Übel bestellt, 
als man gemeiniglich annimmt. Findig wie heute, 
wQsste man sich auch damals im Bedarfsfalle zu 
helfen. Wo eine Flamme nicht reichte, griff man 
getrost ZH der nächsten und vollends im XVIIL Jahr- 
hundert, wo Thewarts Anleitung das Spiegelglas zu 
gie^n (1688) bereits das Ihre gethan, verfiel man 
auf Mittel und Wege, in FoUe dem stetig zu- 
nehmenden Verlangen nach mehr Licht ausreichend 
Genüge zu tbun. 

Zu dieser Zeit, wo auch die Hofe bei ausge- 
dehnter Benützung spiegelnder Flächen — Trumeaux, 
Spiegelwände etc. — mit großartigem Luxus fBr den 
KanilKBWwbtbU». N. F. m. 



Gehrauch der Kerzen eintraten und dieses Beispiel 
allenthalben Nachahmung fand, gelangte naturgemäß 
auch der Wandleuchter zu hervorragender Bedeutung. 
Bis dahin seinem ursprünglichen Zwecke ent'tprechend 
aufgefasst und behandelt war er fast lediglich Wand- 
arm. Dem Zuge einer so glanzliebenden Zeit unter- 
worfen erhielt er aus ganz naheliegenden Gründen 
irgend eine Art von Reflektor beigesellt, den gefällig 
auszugestalten künstlerische Soi^alt alsbald der- 
maßen eifrig bemüht war, dass sie der neuen Zuthat 
mehr Liehe und Aufmerksamkeit angedeihen ließ 
als dem Wandarm an sich, der endlich soviel Ver- 
nachlässigung erfuhr, bis aus dem Wandleuchter 
etwa'^ wesentlich anderes geworden: ein Ding, das 
zum mindesten mit gleicher Berechtigung und oft 
sogar weit zutreffender als Spiegel angesprochen 
werden kann. 

Hier war es der Schnitzer, der dem „Wand- 
leuchten" seine Qestaltungsfreude zuwgndt«, dort 
griff treibend und ciselirend der Metallarbeiter ein 
oder es einten sich beide zu gemeinsamem Thun. 
Ändemort« wieder bemächtigten sich andere Ge- 
werbszweige — zumal die Glasindustrie dieses Vor- 
wurfes für ihre künstlerische Bethätigung, so dass 
es nicht wunder nehmen darf, wenn wir mitunter 
wirklich prächtigen Arbeiten, mustergültigen Bei- 
spielen ihrer Art des öfteren begegnen. 

Auch Tirol, dem Forseher wie dem Sammler 
als ergiebige Fundstätte in kunstgewerblicher Rich- 
tung bekannt, ist noch reich an Wandlenchtem, vor- 
nehmlich an solchen aus Holz. Unter den vor- 
handenen Mustern aber sind unstreitig die in den 



48 



WANDLEUCBTEB AUS DEM MERKANTIL-AMTSGEBÄUDE IN BOZEN. 



Sälen dea Merkantil -AmtsgebHudes in Bozen noch 
gegenwärtig ihrem Zwecke dienenden Sttlcke in erste 
Reihe zu stellen. Der große Verhandlungssaal allein 
birgt 12 doppelarmige Wandleuchter mit dahinter 
gesetzten Spiegeln, deren Umrahmung vollste Beach- 
tung verdient. Diese letztere — 92 — 94 hoch — ist 
bei glücklicher Anlage meisterhaft geschnitzt, ver- 
goldet und abgesehen von den ZußUligkeiten , wie 
sie die manuelle Herstellung unvermeidlich mit sich 
bringt, an allen.Stücken vollständig gleich, der Schliff 
der Spiegel dagegen (venezianische Arbeit), was die 
mitÜer« Figur betrifift , jedesmal verschieden. In 
Tiefschnitt auf der ROckaeite 
des Glases beigestellt und 
nachher gleich der ganzen 
Fläche belegt, so dass die 
Zeichnung von vorne gesehen 
matt und reliefartig erhaben 
erscheint, zeigt der Schliff des 
auf d« heigehefteten Tafel 
wiedei^^ebenen Beispieles, 
Diana mit Bogen und Pfeilen 
bewaffnet Die Dbrigen Stflcke 
enthalten an gleichli^ender 
Stelle männliche und weibliche 
Gestalten der Mythologie. 

Die zur Aufnahme der 
Kerzen bestimmten Arme ent- 
Rpringen aus in Kupfer getrie- 
benem, vergoldetem Blattwerk 
und endigen in Rosetten, die 
dem Hauptanteile nach aus 
Holz geschnitzt sind und ein 
wiederum in Metall getriebe- 
nes Perigon aufweisen. 

Einfachere aber deshalb 
noch nicht interesselose Muster 
ähnlichen Wandschmuckes bie- 
ten die nach gleichfalls in Holz 
geschnitzten und vergoldeten Arbeiten der Samm- 
lung des Herrn Direktor Hans Kamauth in Bozen 
hergestellten Abbildungen im Texte. (Vergl. S. 53.) 
Was diezweiweiteren Wandleuchter im Merkantil- 
hause betrifft, so ist zu bemerken, dass beide, den 
eigentlichen Arm nicht mit in Rechnung gezogen, 
in der Höhe 49 cm messen, in Kupfer getrieben, 
stark versilbert sind, und obgleich zeitlich sehr ver- 
schieden nichtsdestoweniger nach technischer wie 



Spiegel rähmchen, 

Im Besitze dee Herrn K&ni»Dtb, PaehBOlialdlrektOT 

In BcEen. Im Original 11,4 cm hoch. 



künstlerischer Seite als Leistungen von gleicher 
Vollendung gleiches Interesse erheischen. 

Allerdings trägt im Vergleich zu der klaren 
Zeichnung des anderen StOckes das der späteren 
Rokokozeit entstammende bei fluchtiger Beschauung 
ein sozusagen krauses Gepräge, das aber bei prü- 
fender Betrachtung dem Erkennen einet Idee mit 
einer Unzahl lustiger, geradezu reizender Einzelheiten 
Raum giebt. 

Nach dem Gesagten wäre es vielleicht am rich- 
tigen Orte, auch ßber die Provenienz der besprochenen 
Gegenstände des näheren zu bringen. Doch das 
hat unter den waltenden 
Umständen seine eigene Be- 
wandtnis. 

Das Merkantil-Amtshaus 
in Bozen, ein imposanter Bau 
aus dem Anfange des vorigen 
Jahrhunderts (1717 vollendet), 
der, nebenbei bemerkt, noch 
so manche wertvolle Dinge 
enthält, die ihrer ersten Ver- 
öffentlichung harren und auf 
die zurQckzukommen der Ver- 
fasser später Gelegenheit zu 
finden hofft, war, wie der 
Name sagt, Sitz einer handels- 
gerichtichen Instanz. Hat auch 
Bozen, durch natürliche Ver- 
haltnisse dazu berufen, auf 
dem Verkehrswege zwischen 
Deutschland und Italien eine 
Art Knotenpunkt zu bilden, 
einen deutseben Charakter und 
vielleicht gerade des an seine 
Mauern brandenden Welsch- 
tums halber ihn niemals ver- 
leugnet, so konnte doch sein 
Handebamt in vielen Fällen 
des Gebrauchs der welschen Sprache wohl entraten. 
Folgerichtig ist auch ein großer Teil der jetzt dem 
Archiv der Handels- und Gewerhekammer einver- 
leibten älteren Urkunden des Merkantilamtes ita- 
lienisch und ihre Zahl so erschreckend groß, dass 
es mangels anderer Anhaltspunkte vorläufig dem 
Zufalle überkssen bleiben möge, bestimmte Angaben 
Ober den Ursprung der mitgeteilten Wandleuchter 
zu Tage zu fordern. F.FAUKERT. 



Alu dem Werke; Hkidbn, Uotive (Leipzig, A. SeemBJm). 



EIN LEIPZIGER TEPPICHWEBER DES 16. JAHRHUNDERTS. 

MIT EINKR TAPBL. 



N DER Sammlutig der Deut- 
schen Gesellschaft in Leipzig 
wird eine Tischdecke aufbe- 
wahrt, eine Leipziger Arbeit 
aus dem 16. Jahrhundert Sie 
stammt aus dem Besitz des 
Rates, befand sich auch 
frßher im Rathause '). Das 
MittelatQck, das dazu bestimmt war, auf der Tisch- 
platte aufzuliegen, ist 1,60 cm lang und breit, der 
herabhängende Rand 35 cm breit, bo dass die 
ganze Decke 2V4 m im Geviert hat. In das Mittel- 
stfick sind fQuf Wappen eingewebt, ein großes 
kurfürstlich sächsisches in der Mitte, das Leipziger 
Stadtwappen kleiner in jeder der vier Ecken, und 
zwar ganz symmetrisch gestellt, so dass nicht nur der 
Helmschmuck — die bekannten drei Federn — stete 
nach der Mitte weist, soadem auch der Löwe zwei- 
mal in der linken Schildhälfte nach links, zweimal 
in der rechten nach rechts blickt. Der freie Raum 
zwischen den Wappen und der ganze Rand ist mit 
Wiesenblumen ausgefllllt, die aber weder in ihren 
Grundformen, noch in ihrer Anordnung irgendwie 
stilisirt, sondern mit ganz kindlichem Naturalismus 
nachgebildet und neben einander gestellt sind, die 
Bluten Ton allen Seiten dem Mittelfelde zugekehrt, 
so dass die Blumen aufwarte standen, wenn die Decke 
auf dem Tische lag. Der Leipziger Rat hat aber 
das schöne Stück nicht als Tischdecke verwendet — 
dazu mag es ihm zu kostbar gewesen sein — , son- 
dern als Wandteppich. Dabei hatte ihn aber der 
Umstand gestört, dass, wenn der Teppich an die 
Wand gehängt wurde, die beiden obem Wappen 



1} Sie ist abgebildet und kürz besprochen im 8. Baiide 
der ..Mitteilungen der Deutachen (icaellschafl" (I^ipzig, 1S83) 
S. 13 fg 



auf dem Kopfe standen. Dasselbe war zwar auch 
mit den Blumen am obem Rande der Fall, und die 
Blumen rechts und links standen dann wagerecht; 
das scheint aber die Augen der alten Ratsherren 
nicht 80 beleidigt zu haben, wie die beiden vei;- 
kehrten Wappen. Um diese zu beseitigen, ließ man, 
offenbar von dem Verfert^er des Teppichs selbst, 
noch zwei besondre Stadtwappen nachwirken, ein 
wenig größer als die im Teppich befindlichen, und 
auf die beiden verkehrt stehenden Wappen aufnähen. 
Das eine dieser aufgenähten Wappen befindet sich 
noch jetzt an dem Teppich , das andre ist vor 
einiger Zeit, als der Teppich photographirt wurde, 
abgetrennt worden, wobei die ursprünglichen Farben 
in voller Frische zum Yorschein kamen, und sich 
auch die ursprüngliche Bestimmung des Stückes un- 
zweifelhaft ei^ab. 

In dem kurzen Text, der der Abbildung des 
Teppichs in den «Mitteilungen der Deutschen Ge- 
sellschaft" beig^ebea ist, werden aber noch zwei 
andre Teppiche ab Arbeiten desselben Meisters in 
Anspruch genommen: 1) der schöne Wandteppich, 
der sich jetzt im Leipziger Kunstgewerbemuseum 
befindet, das Urteil Salomonis, das früher, geschützt 
durch einen grünen Vorhang, an der südlichen 
Schmalseite des grossen Rathausaaales hing, da, wo 
das Podium fDr feierliche Gerichtsverhandlungen auf- 
geschlagen zu werden pflegte; da sa-ss dann der 
Kriminalrichter wie ein zweiter Salomo unmittelbar 
unter dem Urteil Salomonis; 2) ein kleiner Tep- 
pich mit dem Bildnis Kaiser Karb Y. im Besitz 
des Königs von Sachsen. Dass der letztgenannte 
Teppich von der Hand desselben Meisters ist wie 
unsre Tischdecke, ist unzweifelhaft In der Tisch- 
decke sind unter dem kurfürstlichen Wappen in 
einem Sehildchen die Worte eingewebt: OemaclU 



50 



EIN LEIPZIGER TEPPICHWEBER DES 16. JAHRHUNDERTS. 



XV Leipzig. S. B, 1551. Der Teppich mit dem Bilde 
Karls V. aber ißt bezeichnet: 1554. S. B. Auf dem 
Urteil Salomonis hat sich der Verfertiger nicht ge- 
nannt, unten rechts in der Ecke sind nur die Worte 
Jttdicimn Salomonis eingewebt; dass auch dieses 
Stück, das kostbarste von allen dreien, ein Werk des- 
selben S. B. sei, ist bloße Überlieferung, aber, wie 
man zugeben muss, eine Überlieferung, die, so ver- 
schiedenartig auch die Gegenstände der Darstellung 
sind, doch wegen der völligen Gleichheit der Arbeit, 
der technischen Ausführung, sehr glaubwürdig ist. 
Weniger glaubwürdig ist die andre Überlieferung, 
dass dem Verfertiger dieser drei Arbeiten, weil er 
von unehelicher Geburt gewesen, anfangs das Leip- 
ziger Bürgerrecht verweigert worden sei; durch 
seine Arbeiten aber habe er sich die Gunst des 
Rates in solchem Maße erworben, dass man ihm 
endlich das Bürgerrecht verliehen habe. Das klingt 
sehr rührend, ist aber sicherlich nur Anekdote. Die 
Ugitima natimtas war, ausser der nötigen Geld- 
leistung, das Haupterfordemis bei jeder Aufnahme 
in die Bürgerschaft. Wer als Zugewanderter das 
Zeugnis seiner ehelichen Geburt nicht sofort bei- 
bringen konnte, der wurde wohl auf die Bürgschaft 
angesehener, glaubwürdiger „Freunde** hin vorläufig 
aufgenommen, musste aber den Geburtsbrief, die 
litierae nativitatis, unbedingt nachliefern. Dazu wurde 
ihm bei den damaligen Verkehrsverhältnissen bis- 
weilen monatelang Frist gelassen, bis zur nächsten 
Oster- oder Michaelismesse, wo vielleicht Freunde 
aus seiner Heimat kamen, die ihm den Brief mit- 
bringen konnten; aber ein Unehelicher wurde um 
keinen Preis aufgenommen, weder in eine Innung, 
noch in die Bürgerschaft. 

Wer war nun dieser S. B.? Der Text in den 
„Mitteilungen" sagt, „alle bisherigen Forschungen **(?) 
nach Lebensnachrichten über ihn hätten sich als 
frachtlos erwiesen. So schlimm ist es aber doch 
nicht bestellt Im Bürgerbuche freilich ist nirgends 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein Name zu 
finden, auf den die beiden Anfangsbuchstaben passten, 
und damit ist die Überlieferung, 9äss unser Teppich- 
weber Bürger gewesen sei, schon widerlegt. Da- 
gegen begegnet der Name des kunstfertigen Meisters 
wiederholt in einer andern Quelle, die nie zu ver- 
sagen pflegt, wenn man nur einige Anhaltepunkte 
hat: in den Stadtkassenrechnungen. Darnach hieß 
der Leipziger Teppichweber Seger Bombeek. Der 
Vorname Seger (aus Sieghart entstanden) ist nieder- 
deutsch und kommt in den Formen Siegert, Segert, 
Seger auch als Familienname vor. Bombeck — in 



den Rechnungen auch Bombech und Bombechs ge- 
schrieben und seiner Bedeutung nach nichts andres 
als Baumbach — ist Ortsname, und zwar giebt es 
in Deutschland zwei, kleine Orte dieses Namens, 
einen bei Salzwedel, den andern bei Coesfeld, wo- 
mit freilich nicht gesagt sein soll^ dass Seger aus 
einem dieser beiden Orte gestammt habe, denn schon 
hundert Jahre früher, schon um die Mitte des 
15. Jahrhunderts, waren Ortsnamen in Menge zu 
Familiennamen geworden. Von seiner Herkunft 
wissen wir also nichts. 

Seger Bombeck lässt sich in den Leipziger 
Stadtrechnungen verfolgen von 1545 bis 1557. Die 
erste Nachricht über ihn lautet: „Seger Bombeck 
tepichmacher gelihn anno presenii 200 fl. muntze 
an gülden groschen zu 24 (lies 21) gr. gerechent, 
dry jarlangk. Sein vorschrybung in der bau- 
meyster kotlyn. [Kötlein« Schränkchen] , geschehen 
Sonnabends nach naiivitaiis Marie [12; Sept.] im 
45. jar, tut 70 ß." ^) Er war also einer der zahl- 
reichen Gewerken, denen, weil sie etwas Besondres 
leisteten, was in Leipzig noch nicht vertreten war, 
die Niederlassung in der Stadt vom Rate erleichtert 
wurde. Solche Erleichterung geschah auf die mannig- 
faltigste Weise: dadurch, dass man den Betreffenden 
eine Zeit lang freie Wohnung gab, auch freie Klei- 
dung; dass man ihnen das Bürgerrecht umsonst 
verlieh (die Bürgermatrikel ist voll von ßolchen 
Fällen), oder auch, wie hier, ihnen einen baren Vor- 
schuss gewährte. Im folgenden Jahre, 1546, erhält 
Bombeck noch 4 ß 48 gr. dazu geliehen, so dass er 
nun dem Rate im ganzen 74 ß 48 gr. schuldete, 
und mit dieser Schuld erscheint er nun regelmäßig 
in den Rechnungen der Jahre 1547, 1548, 1549. 
Er hält also sein Versprechen nicht, er zahlt die 
Summe nicht zurück, zahlt auch nichts ab. Da- 
gegen macht er wiederholt den Versuch, von seiner 
Schuld etwas abzuarbeiten. Er bringt dem Rate 
seine Arbeiten, bietet sie ihm an, aber der Rat nimmt 
sie ihm nicht ab, sondern entlässt ihn mit einem 
Trinkgeld. 1547 im April heißt es: „Dem Seger 
Bombechs von einem tapet, dieis er dem radt ge- 
wyset, zu vortrincken 24 gr.", im März 1548: „Seger 
Bombechs von eynem tapet zu sehen, geben zu vor- 
trincken 24 gr." Dazwischen hat er auch einmal 
eine andre kleine Einnahme: im September 1547 



1) Das Zeichen ß bedeutet: Schock Groschen; die um- 
laufende Münze waren Gulden (21 Groschen) und Thaler 
(24 Groschen), gerechnet aber wurde nur nach Groschen und 
Schock Groschen. 



EIN LEIPZIGER TEPPICHWEBER DES 16. JAHRHUNDERTS. 



51 



ist gebucht: „Dem tapetmacher, der des kysers bilde 
auffgehangen, als Doctor Badehoms hochtzeit ge- 
wesen, geben 48 gr.^' Er hatte also bei einem Hoch- 
zeitstanz zur Ausschmückung des Rathaussaales ein 
Bildnis des Kaisers gehehen. Dies miiss aber ein 
andres gewesen sein, als das im Besitze König 
Alberts befindliche, denn dieses trägt ja die Jahres- 
zahl 1554. Offenbar hat er dais Stück öfter gewirkt 
— ein Bild des Kaisers fand, gleichviel in welcher 
Technik ausgeführt, ob gemalt oder gewirkt, da- 
mals wie heute gewiss immer Liebhaber. Im Jahre 
1550 aber muss er etwas bezahlt haben, denn da 
heißt es nur noch: „Seger Bombech tapetmacher 
tenetur a. s. [alte Schuld], das ime vom radt ge- 
lihen vnd altage widderbetzaln sali, lauts seyner 
obligado in der baumeyster köttleyn 54 ß 59 gr. 
6 pf. a.^', und 1551 gelingt es ihm endlich, mit zwei 
Arbeiten den Beifall des Rates zu finden, mit unsrer 
Tischdecke und noch mit einem zweiten Teppich, 
der leider nicht erhalten ist; in den Rechnungen 
dieses Jahres ist gebucht: „Seger Bombechs geben 
vor ein tapett, dorinne des churfursten zu Sachssen 
groß pappen vnd des rats wappen in vier ecken 
gewurcket, vnd vor trödeln dorzw geben 42 fl., tut 
14 ß 42 gr.", und wenige Wochen später: „Mehr 
Seger Bombechs ein tapet betzalt zu eynem ymb- 
hang, dorinne die figur Jesu Christi vnd czwey meher- 
wunder, vmb 13 ß 20 gr.", und wieder gleich darauf: 
„dem tepichmacher von eynem wappen zu machen 
36 gr." Aus dem letzten Posten ergiebt sich, dass 
der Rat sofort beschlossen haben muss, die Tisch- 
decke lieber als Wandteppich zu benutzen, denn 
das eine nachbestellte Wappen ist doch jedenfalls 
eins der beiden aufgenähten. Aber auch von seiner 
Schuld wurde ihm dies Jahr wieder etwas abge- 
schrieben, denn es heißt: „Es ist aber heuer von 
Seger Bombechs des tepichmachers schult ins retar- 
dat gesetzt 50 fl. gr. vor ein tapet, das ime halb an 
schulden abgerechent, tut 20 ß"; infolgedessen er- 
scheint, seine Schuld dies Jahr unter den Schuld- 
posten nicht mehr mit 54, sondern nur noch mit 
34 ß 59 gr. 6 pf. a. 

Kurz darauf verließ Bombeck Leipzig und 
wandte sich nach Weimar. Im folgenden Jahre, 
1552, ist in den Rechnungen gebucht: „Seger Bom- 
bech teppichmacher itzo zw Wiemar tenetur alte 
schult, das ime der radt gelihen, er vor czweyen jaren 
widdervmb hette betzaln solin; als erhinweggetzogen, 
hatt er sich vffs neue obligirt, die hinderstelligen 
[d. i. rückständigen] 34 schock 59 gr. 4V2 pf- alt 
wolln vff tagtzeyt betzaln, als vff Michaelis im 53. jare 



10 fl., neuen jarsmarckt im 54. zcehen fl., die hinder- 
stelligen 80 fl. 6 pf. n^ vff Pfingsten des 54. jars". 
Wie aber die Rechnungen zeigen, zahlte er wenig- 
stens in den beiden nächsten Jahren nichts ab, die 
Schuld kehrt 1553 und 1554 unvermindert wieder. 
Was weiter damit wurde, wissen wir nicht. Mit 
dem Jahre 1555, mit dem Amtsantritt des Bürger- 
meisters Hieronymus Lotter, erhalten die Haupt- 
bücher der Stadtkassenrechnungen eine veränderte 
Einrichtung, die Schuldregister werden nicht mehr 
in die Hauptbücher abgeschrieben; da aber die Ori- 
ginale vernichtet worden sind, so ist diese ganze 
Abteilung des städtischen Rechnungswesens von 1555 
an für uns verloren. 

Bombeck muss aber doch seinen Yerpfiichtungen 
nachgekommen sein, denn sein Name begegnet 
noch einmal am 26. August 1557 in den Rechnungen 
mit folgendem Eintrag: „Dem S^er Bombeck 
tebichtmacher vor einen tebicht zcaltt 200 thaler, 
thutt 228 fl. 12 gr." Nach der hohen Summe zu 
schließen, kann diese Arbeit nichts andres gewesen 
sein als — das Urteil Salomonis. Dass Bombeck 
damals noch in Weimar gelebt habe, ist zwar nir- 
gends gesagt, man darf es aber doch wohl daraus 
schließen, das unmittelbar zuvor, am 23. August, in 
den Rechnungen steht: „Einem bothen kegen Wey- 
mar geben 18 gr.^ Ist aber dieser Teppich in 
Weimar gefertigt, so erklärt sich nun daraus von 
selbst ein befremdlicher Umstand in der Dar- 
stellung. Der Konig sitzt links unter einem von 
Säulen getragenen Baldachin, neben und vor ihm 
sehen wir mehrere Höflinge und die beiden Frauen. 
Das tote Kind liegt am Boden, die falsche Mutter 
hält das lebende auf einem Kissen dem Konige hin, 
der rotbärtige Henker streckt bereits seine Hand 
darnach aus, die rechte Mutter ist vor dem König 
in die Kniee gesunken und hebt flehend die Arme 
zu ihm empor. Natürlich ist dieses Sild nicht 
Sombecks Erfindung, sondern er hat ein vorhand- 
nes Bild (Gemälde oder Holzschnitt) dazu benutzt^ 
oder sich auch von einem Maler eine besondre Vor* 
läge dazu machen lassen. Nun ist aber im Hinter- 
grunde, rechts oben, das Bild einer Stadt eingewirkt. 
Man sieht auf den ersten Blick, dass das Leipzig sein 
soll. Man sieht aber auch auf den zweiten, dass es 
Leipzig nicht ist Wäre die Abbildung richtig, so 
wäre sie für die Geschichte des Leipziger Stadt- 
bildes von großem Werte^ denn sie wäre dann das 
Zweitälteste Bild Leipzigs, sie würde ihren Platz 
finden zwischen dem großen Holzschnitt mit der Be- 
lagerung von 1547 und der Abbildung in Brauns und 



DER GEWERBLICHE CENTRALVEREIN IN DANZIG. 



Hogenbergs Stadt«buch von 1572. Sie ist aber jeden- 
faJlß nur aus der EtiDnerung geniacht, dem Verferti- 
ger des Teppichs hat keine Zeidmung, wenigstens 
keine genaue Zeichnung der Stadt dabei voi^e- 
legen. MerkwDrd^ ist es immerhin, dass auch sie 
dieselbe Ansicht ze^, die jahrhundertelang, von 
dem Bilde der Bel^erung von 1547 an durch nn- 
zähl^e Abbildungen des 17. und IS. Jahrhunderte 



hindurch bis herab zu den schlechtesten Machwerken 
auf den Lehrbriefen der Leipziger Innungen, das 
konventionelle Leipziger Stadtbild gewesen ist, die 
Ansicht von Südosten, bei der die Pleifienborg am 
linken Rande erscheint 

Ob Bombeck in Weimar gestorben ist und 
wann, habe ich nicht ermitteln können. 

Leipiig. 0. WUSTMÄNN. 



DER GEWERBLICHE CENTRALVEREIN IN DANZIG. 



LEIICU nach dem im Jahre 
1878 die Provinz West- 
preußen vonOstpreußenlos- 
getrennt ihre alte Selb- 
ständigkeit erhalten hatte 
und Danzig zur Provinzial- 
hauptstadt erhoben worden 
_ wa"") vTurde auf Anr^ung 
des damaligen OberbOt^ermeisters Geh. Regierungs- 
rates von Winter in Danzig ein Gewerblicher Central- 
Verein für Westpreußen begründet Der Zweck des 
Vereines war laut Statuten, den Gewerbe- und Hand- 
werkerstand der Provinz zu heben. Die verschie- 
densten Gebiete, auf denen er in diesem Sinne thitig 
sein konnte, sah er vor sich liegen. Zunächst wandte 
er seine Aufmerksamkeit den fakultativen gewerb- 
lichen Schulen zu, deren er eine größere Anzahl 
in den kleineren Städten unter der Aufsicht der ört- 
lichen Gewerkvereine gründete, resp. durch erhebliche 
Geldmittel unterstützte. Sorgte er so für den Zu- 
wachs und die Zukunft des Handwerkerstandes, so 
entzog er keineswegs seine planmäßige und sorg- 
same Pflege dem gegenwärtig existirenden Gewerbe. 
Durch jährlich sich wiederholende Fachausstellung 
war er bemüht die SchafiFenslust der Handwerker zu 
beben, ihren Absatz beim Publikum zu vergrößern; 
durch Aussetzen von Preisen fttr die besten Leistungen 
wollte er die Teilnahme des Handwerkerstandes 
wecken. Seitdem aber der Staat wie überall in den 
östlichen Provinzen so auch in Westp reaßen auf 
Grund der Polengesetze die fakultativen Handwerker- 
schulen in obligatori-sche unter staatlicher Leitung 
und mit staatlichem Unterhalt verwandelte, und seit 
dem die Fachausstellungen sowohl beim Handwerker 
als auch beim Publikum kein Entgegenkommen mehr 



fanden, ließ der Gewerbliche Central- Verein die 
Thätigkeit auf diesen Gebieten fallen. Er widmete 
sich nunmehr seit dem Jahre 1889 einem Gegen- 
stande, dessen Bearbeitung er bereits bei seiner 
GrOndung ins Auge gefasst hatte, aus Utilitäts- 
gründen bisher aber unberDcksicbtigt lassen musste. 
Durch die guten Erfo^e, die in anderen Provinzen 
Vorbildersammlungen zur Hebung des Handwerkes 
erreicht hatten, ermutigt, beschloss der Gewerbliche 
Central- Verein im September 1889 eine Bücher- und 
Vorbildereammlung hier in Danzig ins Lehen zu 
rufen. 

Durch eine äußerst sparsame Verwaltung und 
durch Überschüsse aus den FachausstelluDgen war 
eine Summe von 4000 Mark erübrigt worden. Sie 
sollte die ersten Kosten decken, nebenbei hoffte man 
auf eine größere Staatsunteistützung, die zu diesem 
Zweck beantragt war, und auf eine Erhöhung des 
Provbzialbeitrages, der jährlich 1000 Mark betrug. 
Leider blieb die erhöhte Staatsunterstützung aus, ja, 
es wurde unter Hinweis auf die gemachten Erspar- 
nisse der bisher jährlich gewährte Zuschuss von 
2000 Mark vor der Hand zurückgehalten. Die Pro- 
vinz di^egen gewährte in gütigem Entgegenkommen 
eine einmalige Beihilfe von 1000 Mark für das Jahr 
1890 und der Magistrat von Danzig forderte das 
Unternehmen, indem er dem Verein ein großes, helles 
Zimmer in bester Lage der Stadt unentgeltlich über- 
ließ. Seit dem Jahre 1891 ist der Staatazuschuss von 
2000 Mark wieder gewährt worden und seine Er- 
höhung für die nächsten Jahre ist nicht ausgeschlossen. 
Verwenden konnte der Gewerbliche Central-Verein 
im Interesse seiner Sammlung in diesen zwei Jahren 
ihres Bestehens 6200 Mark. Diese fllr die hiesigen 
Verhältnisse hohe Summe ist mit ermöglicht worden 



DER GEWERBLICHE CENTRÄLVEREIN IN DANZIG. 



durch ein gQtigst bewilligtes Geschenk des Danziger 
AktäeDSparkassenvereiiis im Betrage von 3000 Mark. 
Sind auch die Mittel, Über welche der Verein zu 
Gunsten seiner Sammlung verfßgen komite, oft recht 
spärliche gewesen, so hat er trotzdem in den vet- 



von Berlin gelegen ist daa Institut das einzige in 
seiner Art. 

Besucht wurde die Sammlung in den zwei Jahren 
von 1391 Personen (1890 589 Personen, 1891 802), 
an S84 Entleiher wurden 6339 Objekte verabfolgt, 



äossenen zwei Jahren ganz Erhebliches geleistet, außerdem wurden 2-107 in die Provinz geschickt 
9000 Vorlageblätter kunstgewerblicher Gegenstände Ein Vergleich der Besuchs- und Entleihungsziffem 



) Kästen beher- 
bei^ die Sammlung, 

182 geschlossene 
Werke in 300 Bän- 
den finden sich in 
der BQchersamm- 
Inng, 20 Zeitschrif- 
ten stehen den Mit- 
gliedern, sowohl wie 
aberhanpt jedem in 
der Provinz, der sich 
f&T sie interessirt, un- 
entgeltlich zur Ver- 
ftlguDg. Der Samm- 
lung ist es daher 
auch geglttckt, so- 
wohl das große Pu- 
blikum als auch den 

Hand werkerstand 
nicht minder, wie 
die Danziger Damen 
heranzuziehen. 

Aber nicht auf 
Danzig allein be- 
schränkte sich der 
Verbrauch unserer 
Vorbilder, die ganze 
Provinz hat ans ihr 
Nutzen gezogen, 
Handwerker und 
{*ublikum in den 
kleinsten Städtchen 
haben sich Vorbilder 
zusenden lassen; ja auch Ober die Provinz hinaus 
hatte die Sammlung Objekte zu verschicken, so nach 
Königsberg, Breslau, Köslin und Stettin. Das ist 
sehr erfreulich fOr die Weiterentwickelung unserer 
Sammlung, darf aber andererseits nicht wunder- 
nehmen, denn fßr das ganze Deutschland nordöstlich 



der einzelnen Monate 
zeigt eine stetige 
Zunahme der Be- 
sucher und Ent- 
leiher, woraus man 
mit Recht auf die 
Brauchbarkeit unse- 
rer Sammlung und 
auf das Bedürfnis 
einer solchen für 
unsere Provinz 

schließt. 

Bleiben auch 
die oben angefahr- 
ten Zahlen unserer 
Sammlung hinter 
denen west- und 
süddeutscher Insti- 
tute sehr bedeutend 
zurück, so ist zu 
bedenken, dass bei 
uns der Handwerker 
nicht die Auftr^e 
erhält, wie im We- 
sten und Süden 
Deutschlands, dass 
unserem Publikum 
ein großer Zug nach 
Westen innewohnt, 
der sich häufig selbst 
bei Beechatfung der 
kleinsten Gegen- 
stande in Fahrten 
nach und Kaufen in Berlin zeigt Es fehlt unserem 
Osten aber auch die Großindustrie von Mittel-, 
West- und SQddeutschland und es fehlt unserem 
konsumirenden Publikum nicht so sehr am Wollen 
als vielmehr am materiellen Können. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



WeUcmssieüung in Chieago. Am 22. Januar berieten 
die Abgeordneten des deutschen Kunstgewerbeperbandes in 
Hannover über die Beschickung der Weltausstellung in 
Chicago. Der Reichskommissar, Geheimrat Wenntäh wohnte 
der Versammlung an, erläuterte den Ausstellungsplan be- 
sonders in Bezug auf das Kunstgewerbe und teilte mit, dass 
die Reichsregierung bereit sei, einen erheblichen Beitrag zu 
den Kosten der Beschickung zu leisten. Direktor v. Länge- 
München berichtete über die Art der Beschickung und Grup- 
penbildung. Große Befriedigung rief die Mitteilung hervor, 
dass in München der Plan, eine Münchener Kunstabteilung 
zu bilden, aufgegeben ist. Die Verhandlungen f&hrten zu 
folgenden Beschlüssen: Die Hauptanordnung ist darauf zu 
richten, dass eine Kollektivausstellung des gesamten deut- 
schen Kunstgewerbes geschaffen wird, dabei aber die Eigen- 
artigkeiten der einzelnen Erzeugungsorte, wie z. B. München 
und Berlin, klar hervortreten. Es wurde dem Reichskom- 
missar der Wunsch ausgesprochen, es mOge nicht nur die 
künstlerische Kraft Berlins, sondern auch die Mitwirkung 
der Kunstvereine in München, Dresden u. s. w. in Anspruch 
genommen werden. Der Reichskommissar sagte zu, für eine 
billige Platzbeschaffung Sorge zu tragen, und zwar durch 
geeignete Unterbringung der Gegenstände in großen gemein- 
schaftlichen Schränken, in denen ebenfalls eine sachgemäße 
Anordnung stattfinden soll. Die Versammlung sprach ihre 
Befriedigung über das Ergebnis der Verhandlungen aus. 

Der Badisehe Kimstgewerbeverem hat am 6. Dezember 
V. J. seine ordentliche Generalversammlung abgehalten. 
E*unkt I der Tagesordnung: Neuwahlen. Punkt H der Tages- 
ordnung: Jahresbericht, vom Vorsitzenden erstattet; dem- 
selben entnehmen wir, dass der Verein 644 Mitglieder zählt 
und seit dem letzten Jahre einen Zuwachs von 41 Mitgliedern 
zu verzeichnen hat; hiervon entfallen auf Karlsruhe 269, auf 
die weiteren Teile des Landes 336, auf das übrige Deutsch- 
land 31 und auf das Ausland 8. Ausschuss- und Vorstands* 
Sitzungen fanden 18 statt, Monatsversammlungen 6. Letztere 
waren jeweils durch Ausstellungen belebt, die vorwiegend 
aus den Neuerwerbungen für das Kunstgewerbemuseum be- 
standen. Vorträge wurden gehalten von: Professor Dr. M. 
Rosenberg über „Benvenuto Cellini", Professor Dr. Meidinger 
über ,4)as Färben der Metalle'*, Hoflichtdruckereibesitzer 
«7. Schober Über „Die neuen auf der Photographie beruhen- 
den Reproduktionsverfahren" und Direktor Oöix über „Ein 
heimisches Meisterwerk des 16. Jahrhunderts". Die Haupt- 
thätigkeit des Vereins bildete die deutsche Fächerausstel- 
lung, welche von Ende Juni bis Ende September v. J. in 
Karlsruhe stattfand. Dieselbe enthielt über 4000 Gegen- 
stände. An der Wettbewerbung nahmen 175 Aussteller teil 
mit 350 Arbeiten, für welche das Preisgericht nebst dem 
Ehrenpreise J. K. GL der Frau Großherzogin, bestehend in 
zwei Silbergegenständen, 20 Geldpreise im Werte von 3050 
M. und 43 Ehrendiplome zuerkannte. Die Zahl der Besucher 
betrug 26000, während Ankäufe zu der Gesamtsumme von 
35000 M. abgeschlossen wurden. Obgleich die Ausstellung 
' ohne jede materielle Inanspruchnahme der Beschicker zur 



Durchführung gelangte, erzielte sie doch ein günstiges finan- 
zielles Ergebnis. Die Einnahmen betrugen 23899 M. 93 Pf., 
die Ausgaben 20425 M., bleibt somit ein Überschuss von 
3474 M. 93 Pf. Von letzterem wurden noch weitere 900 M. 
für Gratifikationen genehmigt Die aus der Ausstellung her- 
vorgegangene Fächerpublikation ist im besten Gange und 
hat deren Verlagsfirma kein Opfer gescheut, ihre Ausstattung 
zu einer künstlerischen zu gestalten. Das Werk erscheint 
in zwölf Heften zu je sechs Blatt mit erläuterndem Text, 
der ebenfiEills mit Illustrationen versehen wird, li^r die Re- 
produktion wurde Heliogravüre, Kupfer- und Lichtdruck ge- 
wählt. Punkt IH der Tagesordnung: Rechenschaftsbericht 
fOr 1890/91 und Voranschlag für 1891/92. Die Einnahmen 
des abgelaufenen Vereinsjahres betrugen 6689 M. 95 Pf., die 
Ausgaben 5800 M. 48 Pf. Es ist somit ein Vermögenszu- 
wachs von 889 M. 74 Pf. zu verzeichnen. Der Voranschlag 
beträgt für das laufende Jahr an Einnahmen 6500 M., an 
Ausgaben 6350 M. Alsdann berichtet Herr Direktor Oötx 
über Punkt IV der Tagesordnung, „den Stand des Kunstge- 
werbemuseums". Dasselbe erfreute sich auch in diesem 
Jahre eines bedeutenden Zuwachses, welcher 3780 Gegen- 
stände umfasst, darunter äußerst wertvolle und kostbare Ar- 
beiten. Neben den Erwerbungen aus staatlichen Mitteln 
wurden für 19740 M. Ankäufe aus gestifteten Geldern ge- 
macht. Ebenso ist die Liste der Spender von Kunstgegen- 
ständen, welche verlesen wird, eine sehr umfangreiche. So 
konnten im Laufe des Jahres über 30 neue SchHLnke auf- 
gestellt und eingerichtet werden. Für einen illustrirten Ka- 
talog sind bereits Vorbereitimgen getroffen. Der Jahresbei- 
trag des Vereins beträgt auch in diesem Jahre wieder 1000 
M. Über den letzten Punkt der Tagesordnung, Punkt V, 
„Beratung über die Weltausstellung in Chicago" wurde kein 
bestimmter Beschluss gefasst. Der Verein will zunächst das 
Vorgehen i&s Verbandsvororts abwarten, jedoch auf diesen 
einwirken, dass in Bälde ein entscheidender Schritt geschieht. 
Die mehr oder minder starke Beteiligung der heimischen 
Kunstindustrie wird wesentlich davon abhängen, ob und in 
welchem umfange die Kosten der Aussteller durch Reichs- 
mittel erleichtert werden. Sobald diese Frage sich creklärt 
habe, wird der Verein seine Interessenten unterrichten und 
weitere Schritte einleiten. Auf die Generalversammlung 
folgte die übliche gesellige Vereinigung mit gemeinschaft- 
lichem Nachtessen und wurde hierbei dem Sekretär der 
Fächerausstellung, Herrn G. J. Rosenbergy ein künstlerisch 
ausgestattetes Erinnerungsblatt übergeben. 

X. Die Firma Karl W, Hiersemann in Leipzig hat soeben 
einen neuen interessanten Katalog über omamentale Vor- 
lagenwerke versandt, der nicht weniger als 840 Nummern 
umfasst. Der erste Teil führt Sammelwerke in reicher Aus- 
wahl, Zeitschriften, Handbücher und Bibliographien für Or- 
namentstichsammler auf, darunter viele kostbare Publika- 
tionen und mancherlei Merkwürdigkeiten; der zweite Teil 
weist anf eine 300 Nummern starke Sammlung von Oma- 
mentstichen hin, wobei sich viele Seltenheiten befinden. 



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Kunsteegenstände, Stücke in Lapis 
lazuli, Miniaturen, getriebenes Silber 
etc. Ferner aus Privatbesitz eine 
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deutschen, französischen und engli- 
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Bekanntmachung. 

Köniftlie Matte fler Kiste iBerl^ 

Die nächstjährige akademische Kunstausstellung wird 
Sonntag, den 15. Mai ina Landesausstellungspalaste am 
Lehrter Bahnhofe erööhet und Sonntag, den 31. Juli ge- 
schlossen werden. 

Programme, welche die näheren Bestinuiiungen ent- 
halten, können nrmmehr bei allen deutsdien Kunstakademien 
und den Lokalvereinen der deutschen Kunstgenossenschaft 
in Empfang genommen wei'den. 

Berlin, den 2L Dezember 189L 

Der Senat 

der Königlichen Akademie der Künste, Section für 

die bildenden Künste 

C. Becker. 

Diesem Heft liegt eine Beilage von F. Tempskj- ii 

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Wolle. Baumwolti.-. Seide, Flachs, Ha 
Jute Ute, RandHCliaii über Varkomni' 
nisae auf dem (iebiet der Testil-Indu- 



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Eieerner Thllrklopfer. Sevilla. Um 15S0. 
EiuiBlgewerbemiueam K61a. 



SohmiedMiienier BoMlilic. Spaslui, 1A. Jahrh. Knnstgewerbeniiisenm, EBln. 



DER CORVINUSBECHER VON WIENER-NEUSTADT. 



N DER Ungarischen Revue 
1891 Heft HI S. 212 etebt ein 
Aufsatz von Dr. Job, Mayer 
Qber die Beziehungen des 
Königs Mathias Corvinos 
zu Wiener Neustadt und 
dem Corvinusbecher. Dieser 
Becher darf wohl als be- 
kannt angesehen werden, ist er doch ohne Ein- 
schrSnkung ala das schönste Stttck aller erhaltenen 
gotischen Buckelbecher zu bezeichnen, achtzig cm 
hoch mit Rändern und BiQtenwerk in ungarischem 
Drathemaü herrlich geziert, häufig abgebildet und 
auch durch eine treffliche galvanische Vervielfälti- 
gung in vielen Mnseen vertreten. 

Über die Entstebungszeit kann ein Zweifel nicht 
obwalten. Auf dem Deckel ist die Qestalt eines 
Ritters angebracht, welcher auf einer Stange ein 
Herz hält. Dieses Herz mit seinen Inschriften ist 
allerdings neu, aber nach des Verfassers sicheren 
Erkundigungen eine genaue Wiederholung des alten 
beschädigten StQckes. Die Inschriften enthalten die 
Devise des Kaisers Friedrich IlL, einen Kamenszug 
des Königs Mathias Gorrinus nebst den beiden Wap- 
pen und die Zahl 1462. Es handelt sich also um 
den FriedensabschlusB der beiden streitenden Herr- 
scher, welcher 1462 erfolgte und die Auslieferung 
Ungarns und der ui^arischen Krone an Mathias 
zur Folge hatte. 

Die bisherige Annahme ging auf Grund lokaler 
Überlieferungen dahin, dass der Becher bei dieser 
Gelegenheit von Mathias an die Stadt Wiener-Neu- 
stadt geschenkt sei. 

Iktt. N. F. III. 



Mayer weist nun darauf hin, dass der wirkliche 
Abschluss der Verträge erst 1463 in Oedenburg 
stattgefunden habe und daas Mathias erst 14S7 in 
den Besitz von Wiener-Neustadt gelangt sei. Mayer 
ist daher der Ansicht, der Becher mUsse auf Bestel- 
lung des Kaisers Friedrich lU. angefertigt, aus Zu- 
fall auf die Burg von Wiener-Neustadt und mit 
dieser in die Hände von Mathias gekommen sein. 
Hierzu wird er hauptsachlich durch ein ,Zeichen' 
F 1 bestimmt, welches sich am untersten Rande des 
Deckels und an der Innenseite des Fußes befindet 
und welches nach seiner Meinung sich nur i^Videri- 
cus /mperator lesen lasse. Nun steht aber am äu- 
ßersten Rande des Fußes auch noch ein Z einge- 
schlagen und dies soll den KOnstler bedeuten. Hier 
bietet sich dem Verfasser ein Goldschmied Wolf- 
gang Zulinger, welcher 1457 .Kirchmeister, also je- 
denfalls ein sehr angesehener Mann in Wiener-Neu- 
stadt war. 

In dem Aufsatz ist leider nicht gesagt, worin 
das ,Zeicben' F I besteht, ob es als Stempel einge- 
schlagen oder eingravirt ist, nach der Abbildung 
sieht es eher wie ein Stempel aus. 

Aber selbst wenn es eingravirt ist, so scheint 
die Lesung Fridericus Imperator völlig unstatthaft. 
Ein Kaiser, der einen Becher bestellt, kann als Auf- 
traggeber nicht mit einem winz^en Monogramm 
am Bande des Deckels und unter dem Fuße abge- 
fertigt werden. An dem Becher selbst sehen wir, 
in wie prägnanter Weise solche Zeichen (auf dem 
von einem Ritter getragenen Herzen) hervorgehoben 
werden. Die genannten Stellen sind die untergeord- 
neten Stellen, an welchen die Meisterzeicben der 



SPANISCHE EISEN ARBEITEN. 



Goldschmiede eiHgeschlageti wurden. Mayer betrach- 
tet als solches das Z. Diese Erklärung ist möglich, 
aber unwahrecheiulich. Die Fälle, in denen der 
Meister mit einem einzelnen Buchstaben zeichnete, 
sind verschwindend selten, dagegen ist der einzelne 
Buchstabe fOr den Entatehungsort üblich. Wahr- 
scheinlich ist in diesem Falle lediglich, dass der 
Becher von einem Meister F.... I.... iuZ.... 
gearbeitet ist. Bei einem nicht weiter datirbaren 
Stocke wtirde man an Ztlrich denken, das — im 16. 
Jahrhundert wenigstens — das Z als Zeichen fdhrte. 
Ob es annehmbar ist, dass Mathias CorvinuB oder 
Friedrich III. dort habe arbeiten lassen, kann ich 
nicht beantworten. Es wäre wünschenswert, dass 
die vmgarische Lokalforschung noch einmal an die- 
sem Funkte ansetzte und Umschau hielte, ob in der 



Machtsphäre des Königs Mathias sich ein Ort Z . . . 
befand, dem man diese Arbeit zutrauen kann, denn 
wenn das F I als Zeichen fQr Kaiser Friedrich fort- 
Seilt, bleibt der prachtliebende Mathias doch immer 
in erster Linie als Stifter des Bechera wahrsch^n- 
lich. Dass Mathias auch außerhalb Ungarns arbei- 
ten ließ, beweist die herrliche Reliquienmonstranz, 
von unzweifelhaft italienischer Herkunft im Schatze 
von Gran. Aber die Technik des Bechers weist 
nach Ungarn, welches das Drathemail, wenn auch 
nicht ausschließlich, so doch mit Vorliebe pflegte. 
Wir können also, zu unserem Bedauern, die 
vorgebrachte Lösung über die Herkunft des Bechers 
noch nicht als endgültig annehmen. 

JULIUS LESBINQ. 



SPANISCHE EISENARBEITEN. 



UlT ABBILDUNGEN. 




AHREND der letzten Jahre 
sind aus Spanien in ver- 
schiedene Museen Arbeiten 
in Schmiedeeisen gelangt, 
die durch die Eigenart der 
Formen, Behandlung und 
Verwendung zum Teil er- 
heblich von den verwandten 
Arbeiten Deutschlands abweichen. Die Museen von 
Berlin, Düsseldorf und Köln dürfen sich des Besitzes 
einer Anzahl derartiger vorzüglicher Stücke freuen 
und es schien angemessen eine Anzahl derselben zu 
veröffentlichen. 

Spanien ist ein altes Eisenland: wir wissen, dass 
die Römer bei der Eroberung des Landes bereits 
bei den alten Iberern den Bergbau in hoher Blüte 
fanden. Römischer Unternehmungsgeist erweiterte 
die Bergwerke und bis in unsere Tage ist spanisches 
Eisen gesucht Mit dem Eindringen der Mauren 
nahm die Bearbeitung des Eisens für Waffen — die 
Toledanerklingen gehen seit dem Mittelalter bis 
heute durch die Welt — und die künstlerische Gestal- 
tung der Eisenarbeit einen mächtigen Aufschwung: 
brachteu sie doch aus ihrer orientalischen Heimat 
als vornehmste Verzier ungs weise der Metallarbeit: 
die Technik der Tauschirung mit, vorwiegend zum 



Schmuck der Waffen aber auch zur Verzierung von 
allerlei Hausrat Es ist dies die einzige Technik, die 
sie den Spaniern bis in unsere Tage als kostbares 
Erbteil hinterlassen haben und Zulvoga's Name ist 
selbst in Kreise gedrungen, die sonst nichts von 
spanischer Kunst wissen. 

Von maurischen Schmiedearbeiten ist wen^ 
erbalten: wohl aber seit dem Ende des 15. Jahr- 
hunderts prachtvolle Arbeiten aus christlicher Zeit. 
Berühmt sind die großen Äbschlussgitter , welche 
nach der eigentümlichen Sitte der spanischen Kir- 
chen den Chor von dem Schiff trennen oder die Seiten- 
kapellen abschließen, die sogenannte reja. Berühmt 
sind die gewaltigen Gitter der Kathedralen von 
Granada, Toledo 1548, Burgos u. a. An allen diesen 
Arbeiten ist Schmiede-, Treib- und Hammerarbeit in 
höchst kunstvoller Weise vereinigt und Vergoldung 
und Bemalung treten hinzu, um wahre Wunder- 
werke der Scbmiedekunst hervorzubringen , deren 
Meister sich übrigens wiederholt nennen und auf 
welche die Spanier noch heute mit Recht besonders 
stolz sind. Bei Riaßo, ,spanish arts" ist eine lange 
Reihe derselben verzeichnet. Für . die schwierige 
Hammer- und Meißelarbeit scheinen diese Meister 
eine besondere Vorliebe gehabt zu haben: man findet 
sie bis in die kleinsten Einzelheiten m''^st«rhaft ver- 



SPANISCHE EISENARBEITEN. 



57 



wendet Der Riegel, den wir 
der von einem der genannten 
rührt, ist auaschließlicli 
in Meißelarbeit hei^e- 
stellt. Der Kopf des l 
Engela ist aus dem 
Vollen heransgemei- 
Selt nnd dabei von eine 
italienische Skulpturen 
erinnert (vei^l. die getre 
überhaupt ist dieser ganz 
werk der Meißeltechnik 
Stück Eisen herausgeha 
QaerstOck, welches in if 
g^eben ist und das dai 
beim Öffnen der großen 
zn schieben — ist besonc 
angesetzt. 

Dienten die Gitter ii 
znm Abschluss und Seh 
an Kirchen Palästen ni 
eieenbeschlagenen Thürei 
dazu kam, eine Holzthü 
Sicherheit mit Eisen zu 
Ausgestaltung dieser E 
künstlerischen Seite hin n 
Mittelalter finden wir dei 
den Kircbthüreu derartig 
schüre. In Frankreich 
tonte man dabei meist dt 
ThOr mit den Pforten 
wickelte daran Ranken ui 
oder andere omamentale 
finden wir bisweilen in 
aus spitzen Nägeln und 
die Thfiren in einer Art 
über bedeckt sind und 
möglich machen, die Tht 
einzurennen. Noch beli< 
der Verzierung in Spanie 
N^elköpfe in reichster " 
allen Größen treffen wir 
sie zum reinen Ornamen 
saler Größe an und ver 
als Nägel vollständig, v 
schlag. 

Vielfach bildet den 
ThOrschmuckes je nach 
klopfer oder Griff. Ist aucu h« 
Heimat Italien, wo er und zwar 
technik seine höchste Ausbildui 



hierbei abbilden und so dürfen doch auch die spanischen Arbeiten als 
Abschlussgitter her- höchst beachtenswerte Erzeugnisse der Kleinkunst 

angesehen werden. 

BrnTi^^M fflf ragendes Stück dieser 
^S^^^W^ Art besitzt seit kur- 
zem das Kunstgewer- 
bemuseum zu Köln {ein zweites 
Exemplar ist in Privatbesitz Öber- 

r gegangen). Die beigegebene Ab- 
bildung tiberhebt uns der nähe- 
ren Beschreibung. Der Schild in 
der Mitte, sehr geschickt in die 
m, umrahmenden Bügel eingefügt, 
ra zeigt das Wappen des Don Pero 
Lasso von Sevilla, von dessen 
Palast die Klopfer jedenfalls stam- 
men. Dieses Wappen, wie der 
Löwenkopf, an dem der Klopfer 
beweglich hängt, und die Medusen- 
maske am unteren Ende .sind in 
Eisen getrieben und mit Platten 
unterlegt; alle Übrigen Teile mit 
dem Hammer, Meißel und Feile 
bearbeitet. Das Stück bezeichnet 
in dieser derben und etwas groben 
Technik ohne Zweifel die Höhe 
der Vollendung und des Könnens 
der spanischen Kleinkunst auf 
em Gebiet und vermeidet es in höchst 
hickter Weise, der Technik zu viel zuzn- 
en. Von einer ThOr mag wohl auch der 
ine gotische Beschlag stammen, der als 
fleiste auf S. 55 steht. 
Was wir an den Thfiren der Kirchen 
Paläste im großen Maßstab finden, das 
:gnet uns an dem Hausrat, den Möbeln 
kleinen. Bekannt sind die reich ver- 
leten EisenbeschlSge, welche die Vorder- 
tn der spanischen Schreibkabinette der 
^nannten barguena, in Menge zieren, 
it im Charakter oder unter dem Einäuss 
ntaliacher Arbeiten. Aber auch ganze 
lel aus Eisen kommen vor, namentlich 
kirchliche Zwecke, Messpulte und Ker- 
räger — diese zu erlangen werden aber 
unsere Museen wohl fromme Wünsche 
ben. 



in der Bronze- Riee«!. 

Eilen eucbnltten. 
ng erlangt hat, 3e,iiu um um. 



EINE OFENLIEFERUNG AUS DEM XVI. JAHRHUNDERT. 

VON OTTO QERLAND. 



jl ELEGENTLICH der Er- 
baaung dea ScUosses Wil- 
Iielmsburg bei Schmalkal- 
den gab der Bauherr Land- 
graf Wilhelm IV, der Weise 
von Hessen-Kaasel dem mit 
der Leitung des Baues be- 
trauten Baumeister Christof 
Maller die Beschaffung der Ende 1585 mit Rücksicht 
auf die damaligen Fortschritte des Baues erforder- 
lichen Öfen mittels folgenden Schreibens auf. 

„Wilhelm pp. Lieber getrewer. Nach dem du 
zuwisseon begereat, waß vor gattung von offen wir 
gein Schmalkalden haben wollen, als eoltu vnß diß- 
mals bestellen*, 

„Siebenn offenn jeden — 3 schu 2 zoll vnge- 
fehr hoch — 3 schu 1 ','i zoll lang — 1 echu 10 zoll 
femenn breytt" 

glbenn in saall vnd die Eßstuben drey offen soll 
jeder lang sein — 2','j schu, hoch 4 schu breytt 
2 Schue." 

„Mehr vier kleine offen jder hoch 2 schuh 
1 Va zollt lang — 2Vi schu, — breytt 1 schu 10 zolL" 
No. Zu disser gattung muß man das forderbrett 
ettwas schmaler machenn, vnd laß in ein jden ein 
besondere historienn gießesn, waß der meister darann 
nit hatt, kan mann zu Heyna borgenn, dan wir, wie 
du weist, daselbstbin vor etzlichenn jharenn allerley 
muster von Oolunen vnd anderenn schneiden lassenn, 
die dann (daher)? vnser vnd nit ihr ? (ihnen) seindt", 
,Alle offenn sollen ferner vnser wapen vnd nah- 
men haben, laß die formenn von Hayna so haltt her- 
raberholenn, aber die drey große offenn bestelle zn 
Heyna zu gießenn vnd das sie forderlich gegossenn 
vnd gefertigtt werdenn", 

„Daß thun wir vnß alß versehen. Datum Eoden- 
bergk am 24. Sbris Ao 85". 

Wilhelm S. z. Heseenn. p. 
Dies Schreiben zeigt uns aufs deutlichste, welche 
Aufmerksamkeit Wilhelm auf die Herstellung schSner 
Ofen legte, wie dies auch aus dem Aufsatz v. Drache 
im 5. Jahrgang dieses Blattes, S. 22 ff. erhellt Es 
bestätigt auch die von L. Bickell in seiner Schritt 
Über die Eisenhütten des Klosters Haina-Marburg 



1889 — ausgesprochenen Ansichten, dass man die 
Modellplatten, welche der gewSnschten Größe nicht 
entsprechen, beliebig kleiner sägte, und dass die 
Hainaischen Hfitten, damals die besten Gießereien 
in Hessen waren, weil der Landgraf dort die groll- 
ten Ofen gegossen haben will und ftlr diese Hütten 
hat Formen anfertigen lassen. Ob aber eine dritte 
Ansicht Bickells, dass man damals im Schmalkaldi- 
schen Ofen noch nicht habe gießen können, aufrecht 
zu erhalten ist, kann zweifelhaft erscheinen. Denn 
da der Landgraf seinem Baumeister aufgiebt, die 
Formen &a die elf kleineren Ofen von Haina nach 
Schmalkalden kommen zn lassen, so sollte doi^ ge- 
wiss der Guss in Schmalkalden oder in dessen näch- 
ster Umgebung voi^enommen werden. Ob dies nun 
in einer der in oder bei Schmalkalden selbst ge- 
legenen Hütten oder in einer von der Htitte der 
Herrschaft Schmalkalden, etwa zu Brotterode, ge- 
schah, lässt sich zur Zeit nicht beantworten. Es 
sollen aus jener Zeit Ofenplatten mit der Angabe 
von Brotterode als Gussort vorhanden sein, es ist 
mir aber nie möglich gewesen, eine solche zu Gesicht 
zu bekommet!. Es wäre allerdings auch m^lich, 
dass die elf Öfen nicht direkt im Schmalkaldischen 
aber doch in dessen unmittelbarster Nähe in Schweina 
bei Bad Liebenstein grossen sind, da das im Jahr 
1612 über die Wilhelmsburg aufgenommene Inven- 
tar bei Beschreibung der Hofstuben dea großen 
(GeBind-)Saals — erzählt, dass neun Stück zerbro- 
chene eiserne Öfen zum Umguss dem Gießer zn 
Schweina überliefert seien. Von Schmalkalden wur- 
den übrigens, wie Bickell nachweist, die Hammer- 
schmiede nach Haina verschrieben. 

Von den erwähnten Öfen sind noch zwei er- 
halten, einer von den drei großen im Speisesaal und 
einer von der mittleren Sorte im Erdgeschoss dea 
Vorder-(Wesfc-)FlUgels der Wilhehnsbui^. 

Später wurden noch weitere Öfen beschafft, von 
denen ein großer mit Hainaiseben Formen im Tanz- 
aaal und ein kleinerer im Füratenstubl der Schloss- 
kapelle noch erhalten sind. 

Einzelne der auf diesen Öfen enthaltenen Dar- 
stellungen sind in der Bickellscben Schrill Tafel HI, 
IV und VI abgebildet 



i&!' 



1«^ 



ZWEI FÄLSCHUNGEN. 

VON MARO ROSENBERQ. 



Der Herausgeber dieser Zeitsdirift }iat im 
IL Jahrgang S. 1 1 dieser Blätter die lierrorragende 
Publikation Über die große Qoldacbmiedeausstellung 
in Badapeet Tom Jahre 1884 besprochen und dabei 
eine gefälschte Emailarheit aufgedeckt, welche in 



Im GrCneo Gewölbe zu Dresden befindet sich 
eine Perlmutterkanne mit schlankem Halse, sowie 
reichverziertem Henkel und Äusgass. Es ist ein 
herrliches Stück der deutschen FrUhrenaissance, wel- 
ches im Erbsteinschen E^talog von 1S84, S. 91 
Mr. 189 erwähnt und in den Licht- und Farbendmok- 
publikationen auf Bl. XI resp. IX daigeatellt ist.^) 



Taigoldate Silbwbuuie (Budi^MtM AuMtsllui« 18U). 

diesem Prachtwerk Aufnahme gefunden hatte. Wenn 
man bedenkt, welche große Bedeutung jene Ausstel- 
lung, sowie die Publikation der auf ihr vereinigten 
Meisterwerke, für die Studien zur Geschichte der Gold- 
schmiedekunst besitzt, wird man es nicht ungerecht- 
fertigt finden, wenn wir den Gegenstand nochmals 
berOhren, am zwei weitere Blätter dieses Werkes, 
wenigstens fUr die Geschichte der älteren Gold- 
schmiedekunst, auszuscheiden. 



Fsrlmnttsrkuise Im Orttnea Qcwfilbe tu DrMdea. 

"Sa ist sehr leicht b^^ifiich, dass dieses sch&ne 
StUck einen Fälscher gereizt hat; seine Leistung 
ist in Chefe-d'oeuTre d'orferrerie ä l'esposition de 



1) Die tu dieser Kanne gehörige Platte ist in der 
LicbtdrackpnblikatioD Bl. 27 abgebildet Eine mit Silber 
montirte Flasche, für Salbei bestimmt, mit äbnliehen Ferl- 
mutteTslflckchen belegt, befindet Mch in der Patriarchen- 
Bcbatzkammer eh Moskau. 



60 



ZWEI FÄLSCHUNGEN. 



Budapest 1884 auf der mit einer Eichel be- 
zeichneten Tafel abgebildet and auf S. 95/96 be- 
scbriebeiL 

Die Ferlmatterplättchen am Corpus und die 
Renüesanceomamente am Fuße der Dresdener Hanne 
sind an dem Pester Stück dnrch Buckeln ersetzt. 
Deckel, Henkel und Ausguss sind an beiden Stücken 
im wesentlicben gleich, doch möchte ich hier ge- 
rade auf zwei kleine Ab- 
weichungen aufmerksam 
machen. Der Ansguss an 
dem Stücke des Grflnen 
Gewölbes benutzt die von 
der antiken Kunst Qber- 
lieferte Gestalt des Del- 
phins, während die Kanne 
in Pest einen Greifenkopf 
zeigt. Auch in dem Hen- 
kel der Dresdener Kanne 
erkennen wir den Delphin, 
wärend der Henkel an 
dem Pester Stücke oben 
in eine Bildung anslSnft, 
deren omamentales Motiv 
schwer zn erkennen iai 
Ich konstatire diese Unter- 
schiede, ohne eine Kritik 
auf dieselben aufzubauen, 
obgleich ich persönlich in 
beiden ein Zeugnis dafür 
erblicke, dass der Nach- 
ahmer die Zierformen sei- 
nes Vorbildes missverslan- 
den hat Die Budapester 
Kanne zeigt am Fnße bei 
den Buckeln Motire einer 
Dekoration, welche man 

allerfrü bestens in den Be- 

Cocaflniutbecner mit ' 
ginn des 17. Jahrhunderts Ansstciiang in 

setzen kann. Wie soll deren 

Auftreten an einer Arbeit erklärt werden, welche 
nach den Herausgebern „Style du 16. si^Ie" ist? 
Vielleicht ist der Fuß eine spätere Zuthat? Ich 
glaube es nicht, und Qberlasse diese Annahme den- 
jenigen, welche Grund haben könnten, die Echtheit 
der Kanne zu verteidigen. Mir erscheint sie in allen 
ihren Teilen rerdächtig, und ich habe dafür auch 
noch technische Gründe, nach welchen ich im Jahre 
1884 eine Bemerkung über die Unechtheit des 
Stockes in meine Kotizen eintrug. Mein Gedächtr 
nis reicht nicht aus, um aoch diese Crflude hier 



Torznföhren, es mag daher ein mehr änßerlicher da- 
für hingenommen werden. Das Stück ist nämlich 



mit zwei Marken 4 



versehen, von wel- 



chen die eine die Initialen C N erkennen lässt. ■ Das 
ist eine mir längst bekannte FSlscbermarke, deren 
Heimat ich leider noch nicht feststellen konnte, die 
ich aber glaube, nach Osterreich oder Ungarn wei- 
sen zu müssen. Es würde 
uns sehr weit abführen, 
wollten wir hier den Nach- 
weis versuchen, dass die» 
Marke nur auf modernen 
Fälschungen vorkommt, 
aber ich hoffe, ihn einmal 
zn geben, wenn ich eine 
Übersicht der falschen 
Marken besonders zusam- 
menstelle. Interessant ist 
es noch, dass wir mit Hilfe 
derselben Marke ein an- 
deres Stock der Pester 
Ausstellung, welches in 
Chefs-d'oeuvre d'orßvrerie 
ä l'exposition de Budapest 
t884 auf der mit einem 
zweiarmigen Leuchter be- 
zeichneten Tafel abgebildet 
und S. 67/68 beschrieben 
ist, als &lsch ausscheiden 
können, obgleich es diese 
Marken gar nicht tr^t 
Diese reizende als heraldi- 
scher Adler gefassteKokos- 
nuas hat etwas so Be5itrik- 
kendes, das.") ich gewiss 
bin, nur wenige für meine 
Überzeugung, dass sie 
eine moderne Fälschung 
ist, gewinnen zu können. 
Hat sich doch selbst Bucher, der als Verfasser einer 
Geschichte der Goldschmiedekunst so viel gesehen 
und geprüft hat, durch die Erscheinung, welche ihm 
das Stück in der Vitrine darbot, verführen lassen. 
Zunächst ist zu bemerken, dass sieb in Privatbesitz 
in SL Petersburg ein fast identisches Stück mit 



dies 



1 Marken 



i m 



befindet. Die eine der- 



selben ist identisch mit der einzigen deutlich er- 
kennbaren auf der oben besprochenen Kanne, die 
wir für falsch erklären möchten, nnd wir hätten 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



61 



demnach schon aus diesem Gründe den Pokal von 
den echten Stücken ausscheiden können. Das Pester 
Gegenstück trägt zwar nicht dieselben Fälschermar- 



ken, aber dagegen die nebenstehende 




welche 



eine dem Augsburger beschauzeichen nachgebildete, 
aber moderne ist. Wir können dieses Stück daher 
aus zwei Gründen für falsch erklären; erstens, 
weil sie eine nachgemachte Marke trägt und zwei- 
tens, weil es einem als falsch erkannten Stücke in 
allen Teilen entspricht. Dass Wappen und Inschrift 
auf den Bügeln, welche die Nuss fassen, modern 
sind, haben schon die Herausgeber der Pester Publi- 
kation erkannt. Die stilistische Prüfung der Arbeit 
als Ganzes ist schwieriger, und ich möchte nicht 



den Versuch wagen, sie an der Hand einer kleinen 
Abbildung vorzunehmen, selbst die große Abbildung 
in der Pester Publikation, als eine stark überarbei- 
tete HeUogravüre, ist nicht dazu geeignet. 

Angesichts dieses und vielleicht auch des zu- 
erst besprochenen Stückes wird es wohl nicht an 
Stimmen fehlen, welche meinen Erörterungen die 
Frage entgegenstellen werden: Und wenn die Stücke 
falsch sind, sind sie darum minder schön? Es giebt 
darauf hundert Antworten. Ich will heute nur eine 
geben: Ja, die Stücke sind gerade so schön, wie sie 
eben aussehen, aber man kann sie nicht benützen, 
um die Goldschmiedekunst des 16. Jahrhunderts nach 
ihnen zu beurteilen, und aus dem Album, welches 
uns die alten Meisterwerke vorzuführen unternimmt, 
sind sie auszuscheiden. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



& Bischoff: Schmiedeeism, 12 Blatt Autographien, 33/48 cm. 
Karlsruhe, J. Veith. 9 M. 

Der Heraopgeber, Architekt und Professor an der Eunst- 
gewerbeschule zu Karlsruhe, bringt hiermit das erste Heft 
einer Veröffentlichung, von der wir nur wünschen können, 
dass sie ihre Fortsetzung finden möge. Es werden etwa 50 
einzelne Gegenstände geboten, nach alten guten Vorbildern 
gezeichnet und entworfen. Die Motive stammen aus Tirol, 
Spanien, Nürnberg etc. und umfassen die Zeit vem 15. bis 
18. Jahrhundert. Es sind Treppen und Brüstungsgeländer, 
Wandarme, Abschlussgitter, Laternen, Thürbeschläge und 
ähnliche Dinge, wie sie ja heute wieder gerne in Schmiede- 
eisen gemacht werden. Die Darstellung ist entsprechend ein- 
fach, aber gut und charakteristisch und wo die verkleinerte 
Wiedergabe einen Zweifel über die Ausführung zulässt, ist 
durch Einzelheiten in natürlicher Größe nachgeholfen. Die 
Veröffentlichung reiht sich den übrigen unter der Firma der 
Karlsruher Schule gehenden Werke würdig an und nimmt 
eine empfehlenswerte Stellung ein unter den zu Bergen auf- 
wachsenden Ausgaben der neuzeitigen Schmiedeeisenlitteratur. 

-A— . 
P. — Es muss eine besondere Begabung dazu gehören, 
Monogramme zu erfinden : man staunt geradezu, wenn manche 
Autoren immer wieder neue Kombinationen erfinden, ohne 
dabei, langweilig zu werden oder sich auszugeben. Ein 
solcher Autor ist Bmil Franke, der im Verlag von Orell, 
Füßli & Co. in Zürich schon früher kalligraphische Arbeiten 
publizirt hat. ' Wiederum liegen zwei sehr hübsche und 
handliche Werke desselben vor: das „neue Stickereimono- 
gramme'^ welches 312 Monogramme (7 cm breit) bietet, Preis 
3,80 M., und ein zweites, ,,Rondomonogramme für Stickerei- 
werke*', 624 Stück enthaltend, Preis 2,00 M. — beide wohl 
geeignet für Haus und Schule. Jedes Monogramm ist da 
ein kleines Kunstwerk, deutlich und leicht leserlich, was 
als ein besonderer Vorzug dieses Heftchens anzuerkennen ist. 



Beschränken sich die eben angeführten Vorlagen nur auf 
die Stickerei, so geht ein neues Werk aus dem rührigen 
Verlage von Bernhard Friedr. Voigt in Weimar weiter; es 
ist eine Sammlung von 1074 Monogrammen, 52 Zierschrif- 
ten und Kronen auf 74 Tafeln, entworfen von C, Kiiüner, 
zu dem billigen Preise von 4,50 M. Diese Kollektion bringt 
u. a. zum ersten Mal ein terachlungenea gotisches, Renais- 
sance- und Spiegelschrift-Alphabet. Sie eignen sich auch 
für Graveure, Maler, Lackirer (fär Wagenschlfige), Sattler etc. 
und geben, in aller und jeder Technik ausgeführt, günstige 
Wirkungen. 

— Karl W. Htersemann^ Antiquariat in Leipzig versandte 
kürzlich den Katalog Nr. 92 enthaltend Titel der Werke über 
Architektur und Innendekoration, 816 Nummern umfassend. 
Er führt außer allgemeinen und Sammelwerken Publikationen 
über Perspektive, Kirchen und Klöster, Schlösser, Paläste, 
Burgen, Villen, Gartenbauarchitektur, Brunnen, Statuen, Tri- 
umphbogen, Grabdenkmale, Glasmalerei und Innendekoration. 

A. — Köln, — Kunstgewerbemuseum. Seit dem letzten Be- 
richt im August d. J. über die Vermehrungen der Sammlung 
hat das Museum wiederum erhebliche Erweiterungen in 
vielen Abteilungen erfahren, durch Ankäufe, Schenkungen 
und Überweisungen. Das Museum besaß bereits eine kleine 
gewählte Kollektion von spanischem Frauenschmuck mit 
Perlen Verzierung und Goldemail; nunmehr ist eine größere 
Anzahl (gegen 40 Stück) Filigran und Goldemail dazu 
gekommen. Neben diesen zum Teil einfacheren Schmuck- 
stücken ragt eine deutsche Arbeit hervor, die überhaupt 
als der kostbarste Schmuck, den das Museum bis jetzt 
besitzt, bezeichnet werden muss: ein goldenes Kreuz mit 
feinster Graviruug und Grubenschmelz, etwa um 1580 
gefertigt unter deren Einfiuss der Omamentisten jener Zeit. 
Eine größere Kollektion spanischer Applikationsarbeiten in 
Seide und Summet» sowie eine prächtige Stickerei in Gold 



62 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



und Seide Ton einer Dalmatika herrührend , vermehrten die 
Sammlang der Handarbeiten, ebenso eine YorzQgliche Arbeit 
italienischer Kunst um 1560. Zu den kostbarsten Stickereien 
des Museums gehört eine vor mehreren Jahren bereits erwor- 
bene, jetzt erst zur Ausstellung gelangte Tischdecke in Seide 
und Gold auf Leinen gestickt: dieselbe, vielleicht Schweizer- 
arbeit aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, steht als 
deutsche Arbeit ebenbürtig neben der Venezianer Pracht- 
stickerei des Museums. Die Gruppe der Hoharbeiten ist 
bei diesen letzten Erwerbungen ganz besonders reich 
bedacht Alles überragt eine Schenkung ganz ungewöhn- 
licher Art, welche dem Herrn Eommerzienrat Emü vom 
Roth verdankt wird, wie bisher nur wenige an Bedeutung 
und Wert dem Museum zu teil geworden sind. Es ist 
eine gotische Thür aus Nussbaumholz , der Sakristei einer 
spanischen Kirche entstammend in vier Füllungen, völlig 
bedeckt mit Ranken und Blattwerk in edelster Zeichnung; 
dabei von fast tadelloser Erhaltung. Gleichfalls Spanien ent- 
stammt ein kleiner Reliquienbehälter in Kapellenform, flott 
geschnitten und vergoldet mit dem Wappen des Landeshei- 
ligen S. Jago. Aus den anscheinend unerschöpflichen Maga- 
zinen des Wallraf-Richartzmuseums wurde die Sammlung 
um einige schöne vergoldete Rokokoschnitzereien bereichert: 
einen Eckkonsoltisch und zwei prächtige Wandkonsolen, 
dreiteilig, zum Aufstellen von Forzellanvasen, sicher ent- 
standen unter dem Einfluss der Stiche des Bemard Toro. 
Von einer bisher noch nicht vertretenen Art spätgotischer 
Möbel italienischer Herkunft ist nunmehr auch ein schönes 
Ftobestück in das Museum gelangt: eine Truhe aus einem 
weichen Holz in der sog. Holzbrandtechnik, mit ausge- 
hobenem und gepunztem Grund und eingebrannter Innen- 
zeichnung in den Reliefs. Die Abteilung der Kassetten — 
die an mittelalterlichen Arbeiten nur von der der Sammlung 
des Germanischen Mueums und des Berliner Kunstgewerbe- 
museums übertroffen wird — nähert sich auch mit den Arbeiten 
der späteren Zeit allmählich einer gewissen Vollständigkeit. 
So wurde eine deutsche Lederkassette ersten Ranges erworben; 
dieselbe, wahrscheinlich sächsische Arbeit des 16. Jahrhun- 
derts aus der bekannten Sammlung des Professor Seyffer in 
Stuttgart stammend, außen mit Maroquinleder bezogen und 
in edelster Zeichnung mit Rankenwerk in Handvergoldung 
verziert Muss diese Kassette als ein Hauptstück der Leder- 
abteilung angesehen werden, so bezeichnet die zweite kürz- 
lich fOr schweres Geld erworbene Kassette die Höhe der 
deutschen Kleinbronxehmst des 16. Jahrhunderts. Dies Käst- 
chen von gleicher Form, wie das eben genannte, ist mit 
Sammet überzogen und auf allen Seiten außen reich mit 
den künstlichsten vergoldeten Bronzeomamenten beschlagen. 
Die Kanten mit gepressten Verzierungen: Arabeskenomamen t 
oder TierdarstelluDgen in Rankenwerk. Die EckfQllungen 
mit stilisirten figürlichen Ornamenten, oben eine durchbro- 
chene getriebene Platte mit einer figürlichen Darstellung in 
zierlicher omamentaler Umrahmung. Das Innere zeigt kleine 
Schubkästen um ein^ größeres Mittelstück mit geätztem Or- 
nament und Löwenköpfen als Griffe. Prächtig ausgestattet 
ist die innere Seite des Klappendeckels: eine figurenreiche 
Darstellung in Gravirung umrahmt ein geätztes Bandoma- 
ment. Auf der Versteigerung der Sammlung Vincent in 
Konstanz im September dieses Jahres gelang es dem Mu- 
seum, drei Stück charakteristischer Sehweixer Qlasscheiben 
zu erwerben. An den Ankauf großer Prachtstücke konnte 
mit Rücksicht auf • die Mittel des Museums und die 
zum Teil ganz unverständigen Preise, die dort gezahlt 
wurden, nicht gedacht werden, obwohl gerade der Ver- 
gleich zwischen dem Besten, was die Schweiz und der Nieder- 



rhein geleistet, sehr lehi'reich gewesen wSre. Immerhin ge- 
nügen diese drei Stücke, von denen zwei Wappenscheiben, 
die dritte eine sogenannte Bauemscheibe mit Kostümfiguren 
ist, um den Unterschied in der Glasmalerei des Ober- und 
Niederrheins, welch letztere ja im Kölner Museum in unver- 
gleichlicher Weise vertreten ist, erkennen zu lassen. Zwei 
weitere prächtige Glasmalereien: gotische Baldachine dar- 
stellend, deren eine der Liberalität der Firma J. 3£ Heberle 
(H. Lempertz Söhne) verdankt wird, sind die ersten Proben 
der Nürnberger Glasmalerei im Museum. Gleichfalls der 
Sammlung Vincent entstammen drei Stück alter orienta- 
lischer Porxdlane, Die Erwerbung der bisher angeführten 
Kunstgegenstände konnte teils ans den etatsmäßigen Mitteln, 
teils aus der Stiftung Elven geschehen. Aber auch der 
Kunstgewerbeverein hat wiederum größere Summen zu An- 
käufen zur Verfügung gestellt. Diese sind u. a. der vom 
Kunstgewerbeverein begründeten Eisensammlung zu gute ge- 
kommen, indem außer gelegentlichen Ankäufen an einzelnen 
Beschlägen und kleineren Teilen eine sehr hübsche Kollek- 
tion kleiner Grabkreuze in zierlichen Formen, aus Franken 
stammend, erworben worden. Ein schöner Wandarm für 
ein Wirtshaus- oder Innungsschild vom Ende des 16. Jahr- 
hunderts, aus der Gegend von Neuwied, kam gleichfJEdls hin- 
zu. Vielfache Vermehrung erfuhren die Abteilungen der 
Fußbodenfliesen, meist Kölner, und der Wandfliesen, meist 
holländischen Ursprungs. Ein sehr schönes Tischbesteck, 
Reliefsilber mit blauem Grubenschmelz mit Wappen und 
Porträts, wohl Dresdener Herkunft, führte der Sammlung 
eine neue bisher unvertretene Technik zu. Auch einige Por- 
zellane, Gläser, Tischgeräte und zwei Dosen des 18. Jahr- 
hunderts, die eine gestanzt und fein nachciselirt, die andere 
mit eingelegter Perlmutterarbeit wurden der Technik wegen 
erworben. Das Hauptstück, welches der Kunstgewerbeverein 
dem Museum als Geschenk zugeführt hat, ist eine jener bekann- 
ten kleinen Venezianer Prunkschalen um 1600, aus vergoldetem 
Kupfer, oval auf Fuß mit durchbrochenem emaillirtenRand, der 
Spiegel über und über mit einem orientalisirenden Ornament 
bedeckt, welches aus verschieden geformten, in das Metall 
eingeseiften Korallenstückchen gebildet ist. Endlich erhielt 
das Museum unter anderen Schenkungen von Privaten drei 
besonders hervorragende Stücke: ein MedaUhnporiräi des 
Kurfürsten Clemens Joseph von Köln (f 1723) mit Rahmen 
in Bucksbawmholx geschnitten, ein ausgezeichnetes und zu- 
gleich lehrreiches Beispiel für das spätere Vorkommen dieser 
Buchsbaumporträts. Das zweite Stück ist eine EmaiUaase auf 
deren weißen Schmelzgmnd feine gepresste Goldomamente 
mit durchsichtigen bunten Emailperlen aufgeschmolzen sind. 
Das dritte dieser wertvollen Geschenke, welches von einer 
Dame herrührt, entstammt gleichfalls der Empirezeit und 
vertritt eine bisher in der Sammlung noch nicht vorhandene 
Gruppe von Arbeiten. Es ist ein dreiarmiger Tischleuchter 
mit Perlmutter belegt und in fein ciselirte, vergoldete und 
zum Teil emaillirte Bronze gefasst. Dies^ zierliche Arbeit 
bezeichnet die Höhe dieser geschmackvollen und feinen Pa- 
riser Bijouterien um die Wende des 18. Jahrhunderts. 

o— . Berlin, Der Jahresbericht des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe zeigt denselben in einer höchst erfreulichen 
Entwicklung begriffen. In erster Linie ist hier der diesjäh- 
rige Zuwachs an neuen Mitgliedern zu vermerken, der 
ein so außerordentlicher war, wie in keinem voraufge- 
gangenen Jahre; es sind mnd 300 Mitglieder neu ge- 
wonnen, unter denen die verschiedensten Zweige des Kunst- 
gewerbes, Künstler und Kunstfreunde vertreten sind. Die 
Gesamtzahl der Mitglieder beträgt somit 787. Es fan- 
den im verflossenen Jahre 21 Versammlungen statt: eine 



r 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



63 



General Versammlung, sieben Hauptversammlungen, neun 
zwanglose Sitzungen, von denen die eine mit dem Herren- 
fest zusammenfiel, ein Stiftungsfest, drei außerordentliche 
Versammlungen. Von den letzteren war die erste zum Zweck 
eines gemeinschaftlichen Besuches des Hohen zoUemmuseums 
veranstaltet, die zweite bestand in einem Ausfluge nach Pots- 
dam, und die dritte wurde im hiesigen Egl. Zeughause ab- 
gehidten. In den Versammlungen haben folgende Herren 
Vorträge gehalten: Herr Regierungsbaumeister Borrmann: 
Die Siteren Innendekorationen in Schlössern undPrivathäusem 
Berlins; Dr. P, Jessen: Neue Omamentstiche der Omament- 
stichsammlung des Kgl. Kunstgewerbemuseum s ; Dr. P. Jessen : 
Das deutsche Kunstgewerbe zu Schlüters Zeit; Professor Dr. 
Julius Lessing: Druck- und Färberei verfahren ftlr Stoffmu- 
ster; Professor Dr. Julitis Lessing: Über Glasmosaik; Eduard 
Quaas: Über Produktion in Kunst und Kunstgewerbe; Dr. 
F, Stoixe: Die Momentaufnahmen des Dr. Vianna de Lima. 
Die zwanglosen Sitzungen wurden in gewohnter Weise 
durch zahlreiche und wertvolle Vorlegungen und Erörterun- 
gen derselben ausgefüllt. Aus der sonstigen Vereinsthätig- 
keit ist insbesondere die Einsetzung einer Kommission für 
eine Berliner Ausstellung, sowie einer solchen für die Be- 
schickung der Weltausstellung zu Chicago hervorzuheben. 
Auf dem Gebiete der Wettbewerbungen ist insofern ein wich- 
tiger Fortschritt zu verzeichnen, als auf Veranlassung unseres 
Mitgliedes Herrn P. Walle regelmäßig wiederkehrende Mo- 
natskonkurrenzen eingeführt worden sind. Der Erfolg ist 
bisher ein übor Erwarten erfreulicher gewesen. Die Rech- 
nung für das Jahr 1891 erweist eine fortschreitende Besserung 
der finanziellen Verhältnisse des Vereins. Die Einnahmen 
zeigen in diesem Jahre auf allen Konten eine wesentliche 
Vermehrung; an Eintrittsgeldern sind M. 834, Mitgliederbei- 
träge M. 1312, auf Konto für Diverse M. 414 mehr einge- 
gangen als im Etat angenommen wurde. Dagegen sind nur 
M. 324,95 mehr ausgegeben worden, darunter M. 261,30 auf 
Vergnügungskonto. Der Rechnungsabschluss balancirt in Ein- 
nahme und Ausgabe mit M. 10528. Hierin ist enthalten der 
überschuss mit M. 1803,25, welcher auch in diesem Jahre 
auf Kapitalkonto übertragen wurde. Dieses Konto ergiebt 
mit dem Überschuss vom Jahre 1890 zusammen M. 3452,35, 
wovon der Wert gekaufter M. 1500 4proc. preuss. Konsols in 
Abrechnung kommt. Der Reservefonds hat den statutenmä- 
ßigen Zuwachs durch die Hälfte der Eintrittsgelder mit M. 
432, sowie an Zinsen M. 34,70 erhalten und schließt mit 
einem Saldo von M. 1458,70, hat sich somit um etwa die 
Hälfte vermehrt. An Effekten besitzen wir im ganzen M. 
6500 4proc. preuss. Konsols , welche bei der Reichsbank de- 
ponirt sind. Das Vormögen hat sich mithin in den letzten 
drei Jahren um rund M. 7000 vermehrt und ist heute auf 
M. 10000 zu bewerten. Der Vereinsbannerfond erhielt dieses 
Jahr leider keine Spende und schließt mit einem Saldo von 
M. 968,75. Auch dieses Jahr baten wir von Sr. Exzellenz 
dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe eine Beihilfe 
von M. 1200 empfangen. Diese Beihilfe, welche schon zum 
dritten Male gewährt ist, brachte nicht allein materiellen 
Vorteil, sondern hat vor allem auch dazu beigetragen, das 
Ansehen des Vereines zu fordern. Einen Mehraufwand er- 
forderte das Vereinsblatt (M. 169,65), da seine Auflage im 
letzten Vierteljahre auf 800 Exemplare erhöht werden musste; 
die Spedition des Blattes hat nur M. 85,15 mehr gekostet. 
Auf den Konten der Drucksorten sind M. 261,30 mehr, für 
diverse Unkosten M. 153,75 mehr verausgabt worden. Von 
der neuen Zeitschrift sind 8000 Exemplare, an Einladungen 
und Rundschreiben 14000, zusammen etwa 22000 Stück ver- 
sandt worden. Vor der Vorstandswahl erklärt der Schrift- 

Knnstgewerbeblatt. N. F. III. 



führer Professor Hildebrandt eine Wiederwahl leider nicht 
annehmen zu können, weil er durch andere Geschäfte zu 
stark in Anspruch genommen sei. Der Vorsitzende teilt mit, 
dass Herr Dr. P. Jessen sich bereit erklärt habe, das Amt 
des Schriftführers ehrenamtlich zu Übernehmen unter der 
Voraussetzung, dass zu seiner Unterstützung ein Vereinssekre- 
tär als Beamter des Vereins angenommen werde. Es wer- 
den gewählt die Herren: Zum Vorsitzenden: Geh. Oberre- 
gierungsrat Lüders, zum 1. Stellvertreter: Fabrikant Otto 
Schuh, zum 2. Stell vertreten Geh Rofrtd Schröer, zum Schrift- 
führer: Dr. P. Jessen, zum 1. Stellvertreter; Rentner Rud. 
Lemcke, zum 2. Stellvertreter B, Thiele, zum Schatzmeister: 
L. P, Mitterdorf er , zu Ausschussmitgliedem: Boffacker, Puls 
Schley, SehkUtig, Voigt, Wenkel. 

— s. — Kunstgetccrheverein Magdeburg, Die kürzlich ab- 
gehaltene Generalversammlung des Magdeburger Kunstge- 
werbevereins, welche sehr zahlreich besucht war, hat ein 
erfreuliches Bild von der kräftigen Entwickelung desselben 
ergeben. Die Mitglieder haben sich auf 400 vermehrt. Auf 
Anregung des Vereins haben sich mehrere hiesige demselben 
angehörige hervorragende kunstgewerbliche Firmen in einer 
prächtigen Kollektivausstellung an der Londoner Ausstel- 
lung beteiligt und eine Medaille mit Anerkennungsschreiben 
erhalten. Die zahlreichen Vorträge, welche auch an aus- 
wärtigen Orten, die mit dem Verein in ständiger Verbin- 
dung stehen, abgehalten wurden, waren stark besucht. Na- 
mentlich der treffliche Vortrag des hier immer gern ge- 
sehenen Professors Dr. Steche aus Dresden über den Erzguss 
und die Gießhütten von Peter Vischer fand lebhaften An- 
klang. Die unter der Ungunst eines mangelnden, geeigneten 
Ausstellungslokals leidenden Sammlmigen des Vereins sind 
durch wertvolle Zuwendungen von fast 200 Stück erfreulich 
bereichert worden. Von größtem Interesse war der in der 
Generalversammlung gehaltene inhaltreiche Vortrag des rast- 
los thätigen, unermüdlichen ersten Vorsitzenden, Herrn Stadt- 
rat Duvigneau, über die im Jahre 1893 bevorstehende große 
Ausstellung in Chicago. Auf Grund der unter dem Vorsitz 
des Geheimen Regierungsrats Herrn Wermuth in Halle ab- 
gehaltenen vorberatenden Konferenz entwickelte der Vor- 
tragende in spannender, geistvoller Weise ein Bild von dem 
großartigen Plane dieser gewaltigen, jedenfalls höchst eigen- 
artigen Ausstellung mit allen ihren echt amerikanischen 
Schauvorrichtungen und Überraschungen und hob hervor, 
dass es wohl nicht ratsam sein dürfte, wenn Deutschland 
von dem dort bevorstehenden großen Wettstreit der Völker- 
industrien sich fern hielte, um so mehr, als dank der Be- 
mühungen des Vertreters der deutschen Interessen für Deutsch- 
land ein großer und günstiger Platz für die Ausstellung 
sicher gestellt ist. 

X. Stuttgart, Der Bericht des Württembergischen Kunst- 
geicerbevereins über seine Thätigkeit im Jahre 1890, den er 
soeben in einer prächtig ausgestatteten Vereinsgabe ver- 
sendet, zeigt den Verein in erfreulicher Thätigkeit für die 
Hebung des Kunstgewerbes in Stuttgart. Die Vereinsaus- 
stellungshalle, auf welche sich seine Wirksamkeit am mei- 
sten erstreckt, scheint allerdings nicht sonderlich zu prospe- 
riren und man macht hier wohl dieselbe Erfahrung, dass 
in großen Städten derartige Institute gegen die freie Kon- 
kurrenz nicht aufkommen können. Außer München, wo be- 
kanntlich ein großes Stammkapital vorhanden und ein rie- 
siger Fremdenverkehr ist, hat sich keine dieser Vereins- 
hallen halten können, selbst die vorzüglich geleitete und 
unter günstigen Bedingungen arbeitende Dresdener nicht. — 
Die Zahl der Mitglieder betrug 565; die Gesamteinnahme 

10 



64 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



netto ll&Ol M., die Ausgabe netto 13416 M. Der Vermt^nt- 
ataad beträgt netto TOSOO U. Die Tereiuigabe enthalt dies- 
mal vier große Tafeln in Lichtdruck, deren erste in male- 
rischer Änordonug eine Anzahl hervorragender Knnetgegen- 
tt&nde ans den vereinigten Samminngen enthält, alte Be- 
kannte auB der Festschrift des Uuseuma. Die drei anderen 
Tafeln zeigen moderne Erzengnisse WOrtt«mberger Kunst: 
die Hengelbergscbe Fraktur vom Nordportal des Kölner 
Domes, wohl das schSnste Werk moderner gotischer Belief- 
ploatik, von Stotz meisterhaft gegosaen und ciselirt; sowie 
ein Boudoir in Rokokostjl und eine RenaissoncetSfelnng, 
beide gleichfalls ans Stuttgarter Werkstätten hervorgegangen. 

EenaÜMtuxtkür in Wismar. Gelegentlich einer Baeich- 
ügnng der an alten Eunstach&itzen ao reichen Stadt Wismar 
durch Uitglieder desGeeamtvereins der dentschen Geschichts- 
und Altertums vereine fiel den Besuchern der 8t. lUrgen- oder 
Georgen-Kirche eine prächtige Benoissancethür auf, welche 
sich im sfidlichen Ereuzarme, vor der Wendeltreppe befindet 
Schreiber dieses ließ dieselbe phob^raphiren; nach der Auf- 
nahme wurde die nebenstehend wiede]^e- 
gebene Zeichnung gefertigt Ol^leich die 
Thür bereita in dem Werke von Ortwein 
& Scheffera: „Deutsche Benoiasance" 
(Leipzig hei E. A. Seemann 1888) Bd. VIII 
auf Tafel 10 und 11 abgebildet ist, so 
dürlte doch vielleicht dem einen oder 
anderen Leser d. Bl unaere Abbildung 
sowie die nachfolgenden Notizen — 
welche wir der Gate des Herrn Dr. Crull 
in Wismar verdanken, von Interesse sein. 
Der Chor der genannten Kirche war bis 
zum Jobre 1830/31, wie seitlich gegen die 
Seitenschiffe, «o gegen das Hauptschiff 
dorch eine Schnecke abgeschlossen; Über 
derselben — die dem alten Lettner unter 
dem Triumphbogen enteprach — «rhob 
sich das groDe Kruzifix. Um 1599—1600 
wurde neben dar Schnecke querOber eine 
Empore f^r die SingeschQler gebaut, 
welche zu derselben mittelst einer Treppe 
gelangten, die an dem unt«raten Chor- 
pfeiler auf der SQdseite auBwIrta im 
Seitenschiffe angebracht und durch die 
in Bede stehende Thür abgeschlossen war. Die Empore 
ist, soweit ihre Herstellung nicht Sache des Zimmermanns 
war, von dem Tischler Samuel Kegeniart verfertigt worden; 
die ThOr tAgt die Jahreszahl 1614. um 1830, als durch den 
damaligen Kirchenvorstand allerlei „Verbesserungen" im 
Sinne jener Zeit vorgenommen wurden, beseitigte man im 
wesentlichen die Schnecken, sowie auch Empore und Treppe; 
leztere wurden an die Stelle gebracht, wo sie sich jetzt be- 
findet, die Brustwehr der Empore aber in die Materialien- 
kammer gestellt Erst bei der Wiederherstellung des Gottes- 
hauses im Jahre 1868 gelangten diese StQcke wieder zu Ehren; 
die graue Farbe, mit welcher das Portal, wie alles Holiwerk, 
Oberstrichen war, wurde abgewaachen, die schadhaften Teile 
ausgebessert und die Brustwehr wieder zu einer Orgelempore 



BtnEeltell des RlegdB 



Zu den Tafeln. Dem gc^nwgrtigen Hefte liegt eine 
Abbildung eines geschnitzten Spiegelrahmens aus Südtirol 
bei, den wir im Anschlnea an den Aufsatz Qber den Wand- 
leuchter in Bozen, Heft 5, veröffentlichen. Es ist ein Pracht^ 
stflck alter Schnitzkunst, das durch leichte Vergoldung und 
nat&rliche Bemalung der Putten ungemein reich wirkt Das 
Stflck wird im Handelsmuaenm zu Wien aufbewahrt und 
stammt mutmaClich aus Italien. — Ein UpiaterstDck modemer 
Schmiedekunst ist die beigegebene Standuhr von Pool Mar- 
cus in Berlin. Der Entwurf ist frei nnd leicht, die Verbin' 
bindung der RenaiBaoncemotive mit notnraliatischem Orna- 
ment sehr harmonisch; das Ganze macht einen wahrhaft 
eleganten Eindruck. Wie viel luftiger und sierlicher wirkt 
solches Schmiedewerk, als die beliebten modernen vierecki- 
gen Regulatoren, von deren langweiliger Form wir, wie ea 
scheint, gar nicht loskommen kOnnenl Wie viel mehr be- 
friedigt hier das feine Linienspiel, der Wechsel der Ausla- 
dungen und Einschnümngen, das von aller Schwerfllligkeit 
freie Fflllwerk! An solchen Beispielen erkennt man, dase 
das so viel gescholtene moderne Kunstgewerbe langsam 
vorwSrte kommt und gar nicht den 
herben Tadel verdient, der ihm fort- 
während entgegengehalten wird. Ea ist 
wahr, daaa man in unserem Jahrzehnt 
viel mehr Schlechtes als Gutes produzirt; 
aber das war doch zu allen Zeiten so 
nnd was wir heute von frOheren Jahr- 
hunderten sehen, ist nur das AuserleMne, 
— Als dritte Beilage fOgen wir noch 
eine jener flberaus anmutigen Erfindun- 
gen des Direktors der badischen Kunst- 
gewerbeachule Batn, Oölx. diesem Hefte 
bei, von denen wir unseren Lesern schon 
Öfter Proben geboten haben. Der figür- 
liche Schmuck des BBrklinachen Tafel- 
aufsatzes ist der griechischen Mytliologie 
entlehnt und zwar sind es die Geschöpfe 
dea Heeres, die allenthalben ihr mnntves 
Spiel treiben. Geflügelt« Seepferde, auf 
denen Putten, mit Earpnnea bewehrt, 
reiten, muscheltragende Niyaden gmp- 
piren sich um einen zierlichen Sockel, 
auf dem ein Kentaur bemüht ist, aeitne 
aüBe Last — eine Silberschale, die zur 
Äuftiahme von Früchten, Konfekt u. s. w. bestimmt ist — 
zu trafen. Auf dem obersten Knauf sitzt ein Pntto mit dem 
Dreizack und bietet eine Seeknackmandel, nämlich eine 
Muschel dem Beaehauer dar. 

Berichtigung. Nach einer gefUligen Mitteilung des 
Kgl. HansmaiBchallamt«s in Dresden trftgt der im Besitz 
KOnig Alberts befindliche Gobelin mit dem Bildnis Karis V, 
nicht, wie in den Berichten der Deutsches Gesellschaft zu 
Leipzig (Bd. 8) angegeben ist, die Jahreszahl 1554, sondern 
1545, außerdem auch noch die Inschrift: KAROL> 5. 
DEI. GRA. ROM. IMP. SEP. (d. i. semper) AVGVST« 
H18PANARVM. REX. S. B. Es kann also kein Zweifel 
darüber sein, dass dieser Gobelin derselbe ist, der 1547 zu 

Ausschmückung des Leipziger RathaussasJes von dem 



verwendet Seither zeigt aich unsere Thflr in ihrer alten 

Schönheit und erfreut den kunstsinnigen Beschauer durch ihre Verfertiger, Seger Bombeck, entliehen wurde. 

harmoniscben Verhältnisse wie durch ihren reichen Schmuck Leipzig. 

an Schnitzwerk nnd eingelegter Arbeit. — Ad. M. H. 



0. W. 



J 



BaiuiIsBuiDethlir in WiBtnMt. 



Schmiedeeiserne Standuhr 

mit Verwendung von getriebenem Eupfer und Messing. Nach einer Skizze 
ge/.eiobnet und ausgeführt von Paul Marccs in Berlin. 



Spiegelrahmen aus Salurn (SQdtirol). 

Die Kinderfiguren sind naitiiraliBtiacb bemalt, das Wappen heraldisch poljchromirt, Schnabel und FOnge 

des Adlers sind fltork vergoldet ; alles fibrige ht leicht vergoldet. — Italienische Herkunft 

Grosse 145 : 112 cm. — K. k. HandelamUBeam in Wien. 



Tafelaufsatz 
im Bedtse des Herrn Dr. A. BtmcKLiM in Earlarobe. 
Entworfen von Direktor H. GÖTZ in Earlimhe, atugefthit von K Wollkhwkbis ii 



"Seue Folge. III. Ko. 6. 

Auflage 5000. 



KUNST ANZEIGER 



Härs 1892. 

Spaltenzeilenpreis 30iPf. 



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I 



i > 



Verlag von £. A. Seemann in Leipzig. 



1^ 



KunstMstorische Bilderbogen. 



L Handausgabe: 



Erster Cyklus: I. Altertum, geb. M. 3.50. — 
IL Mittelalter, geb. M. 3.50. — UI. Neuzeit: 
1. Italien, geb. 4M. — IV. Neuzeit: 2. Der 
Norden, geb. 4 M.. (Zusammen 167 Tafeln, qu. 
Folio, 11 M., gebrochen oder piano geb. in 
Kaliko 15 M., i^i Halbfr. (nur piano) 16 M. 

Zweiter €y1dus: 85 Brgänzungstafeln mit Holz- 
schnitten und 13 Tafeln in Faibendruck. 12 M., 
gebrochen oder piano geb. in Kaliko 15 M., 
in Halbfranz (nur piano) 16 M. 



Text dazu: 
Qmndzüge der Kunstgeschlohte , von Anton 

Springer. I. Altertum. II. Mittelalter, br. 

a 1 M., geb. a M. 1.35. HL Neuzeit 1. Hälfte; 

IV. Neuzeit 2. Hälft« br. h M. 1.50. geb. k 

M. 1,90, in 1 Bd. bx. 5 M., geb. 6 M., in Halbfr. 7 M. 

Eine weitere Ergänzung des Werkes bildet: 
Die Kunst des 19. Jahrhunderts von Anton 

Springer. 82 Tafeln mit einem Textbande brosch. 

8 M, ; gebrochen oder piano geb. (der Textband 

für sich) 12 M., in Halbfranz 14 M. 



U. Gesamtansgabe: 



2 Bände mit 246 Tafeln qu. Folio und Textbuch von Anton Springer, brosch. M. 23,50; geb. 2 Blinde 

und Textbuch M. 31,50. (Ohne Textbuch M. 20.50; geb. M. 27,50.) 

I IL Supplement: (Altertum, Mittelalter, Neuzeit) 
V)0 Taf. u. 5 Farbendr. qu. Folio. 8 M., geb. 
M. 10.60. 



Dazu 3 Supplemente: 

I. Supplement: Die Kunst des 19. Jahrhunderts. 
(82 Tafeln qu. Folio) mit Textbuch von Anton 
Sprinaer. brosch. 8 M., geb. 12 M., in Halbfranz 
14 M. (wie oben unter „Handausgabe"). 



III. Supplement: (Altertum, Mittelalter. Neuzeit) 
84 Taf. qu. Polio, darunter 8 Farbendr. 12 M., 



geb. 15 M. 



ni. Schulausgabe: 

104 Seiten gr. 4. mit 489 Abbildungen. Geb. in Halblwd. M. 3.60; dazu: Einführung in die Kunst 

geschickte von Dr. K, Graul, 112 S. geb. M. 1.40. (Für höhere Schulen.) 

IV. Kunstgesehichtliches Bilderbuch 

fiir Schule und Haus, von Dr. G. Warnecke (Altena) 41 Seiten gr. 4. Mit 160 Abbildungen steif kart. 

M. 1.60; geb. in Kaliko M. 2.50. (Für Volksschulen.) 



.-C^öö^^ 






Ausführliche Prospekte gratis und franco. 



s: 



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Neue Folge. III. 



KUNSTANZEIGER. 



1892. Nr. 6. 



ALBUM DER RUINEN ROMS. 

Herauggegeben von 

Dr. Franz von Reber, 

Direktor der Emql Barr. Staatsgemäldegalerien ond Professor an der Universität and der Technisrheu Rochscbuie m Mönchen. 



[489 



Das •,AJ1>iilii cler Ruinen. !Ronis^* enthält 42 Ansichten und Pläne, sowie einen großen Plan 
der Ausgrabungen vom Jahr 1877. Die Ansichten sind fast sämtlich in mehrfarbigem Tondruck künstlerisch 
schön ausgeführt. In ihrer Gesamtheit bieten sie ein ungewöhnlich klares und anschauliches Bild der Trümmer aus 
dem klassischen Rom. Zwei ron verschiedenen Standpunkten aufgenommene Ansicliten des Forum Eomanum 
zur Kaiserzeifc führen außerdem diesen mit den herrlichsten Bauwerken geschmückten Platz des goldenen Rom 
deutlich vor. Sämtliche DarstellungsgegenstJlnde sind mit besondei-er Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Kunst- 
denkmäler von dem Herausgeber selber, einem der hervorra<?endsteu deutschen Kunsthintoriker der Gegenwart, 
fezeichnet, darum doppelt lehrreich und als kunstwissenschaftliches Material wertvoll. Dennoch übertreöen die 
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I 



Druck von August Prifs in Leipzig. 



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Aai dem Werke: Heidkk, Motiie. (Lalpiig, A 



AUS DEN GROSSHERZOGLICHEN KUNSTSAMMLUNGEN 

ZU SCHWERIN. 

n.i) 

Der Iiflneburger Goldaalimied H mit dem Stern vom Jalire 1B90. 



IE Trinkkanne auf Seite 67 
wird fQr gewöhnlich im 
Oroßherzogliclien Scbloss 
aufbewahrt, ist aber auch 
bereits mehrere Male auf 
längere Zeit im Museum 
ausgestellt gewesen und hat 
hier die Aufmerksamkeit 
der Kunstfreunde in hohem Grade erregt. Sie ist 
eine hervorragende Llineburger Ciselirarbeit mit 
dem bei Marc Roaenberg unter Nr 1022^ abgebil- 
deten Bescbauzeicheu eines springenden Löwen und 
mit einem bisher nicht bekannt gewordenen Meister- 
zeichen in einem Schilde, der dem des Beschauzei- 
chens gleich ist. Das Meisterzeichen ist ein H mit 



einem Stem^darüber 



9 



Beide Zeichen stehen 



nebeneinander in der Mitte der Basis der Kanne. 
Wer der Meister bt, bleibt zu erforschen. Wert 
wäre es, seinen Namen zu erfahren, man sehe 
nur die herrliche Gravirarbeit auf dem Mantel des 
Cylinders, der hier in einer vortrefflichen Zeich- 
nung Ton Profesaor C. Malchin vom Körper abge- 
rollt ist 

Die Abbildungen fiberheben mich einer ein- 
gehenden Beschreibung. Jedoch ist immer noch 
einiges zur Erleichterung des Verständnisses zu be- 
merken. Der Deckel der Kanne ist, wie man in der 



1) Vgl. KunBtgewerbeblatt Jah^. IV S. 152. 

2) Der Goldachmiede Merkzeichen, S. 212. 
EnnitgewutebUtt. H. F. III. 



Hauptsache sieht, dreigliedrig. Auf dem Mantel des 
kleinen Cylinders, der den Knopf bildet, gewahrt 
man zweimal, jedesmal in einem länglichen Oval, 
die liegende Gestalt eines bärtigen Mannes, der sich 
auf einen Totenkopf stützt und ein Stondei^las 
neben sich hat, also den Repräsentanten der Zeit 
oder den Gott Chronos. Der unterhalb des Knopfes 
breit ausladende Wulst, welcher dos mittlere Glied 
des Deckels bildet, ist mit habschem Bandwerk ver- 
ziert. Dasselbe dient drei wohlgeordneten Bündeln 
von Früchten zur Einfassung. Ahnlich ist der to- 
reutiscbe Schmuck des am breitesten ausladenden 
unteren Wulstes behandelt, auch hier sieht man an- 
mutig gerolltes und geflochtenes Bandwerk, aber zu 
den drei FrQchtebDndeln gesellen sich drei einen 
Mann, eine Frau und ein Kind darstellende Maska- 
rons. Den Aufsatz oberhalb des den Deckel mit dem 
Henkel verbindenden Scharniers bilden zwei einander 
den Rücken zuwendende Meerjungfem, die nach Art 
einer Sphinx gelagert sind. Au dem schSn gebil- 
deten Griff lallt zunächst die auf zwei Seiten des- 
selben verteilte Inschrifl auf: 

DRINCK- VNDT- ES- GOTTES- NICHT- 

VORGEIS- BEWAR- DEIN- ER- DIR- 

WERDT- NICHT- MER- VAN- DISSER. 

HÄVE- DEN- EIN- DOCK- ZVM- GRÄVE- ») 

ANNO- l.= 5o9<=0o 

Auf der oberen Seite der ersten scharf vierkantig 



3} Trink und in, Gottes nicht vergib 

Bewahr Deine Ehr*. Dir wird nicht mehr 
Von dieeer Habe, ab ein Tuch zum Grabe. 



AUS DEN GROSSHERZOGLICHEN KUNSTSAMMLUNGEN ZU SCHWERIN. 



67 



gebildeten Hälfte des Griffes sieht aian in getriebe- 
nem Relief zunächst eine Engelherme^ dann, gleich 
darunter folgend, eine zweite kleinere Herme mit 
einem behelmten Männerkopf, der mehr die Form 
eines gemütlich dreinschanenden Heinzelmännchens 
als die eines streng blickenden Ritters hat Auf 
dem tauartig geinrndenen 
Band, welches nach unten 
hin die eingravirta Zeich- 
nung des Mantels begrenzt, 
sitzen drei geflOgelte Engels- 
köpfchen.' Unterhalb dieses 
Bandes tritt eine Arkaden- 
reihe hervor. Eine Arkade nm 
die andere schließt eine allego- 
rische Figur ein. Ln ganzen 
zählt man neun solcher Fi- 
guren und somit siebzehn Ar- 
kaden. Man erkennt unter 
den Figuren die Justitia und 
die Fides, ist aber bei den 
übrigen bezüglich ihrer Unter- 
scheidung in Verlegenheit, da 
ihre Attribute keinen sicheren 
Anhalt bieten. Neun Tugen- 
den: das ist alles, was davon 
zu sagen ist. Aus dem oberen 
figürlich getriebenen Wubt 
des Fußes treten drei Frauen- 
büsten hervor, aus dem weiter 
ausladenden unteren Wulst 
drei einen Mann, eine Frau 
und ein Kind darstellende 
Maskarons, drei Kartuschen 
und sechs Fruchtbündel, von 
denen je eines zwischen einem 
Maskaron und einer Kar- 
tusche sitzt. 

Aber das reizendste Formen- und Figurenspiel 
ent&ltet der Künstler in der Gravimng des Manteb. 
Die Zeichnung desselben ist unbedingt unter die rei- 
zendsten Schöpfungen der Renaissance zu setzen, 
und es wird hoffentliGh jeder Leser damit zufrieden 
sein, diese Kunatarbeit hier in der musterhaft durch- 
geführten Wiedergabe von Malchins Meisterband vor 



sich zu sehen. Oben erscheinen in fünf reizend ge- 
bildeten Kartuschen, deren Quelle sich vielleicht in 
Holland oder Deutschland nachweisen läset, wenn es 
jemanden gelüstet, darnach zu forschen, der Gott 
Vulkan in seiner Schmiede, ein türkischer und ein 
walachischer Krlegsmann, die gleichsam aus ihrer 
Kartusche heraus auf den 
emsig arbeitenden Waffen- 
schmied zuschreiten, und end- 
lich, einander gegenübei^e- 
stellt , ein abendländischer 
Ritter und eine abend Un- 
disohe Frau, er ihr einen Gruß 
zuwinkend, sie ihm eine Blume 
darbringend. In den unteren 
Kartuschen waltet ein derber 
Humor: Mönch und Nonne 
nähern sich einander allzu 
vertraulich, nnd zwei satyr- 
artige .Waldteufel", der eine 
sitzend, der andere mit aus- 
gespreizten Beinen stehend, 
leuchten hämisch dazu mit 
ihren Fackeln. Zwischen den 
oberen Kartuschen entdecken 
wir eine ganze Naturge- 
schichte von Vögeln, dazwi- 
schen Blumen, Früchte und 
Vasen; und alles miteinander 
wird durch Bandwerk zusam- 
mengehalten, das mit zierlich 
gedrehten Säumeu eingefasst 
ist. Wer ist dieser ausge- 
zeichnete Lüneburger Meister 
mit dem wohlverdienten Stern 
Über seinem Hpi) 
jiijijig Schwerin, im Dezember 1891. 

FBIEDRICE SCSLIK 



1) Eine der voretebeod beschriebenen sehr verwandte, 
aber in der SchOnheit dea Aufbaue« sowie im Reichtum der 
getriebeuen und gravirten Arbeit doch dahinter znrQck- 
et«hende Kanne befindet eich auf Schlosa Copen in Kurland. 
Bei der bevonrtehenden Pablikation derselben in Verbindnag 
mit anderen dortigen ScUtzen wird es dcb herauutelleD, 
ob sie von demselben Verfertiger stammt. 



BAROCK, ROKOKO UND ZOPF 
IM HEUTIGEN KUNSTGEWERBLICHEN UNTERRICHT. 



VON F£1BD. MOSER. 
MIT ABBILDUNGEN. 



S IST noch gar nicht lange 
her, dass Barock* und Ro- 
kokoetil nurkunsl^eschichtr 
liebes Interesse erweckten, 
und noch vor einem Jahr- 
zehnte konnte man in kunst- 
gewerblichen Ausstellun- 
gen Künstler und Gewerbe- 
treibende vor den wenigen ErzeugniBsen , welche 
etwa im Stile des letzten Viertels des 17. oder gar 
in dem des 18. Jahrhunderts gehalten waren, tiefste 
EntrOstung Qher das , zopfige Zeug' aussprechen 
hören. Heate bemflhen sich jene Übelwollenden Kri- 
tiker nolens volens, möglichst im Geiste jener Stile 
zu arbeiten. Ja dieser Gesinnungswechsel ging so 
rasch Ton statten, dass es beispielsweise nur der 
Terhältnismäßig kurzen Zeit zwischen dem Beginn 
und der Vollendung der bayerischen Königsschlösser 
Herrenchiemsee und Linderhof bedurfte, um die 
Tadler in Bewunderer zu verwandeln. 

Somit scheint es, dass der .dentscbnationale* 
Stil, von welchem schon des Öfteren ideale Schwärmer 
geträumt haben, in absehbarer Zeit noch nicht „er- 
funden" werden wird und wir ruhig weiter borgen 
werden, bis wir — eben wieder 7on Torn beginnen 
mQssen. Xoch sind wir übrigens nicht am Ende; 
dies beweist, dass der nUchterue, wenn auch nicht 
unschöne Louis seize-Stil, wenigstens in München, 
bereits ab und zu bei Innenausstattungen von Re- 
staurants etc. ab Vorbild genommen wird. 

Weit höher in der Gunst des Publikums stehen 
freilich zur Zeit noch die Stile der Zeit Ludwigs XIV., 
der Regence und Ludwigs XV., kurzweg Barock- 
und Eokokostil genannt, deren Formensprache dem 
bedeutenderen Kunstgewerbetreibenden der Gegen- 
wart vertraut sein muss wie die französische Sprache 
dem Kanfmann, will er nicht gewärtigen, bedeu- 
tende Aufträge sich entgehen zu lassen. 



Kann unter solchen Verhältnissen die kunstge- 
werbliche Schule allen Ernstes gegen diese Zeitströ- 
mung wirken wollen, wie dies schon von einigen 
Kurzsichtigen gefordert wurde? Diese Frage beant- 
wortet sich, wenn wir die Macht der Schule richtig 
schätzen und nicht die irrige Meinung hegen, das 
Kunstgewerbe einer Kation lasse sich vom Katheder 
herunter in beliebige Bahnen lenken. Die Zeiten 
sind vorbei, dass die wenigen Künstler, welche „so 
tief herabsteigen* mochten, sich für das hilflose 
Windelkind Kunstgewerbe zu interessiren, um ihm 
auf die Beine zu helfen — dass diese wenigen so- 
fort vom Staate mit Beschlag belegt wurden, um 
er officio für die Hebung der Kunstinduatrie zu 
wirken. Diese Leute erfreuten sich damals aller- 
dings eines großen Einflusses, so in den siebziger 
Jahren in Wien, München etc. 

Es hat sich aber inzwischen ein kräftiger Nach- 
wuchs herangebildet und der Staat wäre nicht in 
der Lage, mehr als einen kleinen Bruchteil solcher 
bedeutender Männer an seine Museen, Schulen und 
industrielle Staateanstalten zu fesseln; wobei gesagt 
werden muss, dass es vielen angenehmer und ge- 
winnbringender erscheint, sich nicht an den Staats- 
w^en spannen zu lassen. 

Wenn auch mithin die kunstgewerbliche Schule 
nicht mehr die eigentliche Führung in Händen hat, 
so bleibt ihr noch die große Aufgabe, das Kunst- 
gewerbe zu unterstützen, indem es ihm junge Kräfte 
vorbildet bezw. weiter ausbildet Aber es wäre den 
Meistern und ihren Gehilfen wenig gedient, wenn 
die Schule nicht Fühlung mit der Werkstätte nähme, 
wenn sie prinzipiell Front machen wollte gegen Stil- 
richtungen, welche einstweilen die herrschenden sind. 

Freilich — die mittelalterlichen Stile und die 
des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts bieten dem 
kunstgewerblichen Unterricht nicht entfernt solche 
Schwierigkeiten^, als die Formen späterer Stilperio- 



BAROCK, ROKOKO UND ZOPF. 69 

den, denn je strenger sich Architektur und Orna- Man hat da wohl wiederholt den Versuch ge- 

mentik in gewisae Gesetze lllgen, desto leichtfass- macht, einfache Geräte, Möbel etc. im Charakter 

lieber sind sie auch für den mittelmäßig begabten dieser Stile zu entwerfen und anzufertigen; der Er- 

Schüler. Mit letzteren müsaßn wir rechnen , mag folg war, seibat wenn ein bedeutender Künstler sich 

man einvendea, was nur immer. Es wird nicht nm die Sache angenommen hatte, znm mindesten 



Fig, 1. Pilastar fHr Haierei. StU Ladwigi XIV. 

allzu schwierig aein, auch mit ihnen auf beschränk- für Leute .ohne Brille*, ein sehr fr^wOrdiger. Man 

tem Gebiete erfreuliche Erfolge zu erzielen. hat es eben mit Prunkstilen zu thun, welche itn 

Anders verhält es sich schon mit jener Spätre- bürgerlichen Heim nicht recht Verwendung finden 

naissance, welche man den Stil Ludwigs XIV. ge- können, wollen wir nicht zu der Nüchternheit des 

tauft hat, dem Barock- oder gar mit dem Rokoko- Hausrats unserer TTrf^oßeIt«m, dessen geschweifte 

stil (Regence und Louis XV.). Kommoden etc. uns noch in Erinnerung stehen 



BAROCK, ROKOKO UND ZOPF. 



zurDckkehren. Nur kfinsUerischer Schwung, nur ein 
gewisser Reichtum in der Verzierung k&nn ein Er- 
zec^ois dieser Stilrichtung zu rechter Geltung kommen 
lassen. 

Weniger als auf jedem anderen Felde ist daher 
auf dem Gebiete dee Barock- und RokokoBtiles an 
eine schablonenhafte, schulmeisterliche Behandlung 
des Unterrichts zu denken. Hier heißt es: So hat 
es jener Meister gemacht, er hatte es aber auch 
wieder ganz anders machen können. Freilich für die 
Schule ein bedenkliches Ding, so sprechen zu mOssen, 
und gegenüber dem mäßig Begabten erst recht. 
Das Virtuose der Mache spielt eben, hauptsächlich 
im Bokokostil, eine hervorragende Bolle. 

Das in den letzten Sätzen Gesagte trifft aller- 
dings bezüglich des .Zopfstiles" sehr wenig zu. 



welche sonst unvermeidlich ist, bintanzuhalten. Un- 
entbehrlich ist dabei jedoch, dass ein hinlängliches 
Studium pflanzlicher und tierischer Formen nach 
Naturobjekten vorausgegangen sei, bezw. wenn nicbUi 
anderes möglich gleichzeitig betrieben werde. Demi 
gerade die, beispielsweise für den Rokokostil geradezu 
bezeichnenden, eingestreuten naturalistischen Ranken, 
Sträuße, V^el etc. erfordern ein gewisses Vertraut- 
sein mit den Naturformen, wenn auch andererseits 
das Muschel- und Laubwerk häufig ohne jegliche 
Rücksicht auf organische Entwickelung gestaltet ist 
und mehr Phantasie, Eleganz der Linienfnbrung und 
Sinn für das Malerische erfordert (Fig. 2). 

Das architektonische Zeichnen, wie es für Stein- 
hauer, Bau- und Kunsttischler u. dei^L erforderlich 
ist, wurde wohl seither an den meisten besseren 



Fie.s 



le Lndwigi XIV. 



Flg.« 



DBckanmalerei im atUe Ladwiga XIV. (J. Barala.) 



Der genannte Stil, hei dessen Formen es sich'eigent- 
lich doch nur auch um eine Art nüchterner Renais- 
sance mit einigen charakteristischen Absonderlich- 
keiten handelt (vgl Fig. 1), soll hier überhaupt nur 
deswegen vorübergehend erwähnt werden, weil er 
sich, wie oben bemerkt, gleich seinen bevorzugteren 
Brüdern schon ziemUch in den Vordergrund zu 
drangen beginnt Gegebenen Falles wird es nicht 
schwer sein, im Unterricht die wenigen Merkmale 
des Stiles zu erörtern und mundgerecht zu machen. — 
Schon im vorbereitenden Unterricht', hier im 
Zeichnen nach plastischen Modellen, empfiehlt es 
sich, unbeschadet der gotischen und Renaissance- 
modelle an einigen Abgüssen von omamentalen Bild- 
werken späterer Stilarten die besonderen Merkmale 
charakteristischer Abweichungen der Ornamentik zu 
besprechen, um eine gewisse Einseitigkeit der Schüler, 



Schulen mit kleinen Abweichungen in der Weise 
bebandelt, dass von den Grundformen der Antike 
und deren Wiedergeburt ausgegangen und dann zu 
besonderen Aufgaben des speziellen Gewerbes dee 
einzelnen Schülers vorgeschritten wurde. Wenn es 
sich nicht ausnahmsweise um einen „Gotiker* 
handelte, so bewegten sich die Aufgaben in dem 
Rahmen der Stile der italienischen und deutschen 
Renaissance. Man wird heute wohl nicht umhin 
können, den Anforderungen der Zeit zu entsprechen 
und den begabteren Schülern Einblick in die Formen- 
welt des Barock und Rokoko zu gewähren. Es msLg 
da freilich manchem braven Lehrer g^en den Strich 
gehen, die oft haarsträubend .unkonatruktiven' Bau- 
formen seinen Scbtilem vorzuführen ; Schülern, deren 
Denkweise nach den vorangegangenen Uehungen 
noch — ich möchte sagen — zu unverdorben'(oder 



BAROCK, ROKOKO UND ZOPF. 



71 



pedaatiscli?) ist Oiebellöaungen, wie in Fig. 3 
Bkizzirt, mit der in Pseudo-PerspektdTe wirkenden 
Konsol- und I*ila8terpartie gehören noch zn ge- 
mäßigten Wagnissen des Stils Louis XIV., erfordern 
aber doch schon einen gereiften Blick, um sie 
wfirdigen zn können. Gar nicht außeigewöhnlich ist 
jedoch im Rokokostile eine Lösui^ wie in Fig. 4 
gegeben. 

Erschwert wird die Arbeit des Lehrers auf 
diesem Gebiet noch wesentlich durch den Umstand, 
dass Wickel und Reißschiene bei den Meistern jener 
Zeit offenbar keine große Rolle spielten und nicht 
leicht eine Architektnrform ohne b^leitende Orna- 
mentik zur Anwendung gelangte. 



stände sein, die Reste oi^anischer Linienectwickelimg, 
die Reste pflanzlichen Lebens in den technisch so 
vollendeten Leistungen der Schlosser aus der Zeit 
des 14. und 15. Ludwig zu verstehen und die äotten 
Formen zu wflrdigen. (Fig. 5 u. 6: Rokoko, mit 
dem charakteristischen Laubwerk, dessen Blattlappen 
teils rOckwärts wachsen, teils in krause Muschd* 
formen verbildet sind.) 

Viele Schaler werden sich leider auch auf diesem 
Felde berufen fühlen und nur wenige zu den Aus- 
erwäblten zählen, welchen es beschieden ist, Erfolge 
zu erzielen. Als vortreffliches Mittel (freilich nur fOr 
gut dotirte Schulen) hat sich dem Verfesser be- 
währt, Fr^mente von Eisenarbeiten jener Zeit an- 
zuschaffen und im Unterricht zu verwenden. Solche 



Tig. 6. Trsppsngelindsr-Detftll aoi Pn«. Kokoko. 

Geradezu auffallend haben sich Barock und 
Rokoko auf dem Gebiete der KunstsehmiedearbeiUn 
breit gemacht. Hier reizte allerdings schon lange 
die Fülle herrlichster Vorbilder zur Nachahmung 
und es bedurfte nur des richtigen Zeitpunktes, um 
den lange verpönten Stilformen wieder allseite Ein- 
gang und Gunst zu versebaffen. Die kunstgewerb- 
liche Fachklasse, welche von Kunstschlossern frequen- 
tirt wird, hat hier die Aufgabe, das vorzeitige, er- 
klärliche Drängen der Schüler, Arbeiten im Charakter 
des in den Werkstätten beliebten Stiles auch in 
der Schule zu fertigen, hintanz ubalten. Nur solche 
Schfiler, welche manch gutes StUck aus dem 16. Jahr- 
hundert gesehen und nachgebildet haben, werden im 



Fig T. Silbarkanns. Stil Ladwlga XT. 

Modelle sind allen Vorlagen, Photographien etc. weit 
vorzuziehen, wo es sich um Erweckung des Verständ- 
nisses für die Detailformen handelt. 

Nicht ganz gleichen Schritt in der Verbreitung 
der vorgenannten Stile halt mit der Eisentechnik die 
Edelmetallbearbeilung. Es mag dies zum Teil davon 
herrühren, dass unsere Museen unverhältnismäßig 
wenig Gutes aus dieser Zeit besitzen und daher die 
Goldschmiede sich vorzugsweise noch an die Arbeiten 
des 16. und 17. Jahrhunderts halten. Doch macht 
sich der Stil der Neuzeit immerhin schon recht be- 
merkbar. Eine vortreffliche Sammlung von Tisch- 
geräten für Edelmetalle hat P. Germain am die 
Mitte des 18. Jahrhunderts herau^egeben; die 



72 



BAROCK, ROKOKO UND ZOPF. 



Kanne, Fig. 7, eine schöne Arbeit, entstammt ge- 
nannter Vorbildersammlung, welche auch fOr Unter- 
richtszwecke wertvoll sein dürfte. 

Auf dem Gebiete der dekorativen Malerei wird 
enrtaanlioh viel in Barock und Rokoko geschaffen 
und — gesDndigt Mancher Maler jener Zeit würde 
sich im Orabe umdrehen, könnte er sehen, was alles 
unter der Devise: Louie XIV^ XV, mit Farben und 
Pinsel verbrochen wird. Ja unsere Stubenmaler! 
Was meinen sie nicht alles zu können und wie 
wenige haben etwas Tüch- 
tiges gelernt! Das persön- 
liche Können unter Aus- 
schluss des Schablonenhaften 
ist eben in der Dekorations- 
malerei auf dem Felde des 
Rokoko durch kein Surro- 
gat zu ersetzen. Hier heißt 
es: der Unbegabte lasse die 
Hand davon. Mancher lernt 
es einfach gar nickt. — Vieles 
gesehen, viel nach der Natur 
studirt, viel im Charakter 
jener Arbeiten kopirt zu 
haben, dazu eine flotte 
Technik und fertiges Zeich- 
nen mit dem Pinsel — die 
Erfüllung dieser Vorbedin- 
gungen allein würde seihet 
dem begabten Jünger erst 
zum Meister in seinem Fache 
heranziehen können. Und 
dann zeigt sich oft in der 
Beschrankung der Meister. 
Nicht das Nachbilden von 
Stuckdecken in Farbe ist 

Barock- und Rokokomalerei. ^'«- "' "^'"^"su^lu^ 

Die Beispiele in Fig. 8 

und 9 zeigen verhältnismäßig einfache Zeichnung. 
(8: Entwurf von J. Berain, Louis XIV; 9: Malerei 
einer Thüre aus Scbloss Nymphenbui^, Rokoko.) 

Lassen wir also dem Durchschnittsmenschen 
unter den Stubenmalem die bescheidene Hilfsarbeit 
zukommen und fordern wir nicht die ohnedies 
ziemlich gedeihende Selbstüberhebung der Unbe- 
gabten. 

Auch auf dem Gebiete der ornamentalen riasHk 
gilt Ähnliches. Das konventionellere PÖanzen- 
omament oder die Kartusche der Renaissance bieten 
auch bescheideneren Talenten noch nicht unCher- 



windliche Schwierigkeiten. Geradezu geßhrlich wird 
aber der missverstandene Barock- oder RokokostiL 
Es ist ja wohl auch im 18. Jahrhundert vieles 
Schlechtes modellirt und geschnitzt worden, doch 
davor bewahre uns ein gütiges Geschick, dass dies 
diejenigen unter unseren Bildhauern, bei denen das 
Handwerk die Kunst überwiegt, veranlasse, sich 
auch den Stil „zuzulegen". Das könnte schrecklich 
werdea Ein überaus fein entwickeltes Gefühl für 
Abwägung der Verhältnisse bei virtuoser Technik, 
großer Kunstgeschmack und 
— kaum zu entbehren — 
Beherrschui^ des Pigür- 
hchen, das sind die Erfor- 
dernisse eines Bildhauers, 
will er sich an Arbeiten 
im Geiste guter alter Stuck- 
arbeiten, Schnitzereien etc. 
jener Stilperiode heran- 
wagen. (Siehe Fig. 2 und 
Fig. 10.) 

Die kunstgewerblichen 
Schulen oder Klassen können 
sich dem mächtigen Vor- 
drangen desBarock-,Rokoko- 
(eventuell auch Zopf-)Stile3 
nicht widersetzen durch 
grundsätzliches Nichtbeach- 
ten oder Nichtwollen, son- 
dern sie sind es dem Kunst- 
gewerbe schuldig, jene Stile 
in dem Grade zu beachten, 
wie es die Zeitströmung er- 
fordert. Bei dem Charakter 
genannter Stile aber, welche 
ein höheres persönliches 
Kunstvermögen des Schülers 
bedingen, ist es eine Pflicht 
der Lehrer, die schwach und mittelmäßig Be- 
gabten nicht zu nutzlosen Versuchen heranzu- 
ziehen, sondern diese Stile gewissermaßen ab ein 
reservirtes Gebiet der gut Begabten zu betrachten. 
Aber auch die letzteren sind erst nach dem Studium 
der Renaissanceformen (event der Gotik) auf das 
Gebiet des Barock und Rokoko überzuführen, weil 
im andern Falle ein Verständnis der Stile nicht zu 
erreichen sein dürfte, und weil die Gefahr ent- 
stände, dass die herrlichen Renaissanceformeu in 
Vergessenheit geraten möchten. Bei der Wahl der 
Vorbilder sei auf Beispiele des gemäßigten Stiles 



t, Nymphinbarg. 



NEUE VORLAGENWERKE FÜR DAS KÜNSTHANDWERK. 



73 



Beschränkung aufzuerlegen. Schöpfungen, wie die 
herausgegebenen Werke des Habermann und F. de 
Cuvillier sind zum Teil Gifk für den unfertigen 
Schüler und bei aller Genialität jener Künstler für 
Schulen so wenig entsprechend wie Wendel Dietter- 
lin u. a. — gefährlich, wie die die neueren Wagner- 
kompositionen ftir angehende Musiker. 

Nach solchen Vorbehalten aber werden wir 
gerne die Worte von Cornelius Gurlitt, welche er 
seiner Publikation , Barock- und Rokokoornament 
in Deutschland** vorausschickt, zu den unsrigen 
machen: — „Die Zeit des Hasses ist vorüber. Es 
beginnt die Zeit der Würdigung. Wir kennen sehr 
wohl die Mängel und Schwächen des Barock und 



Rokoko, aber wir kennen auch ihre unvergleich- 
lichen Schönheiten. Wir wissen, dass das 17. und 
18. Jahrhundert keine „ Verfallzeit ^ war, sondern 
eine eigenartige, doch hochbedeutende Kunstblüte 
schuf. Wir haben die stilistischen Gesetze jener 
Kunst entwickeln gelernt. Denn es ist nicht zu 
leugnen, dass auch diese Zeit ihre Werke nach 
Gesetzen geschaffen hat, wenngleich die starren 
Regeln etwa von Böttichers Tektonik zur Erklärung 
des komplizirteren Charakters derselben nicht ge- 
nügen." 

So beginne denn auch bei uns die Zeit der 
Würdigung. 



NEUE VORLAGENWERKE FÜR DAS KUNSTHANDWERK. 




ÄHREND das große Unter- 
nehmen des jungen Artur 
Seemannschen Verlages, die 
Motive von Max Heiden rüstig 
vorwärts schreitet und immer 
mehr erkennen lässt, dass 
hier ein großartiges Corpus 
der Flachomamente aller 
Zeiten und Völker entsteht, ist ein anderes verdienst- 
volles Werk ähnlicher Art gleichfalls Motive ent- 
haltend, zum Abschluss gelangt, welches in Schulen 
und Ateliers zu den am meisten benutzten Vorlagen- 
werken gehört: Die ^^Ornamentalen Fragmente'* von 
Oranie9' und Behrens (Cassel, Fischer). Wir haben 
früher auf das Werk an dieser Stelle und den Nutzen 
hingewiesen, den es bei verständiger Anleitung auch 
in Schulen stiften kann. Namentlich aber im Atelier 
zur Anregung und direkter Verarbreitung der ein- 
zelnen Motive mag es immer bereit liegen. Die 
letzten Hefte haben das „Fragmentarische^' etwas 
verloren und geben volle vollständige Ornamente: 
ganze Umrahmungen, Kartuschen, Wanddekorationen 
u. Ahnl. Zum Schluss einige Entwürfe für Decken- 
malereien im Rokokostil von Behrens entworfen, die 
z.T. etwas reich und etwas dick für Stuck nament- 
lich manche Anregung geben können. Diese Ent- 
würfe f&hren uns zu einem neuen Unternehmen des 
Fischerschen Verlags^), welches als dritte Serie be- 



zeichnet wird. Diese, im reichem Farbendruck aus- 
geführten Musterblätter werden dem Dekorations- 
maler, soweit es sich nach der ersten Lieferung be- 
urteilen lässt, gewiss willkommen sein. Es muss 
namentUch die Einrichtung, dass zunächst die Ein- 
teilung des Plafond gegeben wird und dann ftlr die 
einzelnen Felder Motive zu verschiedenen Füllungen, 
noch als besonders zweckmäßig erachtet werden. 
Namentlich soll bei diesem Unternehmen das Figür- 
liche betont werden und darin ist an farbigen Vor- 
lagen eben kein Überfluss. Ein weiterer Vorzug 
des Werkes ist der, dass zu den D^^^nmalereien 
Patisen in Originalgröße gegeben werden, die aber 
ohne weiteres verwendet werden können. Bei dem 
sehr billigen Preis dürfte diese neue Publikation 
auch für kleinere Malerwerkstätten erreichbar sein 
und der Charakter der Darstellungen auch für 
kleinere Städte passen, wo die «altdeutschen Wein- 
stuben'^ noch nicht ausgestorben sind. 

Einem dritten „Motiven- Werk" endlich, wieder- 
um ganz eigener Art, das soeben zu erscheinen be- 
ginnt, rufen wir hier ein freundliches und freudiges 
Willkommen zu, den Studienblättern für Maler und 
Zeichner von Otto Gecrke^). Das Werk hofift, „den 
Malern und Zeichnern eine zweite Studienmappe zu 
werden und enthält demnach Reproduktionen von 
Skizzen unserer besten Künstler. In geradezu meister- 



1) Behrens, Entwürfe fiir Dekorationsmaler. 
Rnnstgewerbeblatt. N. F. III. 



1) Studienblätter. . . ., herauag. von Otto Geerke. 
Selbstverlag. Fol. pro Heft ä 15 Blatt 3 Mark. 

12 



Im 



NEUE VOßLAGENWERKE FUß DAS KUNSTHANDWERK. 



hafter Weise hat der Heraiisgebei diese Skizzen in 
FedeizeichDUDg wiedergegeben. Zahlreiclie Blätter 
sind den Mappen von Koch und Kips entlehnt, 
deren Originale bei den früheren Ausstellungen des 
Berhner Kunstgewerbemuseums immer das Er- 
staunen und Entzücken aller Besucher erregten. 
Mit geradezu unheimlicher Enei^e und stupender 
Beobachtungsgabe ist hier der Natur zu Leibe ge- 
gangen, man glaubt manchmal Zeichnungen eines 
Japaners Tor sich zu haben und sicher ist das 
Studium japanischer Zeichnungen nicht ohne Ein- 
äuss auf jene Künstler gewesen. Die Natur in 
allen ihren Reichen ist herangezogen, alles was da 
kreucht, fleugt, schwimmt und wächst, ja, auch die 
unbelebte Natur ist herangezogen. Die Details des 
Seeadlers (nach Seliger) und die einzelnen Pflanzen 
können trotz der malerischen Auffassung in jedem 
Lebrbuche der Naturgeschichte Platz finden. Auch 
Skizzen von Geräten mit Detaüs sind aufgenommen, 
eine Violine in allen möglichen Ansichten und 
Details und zwei Blatt mit Ackergeräten; gerade 
die Wiedergabe derartiger Geräte in größerer Zahl, 
die der Zeichner nicht immer gleich zur Hand und 
vor Augen hat, dürfte dem Werk weite Verbreitung 
sichern. Dazu wird hoffentlich auch der beispiel- 
los billige Preis beitragen, falls der Herau^eber für 
richtigen Vertrieb auf buchhändlerischem Wege 
sorgt. Namentlich in Schulen möchte man diese 
Blätter sehen — nicht zum Nachx-eidmcn — sondern 
als Studienmaterial, um zum Sehen und Skizziren 
nach der Natur im gleichen Sinne anzuregen. 



Der „Häuslichen Kunst" ') ist eiu neues Untei^ 
nehmen der unermüdlichen Frau Frieda Lipperheidu 
gewidmet. Dasselbe will die Kunst im Hause för- 
dern durch Wort und Vorbild und zieht somit alle 
die Zweige der .Liebhaberkünste' in semen Bereich, 
deren Ausübung sich die mehr oder minder geschick- 
ten Hände unserer Damen bemächtigt haben. Allein 
fünfzehn Arten Malerei auf den verschiedensten 
Stoffen und mit den verschiedensten Materialien 
sollen wir nach der .Ankündigung" kennen lernen, 
selbst der Siegellack und der Rauch werden verar- 
beitet. Aber auch geschnitten, gravirt, vei^oldet, 
geätzt, gesägt, genagelt, bossirt wird von Damen- 
händen, ja Eisen wird verarbeitet, nur — gekocht 
uud geschneidert nicht, was manchem jungen Mäd- 
chen viel nützlicher wäre! Jedenfalls verspricht das 
erste Heft in der gewohnten hübschen Ausstattung 
des Lipperheideschen Verlags ein brauchbares und 
nützliches Büchlein. 

Übrigens enthält das neue Unternehmen unge- 
fähr dasselbe, was das treffliche Werk des Seemann- 
schen Verlags von Franz Sales Meyer^ die Lieb- 
haberkünste nun eben in dritter Autlage darbietet, 
verständige Pflege häuslicher Kunst unter Darbie- 
tung guter Vorbilder.^ Die ganz ungewöhnhche 
Verbreitung, die dieses Buch in kurzer Zeit erfahren 
hat, spricht am besten dafür, wie brauchbar es ist. 



1) Eäualirhe Kunst. Von Frieda Lipperheidc. !) Lief. 
& 50 Pfennig, gr. S«. Berlin, 1S91. 

2) iV. Sales iieyer, die Liebhaberkünate. 

3] Vorbilder tat hänaUche Kunst Herauagegebeo von 
F. S. Meyer. 72 Tafeln in Mappe. Preis 7^ M. 








itnckdeckB BUB Wünbarg. Hokoko. (Za Seite 70.) 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Kaffeekanne in Silber gdrieben. (Im Kgl. Kunstgewerbe- 
:d Berlin.} Diese Kanne 0,26 hoch, 1758 in PariB gear- 
beitet, iat ein Behr xierliches Stück der iranzOiiscbeii Rokoko- 
kunat und ist In der anmutigen Schlichtheit seiner Fonnen den 
gleichseitigen Stacken deutscher Arbeit erheblich Qberl^en. 
DieForm iat der bekaiuite bauchige Typaa, welcher durch chi- 
nesiache Porzeltonkaonen beeinflugst aber doch nicht nach den- 
selben kopirt, eondem iu europäische Metallformen geiatieich 
Qbersetzt ist. Die HauptfUcbe des KOrpers ist völlig glatt 



durchgebildet. Ebenso vorzDglich ist der Ansatz des Henkels 
deasan AkanthueblKtter sich fest an den KOrpei anzusaugen - 
scheinen. Am wenigsten organisch sbd die FüQe, welche 
ohne Verbindung mit dem Geiäße oder unter sich als Zu- 
sätze eiacheinen, übrigens sehr geßtllig bewegt sind und in 



Kftlfeekuuie in S 



II getrieben. 



und nur durch einige leicht darüber geh&agte Blumenranken 
belebt, Am Ornament setzt nnr an den strukti? thätigen 
Stellen, Boden, Rand, Henkel und Tülle an. Es ist ein leich- 
tes Muschelwerk welches eine schrKge Drehung mitmacht, 
gleichsam die Linien begleitend, welche das Oef&D beim Her- 
anshämmem aus dem Metallblech durchzumachen hat. Wir 
sehen diese Bewegung auf gleichzeitigen Kannen h&ufig als 
schräglaufende Rippen den ganzen EOrper teilen in ganz ver- 
wandter Anschauung mit dem gotischen Buckelwerk wel- 
ches geichfolls den KOrper in Bcbrfiger Drehung packt. Die- 
ser RichtoDg des KOipeta entsprechend setzt auch die Schnauze 
in schräger Windung an. Dieselbe iat an unserer Kanne mit 
flberfallendem Bande und dem leichtaufgebogenen Deckel 
gans 7orzQglich nach Analogie des menschlicben Lippenpaares 



Silberne Quukajme. 

ihrer metallischen Schlankheit sich von den Füßen der gleich- 
zeitigen und gleichartigen Fonellankannen charakteristisch 
unterscheiden. Der Deckel ist in gleicher Weise mitMusehel- 
werk verziert, den Knopf bildet eine Rose. Der hOlzeme 
Henkel ist sehr fein mit flach liegenden ÄkanthuabUttern 
geschnitzL Die Herkunft der Kanne ist durch die Stempel 
auAer Frage gestellt. Sie tiägt das A von Paris, ferner den 
Stempel des ZollpSchters Eioi Brichard von 1758^9 und den 
Jabreabucbstaben S von 1758. Unbekannt ist bisher noch 
der Name des Meisters. Sein Zeichen ist L, dazwischen 
ein Kreuz, darüber eine Wappenlilie mit Krone. Silbeige- 
fB£e dieser uns so nahe li^enden Zeit, besonders kleineres 
Gebrauchsger&t sind in unseren Sammlungen weit seltener, 
als die um zweihundert Jahre älteren deutschen Pokale- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



78 



Die Stünne der Revolution und der darauf folgenden Eri^e 
haben gerade miti dem Silber der kurz vorhergehenden Zeit, 
dem man einen Alterthumewert nicht luerkannte, das man 
vielmehr als Werk eines glOckUch überwundenen Unge- 
Bchmackes ansah, so grOndlich aufgerfiumt, dau man fran- 
zSaiHches Rokokoiilber jetzt anf dem Kanstmarkt mit den 
hScheten Preisen bezahlen mnss. Unsere Kanne ist vor eini- 
gen Jahren auf einer Eonsfaaktion in KOln fOr das Museum 
erworben. /. L. 

Siibeme Oitsskanne. Die Kanne nebst dazu gehöriger 
l&oglichei Schüssel befindet sich im Besitz des Grafen 
BehrSegsnda'nk, früherem Oberptasidenten von Pommern, und 
dient in seiner Familie als Taufkanne und Becken. Die 
Kanne 0,30 hoch ist in Silber getrieben und ttberans sorg- 
flUlig gravirt. Der Henkel und die vorae angesetzte Marke 
sind grossen. Form und Verzieningaweise stimmen mit 
einer Reihe von Kannen und SchOsseln, auf dem SilberbQffett 
des Rittersaales im Kgl, Schlosse zu Berlin and noch mehr 
mit den verwandten Stückes in der Silberkammer des Kgl. 
Schlosses zu Dresden. Die Geräte dienten uazweifelhaft als 
llandbecken nnd Kanne, welche man nach 1'isch zum Hände- 
waschen zu reichen pB^^te. Die Benutzung gleicher StQcke 
als Taufger&t ist ursprünglich nicht Üblich gewesen, sondern 
einer Zeit zuzuschreib<>Ji , welche die Stücke nicht mehr im 
ursprünglichen Gebrauch hatte. Die vorliegende Kanne hat 
erst in neuester Zeit der gegenwärtige Besitzer vergolden 
lassen, das 'Hschgerät jener Zeit ist durchweg au« reinem 
Silber. Die Kanne und Schale tragen den Silberstempel N 
Ton Nürnberg und das Musterzeichen 1 P H des Meisters 
Johann Phüipp Softer f 1732. Die Kanne fKllt also auch 
der Zeit nach mit dem preuQiecben und sftchsischen Schloss- 
silber um 1T20 zusammen. Besonders bemerkenswert ist die 
Herkunft von Nürnberg. In jener Zeit stand Angsfaurg der- 
artig herrachend an der Spitze der Goldechmiedekunst, dass 
fast allee uns bekannte Tafelsilber grOGeren Umfange den 
Augsburger Stempel trägt. Unsere Kanne hat überdies noch 
die engste Verwandtschaft mit den Omamentstichen des Angs- 
burger Draitiretl. Es gereicht Nflmberg aber zur besoi 
deren Ehre, dass diese Kanne zwar in den Profilen und dei 
Anordnung des Ornaments den erw&bnten Augaburger Ar- 
beiten gleich steht, dag^en in der Ausführung sehr viel sorg- 
fältiger und feinfühliger ist als die Augsburger auf könig- 
liche liestellung gearbeiteten Stücke. Uns ist kein verwand' 
tes Stück von ähnlicher Güte der Arbeit bekannt. Das Ber- 
liner Kunstgewerbemuseum bat daher von dem Besitzer die 
Erlaubnis erbeten und erhalten , Kanne und Schale durch 
galvanischen Niederschlag kopiren zu lassen. Die von Vbll- 
gold gefertigte Kopie ist so vorzflglich, dass sie ohne beson- 
dere Untersuchung vom Originale nicht zu unterscheiden ist. 
/. h. 



Zu den lafein. Der Verein fOr Deutsches Kunstge- 
werbe zu Berlin schreibt seit Beginn des Jahres 1891 unter 
seinen Mitgliedern Monatskonkurrenzen aus , die zu man- 
chem recht erfreulichen Resultat gefllbrt haben. Das Er- 
gebnis der einen, ein Begulatorgehftuse fOi ein Wohnzim- 
mer, Zifferblatt mit Rand 18 cm Durchmesser, L&nge des ' 
Pendels (vom Hittelpunkt des Zifferblattes ab) 60 cm (das 
Geh&nse ist der Hauptsache nach in Holz ausgeführt ge- 
dacht unter mfißiger Anwendung von Schnitzerei, Eislagen 
oder Metall verzieningenl teilen wir auf den beiliegenden 
Tafeln in den beiden preisgekrönten Entwürfen mit Den 
ersten Preis errang Herr Hofknnstscblosser Paul Mareue 
(Motto „Fii") und den zweiten Herr August Bmier (Motto 
iJElegulator"). Die Abbildungen überheben uns der Beschrei- 
bung, Eine ehrenvolle Erwähnung erhielt Herr Em»t Eär- 
ring (Motto „Louise"). Wir werden fort&hren, an dieser 
St«lle derartige Konkurrenzen des Berliner Vereins zu ver- 
öffentlichen, bemerken aber, dass das Anrecht auf die Ent- 
würfe dem Verfasser verbleit>t. — Wir fUgen gleich noch 
einen Entwurf einer Uhr bei, der von der kunstreichen Hand 
des Direktors der Kunstgewerbeschule, Herrn. Oöt% herrührt. 
Zum Lobe dieses Kunstwerks haben wir nichts hinzuzufügen, 
es spricht fSr sich selbst und die Wiedergabe in Holzschnitt 
überhebt uns der Beschreibung. — Der Zierschrank in eng- 
lischem Geschmack von M. Rudi entworfen, deutet die Ver- 
schiedenheit der kunstgewerblichen Ausstattung der Wohn- 
räume nnserer Nachbarn jenseits des Kanals von den unseren 
an. Die Leichtigkeit und Lufligkeit des Aufbaus erinnert 
an die Eolzbaut«n Japans und Chinas, deren Einflnsa sich 
in England und Amerika vielfach geltend macht. Hier sind 
keine schweren Säulen, Pilaster und Knäufe, sondern schlanke, 
feste Stäbe verwendet; der untere Teil hebt eich vom Boden 
weg und die ganze Lost ruht auf vier hochgestelzten FOBen, 
ein Motiv, das in den oberen Etagen des Schrankes noch 
zweimal wiederkehrt und dem Ganzen den Charakter der 
Beweghchkeit verleiht. Auch die Verzierungen sind einfach 
und emanzipiren sich von dem herkömmlichen Vorrat an 
Renaissance- oder antiken Motiven. Es leacht£t ein, dass 
ein solches MObel die Einrichtung eines ganzen Raumes be- 
stimmt; es kann nicht in einem düsteren Räume stehen, 
dessen Fenster mit schweren dunklen Vorhängen drapirt ist; 
es kann sich nicht an eine Ledertapete anlehnen und wird 
auch mit unserer deutechen Art, die Wände zu bekleiden, 
wenig harmoniren. Ein solches MObel verträgt keine schwere 
Holzdecke nnd steht schlecht auf einem bunten groltblumi- 
gen Teppich. — Eine Frohe venezianischen Rokokos bietet 
die geschnitzte ThUrfUllung ans dem DogenpaJast vom Jahre 
1763. Der Doge im vollen Ornat sitzt auf dem Löwen des 
hl. Markus, dem Wahrzeichen Venedigs; die loscbrift des 
Buches bedeutet: Friede sei mit dir, Markus, mein Evangelist. 



Nene Folge, in. No. 7. 

Auflage 50U0. 



KUNSTANZEIGER 



April 1892. 

Spaltenzeilenpreifl 30 Pf. 



y^xxxxxxxxxxVVVVVVVVVVVV VVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVV^ . 



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y 
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FÜR KUNSTGEWERBETREIBENDE ! 



^OO 



^'^^^W^QQ^^^U*^ 



MOTIVE 



Sammlung von Einzelformen aller 
Techniken des Kunftgewerbes als 
Vorbilder und Studienmaterial. 



Auf 3oo Tafeln gr. Fol. ca- 200O Motive von Flachmuftern aller Art aus Deutfchland, England, 
Frankreich, Spanien, Perfien, Indien, China etc. 

Auf 3oo Tafeln gr. Fol. ca. 2000 Motive aller Techniken als Weberei, Stickerei, Schnitzerei, In- 
tarfia, Mofaik, Taufchirung, Metallätzung und Gravirung, Glasfchleiferei, Malerei auf Holz, 
Stein, Porzellan etc. 

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MAX HEIDEN 

Verwalter der Stofffammlung des Kunflgewerbemuseums zu Berlin. 
30 Doppelhefte ä 2 Mark. — Bisher erschienen 26 Doppelhefte (Lieferg. 1—52.) 



4 30 Doppelhefte ä 2 Mark. — Bisher erschienen 26 Doppelhefte (Lieferg. 1—52.) ^ 

Wkxxxxv^^ Verlag von Artur Seemann in Leipzig. ^xxvxx»XX>S 



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Seemanns Kunsthandbücher. 

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II. Ji.votumnuMUtj> Jahrhundert Von An|rast v. Heyden, Professor und Historien- 
maler in Berlin. Mit 222 Abbildungen. Br. M. 3.20, geb. 4 M. 
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ausfüllen kann, wenn er nur einigermaßen Anlage zum Zeichnen hat, z. B. Rauohbildor, Holzbrand, Halerel auf Pergament, Seide, 
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"' ^^^ JJUl^UtJIIIUmiU^ dermeister in Düsseldorf. Mit 194 Abbildg. Br.M. 3.60, geb. M. 4.50. 

VIT Wa.fpAnlniYirlA Handbuch des Waffenwesens in seiner historischen Entwickelung von 
' "■ ▼▼ giicmmuuc^ Wendelin Boeheim, Custos der Waffensammlung des österr. Kaiser- 
hauses. Mit 664 Abbildungen. Br. M. 13.50, geb. 15 M. 

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Dies mit Unterstützung der „Stiftung für die Stadt Leipzig" 
herausgegebene Werk verdient schon als Beitrag zur Geschichte 
der Kunstbestrebungen unseres Jahrhunderts die Beachtung nicht 
bloss der Leipziger und sächsischen Kunstfreunde. 

Der trotz des stattlichen ümfanges (13 Bogen Text und 
29 Kupfer) sehr massige Preis ist in dankenswerter Weise durch 
die reiche Beihilfe der „Stiftung für die Stadt Leipzig" ermöglicht 
worden. Von den schönsten und interessantesten Gemälden, die 
das Museum bewahrt, ist eine Auswahl nach historischen Rück- 
sichten getroffen. Von älteren Meistern sind vertreten: Jaa van 
ZSyck, ficcas Craaach d. &» Bissolo, Wouter Kniif, Antoine 
Pesne, von jüngeren: Delarodie, BeUtuage, Calame. Des- 
touches, ^eys, WillLelni Sohn, Vauüer, die beiden Achen- 
bachs» BcL ▼. Qebliardt, Ckknermann, Lenbach, Böcldin u. a. m. 



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schön ausgeführt. In ihrer Gesamtheit bieten sie ein ungewöhnlich klares und anschauliches Bild der Trümmer aus 
dem klassischen Rom. Zwei von vei-schiedeneu Standpunkten aufgenommene Ansichten des Forum Romanum 
zur Kaiserzeit führen außerdem diesen mit den herrlichsten Bauwerken geschmückten Platz des goldenen Rom 
deutlich vor. Silmtiiche Dai-stellungsgegenstände sind mit besonderer Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Kunst' 
denkmäler von dem Herausgeber selber, einem der hervorragendsten deutschen Kunsthistoriker der Gegenwart, 

fezeichnet, darum doppelt lehrreich und als kunstwissenschaftliches Material wertvoll. Dennoch übertrefi'eu die 
unstvoll ausgestatteten Blätter, an Wohlfeil bei t noch erheblich die üblichen Photogi-amme. In elegant. Leinwandmappe. 

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Das Bchlosaerbucli ist ein Seitenstück zu dem von denselben Verfassern bearbeiteten Schreinerbuche. 
Was dem Schreinerbuche seine ungewöhnlich rasche Verbreitung und allseitige Anerkennung verschaffte, die in 
Wort und Bild überaus klare, für jedermann verständliche, dabei auf gründlicher Fachkenntnis fussende 
Darstellung, ist auch der Vorzug des Schlosserbuchs. Nicht minder zeichnet sich das Schlosserbuch durch die 
Vollständigkeit seines Inhalts aus. Es ist alles und jedes Bedürfnis berücksichtigt, das im gewöhnlichen 
Gcschäftsleben sich geltend macht. 

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Pohle, Leon. . . . , 

Bocklin, A 

Fyck, Jan van . . . . 

Pcsue, Ant 

Achenbach, Andr. . . 

Calame, Alex 

Cranach. Lucas d. Aelt. 
Achenbach, O. . . . 



Stecher. 

Heliogravüre 

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A. Krüger , 
Heliogravüre 

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Abdrncicsgattimg 



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Büste des f Prof. A. Springer 
Bildnis e. vornehmen Mannes 
Prof. W. Unger im Atelier . 

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Die Toteninsel 

Männliches Bildnis .... 
Markgraf Friedr. v. Bayreuth 
Leuchtturm bei Ostende . . 

Eichen im Sturm 

Der Sterbende 

• 

Am Posilipo 



mit Namen 


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Mark 


ohne Schrift 


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kostenfrei zu Diensten. 



Druck VüU August Priub in Loii'zig 



s Kreuz 



Kwel Gr<ma.toff weißer Sammet .of gelbem Seidengruna 



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a OoldfSden und farbiger Seide gestickt, iet gearbeitet von den Schweetem 
„vom armen Kindlein Jean in Simpelreld." 



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OMtickte Barte aiiiM LciDentochei. Entwurf vi 



I Th. PftItFEB, Berlin. 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



Von MAX HEIDEN. 

MIT ABBILDDNGKN. 

I. 



IT einer Vorfiihrung von Bei- 
spielen der Grefelder Seiden- 
und S&mmetmuster, welche 
nach älteren Stoffen fOr 
die Ausstattung der katholi- 
schen Kirchen und äuch &a 
Repräaentationsräunje ge- 
webt werden, war in der 
letzten Hälfte des Monats März d. J. im Kunstge- 
werbemuseum zu Berlin eine Ausstellung von 
Stickereien der evangelischen Kirche verbunden. 
Gestickte Kirchengewänder waren aach der Gre- 
felder Sendung beigefügt, insoweit die aus dortigen 
Fabriken stammenden Grundstoffe derselben damit 
zusammen hingen . 

Die Bedeutung einer solchen Ausstellung ist 
nicht zn verkennen. Über die Verzierung kirchlicher 
GebrauchsstUcke älterer Zeit ist man unterricKtet 
durch Museen und Sonderausstellungen kunsthistori- 
schen Inhaltes. Anknüpfend daran sind in gedruckten 
Vorlagen Hunderte von kirchlichen Mustern durch 
das profane Leben gegangen. Wie so manche weiß 
gestickte Borte des Kelchtuchea hat z, B. unter Weg- 
lassung des Psalm Verses und mit Zuhilfenahme 
einiger Farben als Rand eines Fenstervorhanges oder 
dergleichen Verwendung finden müssen! Die alten 
Klosterwerkstätteu haben unsere modernen rührigen 
kunstgewerblichen Bewegungen mit ihren Vorlagen 
niemals im Stich gelassen. 

Ein solcher Vergleich mit der alten Zeit ist 
gerade hierbei nicht unnütz. Wie würde denn heut 
KnnitceverbebUtt. ». F. lU. 



die Antwort lauten, wenn wir auf eine Überftihrung 
der Muster unserer Kirchenwerkstätten in das Haus 
zu sprechen kämen? Bis zum entgegengesetzten 
Weg bat sich die Sache verändert 

Und mit solchen Gedanken will und soll schließ- 
lich die Arbeit der heutigen Paramentenvereine wieder 
einsetzen, auf deren Unterstützung diese Ausstellung 
namentlich angewiesen war. 

Dem evangelischen Kultus fehlten Überhaupt 
bis vor kurzem derartige Werkstatten, die gemein- 
sam einem bestimmten Ziele ihre Aufmerksamkeit 
zuwenden: zum ersten Male kamen ihre Arbeiten 
hier als Gruppe in Betracht Aber noch auffallender 
ist es, dass bis zum heutigen T^e das zeichnerische 
Können für protestantische Zwecke so gut wie gar 
nicht erweitert worden ist. Wenn sich im mittleren 
und nördlichen Deutschland Paramentenvereine für 
die Ausschmückung ihrer Kirchen gebildet haben, 
so sind sie auf sich allein angevriesen. Nur wenige 
Architekten und Maler haben sich bisher mit Ent- 
würfen für den teitUen Schmuck der evangelischen 
Kirchen befasst. Kein Wunder daher, wenn diesem 
Teile der Berliner Ausstellung etwas Schablonen- 
hafles anhing. 

Einen konfessionellen Charakter müssen Kunst- 
formen im Kirchendienst tragen; aber dennoch bleibt 
die Art der Einfügung emes Symboles, seine Um- 
gebimg und die ganze Ausführung auf dem jeweilig 
gegebenen Farbengrunde der Eingebung des ent- 
werfenden Künstlers Überlassen. 

Der evangelischen Statt« der Andacht ist ohnehin 



80 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



schon kein breiter Raum für Stoffe und Stickereien 
gegeben, um so mehr muss man darauf bedacht sein, 
diesen wenigen Stücken einen würdigen Schmuck 
zu verleihen. 

Olücklicher ist die katholische Kirche daran. 
Hier vollzieht sich keine Handlung, welche nicht 
von wechsehider prächtigster textiler Umgebung 
begleitet wäre. Auf uralten Traditionen beruht hier 
nicht nur das Gesetz des Gebrauches so mannigfacher 
herrlicher Prunkstücke, ohne die sich der Gläubige 
seine Religion nicht vorstellen kann, sondern auch 
in der Anfertigung dieser kirchlichen Gewänder und 
Stickereien hat sich bis auf unsere Tage eine ge- 
wisse Geschicklichkeit formlich vererbt. Von Klo- 
sterwerkstätten im Sinne der alten Zeit kann na- 
türlich nicht mehr die Rede sein; aber es finden 
sich immer Kreise, welche ihrer Kirche mit Rat 
und That zur Seite stehen. Und in ähnlichem Sinne 
wäre den evangelischen Paramentenvereinen gerade 
jetzt rege Teilnahme zu wünschen, wo es sich um den 
Neubau vielerKirchen handelt; dann hätte auch dieser 
Teil der Berliner Ausstellung seinen Zweck erreicht. 

In der katholischen Kirche spielt hinsichtlich 
der zahlreichen Gewänder, welche der Gottesdienst 
erheischt, die Verwendung der gewebten Stoffe eine 
große Rolle. Der heutige Geschmack und die schnell- 
lebige Zeit sind davon abgekommen, die Chormäntel, 
Dalmatiken und Kasein ganz zu besticken. Man 
wendet sich darin wieder dem Gebrauche der goti- 
schen Zeit zu, die es liebte, das reich gestickte 
oder gewirkte Kreuz des Gewandes abzuheben von 
einem gewebten Stoffe. Dementsprechend hatten 
die Crefelder Fabrikanten Dutzenberg, Ferlings und 
Gotzes ^) die Berliner Ausstellung mit prachtvollen 
Sammet- und Seidenstoffen beschickt, deren Muste- 
rung sich hauptsächlich in den vielseitigen Formen 
des Granatapfels bewegte. 

Das Motiv ist bekannt. Das für die gotische 
Zeit typisch gewordene Granatapfelmuster hat mit 
der eigentlichen Frucht nur so viel zu thun, als 
demselben vielleicht der Durchschnitt des Apfels 
auf dem verschieden gestalteten Blattwerk zu Grunde 
liegt. Bis zu welcher Vielseitigkeit die Gliederung 
und Umwandlung des eigentlichen Motivs hinauf- 
geht, dafür bieten Mengen von Beispielen ein be- 
sonderes Studium.2) Im 15. und 16. Jahrhundert 



1) Es sei bemerkt, dass Herr Gotzes nicht als Aus- 
steller fungirt hat, sondern dass von ihm gekaufte Stoffe 
von anderer Seite eingesandt sind. Herr Gotzes hat aus- 
drücklich die Beteiligung abgelehnt. Die Red. 

2) Vergl. Abb. 2. (Heiden, Motive, Tafel 172.) 



fanden Stoffe mit diesem Muster auch für profanen 
Gebrauch Verwendung; kamen sie als Wandtapeten 
in Benutzung, so wurden die Bahnen nicht unmit- 
telbar aneinander gesetzt, sondern oft durch Holz* 
täfelung getrennt. Es ist dies wichtig, weil in jenen 
Stücken selten eine ordentliche Lösung des seitlichen 
Bapportes von Bahn zu Bahn vorhanden ist. 

Aber nicht die Musterung, sondern die Technik 
hat bei der Wiedemutzbarmachung der alten Stoffe 
viele Opfer an Zeit und Geld gekostet und die 
deutsche Industrie muss den Crefelder Fabrikanten 
dankbar sein, dass es gelungen ist, auch darin einen 
gewaltigen Eonkurrenten, Lyon^ überwunden zuhaben. 

Für die moderne Herstellung war der in Abb: 3. 
dargestellte Stoff (Fabrikat von Gotzes) einer der 
schwierigsten. Es ist die Nachbildung eines jener 
gotischen Sammetbrokate, deren Ursprung nach 
Italien und nach Flandern gesetzt wird. Das reiche 
Muster aus Granatapfelblüten, welche breiten Bän- 
dern entsteigen, setzt sich nur in einer Farbe: rot 
vom Goldgrunde ab; aber unvergleichliche Schönheit 
ist demselben verliehen durch die technische Be- 
handlung des Materials. Der rote Sammet ist 
überall geschnitten und wo eine Teilung der brei- 
teren Flächen geboten schien, hat man diese durch 
das Weben in zwei Höhen erreicht; d. h. die den 
Sammet bildenden seidenen Kettßlden sind über zwei 
verschieden starken Stäben (Ruten) gebunden. Der 
Grund dieses Stoffes besteht aus einfach gezogenen 
Goldföden, doch innerhalb des Musters erhöhen 
Noppen aus Goldfäden die Wirkung desselben. ^,0r 
frisee" nennt der Eunstmarkt diese Erscheinung in 
alten Stoffen. Die Goldnoppen treten als einzelne 
Lichter und breite Flächen auf. Die Gesamtwir- 
kung des Gotzesschen Fabrikates ^) kommt derjeni- 
gen der alten Stücke fast gleich. Bei der Betrach- 
tung neben dem Original erschien das Rot etwas 
zukirschfarben; aber es muss dahingestellt bleiben, 
ob das alte Stück in dem Tone nicht so viel nach- 
gelassen hat und dadurch unserem Auge sympa- 
thischer geworden ist. 

Muster gleichen Stiles, nach einem Originale 
aus dem Dome zu Xanten gewebt, waren aus der- 
selben Fabrik, in gelbem Sammet mit Silber, in 
fertigen Gewändern vertreten, welche der Dyonisius- 
kirche in Crefeld gehören. 

Besonderes Interesse unter den Crefelder Sam- 
metstoffen hat noch die Nachbildung des aus dem 



1) Das der Ausstellung beigegebene Preisverzeichnis 
führt diesen Stoff mit 185 Mark ä Meter auf. 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



81 



Anfange des 16. Jahrhunderts stammenden Sammet- 
stoffes (Abbildung 4.) erregt, aus welchem damals 
nach Dr. Bock die Stolen der Prokuratoren Venedigs 
verfertigt sein sollen. Das Original, in kleinen Ab- 
schnitten wohl in allen größeren Stoffsammlungen 
vertreten, ist in zwei Höhen geschnittenen roten 
Sammets gewebt. Die Crefelder Fabrik vonF.Fer- 
lings hat sich in der Nachbildung zunächst dem 
Original angeschlossen, außerdem aber auch dasselbe 
Muster in rotem Sammet auf gelbem Seidengrunde 
gewebt. Obgleich es an und ftir sich durch diese 
Ausführung besser herauskommt (unsere Abbildung 
ist deshalb darnach beigestellt), so ist die Wirkung 
in zwei Hohen doch eine vornehmere. Voller hob 
sich auch das Muster in jener ausgestellten Probe 
ab, welche statt des tiefliegenden geschnittenen 
Grundes einen ungeschnittenen Sammetgrund zeigte. 

Granatmuster in zwei Farben, rot auf gelb, 
schwarz und violett auf gelb und in allen möglichen 
anderen vornehmen Farbenstimmungen hatte außer 
den genannten Fabriken auch diejenige von Dutzen- 
berg ausgestellt. Dutzenberg lasst sich auch ange- 
legen sein, die bekannten italienischen Muster des 
14. Jahrhunderts, mit dem Getier zwischen Blatt- 
werk, nachzubilden. Besonders hervorzuheben sind 
seine abgepasst gewebten Gewandaufsätze (Kasel- 
kreuz, Stab und Cappa), deren Muster, Figuren 
von Heiligen in Arkaden darstellend, verwandt sind 
mit denen der Kölner Bortenwirkereien. Der mo- 
derne cyprische und auch der japanische Goldfaden 
wird dabei in dieser Werkstatt verwendet. Die zum 
Aufsetzen bestinmiten Teile sind in UmrissUnien ge- 
webt und werden ausgefüllt durch Stickerei in far- 
bigem Plattstich. 

Eine andere Art, das gestickte Kaselkreuz durch 
ein gewebtes abzulösen ist in der Nachbildung von 
Kölner Borten gefunden worden. (Vergl. Abb. 5). 
Die Musterung derselben wird durch einzelne in sich 
abgeschlossene Motive gebildet. Daher kann je nach 
Bestellung diese oder jene Einzelfigur eingeschoben 
und die Borte nach Metern verkauft werden, aus 
der sich das fijreuz dann zusammenstellt. Wem an 
dem Querbalken des so entstandenen Kreuzes der 
Wechsel des Korns in dem Gold- oder Seidengrund 
nichts ausmacht, der kann mit solchem Ersatz durch 
Weberei zufrieden sein. Auch hierbei bleibt es 
natürlich einer geschickten Hand überlassen, durch 
Stickerei nachzuholen, was der mechanischen Fügung 
der Fäden nicht möglich war. 

Der Grundstoff der in Abbildung 5 dargestellten 
Kasel trägt wieder eines jener schon beschriebenen 



Granatmuster, welches in ungeschnittenen weißen 
Sammetumrissen sich zart von dem gelben Seiden- 
grunde abhebt. Das Gewand ist eingefasst mit 
einer schmalen gewebten Borte, und der Stoff schnei- 
det an den Stellen, wo er überdeckt wird, sehr richtig 
in der Achse des Musters ab. Eine derartige Beto- 
mmg der Grundlinien ist nicht nur für den Schnitt 
des Gewandes vorteilhaft, sondern trägt auch we- 
sentlich zur Schönheit des Ganzen bei. Wenn die 
Kasel oder gar der breite Chormantel aus schwerem 
Sammetbrokat außen herum der Einfassung durch 
eine Borte oder Franse entbehrt, so wird das künst- 
lerische Empfinden leicht gestört durch die unver- 
wischte Erinnerung daran, dass in großer Kurve die 
Schere durch einen so prächtigen Stoff gegangen ist. 
Bei den Kirchengewändem früherer Zeiten ist das 
Fehlen eines Randabschlusses in diesem Sinne weniger 
auffallend, gegenüber dem beruhigenden Gefühl, dass 
die dazu zerschnittenen Stoffe gewöhnlich schon an- 
deren Zwecken gedient hatten, ehe sie an die Kirchen 
geschenkt wurden. 

Bemerkenswert unter den Crefelder Sachen war 
eine kleine Gruppe von bedruckten Stoffen, die als 
Futter der Kasein Verwendung gefunden hatten. 
Außer dem Leinen wird mit Granatmustem und an- 
deren Ornamenten eine weiche gelbliche Tussahseide 
aus Ostindien bedruckt. 

Die Stickereien an den durch Crefeld ausge- 
stellten Gewändern vermochten natürlich kein voll- 
ständiges Bild von dem zu geben, was die Kloster- 
schulen und Vereine auf diesem Gebiete zu leisten 
im stände sind, da das Hauptgewicht bei dieser 
Ausstellung auf die Crefelder Weberei gelegt werden 
sollte. Technisch sowohl, als auch im Muster vor- 
züglich, waren Nadelarbeiten von dem Franziskane- 
rinnenkloster in Crefeld und den Schwestern vom ar- 
men Kindlein Jesu zu Simpelveld ausgestellt, deren 
Arbeit das Kreuz der in Abbildung 6 dargestellten 
Kasel ist. 

Die Muster der gestickten Gewandbesätze waren 
zum größten Teile alle in dem vornehmen romani- 
schen Stil gehalten: namentlich zeichneten sich zwei 
Albenborten durch ihre Schönheit aus, von denen 
die eine zweckmäßig für die Wäsche des leinenen 
Gewandes als selbständiges Stück zum Aufnähen 
eingerichtet war. 

Das Kreuz unserer abgebildeten Kasel, von älterer 
Form, ist in Goldfaden und farbiger Seide gestickt. 
Die Flächen des verschlungenen aufsteigenden Bandes, 
welches die volutenartig geschwungenen Ranken 
deckt, bestehen aus fein gemustertem gewebten Stoff. 

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84 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN, 



Der Grundstoff der Kasel, ein weißer Seideudamast 
aus Lyon, enthält ein für moderne litui^isebe Zneoke 
viel verwandtes Muster. In sechseckigen Feldern 
aua geometrisch gemusterten Bändern befindet sich 
die Darstellung zweier kniender Hirsche. Sie sind 
an dem Eronen- 
halsband gefesselt 
und blicken zur 
Sonne, die von 
Adlern bewacht 
wird. Man hat 
dieses Muster, was 
abrigens auch in 
den Altarbeklei- 
dungen der evan- 
gelischen Kirchen 
in verschiedenen 
Farben wieder- 
kehrte, gedeutet 
nach dem Psalm 
42: ,Wie der 
Hirsch schreiet 
nach frischem 
Wasser, so schreiet 
meine Seele, Gott, 
zu dir!" 

Entwürfe für 
Kasein und Bi- 
schofsm&tzen wa> 
ren in den Facb- 
klassen der Unter- 
richtsanstalt des 
Museums, unter 
Leitung des Herrn Prof. Döpler und des Herrn 
Maler Timler filr die Ausstellung angefertigt. Den 
Mustern lagen alte Vorbilder aus den reichen Be- 
standen der Stoffsammlung zu Grunde. Viel Ma- 
terial fOr diese Zwecke bietet die wertvolle Kollek- 
tion von alten Zeichnungen aus einer Wünburger 
Stickereiwerkstatt des vorigen Jahrhunderts, denen 



i. Sumnetatoff, ro 

KachbildDiig slnes Originaiea ■ 

Oewsbt von F 



die in Abbildung 7 dai^estellten Hälften einer Kasel 
(Heiden, Motive, Tafel 278) entnommen sind. 

Von einfachen Stoffen in kirchlichem Charakter, 
aus Wolle und etwas Seide gewebt, hatte die Fabrik 
von A. Maller in Berlin einige Proben ausgestellt 
Möller hält bei der 
Fabrikation schon 
seit Jahrzehnten 
fest daran, sich in 
der Musterung sei- 
ner Stoffe nicht 
von dem wechseln- 
den Geschmacke 
der Mode leiten 
zu lassen, sondern 
bleibt darin den 
Vorbildern frohe- 
rer Stilarten treu. 
Als ihm die eisten 
Proben mit den 
kleinen Zweigmu- 
stem des 17. Jahi^ 
hunderts gelangen, 
wurden Versuche 
mit größeren For- 
men des 16. Jahr- 
hunderts gemacht, 
bis zum Graaat- 
apfelmuster der 
gotischen Zeit hin- 
auf, und in letzter 
SiCit arbeitet diese 
Werkstatt mit 
GlUck nach Vorbildern des früheren Mittelalters. 
Für kleinere Gemeinden, denen die Mittd zur 
Ausstattung ihrer Kapellen nicht reichlich zu Gebote 
stehen, bieten die Stoffe dieser Fabrik einen stilge- 
rechten Ersatz fUr seidene Behänge. 
(Fortsetzong folgt.) 



&af gfllbem SeidaDgrunde. 

la dem Anfange d«a 17, JahiboDderts. 

FEBLIH03 In Crefeld. 



DIE DEUTSCHE WELTAUSSTELLUNG DER ZUKUNFT, 



VON HERMANN HILLQER. 
(Mit Genehmigung des Yerfaeaen abgedruckt.) 



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EU DIE Entwickelungsge- 
schichte des ablaufenden 
Jahrhunderts prüfenden 
Auges überschaut, der wird 
sich der Wahrnehmung 
nicht verschließen können, 
dass die Charakteristik un- 
seres Kulturlebens, ja die 
eigentliche Signatur dieses ganzen Zeitalters in dem 
außerordentlichen Umfange zu suchen, zu finden 
ist, den die Beziehungen der Völker auf dem Erd- 
ball zu einander und mit einander gewonnen haben. 
Während noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts 
nicht nur die einzelnen Staaten, sondern auch die 
einzelnen Städte, Marktflecken und Dörfer in wirt- 
schaftlicher Beziehung völlig isolirt dastanden, sind 
sie heute zu einem solidarischen Ganzen verbunden: 
die partikularen Wirtschaftskreise sind von der 
Wucht des Einigungstriebs durchbrochen, nieder- 
gelegt, und ein großes kosmopolitisches Band um- 
schlingt sie insgesamt! 

Dieses große Resultat ist freilich in der Haupt- 
sache erst den letzten Jahrzehnten und ihrer uner- 
müdlichen Kulturarbeit gut zu rechnen: erst seit der 
zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts sehen wir die 
Staatengrenzen im wirtschaftlichen Sinne durch- 
brochen, sehen wir durch Handels- und Schifffahrts- 
traktate, durch Münz-, Post- und Telegraphenver- 
träge u. s. w. eine Organisation höherer internatio- 
naler Ordnung geschaffen. 

Eine Thatsache von außerordentlicher Folgen- 
schwere! Vor allem ist eine Hauptentwicklung im 
Auge zu behalten: die Gemeinsamkeit der Wirt- 
schaftsbedingungen aller Kulturländer ist zur Geltui^ 
gelangt und damit die Weltwirtschaft angebahnt! 
Dass letztere, die weitestmögliche wirtschaftliche 
Gestaltung, durch welche der Ausgleich zwischen 
Bedürfnissen und Gütern auf breitester Grundlage 
gesichert wird, den Welthandel zur wesentlichen 
Voraussetzung hat, braucht kaum gesagt zu werden. 



Wohl aber, dass der Welthandel das vorzüglichste 
Werkzeug des gesamten geistigen und materiellen 
Kulturlebens geworden ist und die Teilnahme eines 
Volkes am internationalen „Kampfe ums Dasein" 
ermöglicht, aus welchem gesunde und kräftige In- 
dividualitäten unter den Völkern hervorgehen — 
mit Notwendigkeit hervorgehen müssen! 

Je intensiver also ein Volk am Welthandel 
teilnimmt, um so reicher fließt nicht nur die Quelle 
der materiellen Volkswohlfahrt, um so fester be- 
gründet sich auch die politische Rangstellung eines 
Volkes, mit allen den wichtigen Folgen für das 
innere und äußere Leben der Natur, welche aus jener 
resultiren. Eine Großmachtstellung ist ohne eine 
intensive BeteiUgung am Welthandel nicht mehr 
denkbar! 

Auch ein Staat, der seine Bevölkerung nach 
Hunderten von Millionen zählt — denken wir an 
China! — ist, weil dem Welthandel sich ver- 
schließend, trotz größten Reichtums an Naturschätzen 
und trotz großer historischer Kultur im heutigen 
Völkerleben fast jeder Bedeutung bar. 

Das wichtigste Förderungsmittel des Welthan- 
dels wie der Weltwirtschaft bilden heute aber, wie 
wohl kaum mehr bewiesen zu werden braucht, die 
Weltausstellungen! Erst vier Jahrzehnte sind ver- 
flossen, seitdem durch den Gemahl der Königin 
Viktoria, den Prince-Consort Albert, die Anregung 
zur ersten allgemeinen Weltausstellung (London 
1851) gegeben wurde, und wie ungeheuer sind wäh- 
rend einer so kurzen Zeitspanne die Folgen jener 
genialen Initiative gewesen! Mit der Verwirklichung 
jenes Gedankens trat, wie ruhig behauptet werden 
darf, die Kulturwelt in ein ganz neues Stadium! 

Ein vorher fast ungeahntes Verkehrsmittel der 
Völker unter einander war geschaffen, die Scheide- 
wände feindlicher oder engherzig rivalisirender 
Länder waren wie durch Zauber niedergelegt, und 
entlegenste Nationen, die bisher kaum Kenntnis von 
einander gehabt, traten daraufhin in unmittelbare 



86 



DIE DEUTSCHE WELTAUSSTELLUNG DER ZUKUNFT. 



Verbindung. Mehr als 17000 Produzenten, aus allen 
Teilen der Welt herbeieilend, stellten damab über 
eine Million yon Gegenstanden der Industrie, der 
Kunsty des Ackerbaues etc. der Prüfung der ganzen 
gebildeten Welt dar und yereinigten in den unge- 
heuren Bäumen des Glaspalastes 50 Millionen Mark 
an Werten — unschätzbare Kostbarkeiten, wie Edel- 
steine u. dergl., gar nicht gerechnet. 42847 Per- 
sonen besuchten täglich die Ausstellung yon Kul- 
turarbeiten der Welt, und als nach 144 Tagen die 
Ausstellung schloss, da gab es 6170000 Menschen, 
die durch diese erste große und allgemeine Aus- 
stellung Unschätzbares an Wissen und Anschauung 
gewonnen hatten. Der materielle Gewinn der Aus- 
steller bezifferte sich nach Millionen. 

Jener ersten Weltausstellung des Jahres 1851 
sind im Laufe der folgenden Jahrzehnte zahlreiche 
andere, in allen Teilen der Welt gefolgt: zu Paris 
1855 mit 24000 Ausstellern; wieder in London 1862 
mit 27446 Ausstellern; nochmals in Paris 1867 mit 
50000 Ausstellern; in Wien 1873 mit 53000 Aus- 
stellern; in Philadelphia 1875 mit 50000 Ausstellern; 
in Paris 1878 mit 53000 Ausstellern; in Sydney 
1879—80; in Melbourne 1880—81 u. s. w. bis zur 
letzten Ausstellung in Paris 1889 mit 60.000 Aus- 
stellern (rund 25 Millionen Besuchern und einem 
Beinertrag yon weit über 100 Millionen Frank). 
Und yor uns steht die in Zurüstung begriffene Welt- 
ausstellung in Chicago (1893), für welche man in 
kompetenten Kreisen auf 100000 Aussteller rechnet! 

Man sollte aus der raschen Folge dieser Welt- 
ausstellungen, aus der immer wachsenden Ziffer der 
Aussteller, aus der anschwellenden Summe yon aus- 
gestellten Werten und der stetig zunehmenden 
Menge yon Besuchern wohl den Schluss ziehen dür- 
fen auf ein Bedürfnis solcher allgemeinen Ausstel- 
lungen, auf eine stetige Erweiterung des Ideenkreises, 
dem sie ihre Entstehung yerdanken, und auf die 
richtige Erfassung ihrer hohen Bedeutung für unser 
ganzes Kulturleben! Dennoch fehlt es nicht an — 
wenn auch yereinzelten — Stimmen, die jenen 
großen Ausstellungen ihren Wert mindern, die ihre 
Bedeutung abschwächen, ja ihre Berechtigung in 
Zweifel ziehen mochten, und man weist neuerdings 
mit Nachdruck auf die Thatsache hin, dass, nament- 
lich für die außerdeutschen Ausstellungen, im Reiche 
selbst eine unyerkennbare Ausstellungsmüdigkeit 
sich geltend mache. 

Die Thatsache mag zugegeben werden, so 
schwer es einem deutschen Patrioten ankommen 
piuss, zu gestehen, dass die deutsche Großmacht da- 



mit auf eine der Hauptstützen ihres hohen Ansehens 
zu yerzichten scheint. Es gilt nun, die Gründe 
dieser unliebsamen Erscheinung zu erfassen, wo mög- 
lich zu beseitigen! 

Dieselben liegen wesentlich in den Misserfolgen, 
unter denen namentlich die deutsche Industrie auf 
einigen der letzten großen Ausstellungen, sowie auf 
yerschiedenen kleineren Ausstellungen der jüngsten 
Zeit (Port-Alegre, Antwerpen, Brüssel, Kopenhagen), 
zu leiden hatte. Misserfolge trotz einer Gedi^en- 
heit der industriellen Erzeugnisse, die sie mit den 
Schöpfungen jedes anderen Staates durchaus konkur- 
renzfähig machte! 

Woher also jenes Ausbleiben des wohlyerdienten 
Erfolges? Es sind schwere Mängel unseres ganzen 
Ausstellungssystems, die wir mit jener Schuld be- 
lasten müssen. Vor allem partizipirte die Staats- 
regierung an derselben; denn man darf der früheren 
Regierung den Vorwurf nicht ersparen, dass sie die 
Wichtigkeit der Weltausstellungen weder in Rück- 
sicht auf die Industrie des deutsches Landes, noch 
auch — was yerhängnisyoller war — auf die Ghroß- 
machtstellung des Reiches genügend erkannt hat. 
Freilich gab es ja auch Interessentenkreise im Inlande, 
welche mit dieser Haltung der Staatsregierung wohl- 
zufrieden waren. So hatte besonders der „Central- 
yerband der Großindustriellen*, welchen die frühere 
Regierung bedauerlicherweise als die eigentliche 
oder wesentliche Verkörperung unserer Industrie an- 
sah, ein lebhaftes Interesse daran, nicht durch Förde- 
rung der für sie naturgemäß kostspieligen Aus- 
stellungen jüngeren strebsamen Gewerbetreibenden 
den Weg zur Großkonkurrenz zu erschließen. Die 
Regierung stand infolgedessen den Weltausstellungen 
„kühl bis ans Herz hinein" gegenüber: sie entnahm 
der gewaltig arbeitenden und 'ringenden Industrie 
zwar ungeheure Mittel för die Bedürfnisse des neuen 
Reiches, enthielt sich aber einer Unterstützung der- 
selben auf dem Ausstellungsgebiete bis zu einem 
wahrhaft peinlichen Grade. 

Diese Gleichgültigkeit und Zurückhaltung wirkte 
natürlich auf die deutsche Industrie erkaltend zu- 
rück. Auch die patriotischsten und opferwilligsten 
Industriefirmen wurden bedenklich, ob unter diesen 
Umständen eine kostspielige und in jeder Hinsicht 
riskante Beschickung der Weltausstellungen yon 
Philadelphia, Paris, Sydney, Melbourne u. s. w. zu 
wagen sei — geschweige denn die kleineren und 
die selbstsüchtigeren Häuser! So konnte es nicht 
ausbleiben, dass Deutschland in Philadelphia (1875) 
kein auch nur annähernd getreues Bild seiner 



DIE DEUTSCHE WELTAUSSTELLUNG DER ZUKUNFT. 



87 



Industrielage bot, dass Paris (1878) nur seitens der 
deutschen Kunst beschickt wurde, dass in Sydney 
(1879) nur 723 deutsche Aussteller erschienen, dass 
Melbourne infolge der beschränkten Mittel einen 
nur kleinen Erfolg f&r die Aussteller brachte u. s. w. 
— ein großer ideeller und materieller Verlust für 
das neue deutsche Reich, das alle Ursache gehabt 
hätte, sein Wollen und Können auch auf friedlichem 
Gebiete überzeugend darzuthun, seine Großmacht- 
stellung auch im Welthandel und in der Weltwirt- 
schaft fest zu begründen! 

Trägt somit die frühere Reichsregierung ihr 
volles Maß von Verschuldung an jenen Misserfolgen 
der deutschen Industrie, so darf doch auch der In- 
dustrie selbst eine Mitschuld nicht abgesprochen 
werden. In unserer Welt> wo der „schöne Schein" 
regiert, genügt es nicht, etwas Tüchtiges zu sein und 
zu können — man muss auch im stände sein, den 
inneren Wert äußerlich zur Geltung zu bringen. 
Und hier hat es den deutschen Ausstellern vielfach 
gemangelt! Unsere Ausstellungsgegenstände konnten 
sich beispielsweise mit den entsprechenden fremd- 
ländischen durchaus messen, aber diese waren in 
überaus geschmackvoller, das Auge bestechender 
Weise arrangirt, ausgeschmückt und zur Geltung 
gebracht, wahrend die deutschen zum Teil unge- 
schickt, oft knauserig aufgestellt, das Interesse der 
Besucher weder anzuziehen noch zu fesseln ver- 
mochten und dann im Verlaufe der Ausstellung 
durch Vernachlässigung vollends derart an Ansehen 
verloren, dass ein merkantiler Erfolg geradezu un- 
möglich wurde und das Ansehn Deutschlands im 
Auslande wahrlich keine Stärkung erfuhr. 

Durch Vernachlässigung? Jawohl! Und hier liegt 
ein fernerer verhängnisvoller Grund zu den Miss- 
erfolgen der deutschen Industrie auf den großen 
Weltausstellungen.. Die deutschen Industriellen, sonst 
so soi^sam, so ängstlich gewissenhaft, so wählerisch 
in der Auslese ihrer Helfer und Werkzeuge, über- 
gaben mit einer unglaublichen Vertrauensseligkeit 
die wertvollsten Ausstellungsgegenstände und die so 
hochwichtige Vertretung ihrer Interessen im frem- 
den Lande fast ausnahmslos der ersten besten unbe- 
kannten Firma daselbst, die für das ihr geschenkte 
Vertrauen meist nicht die geringste Garantie zu 
bieten vermochte, vielmehr sich darauf beschränkte, 
ihre Spesen einzustecken, und die anvertrauten Waren 
sich selbst überließen. Die notwendige Folge war 
dann, dass die Waren verschmutzten, unscheinbar 
wurden, bis zur Wertlosigkeit verloren und — un- 
verkäuflich, wie sich von selbst versteht — wenn 

Knnstgewerbeblatt. N. F. III. 



überhaupt noch,' so gewiss in traurigstem Zustande 
an ihre Eigentümer zurückgelangten. 

Ist so im einzelnen das Misslingen einer Aus- 
stellung häufig der mangelhaften Auswahl der Ver- 
treter zuzuschreiben, so im ganzen der Misserfolg 
einer Ausstellung der unverantwortlichen Leitung 
derselben durch ungenügend qualifizirte und von 
keiner Behörde oder Regierung eingesetzte und über- 
wachte Entrepreneure, die sich durch Beilegung des 
Titels „Kommissar" den fehlenden amtlichen Cha- 
rakter selbst zu geben suchten. Einzig bemüht^ 
sich bei der pomphaft angepriesenen Unternehmung 
die Tasche zu füllen, verleugnen sie jedes Interesse 
an dem Wohl und Vorteil der Aussteller, an dem 
guten Ruf einer nationalen Industrie und fQgen so 
den unglücklichen Industriellen nicht nur völlig un- 
bekümmert die größten Verluste zu — Herr von 
Stumm büßte beispielsweise gelegentlich der Brüsse- 
ler Ausstellung rund 100000 Mark ein — sondern 
bereiten großen industriekreisen durch grobe Ver- 
nachlässigung von deren Interessen einen dauernden 
Nachteil ! 

Auch diese Einbuße den Ausstellern zu er- 
sparen, hätte die frühere Regierung unseres Er- 
achtens nicht nur die Möglichkeit, sondern auch 
die Pflicht gehabt; durch Vernachlässigung der 
letzteren fügte sie der Industrie des Landes einer- 
seits schweren Verlust zu, andererseits schwächte 
sie das so unschätzbare nationale Empfinden be- 
teiligter Kreise und degradirte den industriellen 
Ruhm des eigenen Landes! 

Einen Beweis von der Erkenntnis ihrer bis- 
herigen falschen Haltung gegenüber den Weltaus- 
stellungen scheint die Staatsregierung neuerdings 
in ihren Maßnahmen bezüglich der Ausstellung von 
Chicago liefern zu wollen, für welche sie mit der 
Vertretung der Interessen der deutschen Industrie 
bekanntlich ihren erfahrensten und bewährtesten 
Kommissar mit größerer VoUmacht und reicheren 
Mitteln ausgerüstet hat So dankenswert das in 
diesem einzelnen Falle ist, so genügt es doch nicht, 
um den Bedürfhissen unserer nationalen Arbeit 
dauernd abzuhelfen: hier kann nur eine umfassende 
und gründUche Reform, eine systematische Behand- 
lung des gesamten deutschen Ausstellungswesens 
Heilung bringen! 

Der Staat darf hinfort die Vertretung des deut- 
schen Reiches auf industriellem und künstlerischem 
Gebiete dem Auslande gegenüber nicht wieder dem 
Zufall überlassen. Die deutsche Arbeit darf nicht 
wieder an der Gleichgültigkeit der Staatsleitung, an 

14 



88 



DIE DEUTSCHE WELTAUSSTELLUNG DER ZUKUNFT. 



der mangelhaften Routine in der organisatorischen 
Thätigkeit, an dem Missbrauch ihres Vertrauens 
seitens unbefahigter oder gewissenloser Vertreter, 
mit einem Worte: an der Wiederholung der bisher 
im Ausstellungswesen gemachten bitteren Erfah- 
rungen scheitern! Der nationalen Lidustrie muss 
vielmehr durch eine rasche, systematische und ener- 
gische Kräftigung seitens des Staates die Gewähr 
geleistet werden, dass man ihre Interessen ebenso 
ernst und gewissenhaft ins Auge fasst und wahr- 
nimmt, wie alle anderen auf dem Gebiete unseres 
Staatslebens. Das Kolonialwesen ist — um ein Bei- 
spiel heranzuziehen — wahrlich nicht wichtiger als 
die erfolgreiche Beteiligung des deutschen Reiches 
an Welthandel und Weltwirtschaft! 

Als ein praktisches iind durchgreifendes Mittel 
zur Besserung der erwähnten Schäden dürfte sich 
folgende, mit verhältnismässig geringen Mitteln zu 
beschaffende Organisation des Ausstellungswesens 
dringend empfehlen: 

Ffniwwrf zu einer Organisation des deutschen 

Aussteüungswesens. 

Ähnlich wie füa die Kolonien eine Kolonialabteilung 
im Auswärtigen Amte gebildet worden ist, müsste für das 
gesamte deutsche Ausstellungswesen im Beichsamt des 
Innern eine Ausstellungsabteilung geschaffen werden, mit 
einem vortragenden Rate an der Spitze, dem als Reichskom- 
missar dauernd die Vertretung der Interessen deutscher 
Industrie und Kunst auf den Weltaussiellungen zu Über- 
weisen wäre. 

Diesem Reichskommissar würde, um jedem Missgriff 
auf so weitem und genaue fachmännische Einsicht erfor- 
derndem Gebiete vorzubeugen, ein je nach Bedürfnis ein- 
oder mehrmal jährlich zusammentretender Rat von etwa 
hundert Vertretern der deutschen Industrie, Kunst, Kunst- 
gewerbe und Landwirtschaft beizugeben sein, die, aus allen 
Teilen des deutschen Reiches (durch die bestehenden Kor- 
porationen, wie die Kunst- «und Berufsgenossenschaften, 
Gewerbevereine, Handelskammern, Industrieverbände u.s.w.) 
erwählt, eine volle Einsicht in die Verhältnisse deutscher 
Arbeit und ihrer Bedürfhisse gewährleisten. 

Dieser größere Rat würde dann aus seiner Mitte einen 
geschäftsführenden Ausschuss zu wählen haben, der, in 
steter Verbindung mit den Regierungen, alle das Aus- 
stellungswesen betreffende Angelegenheiten zur Kenntnis zu 
nehmen und dieselben, unter Benutzung aller bisher ge- 
machten und in wertvollen Ausstellungsberichten und Denk- 
schriften niedergelegten Erfahrungen, in gewissenhafter und 
energischer Weise zu fordern haben würde. 

In dieser Organisation dürfte von besonderer Wichtig- 
keit ein dem Reichskommissar unterzuordnender, kaufmännisch 
vorgebildeter, praktisch gewandter, sprachenkundiger Be- 
amter werden, der als ständiger Schriftführer, aus seinen 



bei Ausstellungen im Auslande gemachten Erfahrungen 
heraus, dem Reichskommissar als Mittelsperson mit der 
kaufmännischen und industriellen Welt zu dienen hätte. 

Diesen beiden Beamten, wie der ganzen Ausstellungs- 
abteilung würde sich alsbald ein weites Feld der Thätigkeit 
erschließen: über alle größeren Ausstellungen wäre ein aus- 
führliches statistisches Material zu beschaffen. Man würde 
sich zu diesem Behufe nicht auf die Kenntnisnahme der im 
übrigen wertvollen offiziellen Ausstellungsberichte beschrän- 
ken dürfen, vielmehr selbständige Informationen in den be- 
teiligten Kreisen erwerben, alle Materialien sorgßLltig stu- 
diren und die gewonnnenen Resultate zweckmäßig und 
planvoll geordnet, dem allmonatlich zu berufenden „Ge- 
schäftsführenden Ausschusse" vorlegen müssen. Der Aus- 
schuss hat dann (in Form von regelmäßig oder zwanglos 
erscheinenden gedruckten Mitteilungen) seine ab- oder zu- 
ratende Ansicht dem „Ausstellungsrate" bekannt zu geben, 
welcher seinerseits die Pflicht hat, in den verschiedenen 
Landesteilen den ihm nahestehenden Korporationen u. s. w. 
bei jedem Ausstellungsprojekt eine Empfehlung oder Warnung 
zugehen zu lassen. 

Neben dieser Thätigkeit der „Ausstellungsabteilung^ 
müsste aber die Fürsorge für die Industrie noch weiter dar- 
gethan werden durch die Bildung einer Ausstellungsschule. 
Zunächst etwa zehn mit Intelligenz, kaufmännischer Vor- 
bildung und genügender Sprachenkenntnis ausgerüstete 
Herren müssten erwählt und mit der Aufgabe betraut 
werden , im Auslande die Erwerbs- und Industrieverhältnisse 
im Gegensatz zu denjenigen des deutschen Reiches genau 
zu studiren, den Geschmack und die Bedürfnisse des Aus- 
landes sachgemäß zu erforschen, die Art ihrer Befriedigung 
zu erkunden; sie würden dann, im engen Einvernehmen 
mit der „Ausstellungsabteilung*' und dem Kommissar, die 
berufenen, vertrauenswerten Vertreter der deutschen In- 
dustrie auf jeder neuen Ausstellung sein und eine Korpora- 
tion heranbilden, die unter den genannten umständen die 
Aussteller vor Schaden bewahren, ihre Interessen sachver- 
ständig und pflichtgemäß fördern, unter der Autorität des 
Staates jedem Missbrauch vorbeugen und in den Kreisen 
der nationalen Industrie neues Vertrauen, neuen Unter- 
nehmungsgeist wachrufen würde. 

So, und nur so, glauben wir, wird hinfort die 
deutsche Arbeit im Auslande gesichert, die Beteili- 
gung unseres Volkes am Welthandel erleichtert! So, 
nur so, glauben wir, wird auch im Innern des Lan- 
des ftir die deutsche Weltausstellung der Zukunft die 
feste Basis geschaffen, auf welcher dem Reiche seine 
hohe Machtstellung auch auf merkantilem Gebiete 
gesichert, auf welcher unserer Industrie ein großer 
kultureller Erfolg aus dem friedlichen Wettstreit der 
Völker verbürgt und auf welcher die gesamte deut- 
sche Nation zur gemeinsamen Arbeit yereinigt wird, 
um dadurch endlich allen Parteihader, alle EeHgions- 
fehde und alle partikularistischen Bestrebungen zu 
vergessen ! 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



KUNSTLITTERATUR. 

X. Aus Anlass der Eostümausstellnng des Osterreichi- 
schen Museums in Wien, die im vergangenen Jahre statt- 
fand, erscheint gegenwärtig bei J. Lötpy in Wien ein Licht- 
druckwerk, das die interessantesten Stücke jener Ausstellung 
vorführen soll. Es sind drei Abteilungen geplant, historische 
Kostüme, Volkstrachten, Nationaltrachten. Das ganze Werk 
soll etwa 50 Lichtdrucktafeln (45 X 33 cm) umfassen, die 
in zehn Einzel- oder fünf Doppellieferungen von je fünf 
Oulden oder zehn Gulden ersdieinen werden. Außerdem 
sollen jeder Lieferung ein paar Schnitttafeln beigegeben 
werden. Die erste Doppellief ernng, die uns vorliegt, bringt 
sechs historische Blätter, zwei Blätter mit österreichischen 
Volkstrachten und zwei mit Darstellungen fremder Nationa- 
litäten, zwei Schnittblätter und drei Tafeln Text. Wir kom- 
men auf das interessante Werk zurück, sobald es weiter 
vorgerückt sein wird. 

AUSSTELLUNGEN. 

2). Karlsruhe. Zur Feier des Regiemngsjubiläums des 
Großherzogs veranstaltete die Kunststickereischtde des Ba- 
dischen Frauenvereins in den Räumen derselben eine Aus- 
stellung alter Stickereien, die uns einen Überblick über das 
gesamte SchafPensgebiet dieser höchst interessanten Kunst- 
technik, von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, bietet. 
Unsere Stadt besitzt dadurch, wenn leider auch nur auf ganz 
kurze Zeit, ein reichhaltiges und sorgfältigst gewähltes Textil- 
museum. Aus dem Privatbesitz des Großherzogs erblicken wir 
eine Anzahl Prachtgewänder, aus Lyoner Brokatstoff der Epoche 
Ludwigs XIV. und in reichster Gold- und Silberstickerei, da- 
runter auch den Hochzeitsrock des Markgrafen Karl Friedrich, 
ein Juwel kunstreicher Arbeit der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderte, und einen im Charakter der japanischen Hofge- 
w&nder gehaltenen, reichgestickten Schlafrock. Aus der 
gleichfalls Sr. kgl. Hoheit gehörenden bekannten Kunsteamm- 
lung des verstorbenen Malers Gümbel in Baden eine in Platt- 
stich reichgestickte, mit Streublumenmuster in feinster Far- 
benwirkung dekorirte Bettdecke von seltener Größe, dem 
Ende des 17. Jahrhunderts angehörend, deren Borte in fein- 
ster petit-point-Technik ausgeführt ist und eine Anzahl mittel- 
alterlicher (spätgotischer) figürlicher Reliefstickereien in Platt- 
stich, Darstellungen religiösen Lihalts, von Messgewändem 
und Rauchm&nteln stammend, femer die schwungvoll aus- 
geführte Silber- und Plattstichstickerei eines Betthimmels 
mit Lambrequins im Rokokostile (Ludwig XV.). Von der 
Frau Großherzogin sind ausgestellt: ein von Männern gestickter 
indischer Vorhang, die Nachahmung einer in Edelsteinmo- 
saik ausgeführten, einen Blumenhain darstellenden Wand- 
nische, die sich in dem Prachtbau des Mausoleums zu Agra 
— zu dessen Veranschaulichung eine Anzahl Photographien 
dienen — befindet. Dann eine Brieftasche in reichster Stickerei 
von Gold und echten Perlen, ein Geschenk des Schah von 
Persien an Ihre königliche Hoheit und eine kostbare alt- 
französische Spitze, sog. Point de France aus der Blütezeit 
dieser Technik in Frankreich, der Epoche Ludwigs XFV. 
stammend. Von der Prinzessin Wilhelm eine in persischem 
Stile mit umlaufendem Tierfries gehaltene Tischdecke in 
Seiden- und Silberstickerei auf Sammetgrund und von dem 
Fürsten von Hohenzollern aus dessen kostbarer Eunstsanun- 



lung auf Schloss Sigmaringen eine Kollektion in Plattstich 
mit Reliefstickerei kunstreich verfertigter spätgotischer Ante- 
pendienteile mit figürlichen Szenen aus dem neuen Testa- 
ment, ganz hervorragende Prachtwerke feinster Nadelma- 
lerei, offenbar niederländischen Ursprungs und im Stile und 
der Ausführung den burgundischen Prachtgewändem vom 
Ornat des goldenen Vließes im Wiener kaiserl. Museum sehr 
verwandt. Eines der kostbarsten Stücke der Ausstellung 
entstammt dem Besitze des Fürsten von Fürstenberg. Es ist 
dies ein seit alters der Familie gehörendes, in venezianischer 
ä jour-Technik des 16. Jahrhunderts von farbigen Nähspitzen 
mit Gold und Silber kunstvoll gearbeitetes Taufzeug, dessen 
Hauptstück eine Decke bildet. Die Pfarrkirche zu Rastatt 
lieh einen in Gold und Ghenille gestickten Baldachin aus 
der Zeit der letzten Markgräfin von Baden-Baden, Maria 
Viktoria von Arenberg (1735—93), und deren reich verzier- 
tes Monogramm tragend; die Schlosskirche daselbst (ein viel 
zu wenig bekanntes Kleinod des Rokokostils) ein von der 
Vorgängerin der vorigen, der Gemahlin des Türkenludwig, 
Augusta Sibylla von Sachsen-Lauenburg, eigenhändig gear- 
beitetes Messgewand mit Stola und Manipel, eine ganz eigen- 
artige Applikationsstickerei in Häkeltechnik mit Gold. Eine 
wertvolle Bereicherung erhielt die Ausstellung durch eine 
große Kollektion nationaler osteuropäischer Hausfleißarbeiten 
aus dem österreichischen Museum in Wien. Es sind kunst- 
volle, in den verschiedensten Techniken ausgeführte Sticke- 
reien fast aller Völkerschaften der vielsprachigen habsbur- 
gischen Monarchie, insbesondere aus deren sla vischen Ge- 
bieten, die bekanntlich auf diesem häuslichen Kunstgebiete 
besonders ezcelliren. Auch das hiesige Kunstgewerbemuseum 
hat aus der jüngst erworbenen Krauthschen Sammlung rei- 
zende Muster von alten Stickereien beigesteuert und ebenso 
▼erschiedene Private höchst interessante Stücke, unter denen 
wir, als Kuriosa, die auf Papier in farbigem, feinstem Platt- 
stich doppelseitig gestickten Bildchen, Arbeiten aus Nonnen- 
klöstern, besonders hervorheben wollen. Der künstlerische 
Beirat der Anstalt, Professor Bär, hat gleichfalls aus seiner 
auserlesenen Privatsammlung die schönsten Stücke, die ver- 
schiedensten Techniken und Stilgattungen repräsentirend, 
der Ausstellung zur Verfügung gestellt, darunter besonders 
zu erwähnen eine prachtvolle spanische Applikationsarbeit, 
eine deutsche Klosterarbeit in Gobelinstich, ein Taufkissen- 
bezug mit wundervoller Seidenstickerei in Plattstich aus der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts. Zum Schlüsse wäre noch 
die Ausstellung der reichhaltigen gewählten Sammlung der 
Kunststickereischule selbst zu erwähnen, deren Begründung 
und Weiterführung bekanntlich der Güte und Fürsorge der 
hohen Protektorin derselben, der Frau Großherzogin, ver- 
dankt wird. Auch sie enthält, ähnlich wie die oben bespro- 
chene des österreichischen Museums, vorwiegend kunstreiche 
Werke nationaler Hausindustrie fast sämtlicher Kulturländer, 
meist Geschenke der Fürstinnen jenet Gebiete. Da diese 
Kollektion schon voriges Jahr, gelegentlich ihrer ersten Aus- 
stellung, an dieser Stelle eingehend besprochen wurde, können 
wir sie hier übergehen und uns darauf beschränken, den 
neuen, der Frau Kronprinzessin von Schweden und Norwegen 
gelegentlich ihres vorjährigen Aufenthalts in Ägypten ver- 
dankten, wertvollen Zuwachs derselben in Kürze zu be- 
sprechen. Zuerst die höchst interessanten Reste koptischer 

14» 



90 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Gewänder aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, 
Verzierungen von Wollwirkereien auf Leinenstoffen aus den 
Gräbern von £1 Akhmln stammend. Dann einige Stücke in 
byzantinischem Stile gehaltener Zopfstichstickereien der grie- 
chischen Inseln, aus dem A'usgang des Mittelalters, per- 
sische und indische Wirkereien, und eine hübsche Auswahl 
neuerer orientalischer, kunstreicher Stickereien, zumeist Ha- 
remsarbeiten in persischer oder maurischer Stilisirung. 

SCHULEN UND MUSEEN. 

— Pforxheim. OroßkerxogL Kunstgewerbescfmle. Mit 
Beginn des Schuljahres hat sich eine Erweiterung der An- 
stalt als dringend notwendig gezeigt; eine größere Anzahl 
Anmeldungen zum Eintritt musste abgewiesen werden. Die 
ganze Schülerzahl betrug 243 gegen 236 im Vorjahr. Mit 
Rücksicht auf diesen dauernden Fortbestand der hohen Fre- 
quenz und die Weiterentwickelung der Anstalt hat auf 
Grund neuer Vereinbarungen zwischen der Großh. Regie- 
rung und der Stadtgemeinde Pforzheim der Bürgerausschuss 
am 17. August 1891 beschlossen, fOr die Gewerbeschule, 
welche sich in ein und demselben Gebäude mit der Kunst- 
gewerbeschule befindet, ein besonderes Gebäude zu errichten 
und der Kunstgewerbeschule das ganze Kunstgewerbeschul- 
gebäude zu überlassen. Der Neubau der Gewerbeschule soll 
im Oktober 1892 vollendet sein. In diesem Jahre haben 
ebenfalls wieder frühere Schüler, nachdem sie die Anstalt 
während drei Jahren besucht hatten, zu ihrer weiteren Aus- 
bildung an einzelnen Unterrichtsfächern teilgenommen. Aus 
Mitteln der Knnstgewerbeschulstiftung sind in diesem Jahr 
M. 55 fttr Prämien und M. 530 fBr Stipendien verausgabt 
worden. Die Sammlungen sind auch in diesem Jahre er- 
weitert worden durch Ankäufe von Vorlagenwerken und 
Modellen, letztere bestehend in Gipsabgüssen allgemeiner, 
omamentaler und figuraler Darstellungen, in kunstgewerb- 
lichen Modellen in Metall, in Schmuckgegenständen und in 
Naturgebilden, konservirten Pflanzen und Blumen und aus- 
gestopften Vögeln. Studienreisen der Lehrer haben reiche 
Gelegenheit geboten zu zweckentsprechenden Erwerbungen. 
Außerdem sind Anschaffungen gemacht worden in einzelnen 
kunstindustriellen Ateliers in Stuttgart, München und Wien. 
Aus den Zinsen der Kunstgewerbeschulstiftung sind hiezu 
vom Stadtrat 650 Mark bewilligt worden. 

Dresden. Kgl. Kunstgetcerbesckule und Kunstgewerbe- 
museum. (Bericht über die Schu^ahre 1889—1891.) Seit 
dem Erscheinen des letzten Jahresberichtes machten sich 
wiederum verschiedene Änderungen des Lehrplanes nötig. 
Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Malens nach der 
Natur hielt die Direktion eine Erweiterung desselben auch 
in der Abteilung für Buntdruck, Lithographie und Porzellan- 
malerei für geboten und führte deshalb einen wöchentlich 
vierstündigen Abendunterricht im Aktzeichnen, sowie eine 
Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtszeit für das Natur- 
malen von sechs auf zehn Stunden ein. Dagegen wurde die 
Unterrichtszeit für das OmamentmaJen von zehn auf sechs 
Stunden herabgesetzt. Der starke Andrang zur Abendschule 
machte in dieser Abteilung im Januar 1890 die Gründung 
einer Vorbereitungsklasse för Omamentzeichnen nötig, so- 
wie im März 1891 die Einrichtung einer zweiten Modellir- 
abteilung. Auch in den letztvergangenen Semestern und be- 
sonders des Winters war der Besuch der Tagesabteilung der 
Kunstgewerbeschule ein so bedeutender, dass nicht alle An- 
meldungen berücksichtigt werden konnten. Die Zahl der 
Schüler betrug 214, die von 22 Lehrern unterrichtet wurden. 
Als Lehrmittel dienen: Die Büchersammlung, die Vorbilder- 
sanmilung und die Omamentstichsammlung der Bibliothek, 



das Kunstgewerbemuseum, die Sammlung der Gipsabgüsse, 
die Sammlung von Unterrichtsmitteln (für den unmittelbaren 
Gebrauch), die Sammlung von Schülerarbeiten, das lebende 
Modell, Exkursionen zum Studium und zur Aufnahme von 
Kunstwerken und Naturgegenständen. Über die zweite Ab- 
teilung des Instituts, das Kunstgewerbemuseum, äußert sich 
der Bericht wie folgt: Die Zwecke des Königl. Kunstgewerbe- 
museums sind vorwiegend praktische, d. h. es werden nur 
solche Gegenstände gesammelt, welche nach ii^end einer 
Richtung für die heimische Industrie als Vorbild oder Stu- 
dienmaterial dienen können. Das Hauptgewicht wird hier- 
bei natürlich auf die in Sachsen besonders vorherrschenden 
kunstgewerblichen Zweige gerichtet sein. Dagegen enthält 
sich das Museum des Ankaufes aller derjenigen Objekte, die 
bloß kunstgeschichtlichen oder geschichtlichen Wert besitzen, 
namentlich aber alles Raritätenartigen. Um die für Erwer- 
bungen vorhandenen Geldmittel zu schonen, ist das Museum 
nicht immer in der Lage, nur Echtes zu kaufen, sondern 
begnügt sich dort, wo dieses entweder nicht zu erlangen 
oder zu teuer ist, mit guten Kopien. Doch wird darauf ge- 
sehen, dass namentlich zum Studium der Technik durch 
Vergleichung mit echten Gegenständen das Verständnis der 
Kopien ermöglicht werde. Den im Königreiche Sachsen vor- 
herrschenden Industrien entsprechend, sind es folgende Ge- 
biete, die das Museum vorzugsweise kultivirt: Textilindustrie 
(Stoffe, Tapeten, Spitzen, Posamente, Stickereien aller Art, 
Buntpapiere), Keramik (Ofen, Thonwaren, Porzellan, Glas), 
architektonisches Kunstgewerbe (Tischlerei, Schlosserei, Edel- 
metallbearbeitung, Gießerei, Buchbinderei), Dekorationsma- 
lerei. Die Bibliothek bietet in den illustrirten Werken Er- 
^jizungen zum Museum. Das Museum wurde 1889/90 von 
9002 (3096 Schulangehörigen), 1890/91 von 10196 (3017) Per- 
sonen besucht Der Bestand der Sammlung betrug am 
1. Oktober 1891 25492 Objekte. Der Besuch der Bibliothek 
hat sich auch Während der beiden letzten Jahre gesteigert. 
Wie aus nachstehenden Aufstellungen hervorgeht, wurden 
gezählt: 1889/90 25510 Personen (18358 oder 70,8% Schul- 
angehörige, 7152 oder 29,2% Fremde); 1890/^91 24945 Per- 
sonen (17671 Schulangehörige, 7274 Fremde). Die Zahl der 
benutzten Objekte belief sich dabei auf 1889/90 57393, 
1890/91 60480. Der Bestand betrug am 1. Oktober 1891 
5248 Werke, 71572 Vorbilder und 18013 Omamentstiche. 

— Nürnberg. Dem ausführlichen Jahresbericht des 
Bayerischen Oewerbemuseums entnehmen wir, soweit es sich 
um die Bestrebungen zur Förderung des Kunsthandwerks 
seitens des Museums handelt, folgendes: Das Jahr 1891 steht 
unter dem Zeichen des Museumsneubaues. Mit der ^m 
19. Dezember 1891 in der bayerischen Kammer der Abge- 
ordneten mit Einstimmigkeit erfolgten und demnächst auch 
in der Beichsratskammer zur Beschlussfassung gelangenden 
Bewilligung der 850000 Mark, welche das Königl. Staatsmi- 
nisterium in wohlwollendster Weise für die Ausführung der 
im Frühjahre eingereichten Pläne zu einem Museumsneubau 
in den Etat eingestellt hatte, hebt in der Geschichte des 
Bayerischen Gewerbemuseums eine neue Epoche an. Die von 
Jahr zu Jahr drückender werdende Sorge um die Zukunft 
der Anstalt hat dem Gefühle unbedingter Hoffnungsfreudig- 
keit Platz gemacht. Es ist nun die Aufgabe des Baye- 
rischen Gewerbemuseums, mit allen seinen Kräften dahin zu 
wirken, dass die Worte, mit denen der Minister van Feilitxsch 
die Befürwortung der Forderung in der Kammer der Abge- 
ordneten schloss : „Möge dieser Bau unserem heimischen Ge- 
werbe für ewige Zeiten zu Nutzen und Frommen gereichen" 
in Erfüllung gehen. Es ist zu hoffen, dass schon im Früh- 
jahre 1892 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. — 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



91 



Die Mustersammlung hatte im vergangenen Jahre zu An- 
käufen nur 4000 Mark zur Verfügung und von dieser Summe 
gingen vorweg 1800 Mark als vorletzte Ratenzahlung für 
ein früher gekauftes Tafelwerk ab. Selbstverständlich konn- 
ten mit derart beschränkten Mitteln keine systematischen 
Ergänzungen der einzelnen Abteilungen der Sammlungen 
vollzogen werden. Immerhin sind aber einige recht wert- 
volle und höchst wünschenswerte Gegenstände durch Ge- 
legenheitskäufe erworben worden, so dass im ganzen 141 
Nummern zugeführt werden konnten, einschließlich einer 
Anzahl Geschenke. Die stetige wachsende Benützung und 
Thätigkeit der Einrichtungen der Vorbildersammlung nebst 
Zeichensälen samt zugehörigem Zeichenbureau ist auch in 
vergangenen Jahre aus der gesteigerten Frequenz derselben 
ersichtlich; der Besuch der Abteilung durch 10100 Personen 
weist gegen das Vorjahr eine Mehrung von 600 auf und zu 
bemerken ist, dass von dieser Summe wiederum sehr viel auf 
den Besuch der Zeichensäle, namentlich in den Abendstunden 
von 7— 9 Uhr entföUt. Die Ausleihungen von Vorbildern umfassen 
570 Fälle mit 6885 Blättern, während das Vorjahr 450 Posten 
mit 4532 Blättern zählte. Von den Ausleihungen treffen so- 
dann 58 Fälle mit 1250 Blatt nach auswärts. Ausleihungen 
aus der Schulabteilung fanden in 42 Fällen statt und um- 
fassten 144 Werke mit 4260 Blättern, sowie 85 Lehrmodelle. 
Die Erledigung von 75 Aufträgen, welche dem Zeichenbureau 
zugingen, machte 115 Blatt Zeichnungen (gegen 96 im Vor- 
jahre) nötig und berührte wieder fast sämtliche Gebiete des 
Kunstgewerbes. Für die Bayerische Gewerbezeitung, das 
Organ des Museums, hatte dasselbe in diesem Jahre 2248 
Mark aufzuwenden, wovon 1752 Mark auf Beschaffung der 
Klischees und Illustrationen und 385 Mark auf Honorare kom- 
men. Im Tausche gegen die Bayerische Gewerbezeitung 
wurden 44 Zeitschriften im Werte von 440 Mark erhalten: 
der Wert der eingeschickten Rezensionsexemplare beträgt 
ungefähr die gleiche Summe, öffentliche Vorträge wurden 
neun gehalten, Lehrvorträge sechs, Wandervorträge zehn. 
Das Reinvermögen des Museums beträgt 1051714 Mark. 

VEREINE UND VERSAMMLUNGEN. 

Karlsruhe. Badiseher Kunstgewerbeverein, In der Mo- 
natsversammlung vom 16. März waren etwa 80 Entwürfe 
zu Glasgemälden für die Münster in Bonn und Konstanz, 
den Dom zu Eichstätt, die Kirchen zu Laach und Haslach, 
das Schloss in Heiligenberg u. s. w. ausgestellt. Der Schöpfer 
derselben, Maler Fritz Geiger in Freiburg i/B., welcher vor 
kurzer Zeit ein Atelier für Glasmalerei eingerichtet hat, 
zeigt mit diesen Entwürfen eine ganz hervorragende Bega- 
bung gerade für dieses Gebiet. Es ist ihm wie wenigen ge- 
lungen, sich in die Auffassung und Darstellungsweise des 
Mittelalters hineinzuleben, ohne dabei die heutige Zeit zu 
vergessen. Die flott, einfach und sehr geschickt gemachten 
Farbstudien erfreuten sich der allgemeinen Bewunderung, 
sowohl auf der Monatsversammlung als bei den Besuchern 
des Kunstgewerbemuseums, in welchem späterhin die Ar- 
beiten einige Zeit ausgestellt waren. Das neu errichtete 
Atelier berechtigt zu den weitgehendsten Erwartungen und 
dürfte in der Geschichte der deutschen Glasmalerei künftig- 
hin eine hervorragende Rolle spielen. — Die auf der Monats- 
versammlung bezüglich der Ausstellung in Chicago geführ- 
ten Verhandlungen hatten ein gutes Ergebnis. Den durch 
den Vereinsvorstand veranlassten Einladungen zur Beteili- 
gung ist es zu danken, dass Baden mit seinem Kunstge- 
werbe auf der Weltausstellung durch unge^iir 70 Aussteller 
vertreten sein wird. 



AUKTIONEN. 

Die Sammlung Hamimer. Bei Lempertz in Köln wer- 
den wir für die nächsten Monate eine Reihe von Ver- 
steigerungen erleben, die an Umfang von keiner bisherigen 
seiner Auktionen erreicht werden und auch an Bedeutung 
hervorragend sind. Es ist die Sammlung Hammer aus 
Stockholm, allen Besuchern des „nordischen Venedig" in 
einzelnen Teilen wohl bekannt. Die Sammlung umfasst 
100000 Nummern: wohl die größte Privatsammlung der 
Welt. Nur in einem Lande, in welches während des 
dreißigjährigen Krieges unerhörte Schätze als gute Beute 
geschleppt sind, das sich später eines Jahrhunderte langen 
Friedens erfreute, wo in den wohlhabenden Familien sich 
alter Besitz lange erhielt, konnte eine derartige Fülle von 
Material zusammengebracht werden. Die Sammlung gliedert 
sich in folgende Teile: Altertümer und Gegenstände, die in 
der Erde gefunden worden sind; Bildhauerwerke; Waft'en; 
Gemälde; Zeichnungen und Kupferstiche; Kunstindustrie; 
Manuskripte und Drucksachen und endlich verschiedene 
Gegenstände, unter denen eine Münzen- und Medaillen- 
sammlung von mehr als 15000 Nummern sind. Man be- 
merkt ohne Mühe, dass von allen diesen Abteilungen die- 
jenige der Kunstindustrie der Zeit nach die erste und die 
hauptsächlichste Vorliebe des Sammlers gewesen ist. Die 
reiche Geschirrsammlung enthält allein an sächsischem Por- 
zellan eine historische Reihe von 249 Nummern, welche 
selbst den größten Gewerbemuseen Europas zur Zierde ge- 
reichen würden. Eine besondere Wichtigkeit haftet der 
Gruppe der schwedischen Fayencen an, welche, da sie die 
ältesten Zeitperioden umfasst, in der That die beträcht- 
lichste ist, welche existirt. Selbst die Waffenabteilung und 
die Sammlung der musikalischen Instrumental, zum Teil 
aus einer in Nürnberg gekauften Sammlung herrührend, 
sind für die letzten Jahrhunderte sehr reich. Die wichtigste 
Abteilung jedoch ist wohl die der Gold-, Silber- und Metall- 
arbeiten, welche allein 2333 Nummern umfasst. Schränke, 
Tische, Sessel reihen sich an und man findet demnach hier 
Proben der Kunstindustrie des 16. und 17. Jahrhunderts, 
welche in den Tagen des Ruhmes und der Macht des Landes 
nach Schweden gekommen sind. Im Vergleich mit diesen 
Schätzen sind die Werke aus den Gebieten der schönen 
Künste von minderer Wichtigkeit. Die große Bildhauerkunst 
ist kaum vertreten. Die niederländischen Schulen figuriren 
jedoch in der Sammlung mit 174 Gemälden , und es scheint 
diQ Privatgalerie der verstorbenen Königin Desideria eine 
gewisse Anzahl von Gemälden bedeutenderer Meister ge- 
liefert zu haben. Von den besseren Meistern sind die schwe- 
dischen Maler mit über 400 Nummern vertreten. Erwähnen 
wir schließlich die Handzeichnungen, die sich auf 10500 
Nummern belaufen, und die Kupferstiche mit ungefähr 
17500 Nummern, ohne eine Sammlung von mehr als 18000 
gestochenen Porträts oder Lithographien zu zählen. Diese 
großartige Sammlung dem Lande zu erhalten, ist leider 
nicht gelungen. Man sagt, H. Hammer habe dem Staat 
günstige Propositionen für die Erwerbung unter gewissen 
Bedingungen gemacht: Bau eines eigenen Museums und 
Ahnliches, der sei aber nicht darauf eingegangen. So wird 
denn auch diese Sammlung, die mit Liebe, Opfern und 
Kenntnissen und sicher nicht in Rücksicht auf einen etwai- 
gen Verkauf zusammengebracht war, in alle Winde zer- 
streut werden. Sicher werden dabei viele Stücke deutscher 
Herkunft in unser Land zurückkehren und hier hoffentlich 
hinfort eine dauernde Stätte in öffentlichen Sammlungen 
finden. Für die Verteilung der Versteigerungen selbst, deren 



^ 



92 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



mindestens 6—8 in möglichst kurzen Zwischenräumen auf- 
einander folgen sollen, ließ es sich nur bei den numerisch 
nicht gar zu umfangreichen Abteilungen einrichten, die- 
selben als ein geschlossenes Ganzes zur Auktion zu bringen, 
wie es mit der Waffensammlung geschieht, deren Katalog 
gleichzeitig zur Ausgabe gelangt ist. Aus dem in einzelnen 
Abt-eilungen geradezu massenhaft vorhandenen Material er- 
schien es als das Zweckmäßigste und Richtigste, in sich ab- 
geschlossene^ alle Gebiete der Kunstindustrie und der Kunst- 
handwerks umfassende einzelne Serien zu bilden bezw. das 
Ganze aus einer gproßen in] mehrere kleinere Sammlungen 
zu zerlegen, deren abwechslungsreiche Fülle allen Privat- 
liebhabem, namentlich aber auch den Gewerbemuseen, eine 
willkommene Gelegenheit zur Ausfüllung von Lücken 
bieten und für Händler eine reiche Fundgrube für 
wünschenswerte und vorteilhafte Erwerbungen bilden wird. 
Zunächst sind zwei Kataloge zur Ausgabe gelangt: die 
„Waffensammlung" und die „Kunstsammlung** IV Serie I. 
Die Waffensammlung, Versteigerung 23. bis 28. Mai, um- 
fasst über 1000 Nummern aus allen Gebieten des Wafien- 
wesens. Relativ wenig sind Rüstungsstücke vorhanden, da- 
gegen Hellebarden, Partisanen und Degen. In diesen Gruppen 
überwiegen zum Teil die Waffen schwedischer Herkunft, 
die sonst selten im Handel vorkommen. Auch hat der Be- 
sitzer stets auf gute Qualität gesehen und in der umfang- 
reichen Kollektion der Hofdegen des 18. Jahrhunderts — 
über 150 Stück — sind eine Anzahl außerordentlich schön 
gearbeiteter Stücke. Groß ist die Zahl der orientalischen 
Waffen, namentlich Säbel imd Dolche, wo Liebhaber eine 
reiche Ausbeute halten werden. Dass an Jagdzeug aller 
Art kein Mangel ist*, versteht sich von selbst; einer Anzahl 
schöner eingelegter Flinten sei besonders gedacht. Die erste 
Serie der Kunstsammlung bringt aus allen Gebieten etwas: 
sie umfasst 1337 Nummern und soll in vier Tagen (vom 
30. Mai bis 2. Juni) versteigert werden. Aus der Fülle des 
Materials ist wohl nicht das schlechteste ausgewählt und 
namentlich sind unter den schwedischen Faiencen ganz aus- 
gezeichnete Stücke. Da schwedische Faiencen überhaupt im 
Handel selten sind, so wird hier namentlich den Museen Ge- 
legenheit geboten, sich zu versorgen. Durch Beigabe einer 
Markentafel für die schwedischen Faiencen vrird der Katalog 
dauernd von Wert bleiben. Eine prächtige Kollektion von 
Meißener Porzellanen, namentlich Figuren in bester Qualität 
wird Liebhabern reiche Ausbeute gewähren. Über 200 Num- 
mern umfassen die Bijouteriearbeiten: in Gold, Email, Elfen- 
bein, Dosen, Uhren, Necessairen, Fächer, Schmuckgegen- 
ständen u. s. w. Unter der Silberarbeiten ragen eine An- 
zahl Rokokoarbeiten besonders hervor : eine prächtige Tafel- 
gamitur, ein fürstliches Geschenk, Kannen und Schalen, Po- 
kale und Becher des 16. und 17. Jahrhunderts meist deut- 
scher Marke sind in Massen vorhanden. Uhren, darunter 



einige schöne sog. Turmuhren, feine Bronzearbeiten, Eisen 
und Zinn schließen die Metallarbeiten. Eine Serie Möbel 
des 18. Jahrhunderts: Kabinette, Kommoden mit Bronzebe- 
schlägen, Konsolen, Wandschränkchen, Tischchen nnd Gue- 
ridons und alle die zierlichen Mobilien der Rokokozeit, 
heute besonders beliebt und gesucht, werden sicher gute 
Preise finden. Erwähnenswert ist noch eine Suite Gobelins 
mit mythologischen Darstellungen bester Qualitöt und eine 
kleine Anzahl Gemälde meist schwedischer Künstler, die den 
Schluss machen. 

BERICHTIGUNG. 

Zu dem Aufsatx : Zwei Fälschungen, (Kunstgewerbeblatt 
S. 59.) Marc Rosenberg hat im Hefte dieser Blätter eine 
interessante Notiz über zwei Gefäße veröffentlicht, welche 
im Werke „Chefs d'oeuvre d*orf6vrerie** erschienen und den 
Beweis erbracht, dass beide Stücke moderne Fälschungen 
sind, daher in einer Publikation, deren Zweck, Beispiele 
der Kunstthätigkeit vergangener Jahrhunderte anzuführen, 
keinen Platz hätten finden sollen. Da dies aber dennoch 
geschah, beweise es, dass die Verfasser die Fälschungen 
nicht erkannt haben. Als Mitarbeiter obengenannter Publika- 
tion verweise ich auf den die in Rede stehenden Gegen- 
stände begleitenden Text, wo nicht nur auf den Ursprung 
der Kanne hingewiesen, sondern — man kann schon nicht 
durchsichtiger — angedeutet ist, dass wir mit dem Ursprung 
derselben ganz im klaren waren. Der Ausdruck : „im Stile 
des . . . Jahrhunderts" im Gegensatz zu „aus dem . . . Jahr- 
hundert'' ist ebenfalls aus dem Grunde gewählt worden, um 
einen Unterschied, der zwischen guten alten und solchen, 
die mindestens zweifelhaft sind, machen zu können. Auch 
andere Objekte sind in dieser Weise charakterisirt. Was 
den Becher in Gestalt eines Adlers anbelangt, dürften mit 
neuen vielleicht auch einige alte Teile zur Verwendung ge- 
langt sein, daher die Beschreibung, diesem Umstand Rech- 
nung tragend, weniger präzis gehalten ist. Darin hat M. 
Rosenberg wahrscheinlich ganz recht, dass die Werkstätte, 
aus der diese beiden Geföße, samt vielen anderen hervorge- 
gangen sind, in Österreich-Ungarn zu suchen sei, — es ließe 
sich dieselbe beinahe mit Bestimmtheit bezeichnen. Eine 
andere Frage, einem Vorwurf nicht unähnlich ist die, warum 
die Verfasser, wenn sie die Fälschungen erkannt haben, 
selben in ihrem Werke Eingang gewährten? Ohne auf alle 
Nebenumstände, die bei der Zusammenstellung des Materials 
von Einfluss waren, näher eingehen zu wollen, soll hier nur 
so viel bemerkt werden, dass das Zustandekommen einer 
größeren Publikation von so vielen Faktoren bedingt ist 
und es bisweilen Umstände oder Rücksichten geben kann, 
welche beim besten Willen nicht außer acht gelassen werden 
können. Gesetzt den Fall, der Verleger wäre nicht geneigt, 
eine bereits fertige Platte wegzulassen? e. RADISICS. 




Neue Folge. III. 



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Verlag von E. A. SEEMANN in Leipzig. 



W. Schuitz-Engelhard, 

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Berlin IV., 

Schöneberger Ufer 40, 

Anfang April erscheint die erste Lieferung von 

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Der Herausgeber sagt u. a. in seinem Vor- 
worte: ^Nur wenige Werke dürften geeignet 
sein, wie das vorliegende jedem Arehitekten - 
und Dekoratenr Anregung zur Aussohmüokung 
modemer Wohnräume in solcher Fülle zu 
bieten." 

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Unterricht und Hausfleiss herausgegeben von 

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Versteig^ernng^ 

des Museums Christian Hammer, 

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Die erste Versteigerung des allbekannten Maseams Hammer in 
Stockholm findet in Köln durch den Unterzeichneten den 23. Mai 
bis 2. Juni 1892 statt. Dieselbe umfasßt: 

I. Die Wafifensammlung : Kriegs- u.jagdwaAen, 

Eüstungen, Oeräte etc., 1112 Nummern. 

II. Die Kunstsammlung I. Serie : Töpfereien. 

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lane, Arbeiten in Glas, Elfenbein u. Email, Clold u. Silber, Bronze, 
Eisen u. Zinn, Stein, Schildpatt. Perlmutter, Bernstein etc.; Textil- 
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Neue Folge. 111. 



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1892. Nr. 8. 



ALBUM DER RUINEN ROMS. 

Herausgegeben von 

Dr. Franz von Reber, ^*^ 

Direktor der Köiilgl. Bayr. Staatsgemäldegalerien and Professor an der Universität und der Technisclieo Hoehschaie zu München. 

Dag ,,A11:>iuii der Riiinen. Roms'* enthält 42 Ansichten und Pläne, sowie einen großen Plan 
der Ausgrabungen vom Jahr 1877. Die Ansichten sind fast sämtlich in mehrfarbigem Tondruck künstlerisch 
schön ausgeführt. In ihrer Gesamtheit bieten sie ein ungewöhnlich klares und anschauliches Bild der Trümmer aus 
dem klassischen Rom. Zwei von verschiedenen Standpunkten aufgenommene Ansichten des Forum Romanum 
zur Kaiserzeit führen außerdem diesen mit den herrlichsten Bauwerken geschmückten Platz des goldenen Rom 
deutlich vor. Sämtliche Darstellungegegenstände sind mit besonderer Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Kunst- 
denkmäler von dem Herausgeber selber, einem der hervorrag^endsten deutschen Kunsthistoriker der Gegenwart, 
gezeichnet, darum doppelt lehri-eich und als kunstwissenschaftliches Material wertvoll. Dennoch übertreffen die 
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kompl. geb. in 2 Halbfran^ibänden M. 150. — . 




Wettbewerb um eine Malemdirung. 

Der Verlecrer der Zeltsehrift fnr bildende Knni»t, fl. JS^. Seema.iin in Leipzig 

schreibt einen Wettbewerb zur Erlangung von 

Originalradü'iuigen 




aus und hat dafür zwei Preise, zu 



000 IVEark 



und 



300 Mlark 



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ausgesetzt. 

Zugelassen sind deutsche, österreichische und schweizerische Künstler. Die Wahl des Gegen- 
standes ist freigestellt, doch dürfen die eingesandten Arbeiten noch nirgends veröffentlicht sein. Die 
Bildgröße soll 17x24 cm nicht überschreiten, eine dieser beiden Abmessungen aber muss erreicht sein. 

Die EiaS6IldllBg hat bis spätestens zum L Oktober 1892 anonym an die Verlagsbuchhandlung 
von E. A. Sekmann in Leipzig zu geschehen. Von jeder Arbeit sind drei Probedrucke auf chinesischem 
Papier, nur mit KOIUlWOrt verschen, einzuschicken; es ist ein verschlossenes Couvert beizulegen, das außen 
das Kennwort trägt und den Namen und die vollständige Adresse des Urhebers enthält. Die Verlags- 
buchhandlung beabsichtigt, auSSCr den prämiirten Riidinmgen nocli weitere gute Arbeiten bei dieser Gelegen- 
heit zu erwerben. Durch die Preiserteilung werden die Originalplatten und Probedrucke aUSSCblieSS- 
liches Eiflentain der Verlagsbuchhandlung von E. A. Seemann. 

ßas Ergebnis der Konkurrenz wird öttentlich bekannt gemacht,, die preisgekrönten Arbeiten 
sollen im nächsten Jahrgang der Zeitischrift für bildende Kunst erscheinen. 

Das Preisrichteraint üben aus die Herren: 

Professor "William XJng'er in Wien, 

Professor J. "V^. Bei'gfer in Wien, 

Professor Kax^l Koepping- in Berlin, 

Professor Dr. C von Liitzo^v in Wien. 

E« A^m Seemanii in Leipzig. 




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Hierzu zwei B«*ilag(Hi der Direktion der internfttionaleu Ausgrabe des Porträts des Papstes Leo XIII« 

von Chartran /.u Paris. 



Üiack von August Pries in Leipzig 



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Wer heute in Deutecbland einen eigentumlichen 
oder fremden Geschmack bespricht, gerät leicht in 
den Verdacht, unser Kunstgewerbe in die Bahnen 
dieses „neuen Stils" lenken zu wollen. Noch ist 
unser nationales Empfinden so unsicher, dass manche 
glauben, alles Oute sei nur dazu geschaffen, dass es 
der Deutsche nachahme. Ganz im Gegenteil sollte die 
Erkenntnis einer fremden Eigenart uns lehren, um 
so entschiedener unser Eigentum herauszusuchen, 
festzuhalten oder zu entwickeln. Was wir im folgenden 
empfehlen wollen, sind die Tendenz und der Geist des 
englischen Geschmacks, nicht die einzelnen Formen; 
diese sind vielmehr dem deutschen Gefühl zum Teil 
Bchnurstracks entgegen. 

Bekanntlich beruht das heutige englische Kunst- 
gewerbe, ebenso wie das deutsche, auf einer bewuss- 
ten Reform, welche zunächst an die Weltausstel- 
lungen anknQpfte. England ist die Wiege dieser 
Bestrebungen; auf der ersten Ausstellung zu London 
im Jahre 1851 erkannten einsichtige Männer, dass 
die englische Kunetindustrie im Vergleich zur fran- 

Knuilgawcibsblktt. N. F. 111. 



zösischen durch Ungeschmack völlig verdorben sei, 
obgleich schon 1S38 zahlreiche Zeichenschuleo be- 
gründet worden waren; man versuchte daher, neue 
Grundlagen zu schaffen durch Museen mit alten 
Vorbildern und durch ein Netz von speziellen Kunst- 
schulen, welches noch heute das ganze Land fast 
allzu straff überspannt. Bekannt ist auch, welchen 
Anteil deutsche Männer daran hatten: der Prinz- 
gemahl Albert als hochsinniget Protektor, Gottfried 
Semper als Theoretiker und Lehrer an der Oentral- 
schule. Man stellte nach Sempers Ideen eine Reibe 
Ton Grundsätzen auf und suchte diese „Principles" 
in jeder Form zu verbreiten; man ließ sie u. a. in 
großen Lettern drucken, um sie in den Klassen wie 
Verordnungen anheften zu können. Da war zu lesen : 
Die wahre Aufgabe des Ornaments ist, den Gebraocbs- 
gegeostand zu verzieren; das Ornament muss sich 
daher dem Zwecke unterordnen. Das gute Ornament 
besteht nicht in der bloßen Nachahmung von Natur- 
gebilden, sondern in der Anpassung ihrer eigentüm- 
lichen Form- und FarbenschSnbeit an die dekora- 



94 



DER KUNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



tiven Zwecke unter Berücksichtigung des zu ver- 
zierenden Materials, der allgemeinen Kunstgesetze 
und der Herstellungsart. 

Diese allgemeinen Vorschriften führten natür- 
lich in den ersten Zeiten zu mancherlei Versuchen 
ohne feste, einheitliche Geschmacksrichtung. Aus 
der Masse der alten Vorbilder wählten die einzelnen 
Gewerbe zunächst das, was ihnen am bequemsten 
lag. Die Majolikaindustrie z. B. hielt sich an die 
italienische Renaissance, die Weberei an die gang- 
baren Muster des Rokoko oder an den Orient, die 
Tischlerei gern an die derben Schnitzereien der nor- 
dischen Renaissance. Hervorragende Fabrikanten 
wussten auch einzelne bedeutende franzosische Meister 
nach England herüberzuziehen, welche gewissen 
Ateliers einen ganz französischen Charakter gaben, 
so Solon, den Schöpfer der englischen Päte-sur-päte- 
Malerei auf Porzellan, und den Ciseleur Morel, wel- 
cher die Silberarbeiten von Elkington mit pariser 
Virtuosität meisterte. So kam es, dass das englische 
Kunstgewerbe noch auf der Wiener Weltausstellung 
von 1873 ein recht buntes Bild bot. 

Allein gerade um diese Zeit brach sich eine 
entschlossene nationale Richtung siegreich Bahn. 
Seit Anfang der Reform hatten einzelne Architekten 
unentwegt in dem neugotischen Stile gearbeitet, 
welcher schon in den dreißiger und vierziger Jahren 
durch eine Reihe thätiger und begabter Künstler 
wieder zu Ehren gekommen war. Damals hatte 
neben Barry, dem Schöpfer des Parlamentshauses, 
neben dem Kirchenbaumeister Scott u. a. namentlich 
A. W. Pugin auch die Geräte und die Dekorationen 
des Mittelalters gezeichnet, veröffentlicht und für 
die Praxis verwertet. Auf der Ausstellung von 1851 
waren gotische Möbel der einzige feste Punkt in dem 
englischen Geschmackswirrsal gewesen. Bei diesen 
Gotikem hatten auch die „Principles** mehr An- 
leihen gemacht, als vielleicht ihren Verfassern be- 
wusst wurde. Das echte Material, die gesetzmäßige 
Unterscheidung des Konstruktiven und der Schmuck- 
formen, das streng stilisirte Naturornament hatten 
schon bei diesen Meistern der sogenannten ,igoti- 
schen Wiedergeburt", des Gothic revival, gegolten, 
allerdings oft gestört durch die Vorliebe für ge- 
dankenlos kopirte architektonische Gebilde. Aber 
hier war doch eine Basis f&r den Neubau eines na- 
tionalen Geschmacks gegeben. Überdies stammten 
die besten Vorbilder der alten Zeit in England aus 
dem Mittelalter. Die großen Kathedralen, manche 
alte Stadthalle und zahlreiche Schlösser waren gut 
erhalten; in London selbst stand die Westminster- 



abtei mit ihrem reichen Schmuck vor aller Augen. 
Die Gotik bedeutete für die Engländer, was für uns 
Deutsche die deutsche Renaissance. 

Dieser neugotische Stil, der nun in den sieb- 
ziger Jahren allgemeiner aufgenommen wurde, sprach 
sich am entschiedensten in den Möbeln aus. Natur- 
holz, mit Vorliebe die Eiche, schlichte durchgehende 
Pfosten, sichtbare Verbindungen; das Rahmenwerk 
klar abgehoben gegen die Füllungen, die nach go- 
tischer Art meist aus kleinen Brettern bestehen; hier 
im Flachomament der Füllungen liegt der ganze 
iarbige Schmuck , ofb Intarsien, noch lieber bunte 
Fliesen in fröhlichen Farben. Auch das Ornament, 
das plastische und das gemalte, geht vorzugsweise 
bei den gotischen Meistern in die Schule. Wie in 
den alten Steinfriesen und Glasfenstem die heimi- 
schen Blumen und Blätter an einander gereiht und 
geometrisch gruppirt worden waren^ so glaubte man 
auch jetzt zugleich das Auge und das Herz zu be- 
friedigen, wenn man die Lieblingspflanzen der Hei- 
mat in gesetzmäßiger Anordnung als Hauptmotiv 
des Flächenschmucks wählte. So entstand eine oft 
schwere und strenge, aber eigenartige Formenwelt. 
Der Theoretiker dieser Richtung wurde der Archi- 
tekt Charles Eastlake mit seinen „Hints on house- 
hold taste'*, einem vortrefflichen, populären Hand- 
buch des „Geschmacks im Hause*^, das seit 1868 
wiederholt aufgelegt worden ist. Ahnlich den deut- 
schen Eunstlitteraten kämpft er gegen die Über- 
macht der Mode, gegen die verkommenen Über- 
bleibsel des geschweiften Stils, für das Echte und 
Solide in Gerät und Dekoration. Die Vorbilder und 
Formen, welche er selbst empfiehlt und erfindet, sind 
fast alle gotisch, meist freilich schwerer und alter- 
tümlicher als die Formen der gleichzeitigen Praxis. 
Dieser Geschmack bildete auf der Pariser Ausstel- 
lung von 1878 das eigentliche Kennzeichen des eng- 
lischen Kunstgewerbes; er lässt sich in zahlreichen 
Möbelwerken und in den Pflanzenornamentbüchem 
von Hulme u. a. anschaulich verfolgen; er ist auch 
der Ausgangspunkt des nordamerikanischen Kunst- 
gewerbes geworden. 

Es war natürlich, dass nebenher Versuche liefen, 
diese gotisirende, oft etwas nüchtern-praktische Rich- 
tung durch andere Formenkreise zu bereichem. Da- 
för eignete sich namentlich die nordische Spätre- 
naissance, welche ja vielfach die Traditionen des 
Mittelalters direkt fortgesetzt hatte. In England war 
unter Königin Elisabeth und König Jakob L, also 
um 1600, namentlich das Holzwerk nach niederlän- 
dischen Vorbildern mit Rollwerk und anderen Mo- 



DER KUNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



95 



tiTen der Spatrenaissance verziert worden, yielfach 
dicht und schwer, aber konstruktiv und sachgemäß. 
Jetzt brachten besonders einige schottische Archi- 
tekten, voran B. J. Talbert, diesen Elisabethean und 
Jacobean Style wieder zu Ehren; die Vorlagewerke 
der siebziger Jahre sind reich an solchen Beispielen. 

Allein den verfeinerten Ansprüchen des moder- 
nen englischen Lebens konnten doch auch diese 
derben Formen auf die Dauer nicht genügen. Die 
vornehme Gesellschaft wollte beqtieme und elegante 
Möbel; beides fand sie nur unzulänglich bei den 
Gotikem oder bei den Freunden der Spätrenaissance. 
So kommt es, dass der eigentliche modern- englische 
Geschmack sich erst ausgestaltete, seit hervorragende 
Künstler ihren Landsleuten wieder die Augen für die 
nationale englische Kunst des 18. Jahrhunderts 
öffneten. 

Im 17. und 18. Jahrhundert ist der englische 
Geschmack bekanntlich ziemlich unabhängig von den 
Stilbewegungen des Kontinents geblieben. Weder 
das mächtige italienische Barock noch das beweg- 
liche Rokoko hatten dort Boden gefunden. Die 
englischen Architekten pflegten vielmehr einen stren- 
gen, oft nüchternen E^lassizismus im Anschluss an 
Palladio und Vignola; in der Ausstattung des Wohn- 
hauses bewahrte man daneben lange die malerische 
Art^les Mittelalters. Von den Neuerungeui welche 
aus dem Auslande herüberdrangen, benutzte der prak- 
tische Engländer wesentlich das, was der Bequem- 
lichkeit, dem Komfort diente: von den holländisch- 
franzosischen Möbeln, welche der Oranier Wilhelm III. 
und seine „Queen Anne^^ mitbrachten, lernte man 
die Polsterung, vom Mobiliar des Rokoko die schmieg- 
same Biegung; aber die Formen der fremden Stile 
übersetzte man ganz frei für den heimischen Ge- 
schmack mit oft sehr willkürlichem Eklektizismus, 
der uns z. B. in den wunderlichen Gebilden des 
Chippendale so fremdartig anmutet. Auch das fran- 
zösische Louis-Seize ward nicht direkt kopirt; aber 
gleichzeitig, ja teilweise schon vor den Franzosen 
gingen die Engländer in der Dekoration und in den 
Möbeln zu den knappen, mageren Formen über, 
welche oft dem späteren Empirestil an Nüchtern- 
heit ahndn. Man kann sagen, dass der englische 
Geschmack sich auch im 18. Jahrhundert treu ge- 
blieben war. 

Für die heutige Praxis bot diese Formenwelt 
manche Vorzüge. Das Mobiliar war bequemer als 
im Mittelalter, die Dekoration mannigfach bereichert, 
die ganze Wohnung den modernen Bedürfnissen 
mehr angepasst; statt des eintönigen Eichenholzes 



die reizenden Kombinationen der bunten Furnier- 
hölzer; statt der einfachen Farben der Gotik eine 
Fülle zarter Tonstimmungen. Es war begreiflich, 
dass die englische Reform sich auch diese Vorzüge 
nutzbar zu machen suchte. Es ist aber charakte- 
ristisch für England im Gegensatze zu unserer deut- 
schen Entwickelung, dass man sich nicht in erster 
Linie darauf verlegte, die Arbeiten des 18. Jahr- 
hunderts nachzumachen, wie es das betriebsame, aber 
oft schlecht geleitete deutsche Kunstgewerbe so oft 
gethan hat« Vielmehr standen dort bedeutende 
Künstler an der Spitze, welche die neugotische Tradi- 
tion nicht beseitigen, sondern erweitern und bereichern 
wollten und daher gerade diejenigen Motive auswähl- 
ten, die zu der bisherigen^ erfolgreichen Richtung 
passten« Man wollte keinen Sprung; man gab nicht 
die alberne Losung: hie Rokoko, hie Gotik oder Re- 
naissance, wie es bei uns wohl geschehen ist; man 
plagte sich nicht, die eben eroberte Eigenart in fri- 
voler Neuerungssucht wieder abzustreifen. Wir wer- 
den später am Möbel und Gerät im einzelnen nach- 
zuweisen suchen, wie diese Bereicherung sich voll- 
zogen hat 

Gleichzeitig lernte man auch, das gotische Or- 
nament, das stilisirte Pflanzenwerk, umzugestalten. 
Japan ward den europäischen Völkern bekannt; auf 
der Pariser Ausstellung von 1878 feierte das japa- 
nische Kunstgewerbe seine größten Triumphe. Keine 
Nation hat davon ernsthafter gelernt als die Eng- 
länder. Die Naturliebe der Japaner entsprach der 
Blumenfreude, die in England so weit verbreitet ist, 
und durch das gotische Ornament war man an das 
Studium der heimischen Pflanze gewöhnt. 

Aber wie der Japaner die Blume in ihrer natür- 
lichen Bewegung und Mannigfaltigkeit auffasst und 
zum Ornament umformt, so genügt es jetzt auch dem 
Engländer nicht mehr, nur die abstrakten, platt ge- 
pressten Grundtypen von Blüte und Blatt geometrisch 
zusammenzustellen; man suchte der Dekoration alle 
Reize der lebenden Natur dienstbar zu machen. Vor 
allem studirte man auch das eigentliche Flächen- 
ornament der Japaner und zog daraus großen Nutzen 
für den Tapeten- und Zeugdruck. 

Die Hauptsache aber war, dass alle diese Neue- 
rungen von originellen Künstlern ausgingen, und dass 
noch heute der beste Teil des englischen Kunstge- 
werbes unmittelbar von den Künstlern geleitet wird. 
Voran steht die Schule der Präraffaeliten, eine Gruppe 
von Malern, welche ihre idealistischen Erfindungen 
in Form und Farben nach den florentischen Vor- 
gängern Rafi'aels, nach Botticelli und seinen Zeitge- 

15* 



96 



DER KUNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



nossen, rortn^eo. Im G^ensatz gegen die Natu- 
ralisten eufiliea sie alles, wob sie malen, dekoratir 
(im besten Sinne des Wortes) zu gestalten. Ihre 
Idealfiguren, oft altertümlich gezeichnet, stehen auf 
dich^efQlltem Hintergründe, gelegentlich auf Gold- 
grund; das Beiwerk und die Umrahmung werden 
mit Ornamenten oder Figuren ansgeziert; gern schafft 
man ganze Cjklen oder Serien solcher Gemälde; 



man sucht gleichsam einen Ersatz ftlr die Monumen- 
talmalerei, der man in England bislang wenig Raum 
geboten hatte. Diese KQnstler, oft zugleich Dichter 
und universell gebildet, haben nach und nach auch 
Glaafenster, Mosaiken, Illustrationen und schließlich 
das ganze Gebiet der dekorativen Künste in ihr Be- 
reich gezogen; unmittelbar aus ihrem Kreise sind 
die einflussreichsten Führer des heutigen englischen 
Kunstgewerbes hervorgegangen, neben Dante Ro- 



setti und Bume Jones, den Vorkämpfern der figür- 
lichen Malerei, der umfassende Walter Crane, der 
geniale Musterzeichner William Morris und De Mor- 
gan, jetzt der bedeutendste Schöpfer englischer Flie- 
sen. Auch Monumentalmaler wie Sir Frederic Leigh- 
ton oder E. J. Poynter, welche nicht eigentlich dem 
engeren Kreise angehören, entziehen sich dem Ein- 
flüsse dieser Schule nicht. 

Typisch vor allem ist Walter 
Crane, der ja auch bei uns durch 
seine Kinderbücher bekannt ist 
1845 zu Liverpool als Sohn eines 
Malers geboren, als Holzschneider 
ausgebildet und aus Not frOh für 
die Praxis und den Erwerb 
thätig, hat er seinen eigenen 
kernigen Illustrationsstil ge- 
schaffen, mit den energischen Um- 
rissen und den sehlichten, li-üh- 
licben Farben; populär in den 
Kinderbüchern, höchst geistvoll 
in seinen Qbrigen lUnstrationen, 
welche ernst oder witzig oft in 
reizvoll antikisireudem Stil eine 
Fülle figurlicher und omamentaler 
Erfindungen bieten, z. B. die 
Werke „Mrs. Mundi at home" 
oder „Echoes from Homer" n. a, 
die bei uns zu wenig bekannt 
sind. Daneben aber ist Walter 
Crane einer der thätigeten und 
originellsten Zeichner für die 
Tapet«nindustrie und hat als Er- 
finder oder eigenhändig auch filr 
Fliesen, Metall und andere Ge- 
werbe geschaffen, alles mit stau- 
nenswertem Verständnis für den 
jeweiligen Stoff. So hat er beson- 
ders das Musterzeichnen wieder 
zu Ehren gebracht; denn er will 
durchaus alle Künste als gleich- 
wertig fassen. Als einmal ein 
wohlwollender Festaredner bei einem Künstlermahl 
die minderen Talente damit hatte trösten wollen, 
dass ja nicht ein jeder zur hohen Kunst berufen sei, 
dass sie aber in den dekorativen Künsten Brot 
finden könnten, ist er in einem prächtigen Artikel 
im Art Journal (ISSl p. 227) fllr die Einheit aller 
bildenden Künste eingetreten, wie sie bei den Grie- 
chen geherrscht habe; bei ihnen sei jedes Kunst- 
werk dekorativ (d. h. mouumental) gewesen; es sei 



DER KUNSTGEWERBLICHK GESCHMACK IN ENGLAND. 97 

die eigene Schuld der heutigen ZierkQnste, wenn sie welche sich unter Walter Crane's FfihruDg schon 

ia flachem, gebtlosem Spiel mit üherlieferten, nichts- mehrfach wiederholt haben. Diese Bestrebungen 

sagenden Formen keinen Anteil an der allgemeinen haben in der besten englischen , Gesellschaft ein 

Kunstbewegung nähmen. breites, zum Teil lanatischea Publikum gewonnen. 



Fenstsmiiche (Arcbitekt«n Bodley u. Oarnee). 

Aus diesem Kreise sind auch Verbände hervor- Während der achtziger Jahre ward es Mode, .Sathe- 
gegangen, welche diese dekorative Gesamtkunst tisch" zu sein, d.h. im Anschluss an die genannte 
pflegen und durch Ausstellungen etc. bekannt machen Schule in Dichtkunst, Malerei und häuslicher Kunst 
wollen. So seit Anfang der achtziger Jahre die Cen- einem rielioch abBonderlichen Archaismus nachzuhän- 
tury Guild; so die AuHstellungen „Artsand Cratta», gen;eineMüde,diemantreffend mitunsererAltdeutseh- 



' 



98 



DER KÜNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



tümelei verglichen hat; man schwärmte überschweng- 
lich fttr das vermeintlich Natürliche und Schlichte, 
für gewisse dekorative Effekte, ja für bestinmite 
Blumen und besondere Modefarben. Aber diese Ro- 
mantik, welche im Punch und auf der Bühne (in 
Sullivan's Patience) geistvoll verspottet und bald 
auf ihr richtiges Maß zurückgeführt ward, hat für 
den englischen Geschmack sehr nachhaltige Früchte 
getragen. Sie hat weiten Kreisen das wahre Verständnis 
für dekorative Kunst eröffnet Gerade die selbständigen 
Erfinder haben sich eine entschlossene Gemeinde ge- 
gründet und den originellen Schöpfungen des eng- 
lischen Kunstgewerbes einen sicheren Markt gewon- 
nen, auf welchem nicht nur die Billigkeit maßgeblich 
ist. Da ja auch der Dilettantismus sich in England 
nicht so einseitig wie bei uns auf die Musik be- 
schränkt, sondern einige Übung im Zeichnen und 
Aquarelliren fast zum guten Ton gehört, so schloss 
das kunstgebildete Publikum sich um so lieber einer 
Richtung an, welche der Selbstthätigkeit aller Kräfte 
weiten Spielraum ließ. 

Die Macht dieser Bewegung riss aber nament- 
lich die Künstlerwelt fort Auch außerhalb des Kreises 
der Präraffaeliten sind die Maler und Architekten 
gezwungen worden, ihr Talent der dekorativen Kunst 
nutzbar zu machen. Man erwartet zunächst von 
jedem Künstler, dass er seine Wohnung, die ja 
meist im eigenen Hause liegt, selbstthätig oder wenig- 
stens mit selbständigem Geschmack herrichte. Was 
die originellen Köpfe bei sich zu Hause ersonnen 
haben, verbreitet sich leicht, weil ja die Gesellschaft 
und die Kunst in London centralisirt sind. Aber 
auch eine große Zahl von Berufsarchitekten arbeitet 
mit an der künstlerischen Verfeinerung der Woh- 
nung, voran als Führer der geniale Norman Shaw, 
der einflussreichste Förderer des sogenannten Queen 
Anne-Stils. Daneben gelten die angesehenen Deko- 
rateure als gleichwertige Künstler; manche Bau- 
meister überlassen ihnen den vollständigen inneren 
Ausbau auch besserer Häuser, sie alle verwenden 
fast ausschließlich die heimischen Erzeugnisse. Nach 
den führenden Künstlern haben sich nicht nur die 
Fabriken, sondern namentlich auch die berufsmäßigen 
Zeichner vielfach gebildet, meist direkt^ selten durch 
die Schulen, denen man vielmehr vorwirft, dass sie 
nicht genug Rücksicht auf die ^artistische" Bewe- 
gung nehmen. 

Wir werden jetzt versuchen, den heutigen Ge- 
schmack in den einzelnen Gebieten des kunstgewerb- 
lichen Schaffens zu verfolgen, zuerst in dem Ganzen 
der Wohnungsausstattung, dann im Flachmuster, 



welches sich besonders eigentümlich und lehrreich 
entwickelt und breite Lidustrien befruchtet hat; 
endlich in den Möbeln und Geraten. 



Über die englische Wohnung und ihre Aus- 
stattung ist bei uns bisher zu wenig bekannt ge- 
worden. In der vortrefflichen Studie von R. Dohme 
(Das englische Haus, Braunschweig 1888) wird im 
Zusammenhang mit dem Hausbau und den Lebens- 
gewohnheiten auch die Dekoration der einzelnen 
Räume anschaulich geschildert; über den heutigen 
amerikanischen Geschmack, der vielfach dem eng- 
lischen ähnelt, hat neuerdings Architekt Vogel in 
Hannover in einem Vortrage eingehend berichtet 
(Hannoversches Gewerbeblatt 1892, Nr. 5, u. 6). 

Bekanntlich herrscht in England das Einzelhaus 
vor, sowohl in der Stadt wie in den Vororten und 
auf dem Lande; häufiger als bei uns ist es Eigen- 
tum des Bewohners, oder die Mieisfiisten sind so 
lang, dass es sich lohnt, sich nach eigenem Gefallen 
einzurichten. Wie alle Lebensformen der englischen 
Gesellschaft streng und einheitlich sind, so sind auch 
die Räume meist gleichartig auf die einzelnen Ge- 
schosse verteilt. Unten die weite Hall, ein wohn- 
licher Flur; femer das Speisezimmer (Dining room) 
und die Bibliothek, das Zimmer des Hausherrn« 
Im ersten Stock die verschiedenen Wohnzimmer, 
im zweiten die Schlafräume und Fremdenzimmer, in 
größeren Häusern wohl noch ein Frühstückszimmer; 
die zahlreichen Wirtschaftsräume und die Zimmer 
der Dienstboten sind von den herrschaftlichen Räumen 
streng getrennt, oft unter einem besonderen Dache. 

Die Lage der Zimmer gegen einander richtet 
sich vor allem nach dem praktischen Bedürfnis, nach 
den individuellen Gewohnheiten des Besitzers. Kom- 
fort, Bequemlichkeit ist der erste Anspruch; daraus 
haben sich viele vortreffliche Regeln über die Lage 
der verschiedenen Zimmer g^en die Sonne, über die 
Stellung der Möbel zu den Fenstern, über Maßnahmen 
gegen Zugluft und dergl. ausgebildet. Man legt 
keinen Wert auf durchgehende Achsen, man sucht 
keine Prachtsäle zu schaffen; hat man den Komfort 
befriedigt, so gruppirt man möglichst malerisch und 
mannigfaltig, lässt die Zimmer mit Erkern und Aus- 
bauten vortreten und erzielt dadurch auch außen 
reiche Gliederung. Vorsprünge, Giebel, mannigfache 
Dächer, breite Kamin-Essen beleben den Umriss des 
Landhauses; das Ganze ist meist in malerischem 
Ziegelbau ausgeführt, dessen sattes Rot trefflich zum 
frischen Grün des englischen Gartens stimmt. Ge- 



-^ 



DER KÜNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



99 



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rade hier hat man neuerdings die holländischen Mo- 
tive aus der Zeit der Queen Anne verwertet 

Für die Dekoration der Zimmer sind in den 
letzten Jahren die Vorschriften der Hygiene beson- 
ders einflußreich geworden. Namentlich auf der hy- 
gienischen Ausstellung von 1884 hat man durch 
Musterzimmer, Vortrage u. a. lebhaft agitirt. Seit- 
dem ist der Sanitary Engineer nicht nur f&r die 
Wasserleitungen eta verantwortlich, sondern wird 
auch bei der Anlage und Einrichtung der Zimmer 
um Rat gefragt. In diesem Kampf gegen Staub 
und Ejrankheitskeime hat man nicht nur alle schweren 
Draperien und die festgenagelten Teppiche beseitigt, 
sondern auch an Wand und Decke thunlichst alle 
plastischen Ornamente, jedes starke Relief, alle Tiefen, 
in denen sich der Staub sammeln könnte. Den Schmuck 
sucht man im Flachomament und in den Farben. 

Die Decke ist meist flach und glatt, entweder 
einfarbig gestrichen, seltener schablonirt, oder mit 
einer Tapete beklebt, welche unauffällig geometrisch 
gemustert ist; beliebt sind auch flache Relieflapeten 
aus Leinwand mit Stuck darunter (canvas plaster), 
auch wohl Linoleum. Stets ist die Decke hell, viel- 
fach weiß. In den Vorhallen zeigt man gelegent- 
lich nach gotischer Art die offenen Tragebalken. 
Holzdecken gelten meist als zu düster f&r die trübe 
StadÜufb. Die unvermeidliche Mittelrosette unserer 
Mietswohnungen lässt sich im Einzelhaus vermeiden, 
wo man die Gasleitung der freieren Anordnung des 
Mobiliars anpassen kann. 

Die Wand wird in reicheren Räumen, in denen 
man eine monumentale Wirkung erzielen will, wohl 
gelegentlich ganz getäfelt, in Wohnzimmern dagegen 
meist nur bis zu mäßiger Hohe. Die moderne Schule 
gliedert diese Holztäfelung selten durch reichere 
Architekturi legt vielmehr gleichmäßige, rechteckige 
Füllungen in bescheidenes Rahmenwerk, meist ohne 
Schnitzereien und tiefere Profile^ um auch hier dem 
Staub keinen Halt zu bieten. Zu beleben sucht man 
das Holz wesentlich durch Anstrich, das Rahmen- 
werk dunkler, die Füllimgen lichter, oft in kräftigen 
Tonen, so dass das Panneel den Grundton des farbigen 
Gesamtaffektes angiebt. Ganz verpönt ist es, mit 
dem Anstrich die Holzmaserung nachzuahmen; da- 
gegen lasirt man gern durchsichtig, so dass die Struk- 
tur des Holzes erkenntlich bleibt. 

Die Farbe ist überhaupt in den Einrichtungen 
der heutigen Schule ein Hauptelement geworden. 
Die englische Kunst ist ja wesentlich Malerei, und 
gerade Koloristen sind die Führer im heutigen eng- 
lischen Geschmack. Die Farben sind bald kräftig 



und kühn, bald zart und duftig, stets fein und ori- 
ginell gestimmt; gewisse Modefarben, wie Ochsen- 
blutrot und Blaugrün, herrschen eine Weile lang; 
hie und da versucht es einmal jemand auch mit 
Schwarz und Weiß; dieser hoch entwickelte Koloris- 
mus hat bekanntlich nicht nur die Dekoration, son- 
dern auch die Färbereiindustrie in England zu einer 
sehr großen Mannigfaltigkeit der Nuancen gebracht, 
die man z. 6. in den Dekorationsgeschäften von 
Liberty u. a. mit Staunen neben einander sieht 

Diesem Kolorismus entspricht in erster Reihe 
die Tapete, welche den Hauptteil der Wand, wenn 
nicht die ganze Wand bedeckt. Die nachgeahmte 
Panneeltapete unten, der „dado", die früher allgemein 
beliebt war, wird jetzt als Imitation verachtet. Die 
Tapete, als Hintergrund fttr die Bilder, soU vor 
allem ruhig wirken; das Muster darf nicht heraus- 
springen und sich nicht in auffälligen Achsen wieder- 
holen; das sind die Grundgesetze für Zeichnung und 
Farbe. Wir werden später zu zeigen suchen, wie 
vortrefflich die englische Tapetenindustrie, von ge- 
nialen Zeichnern geleitet, diese Gesetze erfüllt hat; 
hier hat namentlich das moderne Pflanzenomament 
sein Bestes geleistet. Die Tapete schließt oben ein 
breiter Fries ab, gelegentlich in ganz flachem Stuck- 
relief, meist aber gleichfalls Papier, mit eigenen 
Mustern aus Blumen oder Figuren, oft von edelster 
Erflndung. Zwischen Fries und Tapete wird gern 
eine Holzleiste angebracht, von welcher mittelst 
eines verschiebbaren Messinghakens die Bilder her- 
abhängen. Der Fries ist von der flachen Decke nur 
durch einige Hohlkehlen getrennt; unsere oft so 
übertriebenen Stuckvouten vermeidet man als falschen 
Prunk und als Staubfänger. Helle Farben werden 
auch für die Tapeten bevorzugt; der Fries ist dann 
noch heller als Übergang zur Decke. 

Ihren eigentlichen Schmuck erhält die Wand 
durch gute Gemälde, welche in jeder ansehnlichen 
Einrichtung für unentbehrlich gelten. Man zieht sie 
mit Recht den nichtssagenden Prachtstücken oder den 
mittelmäßigen Antiquitäten vor, mit welchen bei uns 
oft dieselben Gesellschaftskreise ihre Wände behängen. 
In den Bildern spricht sich der eigentliche Geschmack 
des Besitzers aus. Spi^el sind im Wohnzimmer 
zum Glück ganz verpönt. Ruhige, weite Wand- 
flächen gewinnt der englische Architekt auch da- 
durch, dass er keine überflüssigen Flügelthüren ein- 
fügt, wo er mit einfachen Thüren auskommt; unsere 
beliebten Aufsätze und Gebälke über den Thüren 
sind ungewöhnlich und gelten als verkehrter und 
störender architektonischer Aufwand. Man will vor 



100 



DER KUNSTGEWERBUCHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



allen) einfache, ruhige Flächen. Dagegen wird der 
reichere Schmnck thunlichst koDzentriit an einzelnen 
lauschigen Plätzen, welche der geschickte Baameister 
mannigfaltig zu gestalten weiß. 

Zunächst in den Erkern und um die Fenster. 
Da die Wohnung sich ja nicht nach der Fensterzabl 
bewertet, wie z. B. in Berlin, so Bucht der Eng- 
länder nicht viele, sondern möglichst wenige, große 
Fenster, einheitliche Lichtquellen; er fasst wohl auch 
mehrere zusammen, am liebsten als Erker ausgebaut; 



geöffnet, wird mit Holz, Stein oder Fliesen einfacher 
oder reicher umkleidet, am häufigsten mit stattlicher 
Renaissancearehitektur, oder auch mit gotisirendem 
Tafelwerk; fast immer wird der Aufsatz über dem 
Kamin mit dem Mantel vereinigt, bisweilen als Ein- 
fassung eines Gemäldes, meist aber als reich geglie- 
derter Aufbau mit vielen kleinen Fächern, die mit 
farbigen Tellern und Gefäßen besetzt werden. Hier 
konzentrirt man gerne den Besitz an altem oder fremd- 
artigem Geschirr, den keramischen Hausschatz, statt 



WobniimmN' (Ai^ltokt Kormah Shaw). 



solche „bay Windows" können dann mit Tisch und 
Sitzen zu behaglichen Winkeln au.sgestattet werden. 
Die vielteiligen Fenster, oft mit bunten Scheiben 
durchsetzt, geben ein mildes Licht. Dagegen ver- 
meidet man reich drapirte Gardinen; man will glatte 
Vorhänge mit geraden Kappen, keine „Putzmacher- 
arbeit*. 

Wichtiger ist der Kamin. Bekanntlich kennt 
der Engländer keine Öfen. Der Kamin ist daher, 
so lange geheizt wird, der Mittelpunkt des Zimmers; 
das bleibt er auch im Sommer. Demgemäß ist der 
Kamin auch der Mittelpunkt und das HauptstDck 
der Dekoration, ähnlich wie in unserm Wohnzimmer 
oft das große Sofa. Der Mantel, stets rechteckig 



ihn wie bei uns über die Wände hin zu zersplittein. 
Oft liegen die Kamine an der Außenwand des Hauses; 
dann kann der Architekt sie leicht hinausschieben 
und den Kamin nischenartig einbauen, so dass ein 
trauter, warmer Raum entsteht; solchen .ingle- 
nook" zeigt unsere Tafel (Weybridge, Byfleetlodge; 
Architekten Notley und Trollope)- 

Soviel von den HauptzUgen der heutigen eng- 
lischen Wohnung. Es würde hier zu weit fQhren, 
das Besondere der einzelnen Räume herauezuhebeD, 
worüber bei Eastlake und in anderen Handbüchern 
mancher auch fllr uns nutzbare Hinweis sich findet 
Das Eigentümliche ist die Hall, der weite Flur, der 
auch als Vorzimmer und Versammlimgsraum dient 



Knntsgawerbeblktt. N. F. m. 



102 



DER KUNSTGEWERBLICHE GESCHMACK IN ENGLAND. 



and dalier mit einem Komin aasgeetattet sein muss. 
Mit der Hall wird möglichst malerisch die Treppe 
verbunden, welche bequem sein soll, ohne zuviel 
Raum 7.U kosten, und daher faat immer einarmig 
ist, nicht etwa eine monumentale Wirkung anstrebt. 
Hie und da öffnet sieh oben wohl eine Galerie gegen 
die Diele. Das Speisezimmer darf etwas schwerer 
im Gesamtton gehalten sein, mit Ledertapete und 
stets mit Lederstfihlen ; in einfacheren Häusern, wo 
es zugleich als Wohnraum dient, dringt man auch 



m<^hchst hell, am liebsten weiß gestrichen; die 
Betten sind aus Metall, die Vorhänge und der sel- 
tene Betthimmel möglichst glatt und schlicht aus 
Kattun; die einzelnen Möbel werden wir noch später 
besprechen. 

Diese Grundsätze bleiben auch dann mSglicbst 
gewahrt, wenn der Architekt nicht den bevorzugten 
gotisirenden oder „Queen Anne"-Stil, sondern eine 
andere Stilart wählt, in denen die verschiedensten 
Versuche gemacht worden sind. Man findet lehr- 



S. Jahrhunderts. (Aich. Hollahd k 8 



hier auf Wohnlichkeit. Die Bibliothek, im beschei- 
denen Hause entbehrlich, ist mit Schränken oder 
Regalen besetzt, welche durch mancherlei malerische 
Borten und Ecken für bunte Gefäße u. a. unterbrochen 
sind. Die Wohnzimmer sollen vorwiegend heiter und 
licht dekurirt werden ; hier herrscht die größte Mannig- 
faltigkeit, je nach Geschmack und Interessen der 
Bewohner. Auf die geräumigen Schlafzimmer sind 
natOrlicb die Vorschriften der Hygiene am sorgfäl- 
tigsten angewendet worden; die Wände sind meist 
mit Wandschränken statt der Täfelung versehen und 



reiche Aufschlösse in den Aufnahmen mehrerer 
englischer Photographen, besonders der Firma Bed- 
ford, Lemere & Co., London W, C, 147 Strand, deren 
Blätter bei uns mehr gekannt sein sollten; unsere 
Abbildungen beruhen meist auf diesen Aufnahmen. 
Man wird unter den verschiedenen Stilformen den- 
selben Geist entdecken: sowohl in dem Wohnzimmer 
aus Cbelsea, Old Swan house, erfunden von dem 
Meister B, Norman Shaw und in dem schönen Renais- 
saucekamin aus Wejbridge, wie in dem Versuche, 
den Klamtcismus des 18. Jahrhunderts zu beleben 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



103 



(nach einem Kataloge der Firma Holland & Sous), und 
in dem arabischen Wohnzimmer (Archit. Hampton & 
Sons). So sind anderwärts auch chinesische und ja- 
panische Motive mit Verständnis verwertet worden; 
immer sind die heimischen Gewohnheiten imd An- 
sprüche gewahrt geblieben. 



Diese englische Eigenart hoffen wir in zwei 
ferneren Aufsätzen über das englische Flachmuster 
und über die Möbel nächstens weiter verfolgen zu 
können. 



P. JESSEN. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Büohersohau. 

P. Za Rosenbergs Ooldsehmtedemerkxeidien ist Yortuizem 
der erste Nachtrag erschienen (Antwerpen, Erster Nachtrag 
zu den Goldschmiedemerkzeichen. Von Marc Rosenberg. 
Frankflirt, Keller). Er behandelt Antwerpen und bringt fast 
hundert neue Stempel bei, von Anfang des 16. Jahrhunderts 
bis 1783. Wir lernen 37 Meister, meist natürlich namenlos 
aus erhaltenen Arbeiten kennen und außerdem die Namen 
von 16 Meistern ohne bis jetzt nachweisbare Arbeiten. In 
einer kurzen Einleitung, wie sie in den Merkzeichen den 
meisten Städten voraupgeschickt ist, finden wir eine Anzahl 
Angaben zur Geschichte der Antwerpener Goldschmiedezunft, 
worunter die überraschende Notiz, dass im Beginn des 16. 
Jahrhunderts in Antwerpen 412 Goldarbeiter und Silber- 
schmiede thätig waren, eine außerordentliche Zahl, wenn 
man bedenkt, dass Augsburg als höchste Ziffer 275 aufweist. 
Dass die Antwerpen er Goldschmiede sich eines gewissen 
Rufes erfreuten, geht aus der Bezeichnung eines Stückes als 
„Fa^on d^Anvers" hervor und dass Genua 1565 eine Bestel- 
lung auf Goldschmiedearbeiten nach Antwerpen giebt. Da 
das Heft nicht in den Handel kommt, dürften obige Notizen 
erwünscht sein. — Eine zweite Arbeit von Hugo Lorsch (die 
Rolle der Aachener Goldschmiedezunft vom 16. April 1873 
— Sep. Aldv.) giebt uns einen interessanten Beitrag zur Ge- 
schichte der rheinischen Kleinkünste. Über die frühe Zeit 
ist wenig bekannt und sicher nachweisbar gar nichts. Dass 
schon früher eine Zunft bestand, ist anzunehmen; festen 
Boden erreichen wir erst durch die „Rolle** von 1573, die 
eine Umgestaltung einer früheren (verlorenen) von 1510 ist 
Die Organisation des Innung ist dieselbe wie in anderen 
St&dten; die beiden auf zwei Jahre gewählten Obermeister 
heißen hier „Greven**. Der Lehrling hat sechs Jahre zu 
lernen mit den üblichen Erleichterungen für Meisterssöhne. 
Das Meisterstück ist auch hier: Kelch oder Pokal, Siegel, 
Beschlag eines Frauengürtels oder emaillirter Ring. Den 
wichtigsten Teil der Rolle bilden natürlich die Vorschriften 
über Stempelung. Zur Verwendung kommt 18% karat. Gold 
und 14 lötiges Silber. Jedes mehr als zwei Lot schwere Stück 
ist mit dem Meisterzeichen zu stempeln, von den Greven 
geprüft, mit dem Stadtzeichen versehen. 1573 wird ein neuer 
Stadtstempel eingeführt (Rosenberg 5 u. 8); dagegen hält 
Lorsch die Stempel (Rosenberg 3 u. 4) nicht für Aachener. 
Bei Einführung des neuen Stadtstempels mussten die fer- 
tigen Arbeiten von neuem geprüft, die alten Stempel ent- 
fernt und die neuen eingeschlagen werden; es ist diese An- 



gabe wichtig Hir die Datiruug Aachener Arbeiten. Der 
Studie, die sich in der Zeitschr. des Aachener Geschichts- 
vereins XIII S. 230 befindet, ist der Abdruck der Rolle bei- 
gefügt. 

Sticher eimtister. Trotz der Hochflut und Überfülle vor- 
bildlichen Materials auf dem Gebiete der kunstgewerblichen 
Litteratur sind noch fühlbare Lücken vorhanden, die wohl 
erst nach und nach durch berufene Hände gefüllt werden 
dürften. Für Nadelarbeiten Entwürfe zu schaffen ist in un- 
serer für Liebhaberkünste schwärmenden Zeit eine unerfreu- 
liche und wenig segenverheißende Aufgabe. Und doch thun 
sie uns resp. unseren weiblichen Mitmenschen so not als 
das liebe Brot. Wo mehr denn je mit der Nachäfiiing der 
Natur ,yStaat** gemacht wird, und die Gefahr droht, ernsten, 
durchdachten ornamentalen Schöpfungen entfremdet «u wer- 
den, da muss man die obige Erscheinung als ein neues Zei- 
chen gesunder Strömung freudig begrüßen und ihr einen 
tieferen Wert beimessen. Wir können daher nicht umhin, 
den „Stickereimustem*' von Hemiine Steffahny warme An- 
erkennung zu zollen, die unter dem Titel: „Neue Entwürfe 
für allerlei Nadelarbeiten** im Verlag der Arbeitsstube (Leip- 
zig, Eug. Twietmeyer) erschienen sind. Es ist ein zielbe- 
wusstes Wollen und Können, was aus den drei Bogen der 
ersten Lieferung zu uns spricht. Der klare einfache Kontur 
zeigt reizvolle und edle Motive des Flachomaments be- 
kannter Stile. Das Neue daran ist die individuell durch- 
geistigte Verarbeitung uns lieb gewordener Formen, die 
lebendige Thätigkeit praktischer Werte in ihnen. Gut ge- 
zeichnet ist halb gearbeitet kann man hier sagen, so fest 
und sicher sind die Vorwürfe zu den verschiedensten Gegen- 
ständen in natürlicher Größe aufgerissen. Der erste Bogen 
ist im gotischen Stil gehalten; der zweite Bogen, den 
wir auf Vs verkleinert, auf Seite 104 abbilden, zeigt 
Renaissanceformen im Charakter der deutschen Aufnähar- 
beiten, der dritte Bogen hat mehr modernes Gepräge, 
Linienspiele mit eingestreuten naturalistischen Motiven. Ein 
kurzer unterweisender Text über die technische Verarbei- 
tung und Farbengebung trägt wesentlich dazu bei, die 
brauchbaren Muster in die Wirklichkeit zu übersetzen. Bei 
der Größe der Bogen von 76 X 54 cm ist die Vielseitigkeit 
des Gebotenen geradezu erstaunlich; jedes Eckchen ist ge- 
füllt, schöne Monogramme und Buchstaben wechseln in den 
Zwischenräumen. Und was thut es, keinem ist es zu ver- 
argen, dass er dieses und jenes Muster für würdig findet, 
in eine andere Technik zu übersetzen. Ich weiß es, auch 
andere Leute werden sich das reiche treffliche Vorbilder- 

16* 



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KLEINE MITTEILUNGEN. 



105 



material zu nutze machen: der Maler, der Graveur, der 
Intarsiator, Keramiker und viele andere, und die holzmalen- 
den, holzbrennenden und lederpunzenden Damen auch. Der 
Preis für eine Lieferung beträgt IM., für den auch einzeln 
käuflichen Bogen 40 Pfennig. Das ist diesmal wirklich gut 
und billig. 

Vereine und Schulen. 

Die JubüäumS'Sckulausstellung der Qroßh, Kunstgewerbe- 
schule in Karlsruhe 1892. Die in den schönen und praktisch 
angelegten Räumen der neuerbauten Kunstgewerbeschule 
zur Feier des Regierungsjubiläums veranstaltete Schulaustel- 
lung der Anstalt gab uns ein geradezu überraschendes, reich- 
haltiges und erschöpfendes Bild der vielseitigen Thätigkeit 
derselben. Sie zeigt uns klar und deutlich, was die Schule, 
wie ja allseitig, selbst von den bedeutendsten auswärtigen 
Fachleuten, neidlos anerkannt wird, unter der künstlerischen 
Führung des Direktors H. OJötx, mit der Beihilfe talentvoller 
Männer, aus kleinen unscheinbaren Anfängen nach und nach 
geworden ist. Freilich kam ihr auch der durch die Zu- 
nahme des Wohlstandes und der Bildung erzeugte großartige 
Aufschwung fast sämtlicher Gebiete der Kunst, der ganz 
besonders aber seine belebende Wirkung auf das Kunst- 
gewerbe äusserte, zu statten. Die diesmalige Ausstellung nun, 
die die größte und meistbesuchte aller bisher veranstalteten 
war, ist in den Schul- und Arbeitsräumen sämtlicher Stock- 
werke des Hauses geschmackvoll und instruktiv zugleich 
angeordnet. Im Erdgeschoss die zahlreichen Arbeiten des 
figürlichen und omamentalen Modellirens in Thon, ausge- 
führt unter der Leitung des Professors Heer, darunter höchst 
beachtenswert eine Anzahl nach dem Leben trefflich model- 
lirter, zum Teil in diskreter, höchst gefällig wirkender Poly- 
chromie behandelter Büsten. Im Hauptgeschoss die sorgfäl- 
tigst ausgeführten Übungen der Vorkurse: geometrisches 
Zeichnen, darstellende Geometrie, Beleuchtungs- und Schatten- 
lehre, Perspektive, Kalligraphie, omamentale und architek- 
tonische Formenlehre, unter Leitung des Professors F, S, Meyer, 
dessen zahlreiche mustergültige, populären Ton und ernste 
Wissenschaftlichkeit in glücklichster Weise mit einander ver- 
einende Werke und Publikationen hier gleichfalls mit aus- 
gestellt sind. Diesem schließen sich hier die Arbeiten des 
kunstgewerblichen und architektonischen Zeichnens und Ent- 
werfens, unter Leitung des Professors Bisckoff, des Flächen- 
malens, Freihand-, Ornament- und Figurenzeichnens unter der 
Leitung der Professoren Eyth und F. S, Meyer würdig an. 
Besonders sind hier die künstlerisch höchst vollendeten Pflan- 
zen- und Tierstudien in virtuoser Aquarelltechnik, unter Lei- 
tung des Herrn Läuger musterhaft ausgeführt, hervorzu- 
heben. Die interessanteste Ausstellung dieses Stockwerks 
ist unstreitig die den mannigfaltigen kunstreichen Arbeiten, 
wie Graviren, Atzen, Ciseliren, Wachsmodelliren und Treiben 
in Metall und Leder unter Leitung des Professors Rudolf 
Mayer gewidmete, der sich die Holzschnitzarbeiten unter 
Leitung des Herrn Dieische ebenbürtig anschließen. Auch 
ist hier die Festgabe der Schule zum Allerhöchsten Regie- 
rungsjubiläum, den Genius des Ruhmes, auf reichgeziertem, 
mit dem getriebenen Medaillonbildnis des hohen Jubilars 
geschmückten Postamente darstellend, aufgestellt, das Ganze 
nach dem meisterhaften Entvnirf des Direktors Götz von Pro- 
fessor Rud. Mayer in gleicher, gewohnter Vollendung aus- 
geführt. Auf derselben künstlerischen Höhe ist auch die 
von dem letzteren nach Entwurf von Herrn Qagel in Leder 
getriebene zugehörige Adresse, deren Inneres von Professor 
Eyth reich geschmückt wurde. Im obersten Geschosse end- 



lich befinden sich die Arbeiten des Dekorationskurses unter 
Leitung des Direktors öötx, und zwar das dekorative Malen, 
die Übungen der Glasmaler und Lithographen, dann die 
des Figurenzeichnens nach Vorlage, Gips und lebendem 
Modell unter Leitung des Professors Orethe und die virtu- 
osen Tiroler Reisestudien, aufgenommen unter Führung des 
Professors Eyik, Ein eigener Raum ist hier den Prachtpu- 
blikationen der zahlreichen Entwürfe und ausgeführten Ar- 
beiten des Direktors Götz gewidmet, die uns einen Oberblick 
geben über die rastlose Schaffens- und künstlerische Elrfin- 
dungskrafb des Leiters der Anstalt. Dr. K. 

Stiftungen für d€ts Kunstgewerbefnuseum Karlsruhe. Nach- 
dem für das Kunstgewerbemuseum bereits bei dessen Grün- 
dung aus allen Kreisen wertvolle Stiftungen, sowohl an Geld- 
beiträgen, als auch an Kunstgegenständen gespendet wurden, 
so hat sich das Interesse für dieses Institut in erfreulicher 
Weise fort erhalten, so dass demselben auch in der letzten 
Zeit zahlreiche und wertvolle Schenkungen zu teil wurden. 
Wie die erstgenannten Stiftungen früher bekannt gegeben 
wurden, so bringt die Direktion der Großh. Kunstgewerbe- 
schule unter Ausdruck des Dankes nachstehend auch diese 
neueren Schenkungen der Reihenfolge nach zur Veröffent- 
lichung: 

Fabrikant und Kommerzienrat Otto Bally in Säckingen : 
1 Ofenkachel mit figürlichem Relief (18. Jhdt); Großh. Amorti- 
sationskasse: 1 schmiedeeiserner Geldschrank mit Kunst- 
schloss; Frau Marie Beck hier: 1 eiserne Kasette, 1 in Holz 
geschnitzter Kopf, 3 alte Stickereien; Professor E. Bischoff 
hier: 3 Abgüsse von Renaissancekapitälen aus Nürnberg; 
Anwalt G. Blum hier: Jahresbeitrag 40 M.; Antiquar Albert 
Duss in Stuttgart: 1 Dosendeckel in Elfenbein mit Metall- 
dekoration; Konrad Fink, Dreher hier: 1 Miniaturmodell 
eines Pokals in Holz gedreht nebst Postament; Ungenannt: 
1 vergoldete Metallschuhschnalle, 1 Metallschließe mit Kette ; 
Fräulein Emilie Harff' hier: 1 gestickte Weste , 1 Dose (ans 
dem Besitze des Dichters Börne); Geh. Rat Hebting hier: 
1 Garnitur Knöpfe in spanischer Tauschierarbeit; Exz. Frei- 
frau von Kettner hier: 1 Brosche mit Filigranfassung, 1 Schild- 
pattdose mit Silbereinlage, 1 Schreibzeug mit Schildpatt- 
kästchen, 1 Necessaire in Nussbüchse, 1 Silberfiligrankörb- 
chen, 1 Filigrandose, 1 Flacon mit Silberdose, 1 Medaillon, 
mit Relieffiguren, 1 Miniaturservice in Silber; K. A. Kindler, 
Kaufmann hier: 1 seidenes Kissen in reicher Stickerei; Stadt- 
rat H. Knittel hier: Jahresbeitrag 100 M,; Hoflieferant F. 
Köchlin hier: 1 japanische Fayencevase in Cloisonn6-Nach- 
bildung; Hoflieferant Ferd. Mayer hier: 2 japanische Relief- 
füllungen in polychromer Holzschnitzerei, 2 japanische Fay- 
encefiguren, 1 Porzellanelefant; Ofenfabrikant Friedrich Mayer 
hier: 12 Ofenkacheln, glasirt, gi:ün (die 12 Monate, 18. Jhdt); 
Bildhauer A.Meyerhuber hier: 3 Wachsabdrücke von Wappen- 
spiegeln; Fräulein Nonnenmacher hier: 2 geschliffene Gläser 
mit Deckel und Etui (alt); Kammerherr von Oflensandt- 
Berckholtz hier: Geldbeitrag 100 M., 1 Relieflandschaft in 
Kupfer (Rheinstein) in Goldrahmen; Frau von Offensandt 
Berckholtz hier: 1 chinesischer Fächer (12. Jhdt.), 1 Schild- 
patthaarschmuck mit Anhängern; HoQuwelier Ludwig Paar 
hier: 1 goldener mit Edelstein besetzter Ring; Hofmöbelfabri- 
kant L. J. Peter Mannheim: 1 altes schmiedeeisernes Renais- 
sancekastenschloss mit Schlüssel ; Exz. Generallieutenant von 
Prittwitz - Gaffron hier: 1 silbeme Dose; Rentner G. J. 
Rosenberg hier: Jahresbeitrag 100 M.; Gürtler H. Sasse hier: 
1 Achatdose mit Metallgehäuse; Apotheker E. Sohaaf, Aohem: 
1 Ofenkachel, ausgegraben am Fuße der Burg Neu- Windeck 
(10. Jhdt.); Architekt J. L. Schonten, Delft: 2 große Gips- 
abgüsse nach Holzarchitekturen; Frau Hermana Sohler Witwe 



106 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Gengenbach: 1 Doppel wappen in Sandstein (1621); Antiqaar 
E. Wolier Baden-Baden: 2 silberne Zunffcschilder; Assistent 
van der Vor hier: 1 Natarabguß in Metall; Gerichtsnotar a. D. 
P. Elett hier: 1 altes Buckelkelchglas; Frau Baurat Dykerhoif 
hier: 3 gestickte Häubchen, 2 Spitzenmuster, 1 Textilmuster; 
ungenannt: 1 goldene Ankeruhr mit reich gravirtem Deckel ; 
Möbelfabrikant G. Himmelheber hier: 1 altes Schränkchen. 
Ck. Breslau. Kunstgewerbeverein. Zweimal in diesem 
Winter ist der hiesige Runstgewerbeverein mit Unterneh- 
mungen vor die öflfentlichkeit getreten, welche eine Bele- 
bung der kunstgewerblichen Bestrebungen in unserem, einer 
solchen That durchaus bediürfkigen Osten bezwecken. Im 
Februar hat er eine Ausstellung von kunstgewerblichen Ent- 
würfen und Handzeichnungen des Direktors der Karlsruher 
Kunstgewerbeschule, Professors H, Götx in den Räumen des 
Provinzialmuseums der bildenden Künste veranstaltet. Es 
war ein glücklicher Gedanke, die Teilnahmslosigkeit der grö- 
ßeren Kreise des hiesigen Publikums durch die Vorführung 
der Schöpfungen gerade eines modernen Meisters aufzurüt- 
teln, der wie selten einer in zielbewusster und künstlerischer 
Weise seit Jahrzehnten das Kunstgewerbe im badischen 
Lande und namentlich in dessen Hauptstadt belebt. Wenn 
auch die Aufträge eines kunstsinnigen Fürsten und die Gunst 
der Lage auf einem alten Kulturboden unserer Provinzial- 
stadt nicht beschert sind, Adressen, Widmungsgaben und 
üubiläumsgeschenke gehören in der großen und reichen Pro- 
vinz Schlesien keineswegs zu den Seltenheiten, unser Pu- 
.blikum hat sich durch die Vorzüglichkeit der ausgestellten 
Entwürfe überzeugt, dass es in erster Linie die selbständige 
Schöpfung des erfindenden Künstlers ist, die solchen Gaben 
Wert verleiht, nicht die handwerksmäßige Wiederholung ab- 
genutzter lypen und Formen. Ein Mehreres über die Götz- 
schen Entwürfe zu sagen ist unnötig; sie sind bekannt 
genug und überdies ja fast ohne Ausnahme far die Ausfüh- 
rung geschaffen und ausgeführt worden. — Der Erfolg des 
durch diese Ausstellung gethanen Schrittes hatte unmittel- 
bar den Zutritt solcher Kreise zur Folge, welche sich bisher 
von dem Kunstgewerbe verein femgehalten hatten und er- 
mutigte diesen , auf dem einmal betretenen Wege fortzu- 
schreiten. Er fasste den Plan einer Ausstellung kunstge- 
werblicher Erzeugnisse aus Breslau er Werkstätten, die in 
den Monaten April und Mai stattfinden sollte. Am 16. April 
nun ist die Ausstellung in den Bäumen der alten Börse durch 
Herrn Oberbürgermeister Bender, der den Ehrenvorsitz Über- 
nommen hatte, feierlich eröffnet worden; ihre Dauer ist bis 
zum 15. Mai bestimmt. Die hochentwickelte Breslauer Möbel- 
industrie ist durch mehrere der besten Firmen vertreten; 
ebenso die Dekorationsmalerei und Holzbildhauerei. Auch 
die Metallgravirung, die Glasmalerei und die graphischen 
Künste haben sehr gute Leistungen aufzuweisen. Entwürfe 
zu kunstgewerblichen Arbeiten bringt der Direktor der hie- 
sigen Kunst- und Kunstgewerbeschule, Professor H, Kühn, 
Auch fehlen nicht die Leistungen der Liebhaber auf den 
einzelnen Gebieten. Wenn auch die Ausstellung weit davon 
entfernt ist, ein vollständiges Bild der Leistungen der Stadt 
Breslau im Kunsthandwerk oder gar der Provinz Schlesien 
zu geben, so ist doch das Vorgehen des Kunstgewerbever- 
eins mit Freuden zu begrüßen. — Am 9. April feierte 
die hiesige Kunst- und Kunstgewerbeschule die hundert- 
jährige Gedenkfeier ihres Bestehens. Die bei dieser Ge- 
legenheit von dem Direktor Professor H, Kühn herausgege- 
bene, vornehm ausgestattete Denkschrift giebt eine durch 
viele aktenmäßige Mitteilungen belegte Geschichte der An- 
stalt Ihr erster Direktor, der Professor und spätere Hofrat 
Back hatte den Auftrag, insbesondere die Ausbildung der 



Gewerbetreibenden in der geschmackvollen Formgebung ihrer 
Erzeugnisse zu befördern. Auf die Fayencefabrik zu Ptos- 
kau hat er nachweislich in diesem Sinne gewirkt; bei den 
Bunzlauer Thonwaren war eine solche Einwirkung ins Auge 
gefasst. Es war also wirklich eine Kunstgewerbeechnle in 
unserem heutigen Sinne beabsichtigt. Leider ist es der An- 
stalt nicht vergönnt gewesen, diesen bei ihrer Gründung 
maßgebenden Charakter dauernd beizubehalten. Mehrfach 
sind die Ziele verrückt worden; aus manchen widerspruchs- 
vollen und schwer begreiflichen, in der Denkschrift abge- 
druckten Verfügungen geht hervor, dass die Regierung zu 
verschiedenen Zeiten die Schule bald nach der Seite einer 
mittleren bautechnischen und gewerblichen Fachschule aus- 
zugestalten gesucht, bald den Anlauf zu einer Kunstakademie 
genommen hat. Dies hat die Entwickelung der Anstalt als 
Kunstgewerbesehtde erheblich gestört; erst in der letzten Zeit 
ist durch eine Scheidung und Veränderung des Lehrplans 
der kunstgewerbliche Charakter der Schule wieder deutlich 
zum Ausdruck gekommen. Sie ist also — nach hundert 
Jahren — wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt. Der 
neuen Richtung wünscht der Direktor am Schlüsse seiner 
Denkschrift „ein ähnliches Aufblühen aber längeres Be- 
stehen, als ihrer Vorgängerin vom Jahre 1791.** — 

Das Museum schlesiseher Altertümer in Breslau hat 
im Februar seinen 77. bis 79. Bericht ausgegeben. Die 
Sammlungen, welche reich an altem Besitz sind, haben wie- 
derum erhebliche Vermehrungen erfahren. Eine nennens- 
werte Bereicherung erfuhr die Abteilung der getriebenen 
Gefäße aus Edelmetall. Außer mehreren schlesischen Ar- 
beiten ist namentlich ein aus Schweden stammender großer 
Deckelhumpen mit meisterhafter Treibarbeit und Ciselirung 
zu erwähnen, der längere Zeit einer schlesischen Familie ge- 
hört hat. Femer mehrere Limousiner Emailbüder, eines be- 
zeichnet J. Laudin. Die wertvollste Überweisung jedoch, 
durch welche zugleich eine Lücke der Sammlungen ausge- 
füllt wurde, war die der früher auf der Breslauer Stadtbi- 
bliothek aufbewahrten, ursprünglich der Maria Magdalenen- 
bibliothek gehörigen Elfenbeinschnitxerei^n, die einen Teil 
der von Säbisch-Hubrigschen Sammlung bildeten. Diese am 
Anfang des 18. Jahrhunderts in Wien gefertigten figürlichen 
Arbeiten rühren nach den alten Katalogen zumeist von 
einem sonst nicht bekannten Künstler Namens Felix her. Sie 
weisen eine große Vollendung in der Technik und in der 
anatomischen Behandlung des Körpers auf und befinden 
sich in den ursprünglichen Behältern, Glaskasten mit archi- 
tektonischen Umrahmungen, Gesimsen und geschweiften 
Dächern aus verschiedenfarbigen Hölzern. Es sind 1. ein 
großer Crucifixus; das schwarze Postament des Kreuzes mit 
allerlei Gräsern, Buschwerk, Emblemen des Todes und der 
überwundenen Sünde — alles aus Elfenbein geschnitzt — 
besteckt. 2. ein heiliger Sebastian; der Baum, an den der 
Heilige gebunden ist, ist in naturalistischer Weise mit allen 
Zweigen und Blättern aus Elfenbein geschnitzt und zusam- 
mengesetzt. 3. Ein Schaukasten mit vier Elfenbeinfiguren 
(Herkules, Satyr, Kleopatra, Venus) und 4. mehrere schön 
modellirte gegossene Wachsfiguren (Kaiser Karl VI.) und ver- 
schiedene mythologische. — In dem Bericht der Museums- 
verwaltung ertönt wiederum der Notschrei nach der Ver- 
größerung der Museumsräume, die längst unzureichend ge- 
worden sind. Am zweckmäßigsten würde dies durch die 
Einrichtung eines Kunstgewerbemuseums erreicht werden, 
für welches die günstigsten Vorbedingungen durch den aas 
alter Zeit herrührenden Besitz des Altertumsmuseums ge- 
geben sind. Eine kunstgewerbliche Sammlung ist längst 
der Wunsch weiter Kreise, nicht zum mindesten der betei- 



KLEINE MJTTEILUNGEN. 



107 



ligien Kunsthandwerker gewesen. Zudem würde eine solche 
Anstalt hier im Osten ungemein segensreich wirken können. 
Es ist der Vorschlag gemacht worden, das Kunstgewerbe- 
museum mit dem Neubau der Kunstgewerbeschule zu ver- 
binden; für diese Vereinigung sprechen viele Gründe und 
die bewährten Musteranstalten anderer Städte, z. B. Wiens, 
Berlins, Karlsruhes, Dresdens u. s. w. Ob jedoch dieser Plan 
Aussicht auf Verwirklichung hat, wage ich nicht zu be- 
haupten. Vorläufig steht selbst der Bau des Kunstgewerbe- 
schulgebäudes noch in weiter Feme; nicht einmal das Pro- 
gramm für den Entwurf steht fest. 



WeltanssteUimg in Chicago 1893. 

Mit Riesenschritten gehen die Prachtbauten in Jack- 
son Park ihrer Vollendung entgegen, so dass die Ein- 
weihungsfeier im Oktober, an welcher sich außer dem 
Präsidenten und den obersten Regierungsbeamten auch 
das diplomatische Korps beteiligen wird und für welche 
femer die Summe von 200000 Dollar zur Bestreitung der 
Kosten ausgesetzt ist, den Reigen der Jubiläumsperiode er- 
öilhet. Laut eines Kongressgesetzes muss die Übergabe am 
12. Oktober, dem vierhundertsten Jahrestage der Landung des 
Kolumbus erfolgen, doch werden die Thore der Ausstellung 
erst am darauffolgenden 1. Mai 1893 der Welt geöffnet und 
unmittelbar vor diesem Ereignis wird im Hafen von New- 
York — mit Ausnahme des von Rio de Janeiro, der schönste 
der Welt — eine großartige Flottendemonstration stattfinden. 
Diese Flottenrevue, welche im April 1893 stattfindet, ist vom 
Kongress angeordnet und zur Teilnahme an derselben hat 
Präsident Harrison an sämtliche Völker der Erde Einladun- 
gen ergehen lassen. Die spanische Regierung hat sich* be- 
reits erboten, eine Kopie des Schiffes „Santa-Maria" her- 
stellen zu lassen, in welchem bekanntlich Kolumbus seine 
erste denkwürdige Reise antrat. Die Ausrüstung und Be- 
mannung des Schiffes wird in streng historischer Weise er- 
folgen und nachdem die „Santa-Maria" an der Flottenrevue 
in New-Tork teil genommen haben wird, soll sie durch 
den „£rie"-Kanal auf die Binnenseen und nach Chicago ge- 
biucht werden, woselbst die formelle Übergabe des Schiffes 
an die Ausstellungsbehörde stattfinden wird; unstreitig ver- 
spricht die „Santa-Maria" ein sehenswertes und anziehendes 
Ausstellungsobjekt zu werden. Bis Ende 1891 waren bereits 
2000 Anmeldungen von Ausstellern eingelaufen. Diese Zahl 
uinfasst jedoch nur die direkt an die Ausstellungsbehörde 
gerichteten Platzgesnche und daher dürfte einschließlich der 
bei den fremdländischen Ausstellungskommissionen einge- 
laufenen Anmeldungen die Gesamtzahl das Doppelte obiger 
Ziffer schon überschritten haben. Der Vollziehungsausschuss 
der Ausstellungskommission für den Staat Jowa hat folgen- 
den Kostenanschlag fdr den „Exhibit*' jenes Staates be- 
rechnet: Das Staatsgebäude 75000 Dollar, Tierschau 50000 
Dollar, Ackerbau, Milcherei, Gewerbe 110000 Dollar, Schul- 
wesen 20000 Dollar, Bienenzucht 3000 Dollar, Frauenarbei- 
ten 20000 Dollar, Fischerei 20000 Dollar, Mineralien 6000 
Dollar, Sanit&tswesen 4000 Dollar, ferner Gehälter, Druck- 
sachen u. s. w., so dass die vorläufigen Kosten auf 339000 
Dollar veranschlagt werden; um die Bewilligung dieser 
Summe soll die nächste Legislatur angegangen werden. Für 
die fieberhafte Thätigkeit, welche im Press- und Auskunfts- 
bureau herrscht, mögen folgende Zahlen in beredter Weise 
zeugen: 249522 Poststücke wurden allein in der ersten 



Woche im Monat Dezember vorigen Jahres von diesem Bu- 
reau nach allen Teilen der Welt versandt; durchschnittlich 
belief sich die tägliche Expedition während dieser einen 
Woche auf 61687 Poststücke. Der Gesamtbankumsatz Chi- 
cagos während einer der letzten Wochen betrug 102000000 
Dollar, gleich dem 13. Teile des Gesamtumsatzes im Lande. 
Den Manen des Turnvaters Jahn wird auf der Kolumbischen 
Weltausstellung ebenfalls die gebührende Achtung geschenkt 
werden, denn die deutsche Tumerei wird vollauf vertreten 
sein, um den Wert des deutschen Turnsystems als Erzie- 
hungsmittel für Körper und Geist ins rechte Licht zu stellen. 
Zu diesem Zwecke hat die deutsche Turnerschaft beschlos- 
sen, keine Sonderausstellung zu veranstalten, sondern ge- 
meinschaftlich mit dem Nordamerikanischen Turnerbunde 
vorzugehen. 

Fortschritt der Eiesenbauien. Am Industriepalast ar- 
beiten jetzt 614 Mann. Von den acht Pavillons sind sechs 
fertig. Die Außenwände sind bis zur Dachlinie gediehen. 
Am nördlichen Pavillon wird Beton verarbeitet. Am Fische- 
reipalast arbeiten 48 Mann. Zimmerleute haben den Dom 
in Arbeit. Die Betonarbeiten machen hier guten Fortschritt. 
Alles Eisenwerk ist fertig, mit Ausnahme der Aquarien. Im 
Innern des Frauenpalastes arbeiten 13 Mann, welche die Fuß- 
böden legen und die Treppen bauen. Im Nord- und Süd- 
pavillon des Gartenbaupalastes wird der Fußboden gelegt. 
An den Treibhäusern arbeiten 26 Mann. Das Dampfkessel- 
haus erhält ein Dach. 58 Mann arbeiten am Verkehrsmittel- 
palast. Die Zimmereiarbeiten sind vollendet. 28 Mann ar- 
beiten am Hütten baupalast Das Lattennageln und die in- 
neren Mauern sind beinahe fertig; der Dom hat ein Dach 
erhalten. Betonarbeiter sind am nördlichen Ende. 276 Mann 
sind am Elektrizitätspalast beschäftigt Alle eisernen Trag- 
balken für die Transepte sind an Ort und und Stelle. Zim- 
merleute bauen die Galerie, legen Fußböden und bauen die 
Türme. Am Verwaltungspalast sind 110 Mann beschäftigt 
Das Eisenwerk am Dom ist fertig. Am Meiereigebäude sind 
10 Mann an der Arbeit Der Bau ist bis auf einige Kleinig- 
keiten fertig gestellt. 269 Mann sind am Maschinengebäude 
beschäftigt. Für das Förstereigebäude sind die Skulptur- 
werke fertig. Am Ackerbaupalast arbeiten 220 Mann. Zwei 
Drittel des Eisenwerkes des Domes sind fertig. Die Zimmer- 
leute legen Fußböden. Für den Anbau werden Pfahle ein- 
gerammt. Am Abzugskanal sind 10 Mann beschäftigt, an 
der Pumpstation 15 und an den Molen 18. Am Palast für 
schöne Künste sind die Wände anfangs des Monats bis zur 
Dachrinne gediehen. Im ganzen arbeiten im Jackson Park 
5392 Menschen. Im vorigen Monat kamen 855 Waggons 
voll Baumaterial an. 

Der bisher in sämtlichen Ausstellungspalästen verge- 
bene Raum umfasst eine Fläche von vier Millionen Quadrat- 
fuß; ein wenig über ein Dritteil dieses Raumes ist von aus- 
ländischen Ausstellern reklamirt worden. 

Die Pacific Steam Navigation Co. und die Cia Sud 
Americana de Vapores haben sich bereit erklärt, I'assagiere 
und Fracht für die Ausstellung zu reduzirten Preisen zu be- 
fördern. Die Kommissäre der lateinischen Abteilung werden 
einen Rabatt von 25 Prozent erhalten, die für Kollektivaus- 
stellungen bestimmten Sachen fremder Regierungen 50 Pro- 
zent, die von Privatleuten geschickten Sachen werden, nach- 
dem [die IVansportraten nach amerikanischen Uafenplätzen 
vollbezahlt sind, gratis zurückbefördert. Ausstellungsbesucher 
erhalten bei Ankauf von Rundreisekarten 33V3 Prozent 
Rabatt 




108 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Die folgenden Beamten wurden anfangs dieses Monats 
von dem neuen Direktorium der lokalen Ausstellungsbehörde 
gewählt: W. T. Baker, Präsident; H. R. Higinbotham, erster 
Vizepräsident; H. 0. Edmunds, Sekretär; W. E. Carlisle, An- 
walt; A. F. Seeberger, Schatzmeister; W. K. Ackermann 
Rechnungsführer. Eine Reduktion von 20000 Dollar vom 
Jahresgehalt der neuen Beamten wurde eingeführt. 

Eine Ejrefelder Zeitung schreibt : „Drei der bedeutend- 
sten Paramentenfirmen haben sich bereit erklärt (eine vierte 
Zusage steht noch in Aussicht), in Verbindung mit der auf 
dem Gebiete der kirchlichen Goldschmiedekunst berühmten 
Firma Hellner zu Kempen eine eigene Gruppe für kirch- 
liche Kunstweberei . und für kirchliches Kunsthandwerk zu 
bilden. Dieser Gruppe können sich auch andere Künstler 
auf gleichem Gebiete anschließen. Über die Bedingungen 
hierfür werden noch Verhandlungen mit dem Reichakom- 
missar gepflogen. Es ist die berechtigte Hoffnung vorhan- 
den^ dass diese Gruppe sich zu einer ganz hervorragenden 
in ihrer Art gestalten und zeigen wird, dass Deutschland 
von seinem altbewährten Ruhm auf dem Gebiete der kirch- 
lichen Kunst sowohl in der Paramentik wie in der Orna- 
mentik kirchlicher Gefäße nichts eingebüßt hat." 



Die österreiekisehe Abteilung. Der „Neuen Freien Presse" 
(Wien) "entnehmen wir folgendes: „Der Obmann des Aus- 
fuhrungskomitees, Kammerpräsident Rudolf Ishary, teilt in 
der Sitzung am 23. Mai mit, dass er für die österreichische 
Abteilung einen Raum von 8000 Quadratmetern in Chicago 
— dasselbe Raummaß, welches Österreich auf der Weltaus- 
stellung in Paris 1878 hatte — angemeldet habe. Die Aus- 
sichten für unsere Teilnahme mehren sich zusehends; auch 
aus den Provinzen, namentlich aus den Bezirken Brunn, 
Troppau, Olmütz, Eger, Reichenberg, Prag, Pilsen und Bud- 
weis ist eine rege Beteiligung in Aussicht gestellt. Das Komitee 
wurde auch über die Erleichterungen schlüssig, welche den 
österreichischen Ausstellern aus der bewilligten Staatssub- 
vention zugewendet werden sollen. Danach werden aus der 
Subvention die Kosten für die amtliche Vertretung (Regierungs- 
kommissär nebst Bureau) dann für eine würdige Dekoration 
der österreichischen Abteilung, die Überwachung der Aus- 
stellungsobjekte und die Versicherung der Ausstellungsgüter 
auf dem IVansporte und gegen Feuer bestritten werden. 
Auch soll dafür gesorgt werden, dass diejenigen Aussteller, 
welche für keine eigene kommerzielle Vertretung aufkommen 
können, durch Personen, welche die Kommission bestimmt, 
vertreten werden. Da unsere Biere eine große Exportfahig- 
keit besitzen, so empfahl das Komitee, den Wiener Brauherren- 
verein, sowie auch die Brauereien in den einzelnen Kron- 
ländem zu einer gemeinschaftlichen Fachausstellung einzu- 
laden". No. 87 der in Prag erscheinenden „Bohemia" enthielt 
und anderem folgende Notiz über die Vorbereitung zur Welt- 
ausstellung: „Das Filialkomitee in Pilsen hielt am 17. Mai 
seine erste Sitzung ab. Der Vorsitzende verwies auf die 
rege Teilnahme, welche sich für die Beschickung dieser Aus- 



stellung unter den Exportindustriellen des Pilsenei Kammer- 
bezirks kundgiebt. Nach den bisher eingelangten Informa- 
tionen wurde konstatirt, dass insbesondere in der Glasindustrie 
und in der Maschinenindustrie eine hervorragende Beteili- 
gung an der Ausstellung gesichert ist und dass auch die 
Fezindustrie, Wagenfabrikation, Erzeugung von Knöpfen, 
ferner Steinmetz- und Buchbindereiarbeiten in vorzüglicher 
Weise vertreten sein werden. Da sich mehrere bedeutende 
Industrielle die Anmeldung noch vorbehalten haben, und 
auch die Beteiligung der Pilsener Brauhäuser zu erwarten 
ist, kann das Filialkomitee der Pilsener Handels- und Ge- 
werbekammer auf eine ehrenvolle Vertretung seines Bezirkes 
in Chicago rechnen. Die Beteiligung des Unterrichtswesens 
dagegen wurde von der Initiative des Unterrichtsministeriums 
abhängig gemacht. Im Interesse der Aussteller hat das Fi- 
lialkomitee beschlossen, an die k. k. Centralkommission das 
Ersuchen zu stellen, bei der Regierung dahin wirken zu 
wollen, dass sie die Aussteller bei der Tragung der Trans- 
portkosten unterstütze, indem entweder die Frachtkosten aus 
Staatsmitteln bestritten werden oder wesentliche Frachter- 
mäßigungen gewährt, bezw. erwirkt werden. Nach der An- 
schauung des Filialkomitees ist der in Aussicht gestellte Snb- 
ventionsbetrag von 150000 fl. für die Repräsentation der im 
Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder viel zu ge- 
ring, steht auch weit hinter den Subventionen anderer Staaten, 
welche sich an der Weltausstellung in Chicago offiziell be- 
teiligen." 

Österreichs Beteiligung an der Ausstellung hat jetzt 
feste Formen angenommen; abgesehen von der unlängst in 
Wien und anderen österreichischen Städten formirten Kom- 
mission, ist auch der New- Yorker Konsul, Dr. Anton von 
Palitschek, derselben als Generalkommissär zuerteilt worden. 
Dr. von Palitschek befand sich Ende März in Chicago, um 
die nötigen Vorkehrungen für die österreichische Abteilung 
auf der Weltausstellung zu treffen; der Kommissär hat um 
125000 Quadrat fuß Raum in den verschiedenen Abteilungen 
nachgesucht. Die österreichisch-ungarische Ausstellung wird 
namentlich durch die Wiener Galanteriewarenindustrie, Por- 
zellanmanufaktur u. 8. w. in hervorragender Weise ver- 
treten sein. 

Laut Wiener telegraphischen Nachrichten vom 18. ds. 
Mts. trägt man sich in Tirol mit dem Plane, die Abteilung 
jenes Gebirgsdistriktes zu der anziehendsten der Ausstellung 
der östeiTeichischen Monarchie in Chicago zu gestalten. In 
dieser Sektion soll das typische l^rolerleben in drastischer 
Weise zur Anschauung gebracht werden. Die Sektion soll 
kreisförmig gehalten sein; im Vordergrunde erfolgt die pla- 
stische Aufstellung der Tiroler Industrien, während der Hinter- 
grund, längst den Wänden, ein Panorama der Alpen daiBteUt. 
Spezialkommissar Koerte, Vertreter des Ausstellungs- 
kommissars für das deutsche Reich, Geheimrat Wermuth, 
der bekanntlich die Ausstellungsbehörde um eine Mehrbe- 
willigung von Raum für die deutsche Abteilung anging, war 
erfolgreich in seinem Bestreben. Herr Koerte befindet sich 
bereits auf der Heimreise. 



4*3 



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schön ausgefährt. In ihrer Gesamtheit bieten sie ein ungewöhnlich klares und anschauliches Bild der Trümmer aus 
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lichkeit der Arbeiten, zum 
weitaus geringerem Teile mit einem gewissen künst- 
lerischen Genüsse und endlich die größte Partie der- 
selben mit einem gelindem Entsetzen aber die Roh- 
heit der AusfQhrung betrachten. Diese Zustände zu 
bessern resp. zu kräftigen ist vor einigen Jabren in 
Brienz am Brienzersee eine Schnitzlerschule gegrOndet 
worden. Der Abschnitt I des Programmes sagt Qber 
den Zweck der Schule kurz und bQndig: „Die Schnitz- 
lerscbule ^ hatdeuZweck, die in sie eintretenden Jüng* 
linge durch einen methodischen, sowohl theoretischen, 
als praktischen Unterricht zu tüchtigen Schnitzlem 
heranzubilden". Über die Mittel, durch welche man 
die Absicht erreichen will, giebt Abschnitt 11 Aus- 
kunft: „Die Schule zerfallt in zwei Abteilungen 
welche sind a) die Zeichnungs- und Modellirschule h) 
die praktische Schnitzlerschule '. 

Die eintretenden jungen Leute sind durchschnitt- 
lich eben aus der Schule entlaesen, doch zählt die 
Anstalt auch manchen bereits praktisch thätig ge- 
wesenen Scbnitzler, der eine weitere Ausbildung 
sucht. In besonderen Kursen werden sogar die in 
andern Geschäften Angestellten weiter gefördert Um 
Ärmeren den Besuch der Schule zu ermöglichen, zahlt 
jeder beim Eintritte 10 Franken und erhält dafür Holz, 
Lehr- und Zeichnungsmaterial gratis, sowie vom 

KiiniiLBewerbebUtL N. F. tlL 



zweiten Lehrjahre an die Hälfte des Ertr^es von den 
verkauften Gegenständen. Der Unterricht im Zeich- 
nen, Modelliren wie Schnitzeln findet neben einan- 
der statt, derartig, dass das letztere besonders be- 
tont wird. Beim Unterrichte im Schnitzeln wird 
in der Weise verfahren, dass der zu schneidende 
Gegenstand gezeichnet und modellirt wird. In dem 
ersten Jahre mQssen zwanzig Nummern durchge- 
arbeitet werden. Das einfache Kreuz, das ein- 
fache Blatt sind die ersten Vorlagen. Die Steige- 
rung ist eine sehr allmähliche, doch geht sie immer- 
bin in dem einem Jahre so schnell voran, dass der 
Schüler am Schlüsse dieser ersten Lehrzeit ein zartes 
Ornament (stilisirte Blume mit Ranken) im Ge- 
schmacke der Frübrenaissance zeichnen, modelliren 
und schnitzeln kann. Von nun an teilen sich die 
Unterrichtsfächer in Ornamentik mit menschlichen 
Figuren und in die reine Tierschnitzlerei. Daneben 
giebt es allerdings auch einzelne Schtller, die die 
reine Ornamentik einzig betreiben. Bezüglich des 
Unterrichtes im Modelliren und Schnitzeln der Tiere, 
wie Menschen — diese kommen nur in der Form 
von Büsten und Amoretten und dergl. zur Verwen- 
dung — ist hervorzuheben, dass ganz besonders da- 
rauf geachtet wird, dem Schüler die Grundform des 
betreffenden Tieres resp. eines Teiles desselben vor 
Augen zu führen. Deshalb muss der Lehrling im 
Anfange Bt«ts zuerst die ganz rohen Umrisse eines 
Kopfes um ein Beispiel zu nehmen, sauber scbaitzeln, 
dann die hauptsächlichsten Charakteristika hinzu- 
fügen und endlich die feineren Details. Es ist zu 
bedauern, dass in der Anstalt nicht auch das lebende 
Modell in ausgiebiger Weise verwertet wird. Ein 
17 



110 DIE SCHNITZLERSCHÜLE IN BRIENZ. 

paar Kaninchen, ein Hirsch, ein Reh, eine Ziege, und Alpenrosen zu verbrämen nnd — wir gestehen 

eine 6emse und einige Vögel wären immerhin zu es gerne zu — nicht ohne Geschick, dennoch sollten 

erwerben und böten ein TorzDgliches Schulmaterial jene Vorigen und auch die niederländischen Re- 

Etwas entschädigt allerdings der durch den yon Ja- naissance, Ornamente, welche dem Holzstile 

gend an gewohnten Umgang mit den Tieren un- besser als die rein italienischen angemessen sind, 

willkürlich geschärfte Blick. Hinsichtlich des Hand- stärker in den Vordergrund treten. Denn man mag 

werkszeages sei noch bemerkt, dass der Scbnitzler es drehen , wie man will, im allgemeinen bleibt es 



in der Schule niemals ein 
Messer, sondern stets nur 
verschiedenfach geformte 
Ueißel benutzt 

Die Schnitzler wer- 
den übrigens nicht nur 
für Luxusartikel ausge- 
bildet, sondern auch ftir 
rein praktische Arbeiten 
z. B. ftlr Möbelfiillungen. 
Wer einmal die äußerst 
liederliche Weise beach- 
tet hat, mit der selbst 
an teuren Möbeln die 
Ornamentik behandelt 
wird, kann es sicher nur 
mit großer Freude begrü- 
ßen, wenn auch in diesem 
punkte hier und da 
Wandel geschafft wird. 

Die Brienzer Schnitz- 
lerschule ist schon heute 
von großem Segen für die 
schweizerischen Schnitz- 
ler geworden. Einzelne 
Arbeiten sind thatsäch- 
lich von künstlerischem 
Werte. Für die Ehren- 
gabe zum Jubiläum des 
Professor Ludwig in Leip- 
zig lieferte die Brienzer 
Schnitzlerschule, um ein 
Beispiel anzuffihren, die 
in ihr Gebiet fallenden 
Arbeiten. Auch aus dem 

Auslände, z. B. Deutsch- HoiEicbniucrei 

land und Osterreich, flie- 
ßen dem Institute reichliche Bestellungen zu. 

Wenn wir etwas bedauern, so ist es, dass so 
gesunde Muster, wie sie der Kerbechnitt oder die 
Band verschlingungen bieten, fast gar nicht kultivirt 
werden. Die Zeichenlehrer versuchen zwar das Or- 
nament der Renaissance, des Rokoko, Louis XVI mit 
dem Lande eigentümlichen Details z. B. Edelweiß 



doch zu Recht bestehen, 
dass unsere „stil getreuen" 
italienischen Renaissance- 
arbeiten steif und die im 
Rokoko- etc. Geschmacke 
gehaltenen kalt und ohne 
graziösen Schwung sind. 
Vielleicht lernt man es, 
Leben in diese überlieferte 
Formensprache za brin- 
gen, wenn man nicht mit 
den „klassischen" Mu- 
stern sondern mit den ein- 
fachen Vorstufen be^nt 
und aus diesen heraus 
sich allmählich zu jenen 
emporarbeitet. 

Jedenfalls sind solche 
Schulen, wie die tob 
Brienz äußerst wertvoll 
E^ wird durch dieselben 
eine Naturknnst erzogen, 
veredelt. Wohl möchte 
man wünschen, es möchte 
deren noch mehr geben, 
auch in Deutschland, wo- 
selbst ja eben&lls ganze 
Distrikte der Schnitzlerei 
sich befleißigen. Im 
Schwarzwalde und in 
Tirol führt gar mancher 
das Messer. Uns sollte 
es fast scheinen, dass 
auch hier eine „Schnitz- 
lerschule" gar wohl am 
Platze wäre. Unzweifel- 
haft würde es aber auch 
in dieser Richtung möglich sein, dem National- 
reichtume neue Quellen zu erschließen. Im Thö- 
ringerwalde, auch wohl im Riesengebii^e etc- wäre 
es sicher möglich und ratsam, die Bevölkerung für 
das Schnitzeln zu gewinnen. Auch der Absatz würde 
nicht fehlen; denn Thüringen wird bekanntlich 
von vielen tausend Fremden im Sommer durch- 



DIE SCHNITZLERSCHULE IN BRIENZ. 



111 



zogen'). — Ein anderer nicht minder gewichtiger 
Grund wttrdefernerhiadafttr sprechen, die Herstellung 
von Schnitzarbeiten zu beftlrworten. Mit Recht wird 
heut« noch immer Über den Mangel an einem Boliden 
GeBchmack geklagt. Da könnten die Schnitzler und 
ihre Produkte segensreich werden und uns von den 
elenden Güssen in ichlechten Metallen u. s. v. he- 
freien. Je mehr geschnitzte Arbeiten jeglicher Art 
— und es lassen sich ja so unendlich viele Gegen- 
stände aus Holz herstellen — gearbeitet und ge- 
kauft werden, desto billiger werden sie auch werden, 



I) Hinsichtlich dieaei Panktes wird mir berichtet, daat 
eine Anzahl Schulen dieser Art eiiBtiren. Dann hoben de 
jedenfallB rieh noch nicht genügend einbOrgera kOnneo. 
Denn bei einem oftmaligem Aufenthalte in ThOringen nnd 
im Scbwoizwalde habe ich keine intensive Teilnahme der 
Be?ItlkerQDg bemerken kOnnen. 



desto mehr wird sich das Publikum von den Imita- 
tionen in Zink, Schießbaumwolle, Gummi etc. etc. 
abwenden. Und abermals wäre dann ein Schritt 
zum Besseren in unserm Konsthandwerke gethan. 
Damit aber das Ziel auch auf dem beregten Ge- 
biete erreicht wird, mOssen die Museen fOr Kunstge- 
werbe durch Ankänfe und Bestellungen mitwirken. 
Überhaupt scheinen uns, wie wir bei dieser Gelegen- 
heit ganz bescheiden bemerken möchten, die bez. 
Museen die zur Verftlgung stehenden Mittel nicht 
völlig richtig zu teilen. Kach unserer Ansicht sollten 
die Gelder höchstens zur Hälile zur Erwerbung alter 
Arbeiten d. h. alter kunstgewerblicher Vorlagen, zur 
andern Hälfte zum Kaufen neuer Produkte d. h. neuer 
kunstgewerblicher Muster verwendet werden. Möge 
diese zweite Hälfte auch in den Dienst der Schnitz- 
lerei gestellt werden und das Beispiel von Brienz 
eine oftmalige Nachfolge erfahren. 



Kuelkrenx (Bimekt-Nbtteldeck, Barlln). 



InteiMDdinin nach Entwurf von Habe In H>uiiiay«r Kearbalut im HftrietteiKtirt duelbai. 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



VON MAX HEIDEN. 

MIT ABBILDUNGEN'). 

(SchluM.) 



7i der schönsten nnd ge- 
gensten Nachbildungen 
rebter alter Stoffe gebührt 
Stickerei im Bereiche 
Kirchen ausstattn Dg der 
rrang. Der Charakter der 
adarbeit, die eigene per- 
liche Leistung dabei bi^ 
einen so großen Reiz, dem die mascbineUe Thatig- 
keit in der Weberei bei allem Erhaschen nach 
künstlerischen Wirkungen nur annähernd gleich 
kommt. Auch in ethischer Beziehung berühren sieb 
die Gegensätze dieser beiden Kunstfertigkeiten nir- 
gends so scharf als im Kirchenscbmuck. £3 ist, als 
ob ein Gefühl seelischer Befriedigung in den Sticker- 
eien I^e, an denen viele gemeinsam aus Liebe zur 
Sache thätig waren. Selbst wenn bei geringen zeich- 
nerischen Anhaltspunkten der gewebte gemusterte Sei- 



1} Berichtigjtng. In dem ersten Teil dieses Artikeb ist 
üur Unteracbrift unter Abbild. D hinzusiufllgen: StoU' nebat 
Bort«, Bowie die ganze Käse) von F. Ferlinij» in Krefeld ge- 
l^webt und bergeNtulll. 



dendamast als Vorwurf für eine Ausnäharbeit genom- 
men werden muss, so ist immerbin darin eine gewisse 
eigene Selbständigkeit fOr den Zweck ausgedrückt 

Wir wollen uns doch dagegen wehren, die Kir- 
chen der modernen Zeit schablonenhaft zu schmücken 
und aolchen Räumen nicht die Würde eines schema- 
tischen Amtszimmers verleiben. 

Wie man dem eigenen Heime durch liebevolle 
Selhstthätigkeit unbewusst einen individaellen Cha- 
rakter giebt, so kann sich auch im ernsten Schmucke 
der Kirche, je nach dem Sinne der Gemeinde, etwas 
Bestimmtes, Eigenartiges ausdrücken. Dabei soll 
nicht hiutenangesetzt werden, dass eine derartige 
gemeinsame Arbeit mehrere zur Folge haben kann, 
wodurch vielen Kreisen ein befriedigendes und 
fruchtbringendes Arbeitsfeld erSffnet bt. 

In alter Zeit, die wir uns im Kunsthandwerk 
so gern als Vorbild nehmen, brauchte dergleichen 
nicht anerzogen zu werden: unter den häuslichen 
Kunstfertigkeiten trug die Stickerei viel zur Unter- 
haltung und befriedigenden Thatigkeit des Lebens 
bei, am allerwenigsten kam darin die Kirche xu 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



kura. Deshalb wird sich auch der Wirkungskreis on- 
Berer ParamentenTereine von selber erweit«ni, sie 
kSnnen schließlich den Ausgangspunkt bilden für 
besseres Verst&ndois und bessere Übung der Kunst- 
stickerei. 

Aber auch die Stickerei muss an kOnstlerischem 
Reiz verlieren, sobald sie nn bevorzugter Stelle als 
Schmuck gleicher Gegenstände gleichartig in Stil 
und Ausfahrung in Erscheinung tritt Kommt zu 
alledem noch die Verwendung der gleichen Motive, 



Von diesen QesichtapuakteD ans wirkten die 
sonst so erfreulichen Arbeiten der evangelischen 
Parunentenvereine auf der Berliner Ausstellung 
ungDnstig. Man denke sich aus 18 Kirchen etwa 60 
Ausstattungen: Altarbeh&nge, Eanzelpultdecken und 
dergl., fßr die verschiedenen Zeiten des Kirchen- 
jahres auf "Weiß, Rot, Grün, Violett oder Schwarz 
gestickt und alle gleichartig im Charakter. 

Sind diese G^enstande in die einzelnen Kirchen 
verteilt, so kommt natürlich jedes Stück f&r sich 



Antepindlnm von H. B. Beck la Heimhit. 



so wird man unserer modernen Zeit einen Vorwurf 
in Bezug auf Entwertung der Handarbeit und auch 
den unbegründeten der Formenarmut nicht ersparen 
können. Von allzu großer Vielseitigkeit kann hier 
freilich nicht die ß^de sein, weil Form und Far- 
ben gebuug bei der Kirchen au ss tattun g an litur- 
gische Gesetze gebunden sind. Trotz dieser Be- 
schränkung braucht die Handarbeit im Dienste der 
Kirche nicht ihre ganze Freiheit aufzugeben: die 
Stickerei darf dabei vor allem nicht ihr ganzes 
Können auf eine einzige Verzierungsart konzentriren. 



zur Geltung, auch wenn keines von den anderen 
verschieden ist; doch als Ausstellungsgruppe voi^e- 
fuhrt, erweckt ihre Einheitlickeit im ktlnstlerisohen 
Sinne Bedenken. Ein Vorwurf ist keinem der Be- 
teiligten daraus zu machen. 

Die erste Thätigkeit der evangelischen Kirchen- 
werkstStten fällt noch in jene Zeit, welche Geist und 
Au^ fUr Bedeutui^; und Bedtlrfnis der gesamten 
Kunstindustrie wenig geObt hatte. Am ärgsten sah 
es auf dem Gebiete der textilen Kunst, in Weberei 
und Stickerei aus. In kirchlicher Beziehung hat zu- 



MODERNE KIRCHENSTOFPE UND STICKEREIEN. 



115 



nächst Dr. Bock mit seiner bekannten „Oeschichte 
der liturgischen Gewänder** sowie mit dem Schrift- 
chen: 9 Die kirchliche Stickkunst, ehemals und 
heute** u. v. a., in Verbindung mit Veröffentlichun- 
gen alter Stick- und Webemuster den Weg gebahnt. 
Als katholischer Geistlicher hatte er natürlich da- 
bei zunächst seine Kirche im Auge. Für das evan- 
gelische Gotteshaus wenig zu brauchen sind auch 
die an sich guten Muster, welche der katholische 
Pfarrer Versteyl herausgegeben hat Bestinmite Re- 
geln über einen stilistischen Schmuck seiner Kirche 
versuchte zuerst im Jahre 1867 der evangelische 
Pfarrer Lic. Mor. Meurer in einem Bändchen, be- 
titelt: „Altarschmuck'' niederzuschreiben. Aus dem 
Ende der achtziger Jahre ist uns femer noch durch 
die Berliner Ausstellung bekannt geworden ein 
Schriftchen des evangelischen Diakonus Wilhelm 
Johnsen in Hannover. Die beiden letztgenannten 
Arbeiten waren ungleich schwerer als die ersten. 
Konnten sich Bock und Versteyl in ihren Beschrei- 
bungen und Forderungen des Schmuckes fßr ihre 
Kirche an vorhandene alte Beispiele halten, so muss- 
ten die Geistlichen der protestantischen Kirche gleich- 
zeitig eine neue Formensprache für ihre Zwecke er- 
finden. Die Schrift von Meurer begleiten daher die 
Musterblätter des Zeichners M. E. Beck in Herm- 
hut und diejenigen von Johnsen, Vorlagen aus der 
Werkstatt StoflFregen in Hannover. 

Es haben also Meurer und Beck die ersten An- 
haltspunkte geschaffen f&r den textilen Schmuck der 
evangelischen Kirchen, ihren Arbeiten ist es zu ver- 
danken, dass die Thätigkeit unserer Paramenten ver- 
eine auf richtige Wege geleitet wurde. Dass sich 
mit der Zeit darin ein ganz bestimmter Stil ausge- 
prägt hat, ist nicht zu verwundern: Beck ist in 
seinem Formenkreis Meister geworden und ebenso 
meisterhaft ist die Technik ihm gefolgt. 

Die Linienftihmng in Becks Entwürfen bewegt 
sich im modernisirten romanischen und gotischen 
Stil; erst in letzter Zeit klingen Renaissanceformen 
hindurch. Die verschiedenen kirchlichen Symbole: 
das Kreuz, das Lamm, die Zeichen der vier 
Evangelisten u. s. w. sind durchgängig hineinkom- 
ponirt in Felder von Kreis- oder verschiedener Pass- 
form und die Randeinfassungen derselben mit Or- 
nament oder Sprüchen gefüllt. Der so in sich ab- 
geschlossene ornamentale Körper bildet dann die 
Füllung auf dem sonst frei gelassenen Grunde des 
Antependiums, das je nach der Länge durch zwei 
Borten in drei Felder geteilt ist, in welchem Falle 
die Seiten einen einfacheren Einsatz erhalten. (VergL 



Abbildung 2.) In hochovalen Umrahmungen und 
in demselben Stil streng durchgeführt stellt Beck 
auch biblische Figuren dar, deren eine Reihe von ver- 
schiedener Bedeutung, als Füllung einer friesartigen 
Altarbekleidung für den Dom in Schwerin (Arbeit 
des Mecklenburgischen Paramenten Vereins in Ludwigs- 
lust) Anwendung gefunden haben, und es darf dieses 
Stück zu seinen besten Leistungen gerechnet werden. 

Die AusfÜhmng der Beckschen Entwürfe ist 
nun durchweg in Aufnäharbeit und einem Kontur- 
oder Stielstich geschehen, der auch zur Schattimng 
und Teilung der Mittelfiguren im Omament dient. 
In der Nähe betrachtet, kommt in dieser Technik 
Alles vorzüglich zum Ausdruck; aber durch den 
allzu großen Reichtum an feinen Einzelheiten ent- 
behren die Zeichnungen in der Entfernung des 
monumentalen Eindrucks. 

Die Aufnäharbeit ist sonst die geeignetste Tech- 
nik zur Erreichung der hier notwendigen Wirkun- 
gen, das beweisen uns hinlänglich die zahlreich er- 
haltenen Beispiele der Renaissance. Doch sie ver- 
langt die einfachste Behandlung in Muster und Far- 
ben. In scharf begrenzter Zeichnung sind zwei Töne 
reichlich genug, um sie von dem Grunde loszu- 
machen. Die Umrisslinien, in alten Sachen aus ge- 
drehten Schnürchen bestehend, dürfen höchstens in 
die Hauptzeichnung eingreifen, wo es sich um An- 
bringung von reizvollen Eindrücken handelt, die an 
der Gesamtform des Musters nichts mehr ändem. 

So nur ist durch Aufnäharbeit etwas weithin 
Wirkungsvolles zu erreichen. Schwer wird es übri- 
gens bleiben, dieser Technik figürliche Formen zu 
diktiren. Die alte Zeit wandte hierzu verschiedene 
Arten von Goldstickerei oder den Plattstich an; von 
Aufnäharbeit kann in der älteren Bildstickerei nur 
insofern gesprochen werden, als die vorher beson- 
de« angefertigten Einzelfiguren aufgesetzt sind. 
Aber auch in der Anwendung der so gestickten 
biblischen Gestalten legte man sich Beschränkung 
auf, wenn die Musterung der bekleideten Fläche die 
Bestimmung hatte, in weiter Entfernung zu wirken. 
Derartiger Kirchenschmuck trägt in den besten ge- 
stickten Vorbildern rein omamentale Motive; für 
Behänge mit größeren figurenreichen Darstellungen 
stand die Technik der Gobelinwirkerei zur Ver- 
fügung. 

Reich an Vorführungen aus dem Leben Jesu 
und der Mutter Maria sind die gestickten Kirchen- 
behänge der romanischen Zeit. Sie entbehrte noch 
der Technik der Aufnäharbeit und verwertet für 
ihre Zwecke das Tambouriren. Und zwar so, dass 



116 MODEBNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 

der gegebene Grundstoff im Mueter 
nicht mit zur Geltung kommt, son- 
dern ala weiches, leicht von der 
Nadel zu behandelndes Material, ge- 
wöhnlich ein loser Leinenstoff,* onr 
die Unterlage för die ToIlstÖndig 
zu bestickende Flache abgiebL Die 
Technik des Tambourirens, durch die 
Nadel verschlangene, scharf an ein- 
ander gereihte Kettenstiche, erbebt 

3 nicht den Anspruch plastischer Wir- 
* kungen. Die Figaren in jenen alten 
g. Altarbekleidungen sind daher streng 
S im Ausdruck und der Flache stili- 
|, stisch angepasst 

i Auf eine derartige Wirkung will 

H äie Arbeit in dem in Abbildung 4 

I wiederg^ebenen Antependium bin- 

% aus, welches von dem Niedersachri- 

I sehen Paramentenvereine im Kloster 

(4 St. Marienberg bei Helmstedt gestickt 

4 ist. Die hier angewandte Technik 
^ ist eigentlich eine verständige Ober- 
g Setzung des mOhsamen Tambourir- 
% stichee, auch sie entstammt Arbei- 

5 ten der romanischen Zeit, welche sich 

1 noch in dem dortigen Kloster befin- 
Z, den. Auf loser grauer Sackleinwand 
£ ist mit dicken bunten Wollßden das 

2 Muster so eingestickt, dass ein Faden 
fi gespannt wird und derselbe Faden 
I diesen mit etwas schräg liegenden 
m Stichen festnäht. Auf diese Weise 
» ist man im stände, den Grund und 
I die einzelnen Teile des Musters scharf 
I von einander zu halten. Die raube 
2. Fläche der Wollfaden kommt natfir- 
ff lieh im einzelnen der Tambourirar- 
S beit in Seide nicht gleich; doch die 
1 Gesamt Wirkung, welche durch das 
F Absetzen der Formen und Farben 

an etwas Mosaikartiges erinnert iat 
mit WollfSden ebenso zu erreichen. 
Bei der Anwendung des gröberen 
Materials muss sich in der Zeichnung 
die durch die Technik beschränkte 
Linienführung mehr kennzeichnen, 
namentlich in der Darstellung von 
Menschen und Tieren; aber die nn- 
bewusste, dnrch Nadel und Faden sich 
von selber Tollziehende Stilisirung 



Easel, 
□ach mittelatterlichen Vorbildern gestickt in der Werkstatt von Bessbbt-Nettblbbck in Berlin. 



MODERNE KIRCHENSTOFPE UND STICKEREIEN. 



verleiht den Stickereien der romanischen Zeit einen 
besonderen Reiz. So auch in dieser Nachbildung. 

Die Zeichnung des in Helmstedt Terfertigten 
Äntependiums ist nach alten Vorbildern fDr die ro- 
manische Stiftskirche in Königslutter vom Ereisbau- 
meister Job. Wol£f in Bembui^ unter Censur des 
Baurat Wiebe in Braunschweig entworfen. Die im 
Halbkreis angeordneten Symbole der vier Evange- 
listen mit dem Symbol und Zeichen Christi als Mitte, 
sind in bunten Farben und unter Anwendung von 
Tiiemlich viel Weiß, auf grflnem Grunde dargestellt. 



tritt, vor allem die Aufnäharbeit Sie hat zur ge- 
hörigen Wirkung einen schönen farbigeu Grundstoff 
n^tig. Mit aufgenähten Stoffen kann man nur bis zum 
gewissen Grade in breiten Flächen arbeiten, es werden 
sich diese immer erst aus einzelnen Teilen zusammen- 
setzen, wobei dann die ruhige Fläche des Grund- 
stoffes eine etwaige Überschreitung des Farbenwertea 
begleichen muss. Den strengen ausgeschnittenen 
Band- und Ärabeskenformen der Auhiäharbeit ent- 
spricht es also am meisten, die Flächen zwischen 
abgegrenzten geraden Linien und Borten zu mustern. 



B der Werkstatt Besseb 



-Metteldeck In Berlin. 



In denselben Farben sind auch die Borten aus ro- 
manischem Blattwerk und Vögeln gehalten. 

Besondere Beachtnng muss man der verschie- 
denen Raumeinteilung im Bereiche der gestickten 
Fläche eines Äntependiums schenken. Gelangt eine 
Art der Stickerei zur Anwendung, welche die gauze 
Fläche Überzieht, wie z. B. im Helmstedter StUck, 
so wird die Anlage des Musters eine freiere, wei- 
tere sein; die AusfUhniug hat dann keinem anderen 
Bedürfnis Rechnung zu tragen, als die Farben und 
breiten Flächen des gestickten Musters abzuwägen 
mit denjenigen des gestickten Grundes. Anders die 
Technik, welche aufgegebenem OrundeiuErscbeinung 
EanBtgewerbeblfttt. N F. III. 



Die Technik der Aufnäharbeit hat wahrschein- 
lich auch voi^eschwebt bei dem in Abbildung 1 
wiedei^^ebenen Antependium, eine Arbeit des Para- 
mentenvereins aus dem Henriettenstitl zu Hannover 
ftir die Kirche in Celle, nach dem Entwurf des 
Geh. Oberbaurat Haae. Der Grundstoff desselben 
ist rotes Tuch, die Musterung in allen Teilen 
durch einen Flachstich in Seide hergestellt: in 
der Mitte bildet der stehen gebliebene rote Stoff 
den Grund der weißgestickten Füllung und am 
Rande hebt sich die weiße Borte von gelb Uber- 
sticktem Grunde ah. Den unteren Abschluss bildet 
eine Franse. 



1 



118 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



Hervorragend in Bezug auf Raumeiuteilung, Der Grund ist hier mit stiliflirten Löwen, dort mit 
Muster und Technik waren außerdem die vom Hen- Vögeln und entsprechenden Borten abgeschlossen, 
riettenstift ausgestellten Antependien für die Garten- Außer dem Henriettenstift hatten sich noch an 



kirche und ftir die 
Pauluskirche in Han- 
nover. Das letztere, 
vom Maler Mittag da- 
selbst entworfen, ist 
eine von den wenigen 
ausgestellten Altarbe- 
kleidungen gewesen, 
in denender Plattstich 
als Verzierungsart ge- 
wählt war. Auf rotem 
Seidendamastgrunde 
mit dem bekannten 
Hirschmuster, bilde- 
ten die Hauptf&llung 
drei Figuren: ein seg- 
nender Christus in 
einer Kreuzform ste- 
hend, zu beiden Seiten 
Johannes der Täufer 
und der Apostel Pau- 
lus. Bibelsprüche, 
Rosen, Lilien- und 
Weinzweige füllen die 
übrigen Teile des 
Grundes. Die Be- 
handlung der Figuren, 
die Art der Stilisirung 
in den Zweigen in 
halbnaturalistischer 
Weise: alles dies ent- 
sprach durchaus den 
Anforderungen, den 
die Technik und der 
Zweck an ein solches 
Stück stellen. 

Eine eigenartige 
Betonung der Mitte 
führte uns Architekt 
Linnemann ausFrank- 
furfc a,/M. in zwei An- 
tependien, der Gna- 
denkirche in Hanno- 
ver gehörig, vor. Die 

Mittelfüllungen beider Stücke, eine mit der Dar- 
stellung der neuen Gartenkirche in einem SchiiF, 
die andere mit dem guten Hirten, der das Lamm 
aus den Domen holt, erscheinen als Spitzbogen. 




Fig. 7. Kaselkreaz aus Oliva, verkleinert aas Heiden, Motive Tafel ä()8. 



der Berliner Ausstel- 
lung aus HannoTer 
mit guten Arbeiten 
beteiligt: die Finnen 
Gebrüder Stoffi:egen 
und Franz Reinecie. 
Allen hannoverschen 
Stücken gebührt An- 
erkennung wegen des 
Strebens nach Viel- 
seitigkeit in Muster 
und Technik. 

Mit vielen Arbei- 
ten war die Berliner 
Werkstatt Besseit- 
Nettelbeck vertreten. 
Durch jahrelanges 
Studium hat sich 
diese Firma beson- 
ders die alte Technil 
der Aufnäharbeit and 
der Goldstickerei zu 
eigen gemacht: in 
allen von derselben 
ausgeführten Arbei- 
ten wird das mit alten 
Vorbildern vertraute 
Auge immer wieder 
daher stammende 
neue Feinheiten ent- 
decken. Nirgends be- 
gegnet man modernen 
ungeübten Versuchen. 
Ein gutes Be- 
spiel, sich die Tech- 
nik der Aufnäharbeit 
zu erleichtern, bietet 
das in Abb. 5 dar- 
gestellte rote Tnch- 
antependium, nach 
eigenem Entwurf der 
Werkstatt. Die Grund- 
formen des Mosters 
sind aus einer auf- 
genähten gewebten Goldborte gebildet und nur die 
Füllungen dazwischen, Rosetten aus Kosen und 
Lilien, sowie der Christuskopf und die Symbole der 
Evangelisten sind farbig gestickt und aufgenäht 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



119 



Der obere Abschlnss ist durch eine filetartig ge- 
arbeitete Leiiienspitze, der untere durch eine Qold- 
frsnse gebildet. 

Ein anderer ganz besonderer Stil kennzeichnet 
noch die kirchlichen Stickereien dieser Werkstatt. Das 
ist die Schmückung des Altarbehanges durch wenige 
Formen auf weitem frei gelassenen Grunde: das 
Ernste, WOrdevolle wird erreicht dnrch einen guten 
Sammet- oder Seidenstoff, auf dem beispielsweise 
nur das in Gold gestickte Kreuz steht. Eine Franse, 
je nach den zu Gebote stehenden Mitteln, schmal 
oder schwerer, oft sogar bis zu qnastenartigen Trod- 
deln ausartend, bilden dann den Abschluss. 



In dieser Weise behandelt sind die Figuren des 
Christus und der vier Evangelisten auf der abgebil- 
deten Kasel. (Vergl. d. Tafel) 

Von besonderem Interesse ist es noch, gelegent- 
lich dieser Goldstickereien zu erwähnen, dass bei 
Bessert- Nettelbeck vorwiegend — soweit es die anzu- 
wendende Technik gestattet — der japanische Gold- 
faden Verwendung findet Er kann bekanntlich nicht 
ozidiren, was bei dem unserigen unter Umständen 
leider oft schon nach kurzer Zeit möglich ist. 

Aus Berlin hatten femer Stickereien ange- 
stellt: Frau von Wedell, u. a. eine Studie nach den 
schönen in Gold und farbiger Seide gestickten 



Pig, 8, Kirchlich« L«iiieiiaticb«r«i, an» Heiden, Motive, Tafel t2i. 



Viel Fleiß wendet die Werkstatt an, um auf 
die eigentümliche reizvolle Behandlung der Fläche 
in gestickten Goldfäden zu kommen, die uns die 
deutschen BÜdstickereien aus der Zeit um 1500 so 
■wertvoll macht. Die Uetalliaden werden aufgelegt 
und durch Aufnähen derselben mit roter Seide in 
verschiedener LiuienfQhrung wird ein Gruudmuster 
förmlich heraus modellirt Aus solcher Arbeit be- 
stehen die verschiedenen Grundflächen des auf 
Seite 111 dargestellten Kaselkreuzes. 

Aber noch eine andere schwierigere Art des 
Stickens haben uns die alten Vorbilder erhalten: 
jene Figureustickerei, welche den quer gelegten, 
ziemlich starken Goldfäden mit bunter Seide die 
Formen und Fältelungen der Gewiindi-r giebt. 



Kasein aus Oliva (vergl. Abbildung 7) und Architekt 
Theodor Prüfer, dessen Arbeiten durch die seiner 
Zeit von ihm herausg^ebene Zeitschrift: nArchiv 
für kirchliche Kunst" noch allen Interessenten in 
Erinnerung sein werden. Als Kopfleiste des ersten 
Teiles dieses Aufsatzes hat eine, von Prüfer entwor- 
fene Borte fßr Leineostickerei Verwendung gefunden. 
Von allen Gebieten der Stickerei war übrigens 
die Leinenstickerei auf der Berliner Ausstellung am 
allerwenigsten vertreten. Warum? Will man den Ge- 
brauch des Leinenzeuges für kirchliche Zwecke ganz 
aufheben? Gewährt seine Waschbarkeit g^enüber 
den unhaltbaren Farben in unseren Garnen und Seiden 
nicht mehr den Nutzen von ehedem? Welch schöne 
Beispiele sind uns davon aus alter Zeit erhalten! 



120 



MODERNE KIRCHENSTOFFE UND STICKEREIEN. 



(Veigl. Abbildung 8). Ea beschränkte sich damals 
die Leinenstickerei nicht nur auf Kelchtilcher und 
dei^leichen im Kreuzstich gestickt, sondern außer 
großen Ältardecken sind uns auch Antependien im 
farbigen prächtigsten seidenen Plattstich erhalten. 
Die wenigen modernen Leinen- Arbeiten auf der 
Ausstellung: Tom Henriettenstift in Hannover und 
vom Paramentenverein des Elisabethkrankenbauses in 
Berlin, beide mit guten Zeichnungen von Beck, 
femer von StofFregen in Hannover und Prüfer in 
Berlin, beschränkten sich im wesentlichen auf den 
einfachen Konturstich in roter Seide. Über den 
Rahmen dieser Einfachheit ging außer einer Decke 



nach gotischen Motiven, aus der Werkstatt A. MQller 
in Berlin, noch eine gestickte Leinenf&llnng des 
Niedersächsischen Vereins in Helmstedt. Dem breit 
behandelten gotischen Distelwerk nach zu urteilen, 
welches den Rahmen um ein Lamm ßottes. bildete, 
hat zu dieser interessanten Arbeit die Zeichnung 
einer der bekannten HolzfuUnngen mit dem ausgeho- 
benen Grunde als Motiv vorgelegen. 

Möchte diese erste evangelische ParamentenaDs- 
stellung dazu beigetragen haben, dass währeod des 
bevorstehenden Neubaues so vieler Kirchen auch dem 
Kunstgewerbe in Haus und Werkstatt in reichem 
Maße ein weites Feld neuer Arbeit erschlossen werde. 



nr Eben hol zsockel mit äilberomamenteD. Entworren von Prof. RuD. Mayer in KkTlRmhe. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



SCHULEN UND MUSEEN. 

Rd. Köln, Kunstgewerbemuseum, Die zunehmende Be- 
nutzung der Bibliothek und des Museums und die Unzuläng- 
lichkeit der bisherigen Räume ließ eine Erweiterung der- 
selben als nötig erscheinen. Da eine Ausdehnung des alten 
Zimmers nicht möglich war, musste an einer anderen Stelle 
Ersatz gesucht werden, obwohl sich durch die Trennung 
der beiden Abteilungen, der Museumssammlung und Biblio- 
thek allerlei Unzuträglichkeiten ergeben werden. Die Bib- 
liothek umfasst nunmehr drei Räume: das Büchermagazin, 
den Lesesaal und den offenen Zeichensaal. Im Bücherma- 
gazin sind die gebundenen Bücher- und Vorlagewerke auf- 
gestellt, auch dient es zugleich als Arbeitszimmer. Der Lese- 
saal enthält 20 Sitzplätze. In diesem Saal hat zunächst die 
Yorbildersammlung ihre Aufstellung gefunden, die nebst 
den Büchern und gebundenen Yorlagenwerken hier benutzt 
werden kann. In einem besonderen Gestell sind die Zeit- 
schrifben untergebracht, deren Zahl auf 32 vermehrt ist. 
Außerdem sind auf Qrund eines Übereinkommens mit dem 
Architekten- und Ingenieurverein die von diesen gehaltenen 
Zeitschriften im Lesezimmer für jedermann zur freien Be- 
nutzung aufgelegt. Im ganzen liegen demnach zur Zeit 50 
Zeitschriften auf, die über alle Zweige der Kunst, Kunstge- 
werbe, Architektur und Technik einen hinreichenden Über- 
blick gewähren. Fem er ist eine Mappe mit Preisausschrei- 
ben Torhanden. Die wichtigste Neuerung gelegentlich des 
Umzuges dürfte die Errichtung eines offenen Zeichensaales 
sein. Dieser Zeichensaal hat den Zwecke, den Gewerbetrei- 
benden und Handwerkern, denen es in ihren Werkstätten 
an den nötigen Hilfsmitteln fehlt, Gelegenheit zu geben, 
unter Benutzung des Yorlagenmaterials des Museums, Skiz- 
zen, Entwürfe und Werkzeichnungen anzufertigen. Auf 
Wunsch wird den Benutzem der Bibliothekar mit Rat und 
That zur Seite stehen und namentlich auch jüngeren Leuten, 
die sich im Zeichnen vervollkommnen wollen, behilflich 
sein. Es ist den regelmäßigen Besuchern gestattet, bei länger 
andauernden Arbeiten einen bestimmten Platz zu belegen; 
auch wird für Damen ein besonderer Zeichentisch reservirt 
werden. Endlich ist für Gelegenheit zur Aufbewahrung der 
Zeichen- und Malutensilien gesorgt. Die 20 Plätze verteilen 
sich in vier größere Zeichentische in der Mitte des Saales 
derart, dass für jeden Zeichner genügend Raum vorhanden 
ist, und selbst große Werkzeichnungen angefertigt werden 
können. Um die Besucher der Bibliothek Über den Zuwachs 
dauernd auf dem Laufenden zu halten und überhaupt all- 
mählich einen Überblick Über den Bestand zu geben, ist an 
den Wänden des Zeichensaales eine wechselnde Ausstellung 
der neu erworbenen Vorbilder oder ganzer Serien von Vor- 
lagen nach historischen, technischen oder sachlichen Gruppen 
geordnet, errichtet. Über die Zugänge der Büchersammlung 
sollen entsprechende Verzeichnisse am schwarzen Brett Aus- 
kunft geben. Inzwischen sind auch die Arbeiten an der Or- 
namentstichsammlung soweit vorgeschritt-en, dass eine An- 
zahl von Kupferwerken der Benutzung zugänglich gemacht 
werden können. Es sind Omamentwerke allgemeiner Art, 
vom 16. bis 18. Jahrhundert reichend: Entwürfe fttr Gold- 
schmiede, Ciseleure, Graveure, für Wand- und Deckendeko- 
rationen, figürliche Motive, Trophäen etc. Eine besondere 
Gruppe bilden die großen Werke für Innendekoration und 
Architekturwerke, teils Entwürfe enthaltend, teils nach aus- 



geführten Bauten gestochen. Auch über die im 18. Jahr- 
hundert hochentwickelte Gartenarchitektur sind eine Anzahl 
Werke fertiggestellt. Eine regelmäßige Ausstellung der 
schönsten Werke und Einzelblätter ist in Aussicht genom- 
men. Über die Einrichtungen der Bibliothek, die Art, sie 
am zweckmäßigsten zu benutzen, überhaupt jede wünschens- 
werte Auskunft findet man in der vom Museum herausge- 
gebenen Anleitung zur Benutzung der Vorbildersammlung 
und Bibliothek des Kunstgewerbemuseums. Der Bestand der 
Bibliothek betrug am 1. April d. J. : Gebundene Bücher 750 
Bände. Davon enthalten 680 Bände ca. 25000 Nummern 
ganzseitige Vorlagen. Die Vorbildersammlung enthält 15000 
Nummem, wonach das gesamte Vorbildermaterial ca. 40000 
Nummern zählt. 

Rd. Köln, Gewerbliche Fachsehtde. Die gewerbliche 
Fachschule der Stadt Köln besteht aus drei Abteilungen. 
Über die Organisation der letzten Abteilung, der kunstgewerb- 
lichen, die in manchen Punkten von der Organisation anderer 
Schulen abweicht, berichtete der Direktor in einem Vortrage 
folgendes: Die Kunstgetverbeschule gliedert sich mit Rücksicht 
auf die in Köln besonders vertretenen Hauptgrappen von 
kunstgewerblichen Betrieben in fünf Fachabteilungen: für 
Dekorationsmaler, Musterzeichner u. a., für Kunsttischler und 
Dekorateure, für Verzierungsbildhauer und Modelleure, für 
Ciseleure und Graveure (Gold-, Silber- und Bronzearbeiter), 
för Kunstschlosser und Stahlgraveure. Jede dieser Abteilun- 
gen hat drei Klassen und für weitere Ziele eine Oberklasse, 
so dass die Unterrichtsdauer anderthalb bezw. zwei Jahre be- 
trägt Bei der Aufnahme werden keine besonderen Anfor- 
derungen an die allgemeine Vorbildung gestellt, dahingegen 
muss der Aufzunehmende sein Gewerbe praktisch erlernt, 
wenigstens aber eine ausreichende Zeit hierauf verwendet 
haben. Auch in diesen Abteilungen ist es gestattet, im Som- 
mer den Schulbesuch behufs praktischer Weiterbildung zu 
unterbrechen. Mit der Kunstgewerbeschule ist eine Werk- 
statt für kunstgewerbliche Metallavbeiten , insbesondere für 
Treiben, Ciseliren und Graviren und eine solche für Holz- 
schnitzen verbunden. Die erstere Werkstatt ermöglicht es, 
in besonderen Fällen bei den Aufzunehmenden von einer 
praktischen Vorbildung Abstand zu nehmen. Bei der Orga- 
nisation der Kunstgewerbeschule war man darauf bedacht, 
sie so zu gestalten, dass die Schüler, nachdem sie die Schule 
durchlaufen, wieder dem Handwerk sich zuwenden und 
durch die erlangte größere Geschicklichkeit zur Hebung des- 
selben beitragen. Demgemäß ist die Unterrichtsdauer eine 
beschränkte und werden solche Unterrichtsgegenstände ver- 
mieden, welche die der Schule gezogenen Grenzen über- 
schreiten. Auch die Methode des Unterrichts geht dahin, 
dass die Ausführung der Arbeiten möglichst dem praktischen 
Bedürfnis sich anschließt. Eine allgemeine Ausbildung für 
das Kunstgewerbe ist ausgeschlossen, da jeder in die Fach- 
abteilung eintreten muss, för welche er sich praktisch vor- 
gebildet hat. Unsere Schule unterscheidet sich in diesen 
Punkten von anderen Kunstgewerbeschulen, und ich. will 
gerne zugeben, dass sie nicht so hohe Ziele verfolgt wie 
diese, dafür aber vielleicht mehr einem wirklichen Bedürf- 
nisse unseres Kunsthandwerkerstandes entspricht. Nicht 
Kräfte ersten Ranges soll unsere Kunstgewerbeschule, der 
man besser vielleicht den Namen kunstgewerbliche Werk- 
meisterschule beilegte, erziehen, sondern tüchtige Hilfskräfte, 



1 einem Ofenschirm, Hokdrechslerei mit Lederfülluag. Von E. HJrriiiö. 1, Preis der Monatekonkurreni 
de» Vereins für deutacliea Kunstgewerbe, Berlin. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



123 



welche die Arbeiten hervorragender Fachleute auszuführen wird, daas die Schülerinnen auch die vollen zwei Jahre in der 
verstehen, und nicht zuletzt den tüchtigen Handwerksmeister. Anstalt bleiben. Im zweiten Kursus wurde der Unterricht in 
Es wäre sehr gut, und in Preußen ist der Anfang gemacht, der Herstellung von Flachknoten, von Mekrame in den ver- 
in den großen Städten, wo es sich darum handelt, das Kunst- schiedenen Arten der Leinwandstickerei imd der Durchbruch- 
band werk lebensfähig zu erhalten und die kleineren Meister arbeit (punto tirato und punto tagliato) unterrichtet. Im dritten 
in ihrer Selbständigkeit zu schützen, solche Schulen, wie die Kursus fand der Unterricht in der arabischen Stickerei, der 
unserige, einzurichten, dann bedürfte man nur weniger Janinatechnik, der spanischen Stickerei, den persischen Klar- 
Kunstgewerbeschulen , welche die höchsten Ziele verfolgen; werkarbeiten, dem Kettenstich statt. Der Unterricht ist an 
in jedem Lande (vielleicht Provinz — D. Red.) dürfte eine Werktagen täglich von 9—12 und 1—4 Uhr. Von diesen 



genügen. Diesen wären dann die hervor- 
ragendsten Talente aus den kunstgewerb- 
lichen Fachschulen zuzuführen, die dort 
mit Unterstützung des Staates zur höch- 
sten Meisterschaft gebracht würden. 

= Fr. Düsseldorf. Kunststiekereischulp. 
Seit Jahres^st besitzt Düsseldorf in Ver- 
bindung mit den reichhaltigen Textil- 
sammlungen des Centralgewerbevereins 
eine Kunststickereischule, welche bestrebt 
ist, die ftir Rheinland und Westfalen far 
die Bezeichnung der Wäsche erforderliche 
Zahl an tüchtigen Weißstickerinnen her- 
anzubilden und in zweijährigem und ganz- 
tägigem Unterricht talentirten Stickerinnen 
in den verschiedenen technischen Verfahren 
der Kunststickerei gründlich zu unterweisen, 
damit für die weiblichen Gewerbeschulen 
und ftLr die heimischen Stickereigeschäfte 
die nötigen Lehrkräfte und Leiterinnen zu 
beschaffen sind. Daneben ist auch in stun- 
denweisem Unterricht den Damen der Stadt 
und der Umgebung Gelegenheit gegeben, 
irgend eine beliebige Arbeitsart zu erlernen 
oder unter Leitung der Lehrkräfte irgend 
eine Arbeit auszuführen. Die Mittel für 
die Kosten der Schule werden, soweit Schul- 
geld und die anderen Einnahmen nicht 
reichen, von einem Vereine beschafil, an 
dessen Spitze Ihre königliche Hoheit, die 
Frau Fürstin zu Wied als Ehrenpräsidentin 
steht. Einflussreiche Damen der Düssel- 
dorfer GesellBchaft sind bemüht, die Mittel 
zu vermehren und die Thätigkeit und Wirk- 
samkeit der Schule zu entwickeln und zu 
vermitteln. Mitglied ist, wer einmal 50 Mk. 
oder jährlich 10 Mark zahlt. Die Mitglie- 
der haben Dienstags und Freitags (August 
und September ausgenommen) von 3 — 6 Uhr 
nachmittags Anspruch auf mündlichen, je- 
derzeit auf schriftlichen Rat in Bezug auf 
Ausführung von Stickereien, auch werden 
zu den Selbstkosten Zeichnungen, Arbeits- 
material u. s. w. den Mitgliedern beschafft. 
Der Verein hat nach Ablauf des ersten 
Jahres 178 Mitglieder, welche an einmaligen Beiträgen 9100 
Mark, an jährlichen Beiträgen 90 Mark gezahlt haben. Auch 
ist der Verein bereits im Besitze einer Stiftung von 576 Mark. 
Die Kunststickereischule wurde am 1. April v. J. mit zehn 
Jahresschülerinnen eröffnet, welche im ersten Kursus in der 
Holbein technik , dem gleichseitigen italienischen Kreuzstich, 
dem Wiener Kreuzutich, dem Doppelplattstich und in der ein- 
fachen Weißstickerei unterrichtet wurden. Die sechs tüch- 
tigsten Schülerinnen wurden zum zweijährigen Unterricht zu- 
gelassen, welcher unter der Bedingung unentgeltlich erteilt 




Seitenansiolit des Ofenschirms 
von Seite 122. 



36 Stunden wöchentlich entfallen 30 Stun- 
den auf den Unterricht im Sticken, 6 Stun- 
den auf den Unterricht im Zeichnen. Der 
Zeichenunterricht beschränkt sich auf Un- 
terweisungen, welche im engsten Zusam- 
menhang mit der Stickerei stehen und 
zwar sowohl im geometrischen wie im 
Freihandzeichen. Im zweiten Jahrgang 
findet der Unterricht in den Aufiiäh- 
arbeiten, im gleichseitigen chinesischen 
Plattstich in der Nadelmalerei und in 
den verschiedenen Arten der Goldstickerei 
statt. Das Zeichnen des zweiten Jahrganges 
beginnt bereits mit dem Zeichnen nach 
alten Originalstickereien. Vom zweiten 
Jahre ab, das am 1. April begann, ist außer 
dem bisherigen Progpramm auch noch ein 
ganzjähriger Kursus in der Weißstickerei 
eingerichtet. 

Karlsruhe. Das Kunstgewerbemuseum 
in Karlsruhe hat wieder für einige Zeit 
eine neue Austeilung angeordnet, welche 
sich in zwei Gruppen gliedern soll. Die 
erste besteht aus einer hochinteressanten 
über 200 Nummern zählenden Sammlung 
koptischer Textilerzeugnisse die dem 3. bis 
8. Jhdt entstammen und in den altchrist- 
lichen Begräbnisstätten Oberägyptens auf- 
gefunden wurden. Diese prächtigen Gobe- 
linwirkereien und Purpurstickereien der 
spätrömischen und frühbyzantinischen 
Kunstepoche haben sich nach ihrem andert- 
halbtausendjährigen Bestehen in einer 
wunderbaren Frische, insbesondere in Be- 
zug auf ihre Farbe, erhalten. Sie bilden 
einen Teil der umfangreichen Textilsamm- 
lung, welche das Kunstgewerbemuseum 
aus dem Nachlasse des t Bildhauers J. Krauth 
in Frankfurt a./M. erworben hat — Die 
zweite Gruppe umfasst die aus der letzt- 
jährigen Karlsruher Fächerausstellung her- 
vorgegangene Publikation des badischen 
Kunstgewerbevereins, welche im Verlage 
von Gerlach & Schenk erschienen, nunmehr 
ihren Abschluss gefunden hat. Dieses ge- 
lungene Prachtwerk enthält in 72 Tafeln eine Auswahl der 
besten Arbeiten der alten und modernen Abteilung jener Aus- 
stellung, die hierdurch zugleich einen dauernden Wert er- 
halten hat. Die Wiedergabe der einzelnen Blätter in Helio- 
gravüre Kupfer- und Lichtdruck ist eine vorzügliche, ebenso 
die der Illustrationen des umfangreichen Textes, der die ver- 
schiedenen Techniken und Stilrichtungen in trefflicher Weise 
eingebend erläutert. Die beiliegende Abbildung eines I^cher- 
entwurfs von Herrn, Oötx ist ebenfalls in die eben erwähnte 
Publikation aufgenommen. 



124 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



PorTiellattkanne im Kunslyewerbemutenm %u Ba-lin. 
Fassung Silber, yergoldet. Dieses sebr zierliche, 0,18m hohe 
OeflB ist eines der seltfinen Beispiele einer in Europa, ge- 
faasten Fortellaaarbeit, welche noch in dos 16. Jahrhundert 
gehört. Im IT. Jahrhundert wird die Etofuhr orientalischen 
Porsellans häufig, und die Kostbarkeit des Materials veran- 
lasst nicht selten eine reiche Fassung, für welche im 17. Jahr- 
hundert Silber, im 18 Jahrhundert innerhalb der französischen 
Ennst Bronze beliebt ist Im Mittelalter gehOrt Porzellan 
in den Kostbarkeiten, welche den Halbedelsteinen gleich- 
geachtet und demgeuifiß kfinstlerisch behandelt werden. Im 
16. Jahrhundert nach Eischließung des Seeweges nach Indien 
sind dieStflcke orientalischen Porzellans ihrer Herkunft nach 
bekannt aber immerhin noch selten und hoch geschätzt. Man 
bezog sie Ober Indien und nennt sie in Frankreich noch bis 
zum heutigen Tage porcelain des Indes. Hierbei blieb es 
gleichgflltig, ob die Stücke aus China 
oder Japan stammten, zumeist darf man 
wohl chinesische Herkunft annehmen. 
Ob man in Indien selbst Porzellan an- 
gefertigt hat, ist bekanntlich bis heute 
noch streitig. Sicher dagegen ist es, daas 
man in Peraien wenigstens vom 16. Jahr- 
hundert an Porzellan nach chinesischen 
Vorbildern gearbeitet hat. Die Ware 
unterscheidet sich durch schwerere 
Masse, ein schwärzliches Blau und eine 
dickBiissige Glasur von den eleganteren 
und technisch vollendeteren Vorbildern, 
aber grade ihre Mangel geben ihr einen 
gewiesen malerischenBeiz. In den grollen, 
im 17. Jahrhundert angelegten Porzellan- 
kammern unserer SchlOaser pSegen die 
peraJBchen Stücke nach alter Weise zwi- 
schen den chinesischen und japanesi- 
schen zu stehen. Unsere Kanne weist 
durch die erwähnten technischen Kenn- porzellsn 
zeichen und durch die Form nach Vorder- 
asien hin. Die Ferra allein wäre nicht 
beweisend, da China vielfach fOr den Expoi-t nach indischen 
und persischen Modellen — sowie später nach europäischen — 
gearbeit«t hat. Die Kanne bat die Form, welche wir bei per- 
sischen Qeräten auch in Glos und Metall als Gusskanne fdr 
Soeeawasser kennen. Sehr eigentümlich ist die obere MQndung 
in Form eines secliseckigen Sternes. Kannen gleicher Form 
und Herkunft befinden sich tlbrigens im Schlosse Menbijou 
und im Palais des Prinzen A.lbrecht in Berlin. Die Fassung 
ist von zierlichster Silberarbeit und sicher datirbor. Sie trägt 
den Stempel E von Erfurt und das Meisterzeichen G. B. des 
Georg Berger welcher in Erfurt 1560 — 1577 arbeitete und 
Obermeister der Innung war. Die Bflgel durch Scharniere 
verbunden geben den nötigen Halt fVr den Henket und den 
Deckel, welcher sich der sechs etrahligen Gestalt der Mündung 
anscblieBt. Der Ring am unteren Teile des Halses besteht 
aus zierlichen Banken werk, über und unt«r der Tülle er- 
weitert sich der Beschlag zu reichem Rollwerk mit einer 
weiblichen HalbfiKur, auch am Griffe des Deckels itit ein 
weibliches Köpfchen angebracht. Die farbige Wirkung des 
lichtenGoldes auf dem weiB-btonden Porzellan ist sehr reizvoll. 

Das Stock war in einer Frivatsammlung und ist erst 
vor wenigen Jahren für das Museum erworben. 

J. L. 



AUKTIONEN. 
F. ■Kohl, Die Aiiktiim Hammer. Das waren beiSe Tage, 
heiß ira Freien, heiß im Anktionslokal, heiO der Kampf, 
wenigstens um einzelne Objekte. Mit den Waffen fing dei 
Tanz an; sie bildeten den ganzen Bestand dieser Gruppe in 
der Sammlung. Im allgemeinen wurde gut bezahlt; nament- 
lich da ein Kölner sich zum Waffensammler enipoisclnraiig 
und vor allem Krupp grOBere Ankäufe mochte. Das inter- 
essanteste Stack, Nr. 983 ein kleines kannenartiges Qerit 
mit gotischer Inschrifl ging dem Qermauischcn Hnseim 
fQr 13S2 M. leider verloren und wird wohl nach Wien wan- 
dern. Im ganzen sind für die Waffen ca. 5ü000 M. gelM. 
Amüsanter war die Verstaigemng der V. Serie der kmiBfgt 
werblichen Gegenstände. Die schwedischen und norwegischen 
Museen wollten sich ihre vaterländischen Erzeugnisse nicht 
entgehen lassen. Abgesehen von erheblichen Bewilligoi^ 
seitens des Staats waren bedeutende 
Stiftungen von Privatem gemacht. So 
konnten denn die Direktoren der he- 
treffenden Museen frisch, frei, frtlhlidi 
losbieten, und es kam ihnen auf etliclie 
hundert Kronen nicht an, zninal andi 
auf diesem Gebiet der Wettstreit tn 
sehen den Schweden und Norwegern oft 
lebhalt entbrannte. So wanderten denn 
zahlreiche Fayencen, femer Gläser, Ke- 
tallarbeiten, Mobilien zurück nach 
Schweden, was man ja im Interesse der 
Erhaltung vaterländischer Kunstdenk- 
mäler nur freudig begrüßen kann. Wie 
Kolner Buchen ja auch, wenn man unt 
unsere schOnen Schränke und Schnitza- 
eien ins Ausland holtl Die deatecbai 
Museen waren nur schwach vettret«: 
es ist eben im allgemeinen für sie aof 
Auktionen nur dann zu kaufen, wene 
u tapfer aushält und scharf aufpsaet 
I Erfahrung lehrte auch hier wiedv, 
dass gute Sachen gut bezahlt weidoi, 
an ihnen nichts zu vetlieren ist und überhaupt nichts ro- 
schenkt wird. Dafür soi^ schon Vater Lempertz. Gut, inin 
Teil hoch wurden bezahlt die schwedischen Fayencen, da lieh 
viele Museen, namentlich die Schweden, bei dieser Gelegen- 
heit des Besitzes versicherten; wobei übrigens zu beachten, 
daes in küufl^n Auktionen noch mehr kommen werden. Tin 
die beiden sogenannten BOttcherteller, in Wirklichkeit B»J- 
reuther Fabrikat, wohl die beeten keramischen Arbeiten der 
Sammlung, entspann sich ein lebhafter Kampf zwiechn 
Museen und Händlern, wobei Hamburg und KOln in Nied- 
lichem Verein Sieger blieben und die Beute teilten. On< 
erhört hoch ging das Silber weg: zum zwanzigfachen 
Wert des Materials! Die schOne Gobelinserie ging fBrOBöO 
M. nach Paris. Summa der Gesamteinnahme Ober 202,000 
M. Hammer und Lempertz kOnnen zufrieden sein; jeden- 
falls hat der Erfolg ihre Erwartungen übertroffen. Einige 
Hauptpreise mOgen hier genannt sein: Nr. 338/30 AuEbacbei 
Teller 800 M. (Hamburg- KOln), Nr. 723 SilbergarnitnrWMlM. 
{Privat, KOln), Nr. 771 Liller Rokokokanne 1200M.(Hambarg}, 
Nr. 1117 Wandteppiche 9650 M. (Paris), Hr. lllS Wand- 
teppiche 3200 M. (?), Nr. 1100 Rokokoschrank 950 M. Nr. lii.0 
Danziger Schrank 1090 M., Nr, 1201 Barocktisch 705 M., Nr. 
1212 Mobüiar Louis XVI 109Ü M., Nr. 1249 Wanduhr 16U0M. 



Silbermontimug im Kunst- 



Herausgeber: Arikiir Pabal in EOln. — Für die Redaktton verantwortlich: Arlur Seemann in Leipzig. 
Druck von Augutt Prie» in Leipzig. 



lIeneFol)fe.m.]!fo.lO. 1/ 1 IK 1 OT" A Kl 7 ETI /^ CD JoU 1892. 

Auflage 5000. IVwINO I r\ IN ^ El I \JI Cl II. Spaltenzeüenpreig 30 P£ 



i»*Mi«a 



Freisbewerbung. 



Bei der von den Unterzeichneten am 25. November 1891 eröffneten Preisbewerbung für Entwürfe 
znr künstleriscben Ausschmückung der grossen Halle in dem Neubau des K. Landesgewerbemusenms in 
Stuttgart mit Werken der Bildhauerei und Malerei sind im ganzen 12 Entwürfe für Malerei imd 31 Ent- 
würfe für Bildhauerei eingegangen. 

Als Mitglieder des rreisgerichts haben gewirkt: die in dem Ausschreiben vom 25. November v. J. 
genannten Herren Professor Keller, Professor Koj)p, Professor Dr. Lemcke, Architekt Xeckelmmm, Geheimer 
Archivrat Dr. v, Stalin^ sämtlich in Stuttgart, Professor r. Rümann in München; femer Professor Schill in 
Düsseldorf für den erkrankten Professor Janssen daselbst; sodann als Vertreter der K. Staatsregierung 
Regierungsdirekfcor ^\ Gaupp und Oberfinanzrat Dr. v, Schwarz; endlich als Vertreter der Stände: Fürst 
r. Hohenlohc' Langenburg und die Abgeordneten Dr. v. Göx und Regierungsdirektor v. Leihbrand, Herr 
Professor v. lAndenfichmidt in München hat unmittelbar vor Zusammentritt des Preisgerichtes sein Aus- 
bleiben mit Krankheit entschuldigt, ao dass ein Stellvertreter nicht mehr berufen werden konnte. 

Das Preisgericht hat in seinen am 9. d. M. begonnenen Beratungen folgende Preise zuerkannt för 

A. Freskobilder 

Den I. Preis mit 3000 Mk. dem Entwurf Nr. 2 mit dem Motto: „Fnrchflos and treU H" 
den !!• Preis mit 1500 Mk.. dem Entwurf Nr. 5 mit dem Motto: me gut Wtirttemberg aUweg'V 
den III. Preis mit 500 Hk. dem Entwurf 9/10 mit dem Motto: „WalliaU". 

B« Fignren auf den mittleren Treppenabsätzen« 

Den I. Preis mit 2000 Mk. dem Entwurf Nr. 21 mit dem Motto: „Denkmale T, 

den II. Pr^Is mit 1000 Mk. dem Entwurf Nr. 7 mit dem Motto : „Weisheit und uaft*'. 

den III. Preis mit 500 Mk. dem Entwurf Nr. 14 mit dem Motto: ,J9andel ond Kflnste . 

Q. Fignren auf den oberen Treppenabsätzen. 

Den I. Pi-eis mit 1000 Mk. dem Entwurf Nr. 2. mit dem Motto: „ApPÜ 1892" 
den II. Preis mit 500 Mk. dem Entwurf Nr. 22 mit dem Motto: „Denkmale fi" 

Weiterhin hat das Preisgericht zum Ankauf empfohlen den Entwurf Nr. 12 mit dem Motto: 

Reutlingen". 

Die hierauf vorgenommene Eröffnung der zu den preisgekrönten oder zum Ankauf in Vorschlag 
gebrachten Entwürfe gehörigen Umschule nat die Namen folgender Künstler ergeben: 
bei dem Motto „FarchÜOS Und treu": Professor Ferdinand Keller in Karlsruhe, 
bei dem Motto ,^e gut WUrttemberq alleweg": Professor Karl HäberUn in Stuttgart, 
bei dem Motto „WalbaU": A. Delug in München, 
bei dem Motto „Denkmale I": Professor Gustav Eberlein in Berlin, 
bei dem Motto „Weisheit Und Kraft": Hubert Netzer aus Isny, derzeit in München, 
bei dem Motto „Handel Und Kunste'': Bildhauer Frans Bemauer in München, 
bei dem Motto „April 1892": Bildhauer £ Hundrieser in Berlin, 
bei dem Motto „Denkmale IP': Professor G. XSberleln in Berlin» 
bei dem Motto „Reutlingen": Büdhauer Friedrich Hausmann in Frankfurt a./M. 
Sämtliche eingekommene Entwürfe sind von Sonntag, den 12* Juni, bis Sonntag, den 3. JuH, ein- 
schließlich Sonntag von 11—5, Werktags von 10—5 ühr/ im Festsaal des Kunstgebäudes, Neckarstrasse 
Nr. 32 dahier, öffentlich ausgestellt. 

Die nicht preisgekrönten Entwürfe können in der Zeit vom 4. bis 8. Juli, vormittags von 9 — 12 Uhr 
gegen Rückgabe des Empfangsscheines im Kunstgebäude in Empfang genonunen werden. Auf Verlangen 
werden sie dem Urheber auf seine Gefahr frachtfrei zurückgesandt. 

Stuttgart, den 11. Juni 1892, 

Die Präsidenten der Kammer; 

Der Standesherren: Der Abgeordneten: 

Färst yon Waldbnrg - ZeiL HeU. 



Verlag von E. A. SEEMANN in Leipzig. 

Kerbsehnittvorlagen. 

Auf Veranlassung des deutschen Zentralkomitees für Handfertigkeits- 
unterricht und Hausfleiss herausgegeben von 

C. Gninow, I.Direktor des Kunstgewerbemuseums zu Berlin. 

Zweite iinveränderte Auflage. 12 Tafeln in Lichtdruck mit Erläuterungen. 

In Mappe. 4^. 8 Hark. 



Hey & Wldmayers Verlag In HttDcben. 

Soeben erschienen: 

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50 Blatt, ä Mk. —.40 Pfg. 

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Gemäldesaal m Frankfurt a. H. 

Aasstellilngeii und Auktionen ron Gemiilden, AntUinitäten nnd Kiinstgegen- 
gtändeu. — K;ita,l0Ka auf Wunsch jrmtis und franko diu-ch Bniloir Itaui^el in 

Frankrart a. M.. KunMuuktionsgeschilft gegr. \Si<'.<. ; 





eemälde alter Meister. 

Der DnteriBichnete kauft. iitBts lifrvorraRenile Orif-inale alt?rM^ist"r, vorJiliclioh der 
niederländistbeD St:liule, venriiitelt auig ™hiiell-ite und saduei-t»ndiK«[a ii«n Verkauf 
«inasiner Werke, wie kompl. Saminimiceii und übernimmt Auiimke lur alle erossereo 

Po.Ha^V"' a*'; s Josel Th. SchalL 




Hiereu je eine l'.cibge ycu F. Tciinisky in Pmit un.l Julius StluniiU in Florenz. 





Naohbildnngeii römlsoliei and fränkischer Ol&aer. 



DIE RHEINISCHE GLASHÜTTE ZU KÖLN -EHRENFELD. 



VON ARTHUR PABST. 
MIT ABBILDD«OEN. 



NTER den großen industri- 
ellen Etsbliasenients West- 
deutsctilands, die neben der 
Herstellung tob Oebrauchs- 
waren auch die Pflege kflnst- 
lerischer Erzeugnisse auf 
ihre Fahne geschrieben ha- 
ben, nimmt die Rheinische 
Glashütte zu Ehrenfeld eine der ersten Stellen ein. 
Was Villeroj & Boch auf dem Gebiete der Keramik, 
das ist die Ehrenfelder Bütte auf dem Gebiete der 
Glasindustrie. 

Sie steht beut« ohne Frage an der Spitze, und 
dies durch Intelligenz und rastlosee Streben erreicht 
zu haben, ist in erster Linie das Verdienst des 
Mannes, der tot 25 Jahren an die Spitze des Unter- 
nehmens trat, Direktor Oskar Eauler. 

Die Hütte fertigte in früheren Jahren das ge- 
wöhnliche Gebraucbsgeschirr: das Bestreben, das- 
selbe zu Teredeln, erstreckte sich wesentlich darauf, 
Formen und Dekorationsweise zu verbessern unter 
Beibehaltung der lange geübten Techniken und des 
alten Materials. Sollten hier Neuerungen eingeführt 
werden, um andere Hütten zu überflügeln, so mnss- 
teu sich die Yerheaserungen auf alle diese Punkte 
erstrecken: man musste zu originelleren Formen auf 
Gruad neu einzuführender Techniken, zu anderem 
Material und entsprechendem Dekor gelangen. Dies 
war nur möglich durch eingehende Studien der 
KnutBeverbeblBU. K. F. lU. 



alten Glasarbeiten aus der Blütezeit der Glasin- 
dustrie, hauptsächlich der römischen, venezianischen 
und altrheinischen Gläser. Die große Bedeutung 
dieser Quelle itlr die moderne Glasindustrie erkannt 
zu haben, ist das Verdienst Rauters und der Erfolg 
bat ja gelehrt, daas er den richtigen Weg ge- 
funden hat. 

Über diese Bestrebungen giebt ausfuhrliche Ans- 
kunft das Vorwort zu dem „Preiscourant" der Fa- 
brik über Eunsterzeugnisse, das im Jahre 1881 ziu: 
Angabe gelangt ist, welches f&r die Geschiebte der 
Hatte später von unendlicher Bedeutung werden 
dürfta 

Zunächst galt es, die alten Techniken wieder- 
zufinden: nach zweijähriger anstrengender Arbeit 
war es gelungen, eine ganze Reihe derselben aufzu- 
nehmen und auch bezüglich des Materiab, nament- 
lich des Grtinglases, bessere Farhentöne zu erzielen. 

Zum Studium der alten deutschen Gläser boten 
die Kölner Privatsammlungen ein reiches Material: 
die Sammlungen Schnütgen und Thewalt enthalten 
eine Fülle der köstlichsten altdeutschen Gläser; es 
lag nahe, eine Anzahl derselben, namentlich Römer, 
zunächst direkt zu kopiren, da ihre unübertrefflichen 
Formen auch beute noch als mustergültig und zweck- 
mäßig gelten müssen. Im Anscbluss daran entstan- 
den freie Kachbildungen im Sinne der alten Grund- 
formen und hier sind auch vielfach Motive und An- 
regungen von römischen und fränkischen Gläsern 



126 



DIE RHEINISCHE GLASHÜTTE ZU KÖLN -EHRENFELD. 



gekommen. Diese Neubildungen gehören zu den 
reizvollsten Erzeugnissen der Hütte: man kann hier 
verfolgen, w^ie aus einem alten Römer ein Wein- 
oder Bierservice entstanden ist. Im wesentlichen 
sind es aber eigene Entwürfe der Hütte, nach denen 
die Erzeugnisse hergestellt sind und eine Kollektion 
von Römern, wie sie Ehrenfeld bietet, dürfte man 
wohl nirgends antreffen. 

Mannigfache Anregung bot auch die schöne 
Kollektion Venezianer Gläser des Kölner Museums; 
es sind dies meist Erzeugnisse, die nachweislich von 
Venezianer Arbeitern in Köln gefertigt sind. Kein 
Fundament kann in Köln gelegt werden, ohne dass 
man Scherben derartiger Gläser, die in ungeheuren 
Mengen hergestellt sein müssen, findet. An der Her- 
stellung ausgezeichneter Kopien nach einer Anzahl 
dieser Gläser hat Ehrenfeld auch hier seine Glas- 
künstler geschult und die alten Techniken der ge- 
kniffenen Verzierungen, der reticulirten und Latti- 
ciniogläser wieder eingeführt. Sehr reizvoll ist ein 
mit Benutzung des an Venezianer Gläsern öfter vor- 
kommenden Fußes mit löwenkopfverzierten Knaufs 
hergestelltes Tafelservice, zum ;Teil mit gekniffenen 
Rippen, das in seiner Vornehmheit jeder fürstlichen 
Tafel zur Zierde gereichen würde. Auch in der tech- 
nischen Herstellung der Gläser folgt die Hütte der 
alten Weise: alle Gläser sind im Feuer fertig ge- 
macht, d. h. die Ränder werden mittelst der Schere 
abgeschnitten und im Feuer verschmolzen und nicht, 
wie sonst üblich, abgesprengt und geschliffen. Die 
Füße der Römer werden aus feinen Fäden über 
Schablonen gesponnen, nicht geformt und das Kri- 
terium, welches früher von den Glaskennern für die 
Echtheit eines Römers entscheidend war, dass näm- 
lich beim Einfüllen von Wasser in den umgekehr- 
ten Fuß an der Ansatzstelle des gesponnenen Fadens 
an dem Kelche das Wasser heraustropfte, gilt heute 
nicht mehr, zumal auch die Glasmasse und Farbe 
der Ehrenfelder Römer der alten völlig gleich ist. 
Aufgeritzte Rosetten und aufgelegte Fädenverzie- 
rungen, in denen die Römer Ausgezeichnetes leiste- 
ten, hat die Hütte als neuen Dekor eingeführt. Be- 
sondere Zierlichkeit und Leichtigkeit zeichnet die 
flachen Füße der Ehrenfelder Gläser, namentlich der 
Venezianer aus, da sie nicht, wie vielfach üblich, 
aus einem Stück gebildet, sondern aus einer Kugel 
mit der Auftreibschere hergestellt sind. 

Mit den Neuerungen auf technischem Gebiet 
hielt in der Ehrenfelder Hütte die Vervollkommnung 
des Materials gleichen Schritt. Namentlich in den 
Nüancirungen der grünen Farben, deren sieben her- 



gestellt werden und mit feinem Verständnis för die 
verschiedenen Gefäße Verwendung finden, dürfte 
Ehrenfeld unerreicht dastehen. 

Von der Mannigfaltigkeit der Formen geben 
die Abbildungen auf den beiliegenden Tafeln eine 
annähernde Vorstellung. Die direkten Nachbildungen 
antik-römischer und fränkischer Gläser ganz in der 
alten Technik hergestellt, namentlich die Kannen 
und Becher mit aufgelegten schwarzen Fäden, haben 
schon manchem Sammler Kopfschmerzen bereitet 
In gehöriger Weise behandelt — und das können 
die Kölner Antiquare — stehen sie wohlverwahrt in 
den Vitrinen manches Altertumsfreundes. Mit Ver- 
ständnis sind diese Formen aber benutzt zu weiterer 
Ausgestaltung und aus dem römischen Grabgefaß 
ist eine treffliche Weinkanne geworden. 

Dass am Rhein die Herstellung derjenigen Trink- 
gefäße besonders kultivirt wird, die zum Genuss der 
edelsten Gottesgabe des Vater Rheins benötigt wer- 
den, versteht sich von selbst: so sind schon die 
alten Kölschen erfindungsreich in den Formen der 
Römer gewesen und auf manchem Tisch steht heute 
der Rebensaft in einem Glase, dessen zierlicher Form 
sich schon die Overstolzen erfreuten. Aber für den 
heutigen Bedarf, namentlich am Rhein selbst, da 
reichten' die alten Formen nicht aus, und so muss- 
ten neue erfunden werden, in deren Bezeichnungen 
die Namen mehr oder weniger großer Männer, 
Trinker und Heiliger aller Zeiten aufbewahrt sind. 
Maiwein kannten freilich die Alten nicht: diese edle 
Gabe des Himmels war ihnen verschlossen; aber der 
findige Geist der Menschen schaffte auch hier Rat, 
und da die Rheinländer den Maitrank in größeren 
Mengen zu nehmen pflegen, so bot hier die Tonne 
ein geeignetes Vorbild, die vom Hümpchen bis zum 
Humpen in allen möglichen Formen ihre Ausbildung 
gefunden hat. Ahnlich musste es den Bierkrügen 
gehen, das unsere Altvordern — oder was sie sonst 
für Bier ausgaben — vorsichtigerweise aus Stein- 
krügen tranken, Um- und Neubildungen geschaffen 
werden; denn allerdings, der Krug oder Seidel, den 
wir heute schwingen, ist selbst verziert ein formales 
Untier. 

Für Wein-, Tafel-, Likör- und Wassersernce 
haben alle Stilarten herhalten müssen, und auch 
der Tafelschmuck an Vasen, Schalen, Leuchtern fügt 
sich diesen an. 

Als reine Ziergeräte haben die vorzüglichen Nach- 
bildungen alter Venezianer Flügelgläser zu gelten, teils 
direkte Kopien, teils freie Umbildungen: die schone 
Sammlung des Kölner Kunstgewerbemuseums hat 




Oebraachs- nud Ziergli 



Stil des IS. JaaiTbuiiilerts. 




Zieigeräc im VeneElanlicheD 




Qold- RnbiD- Qltaar. 



130 



DIE RHEINISCHE GLASHÜ^rTE ZU KüLN-EHRENPELD. 



hier in erfreulicher Weise befrachtend gewirkt. Alle 
alten Techniken Venedigs sind zum Teil in vollen- 
deter Weise zur Verwendung gekommen und na- 
mentlich die bunten Fäden in den Stilen von über- 
aus schöner Wirkung. Mit Recht hält sich Ehren- 
feld von den wüsten und zum Teil geschmacklosen 
Formen fern, die heute in Venedig oft unter Ver- 
wendung von unpassendem Glas als moderne Er- 
rungenschaften hergestellt werden. 

Endlich sind in den letzten Jahren eine Anzahl 
besonders großer Deckelpokale hergestellt bis zu 40 
bis 50 cm Höhe, die in ihrer Ausgestaltung als 
vollständige Kunstwerke zu betrachten sind. Die- 
selben sind meist in weißem Glase mit aufgeschmol- 
zenen Fädennetzen, gekniffenen Verzierungen in an- 
dersfarbigem Glase, reich durchbrochenen Stielen 
hergestellt Einige zeigen frei gearbeitete Figuren: 
Pferde, Widder und Delphine als Stiel und ähnliche 
Figuren als Deckelgriffe. Sie haben meist als Ehren- 
geschenke gedient und es dürfte sich hier ein neues 
Gebiet für unsere heruntergekommenen Jubiläums- 
geschenke eröffnen. Gegenüber den ewigen Tafel- 
aufsätzen, Ehrenhumpen, den miserablen Silberpo- 
kalen mit gestanzten Verzierungen, den Bronzehör- 
nem, Alfenidebowlen und was sonst an sog. Ehren- 
gaben bei allen möglichen Gelegenheiten dargebracht 
wird, würde ein schöner Glaspokal in vollendeter 
Durchführung mit prächtiger Gravirung als ein wahr- 
haft fürstliches Geschenk erscheinen! In richtiger 
Erkenntnis dessen hat vor kurzem die Loge dem 
Herzog von Sachsen- Koburg ein prächtiges Logeh- 
glas in Rubin gestiftet, das getrost zwischen den 
goldenen Ehrengeschenken des Tages wird bestehen 
können. 

Der Engländer sagt bekanntlich: Man erkennt 
das vornehme Haus am Silber, Tischzeug, Porzellan 
und Glas. Leider ist bei uns den modernen Kreisen 
das Verständnis für die Richtigkeit dieses Ausspruchs 
noch nicht aufgegangen: namentlich das moderne 
Renaissancesilber ist von unglaublicher Geschmack- 
losigkeit in den Verzierungen und Brutalität im Ge- 
wicht, während das englische Silber von alters her 
in einigen wenigen, ganz einfachen Formen sich er- 
halten hat. Allenfalls legt man bei uns heute noch 
Wert auf das Tafelgeschirr, zumal in den vor- 
vortrefflichen englischen Halbporzellanen ein wirk- 
lich schöner und billiger Tafelschmuck in außer- 
ordentlicher Mannigfaltigkeit geboten wird; aber für 
die Feinheit des Glases fehlt das Verständnis noch 
gänzlich und man begnügt sich mit den rohesten 
Arbeiten. Gerade auf diesem Gebiete hat nun Ehren- 



feld eingegriffen und eine Anzahl reizender Muster 
hergestellt. Service, wie das oben erwähnte »Mar- 
cus'', in Venezianer Stil gehalten, und ein ganz 
neues „Wilhelm*, das von Sr. Majestät dem Kaiser 
bei seiner Anwesenheit in Köln zum erstenmal be- 
nutzt wurde, sollten, zumal auch die Zahl der For* 
men weitreichenden Ansprüchen genügen, in unseren 
wohlhabenden Häusern mehr als bisher Eingang 
finden. Es ist eine ganz falsche Vorstellung, dass 
man Krystallglas benutzen und doch feine Gläser 
geschliffen sein müssen: im Gegenteil, die feinen 
und zierlichen Formen wirken viel besser ohne Schliff, 
und je feiner ein Glas, desto glänzender leuchtet der 
edle Rebensaft darin. Jedenfalls bleibt Ehrenfeld 
das Verdienst, auf dem Gebiete des Tafelgeschirrs 
ganz neue Bahnen eingeschlagen und den Geschmack 
so veredelt zu haben. 

unter allen Leistungen der Ehrenfelder Hütte 
muss jedoch als die hervorragendste genannt wer- 
den die Wiederauffindung und tadellose Herstellung 
des Goldru^inglases. Die Kunst der Herstellung 
dieser vielleicht vornehmsten Glasart wurde bekannt- 
lich gegen Ende des 17. Jahrhunderts von dem 
Hofalchimisten des Großen Kurfürsten Johann Kunkel 
erfunden, nach ihm fQhren diese Gläser den Namen 
Kunkelgläser. Dieselben zeigen bei jedem Stücke 
— soweit überhaupt Glas lichtdurchlässig ist — 
eine gleichmäßig tiefrote leuchtende Farbe. 

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging die Erfindung 
Kunkels verloren. Man verstand nur das sog. Rubin- 
schmelzglas herzustellen. Dieses Rubinschmelzglas 
wird in dickeren Stücken schwärzlich oder ganz un- 
durchsichtig und kann nur zur Emailmalerei, vor 
allem aber zur Herstellung von Überfangglas be- 
nutzt werden. Dieses Überfangglas, das namentlich 
in der Glasmalerei Verwendung findet, wird derart 
hergestellt, dass man weißes Glas auf einer Seite 
mit einer dünnen Schicht Rubinschmelzglas über- 
zieht und dadurch eine mehr rosa als tiefrote Farbe 
erzielt. Alle dickeren Stellen erscheinen aber schwarz 
und so mussten Henkel, Stiele, Knöpfe etc. aus wei- 
ßem Glase angesetzt werden. Die Erfindung, das 
Material in jeder Stärke durchsichtig herzustellen 
und es unter allen Prozeduren zu verarbeiten, ist 
das Verdienst der Ehrenfelder Hütte, speziell des 
Direktors Rauter. Mit Recht erregte denn auch auf 
der Ausstellung zu München 1888 die Vitrine von 
Ehrenfeld großes Aufsehen und das Preisgericht er- 
kannte die Medaille zu „für gelungene Herstellung 
und Wiederaufnahme des in der Masse geerbten 
Rubinglases bei geschmackvoller Formengebung". 



DIE RHEINISCHE GLÄSHÜTTE ZU KüLN-EHRENFELD. 



131 




Ohne Frage ist letzteres Moment ebenfalls von großer 
Wichtigkeit; die dunkle Farbe, die fast an Edel- 
steine erinnert und eigentlich nur, gegen das Licht 
gesehen, zur Geltung kommt, erfordert eine andere 
künstlerische Ausgestaltung als z. B. die Venezianer 
Gläser. Die zierlichen Formen der letzteren sind 
hier nicht am Platz; sie müssen sich mehr den ge- 
schnittenen Gefäßen aus Krystall anlehnen. Kunkel 
hatte schon das Richtige erkannt und derartige For- 
men geschaffen. 
Die Kopie eines 
derartigen Glases 
der Ehrenfelder 

Hütte dürfte 
kaum von den 
echten zu unter- 
scheiden sein. 
Neben schweren 
Gläsern stellt die 

Ehrenfelder 
Hütte aber auch 
Kannen, Pokale, 
Blumenvasen so- 
wie ganze Ser- 
vice zu Wein und 
Likör her, die mit 
ihren schön ge- 
schnittenen Ver- 
zierungen zu den 
edelsten Erzeug- 
nissen der mo- 
dernen Glasin- 
dustrie gehören 
dürften. Beson- 
dere technische 
Schwierigkeiten 
bot die Verwen- 
dung der sog. 

„gekniffenen" 
Verzierungen,die 
eine sehr lange 
Behandlung im 

Feuer nötig machen, wobei das Rubinglas leicht 
lederartig wird und einen Stich ins Violette erhält; 
aber auch dies ist der Hütte gelungen, wie die auf 
der Tafel der Rubingläser wiedergegebenen Gläser 
zeigen. 

Wird das Rubinglas in erster Linie zu Luxus-, 
Zier- und feinerem Gebrauchsgerät Verwendung 
finden, so hat doch auch neuerdings die billigere 
Herstellung ihm weitere Absatzgebiete eröffnet, Als 




Achtzehnteiliges Tafelservice. 



Rohmaterial wird es vielfach exportirt und nament- 
lich dürfte seine Leuchtkraft bei Verwendung für 
elektrisches Licht unübertroffen sein. Ganz beson- 
ders aber möchten wir die Glasmaler auf dies Ma- 
terial hinweisen, in deren Kreise es noch gar nicht 
gedrungen zu sein scheint: damit hören die Plagen 
mit einem Schlage auf, die sich bei dem Überfang- 
glas unvermeidlich durch die ungleichmäßige Stärke 
ergeben. 

Inzwischen 
sind auch von an- 
deren Hütten er- 
folgreiche Ver- 
suche mit Rubin- 
glaflgemacht;wie 
denn auch in den 
vierziger Jahren 
einzelne Stücke 
in der Josephi- 
nenhütte ange- 
fertigt sind, ohne 
dass es gelungen 
wäre, dieselben 
fabrikmäßig her- 
zustellen. So 
bleibt denn der 

Ehrenfelder 
Hütte das Ver- 
dienst, gerade auf 
dem Gebiete der 
Herstellung der 

Glasmassen 
wichtige Neue- 
rungen und Er- 
findungen her- 
beigeführt zu ha- 
ben und auch 
heute ruht der 

unermüdliche 

Leiter der Fabrik 

noch nicht: er 

sucht eine noch 

schwierigere Aufgabe zu lösen: die Herstellung des 

Millefiori. 

So bedeutende Leistungen, wie die von Ehren- 
feld, wo jedes Erzeugnis ein selbständiges Kunst- 
produkt ist, hergestellt ohne Anwendung von For- 
men, Schablonen etc., können nur durch ein ge- 
schultes Personal, das in hingebender Arbeit thätig 
ist, erzeugt werden. Es sind denn auch die ersten 
der Glaskünstler vollständig mit der Hütte ver- 



132 



NATUBSTÜDIUM ODER VERTROCKNüNG ? 



wacliseQ, was sieb auch äußerlich darin auaspricht, 
daaa sie freie Wohnmig haben. Vor allem aber ist 
es die Persönlichkeit des Direktors, der das Ganze 
zusammenhält and ihm die Richtung giebt. Die 
Verehrung und Anhänglichkeit, die ihm vom ersten 
Künstler bis zum Eohlentrager entgegengebracht 
wird, sprach sich denn anch aus gelegentlich seines 
25JBbrigen Jubiläums. Ganz spontan, ohne Anre- 
gung hatten die EOnstler, Werkmeister und Arbeiter 
der Fabrik unter Ausschluss der Verwaltnngsbe- 
amtea sich zusammengethan, um in wahrhaft groß- 
artiger Weise ihrer Verehrung und Dankbarkeit 
gegen ihren Chef Ausdmck za geben: in einer 
prächtig ausgestatteten Adresse von Ludwig Mausx 
in Köln Meisterhand und in kostbarem Einband 
von Paul Adam in Düsseldorf haben sie denselben 
mit beredten Worten Ausdruck g^eben. Ein glän- 
zendes Festspiel, die Geschichte des Glases in vier 
Bildern TorfQhrend und die Haupterzeugnisse der 
Fabrik gewissermaßen sjmbolisirend: Glashütte in 
der Eifel, der Doge von Venedig in Murano und 
der Große Kurfttrst bei Kunkel, die Glaskunst un- 



serer Tage, verkörpert in einem ihrer ersten Ver- 
treter, dem Direktor Rauter, durchweg von Arbeitern 
verfaßt und dargestellt, zeigte, dass die künstle- 
rische Schulung des Karnevals, die fast jeden KöIdct 
zu einen geborenen Mimen, Dichter oder Kompo- 
nisten macht, auch die Ehrenfelder bereits er- 
griffen hat. 

So zi^en im Bilde die Leistungen der Fabrik 
vorüber, die beute in alle Welt gehen imd Zeugnis 
ablegen von deutscher Kunstfertigkeit, die hier als 
eigenartig allen andern gegenüber erscheint. Leider 
ist zu fürchten, dass diese blflhende Industrie dnrch 
die glorreichen Handebverträge eine schwere Schä^ 
digung erleiden wird. Der Wettbewerb Öaterreicha, 
das bei demselben alle möglichen Vorteile erlangt 
hat, droht im In- und Ausland. Hoffen wir, dass 
es gelingen wird, durch eingebende Darlegung an 
maßgebender Stelle, wen^tens durch Aufhebung 
der Arbeitsbeschränkui^en während der Feiertage, 
die am Rhein ein wahres Unglück sind , der 
schwer bedrohten Industrie Erleichterung zu ver- 
schaffen. 



NATURSTUDIUM ODER VERTROCKNUNG? 

VON K E. V. BEBLEPSCE. 



I ICHT ganz zwanzig Jahre sind es her, 
s in Deutschland, speziell in Süd- 
deutschland der künstlerischen Art 
des Handwerkes ein höheres Interesse 
I zugewandt wurde, als dies während 
I der vorangegangenen Dezennien un- 
seres Jahrhunderts der Fall gewesen ist. Das Leben 
war durchschnittlich ein einfaches, im Vergleiche 
zu dem in andern Ländern längst feststehenden Com- 
fort, ein beinahe ärmliches zu nennen. Man braucht 
nur an die primitiven Wohnungseinrichtungen wohl- 
habender Leute zu denken. Einem Bekannten von 
mir, der aus dem französischen Feldzuge zurückge- 
kehrt sich ein gemütliches Heim einrichten wollte, 
ist es passirt, dass er bei Angabe der Bettdimen- 
sionen (nach französischem Vorbilde) von dem 
Schreinenneister kopfschüttelnd gefragt wurde, ob 
er sich denn nicht irre, Bettladen von zwei Meter 
Länge und 1.20 Meter Breite schaffe sich doch in 
ganz München kein Mensch an, es sei denn etwa 
irgend ein ganz ^besonderer Sonderling". Das 
Fehlen allen und jeden einfachen Comforte, dem 



man auch heute im bürgerlichen MOnchener Wohn- 
hause noch nicht begegnet, (Badezimmer z. B. gilt 
noch immer als ein Luxusartikel und verteuert die 
Mieten um ein wesentliches, von anderen Bequem- 
lichkeiten gar nicht zu reden) brachte gleicherweise 
im übrigen Leben eine weitgehende Bedürfnislosig- 
keit mit sich. Wenn auch da und dort vielleicht 
ein Goldschmied sich mit künstlerischen Arbeiten 
abgab, so war das eine ganz vereinzelte Erscheinung. 
München empfing die ersten tliatsächlichen An- 
regungen durch den Russen Swertschkoff. 

Frankreich, in Dingen der ,Arts et Metiers* 
von jeher seitens des Staats, sowohl als des Publi- 
kums gut bedacht, brauchte keine besonderen An- 
strengungen zu machen, um auf diesem Gebiete das 
Übergewicht zu behalten. Die ausgesprocheue In- 
teresselosigkeit der Behörden ebenso wie der »Ge- 
sellschaft" in Deutschland sicherte der französischen 
Produktion den Vorrang. Auch das enei^ische Vor- 
gehen in Österreich fand vorerst keine Nachahmong 
bei uns. Anstalten für kunstgewerblichen Untenricht 
ezistirten zwar, aber ihre Wirksamkeit muss eine 



Adresse von LUDWIG MAUSZ In Köln. 



NATURSTUDIÜM ODER VERTROCKNüNG ? 



133 



äußerst bescheidene gewesen sein. Die 1876 er Aus- 
stelloug in München zeigte vielfach gute Ansätze zu 
dem, was nachher sich rasch entwickelt hat, sie zeigte 
aber auch, wo es bei uns fehle. Übrigens darf wohl 
gesagt werden, dass die von Qedon wunderbar arran- 
girte Altertumsabteilung mit ihren kostbaren Schätzen 
nicht allein architektonisch das Centrum der ganzen 
damaligen Ausstellungsanlage, sondern auch künst- 
lerisch den Mittelpunkt büdete. Aus jener Abteilimg 
hat sich dann herausgeschält, was beinahe wie ein 
Wunder sich anschaute: das scheinbar plötzlich aus 
langem Schlafe erwachte Kunstgewerbe. Freilich 
haftete an ihm auf Schritt und Tritt ein Erinnern 
an jene herrlichen Altertümer und dieses f&hrte zu 
jener glücklicherweise nicht lange andauernden Yer- 
irrung, die man kurzweg mit dem Namen „Buzen- 
scheiben-Romantik^' bezeichnet. Dieses momentane 
Zurückgreifen auf die Formen früherer Zeiten hätte 
an und für sich nichts zu sagen gehabt, war doch 
eines in erster Linie wieder' erwacnt: das Bewusst- 
sein, dass man des Stoffes ebensosehr Herr sei, wie 
es nur in irgend einer andern Periode der Fall war. 
Dass damit nicht gleichzeitig die Geschmacksent- 
wickelung beim vermögenden Publikum ziinahm, 
sondern die Renaissance in Kneiplokalen zuerst ihren 
Sitz aufschlug (von wo vielleicht mancher eine An- 
regung zur „Kunst im Hause" mit heimbrachte), 
dafür kann das arme Kunstgewerbe nichts. In 
Deutschland ist nun eben einmal das Wirtshaus die 
Stätte der wichtigsten Lebensereignisse. Das wird 
man nicht anders machen. 

und was geschah nun seit jenen Tagen, da die 
Flammen der Begeisterung auf bis zum Himmel lo- 
derten und in manchem Vortrag innerhalb kunst- 
gewerblicher Sjreise der Schwur geleistet wurde: 

,,Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern'^ 

Ja — wenn sie nur auch frei gewesen wären, wie 
die Väter waren. Da aber lag der Unterschied. 
Eine Renaissance, eine Wiedergeburt beschwört man 
mit Nachempfindungen allein nicht herauf Dazu 
gehört schon ein wenig mehr vom wahren Spiritus. 
Die Weiterentwickelung der Dinge entsprach 
dem Anfange nicht. Vor allem ist die Begeisterung 
bald verraucht, dann sind die Formenschätze der 
Vergangenheit in relativ kurzer Zeit ausgeschöpft 
worden, an die Stelle von Dürer, Behaim, Holbein, 
Jost Ammann u. s. w. u. s. w. traten die Nicolas 
Pineau, Conrad Reiff, Du Cerceau, Antoine Jacquard, 
Leop. Schmittner etc. etc., und als weiterhin die Hoch- 
flut wohlfeiler chinesischer und japanischer Arbei- 
ten den Markt zu überschwemmen begann ; da 

Knnstgewerbeblatt. K. F. lU. 



jauchzte man diesen fremdländischen Dingen ent- 
gegen, japanische und chinesische Zimmereinrichtun- 
gen entstanden aus dem gleichen Impuls wie wenige 
Jahre vorher die braungetäfelten Stuben mit dem 
Reliefkachelofen und den grünen, undurchsichtigen 
Scheiben. Es war eben etwas Neues, es kam in die 
Mode, ist billig und bewies, wie wenig tief die na- 
tionale Bewegung auf diesem Gebiet Wurzel ge- 
schlagen hai Glücklicherweise ist das deutsche 
Kunstgewerbe von dieser ostasiatischen Sturzwelle, 
deren Folgen sich in der vielmehr als frQher ange- 
wandten freien malerischen Dekorationsweise bereits 
vielfach fQhlbar machen, nicht total verschlungen 
worden, aber soweit ist es bereits gekonunen, dass 
japanische Stücke selbst von unseren Goldschmieden 
als nachahmenswert befunden und — nachgemacht 
werden, allerdings nicht mit dem Originalge- 
schmacke. 

All diese Vorgänge beweisen mit unzweifelhaf- 
ter Sicherheit für das deutsche Kunstgewerbe eines: 
das Fehlen der Selbständigkeit. Was die „Werke 
unserer Väter" auszeichnete^ haben wir der Form 
nach trefflich kopirt, aber der Geist, aus dem das 
herauswuchs, hatte mit dem der Väter nichts gemein, 
denn diese bewegten sich nicht ausschließlich in einer 
angelernten^ eingedrillten Formensprache. Wir aber 
thun es, und wenn nun das Kapital, aus dem wir 
immer und immer wieder zu leihen nehmen, zu Ende 
ist, was dann? 

Apres nous le deluge! sagt gar mancher, der 
zwar lun das Kunstgewerbe sehr besorgt erscheint 
und doch recht froh ist, wenn nicht neue Fragen 
mit allzugroßer Heftigkeit anpochen. Leider ver- 
schließen sich manche tüchtigen, selbstthätigen und 
künstlerisch arbeitenden Kräfte der Einsicht, dass 
hier Wandel geschaffen werden muss, sollen wir 
nicht einem formlichen Eintrocknungsprozesse ent- 
gegengehen. Wie bei den Vertretern der Litteratur 
und der bildenden Kunst, so begegnet man auch in 
kunstgewerblichen Kreisen vielfach einem förmlichen 
Aberwillen, einer scharf ausgesprochenen Scheu vor 
irgendwelcher Änderung. Man beruft sich, immer 
und immer wieder auf die Mustergültigkeit der alten 
Vorbilder und übersieht dabei vollständige dass diese 
lediglich einen so hohen Rang einnehmen, weil sie 
gerade nicht den Stempel der Anlehnung tragen, 
sondern wahrhaft künstlerische, selbständige Lei- 
stungen sind. Das ist die Kluft, die uns von ihnen 
trennt. 

Und warum nun dieses Zurückweisen des „Vor- 
wärts"! Ist es nicht ein Gesetz der Natur, dass bloß 

20 



134 



NATÜRSTUDIUM ODER VERTROCKNÜNG? 



das lebensfähig ist, was sich weiter entwickelt? War- 
um soll der Standpunkt vollständig verkannt wer- 
wen, dass weder alles Neue auf Älterem fußt, ihm 
deswegen aber nicht kongruent zu sein braucht. 
Unsere Zeit ist doch im übrigen keine Zeit des Still- 
standes, auf jeglichem Gebiete regt sich ein mäch- 
tiger Drang nach Neugestaltung, den alle IQagen 
über das Verlorengehen älterer Anschauungen ebenso 
wenig einzudämmen vermögen als der Bannfluch der 
Kunstpäpste oder die Gehässigkeit reaktionärer Ge- 
sinnung es vermag. Keine Gewalt noch irgend 
welche KnJ^ik können auf die Dauer hier den Weg 
vertreten, die Kritik um so weniger als sie ihren 
Maßstab stets nur am Vorhandenen bildet, für das 
Werdende aber immer ein völliges Unverständnis 
zeigte. 

Doch nicht die ideelle Seite allein ist es, die 
hier ins Gewicht föUt, vielmehr spricht die prak- 
tische Seite der Sache ein großes Wort mit und 
dieses Wort heißt Konkurrenzfähigkeit Dass diese 
nicht allein im eigenen Lande fremden Produkten 
gegenüber stichhaltig sei, musste als etwas Selbst- 
verständliches vorausgesetzt werden. Wir haben 
lange genug all das als mustergültig anschauen 
müssen, was nicht auf eigenem Boden gewachsen 
ist, und wir werden diese Zustände aufs neue zurück- 
kehren sehen^ wenn nicht Mittel und Wege gefunden 
werden, um dem nach und nach in eine gewisse 
Langeweile verfallenden Kunstgewerbe frische Le- 
bensgeister zuzuführen. 

Denke man ja nicht etwa, dass das Bestreben 
nach Erfindung eines neuen Stiles hier Rettung 
schaffen könne. Was extra „erfundene" Stile far 
Früchte zeitigen, dafür liefert die Maximihansstraße 
in München einen haarsträubenden Beweis; Stile 
lassen sich nicht erfinden, vielmehr entstehen sie 
ohne den Willen des einzelnen durch die Erfüllung 
jener Bedingungen, welche durch den Stoff und 
dessen zweckdienliche Verarbeitung gestellt werden. 
Was in unserer Zeit den ausgesprochenen Stil hat, 
das sind die Maschinen aller Art; bei ihnen steht 
Zweck und Material, aus dem sie geschaffen wurden, 
im vollsten Einklänge. Sollte wohl je ein Maschinen- 
konstrukteur daran gedacht haben, dass er wahrhaft 
stilistische Produkte liefere? Schwerlich! Bloß einigen 
Menschen, die vor lauter Stilbedürfnis sich nicht zu 
helfen wussten, konnte es einfallen, an Maschinen 
figürlichen oder vegetabilischen Schmuck anbringen, 
bei modernen Geschützen die Lafetten auf Kosten 
der Beweglichkeit mit Ornamenten, den Lauf mit 
Delphinen verzieren zu wollen. Es ist nur ein Wun- 



der, dass die gleichen Leute noch nicht darauf ge- 
kommen sind, dass Panzerschiffe eigentlich geatzte 
oder tauschirte Schutzplatten haben müssten. 

Das ist alles Larifari. Lasse man den Maschinen 
und Kanonen und all diesem Werkzeuge unserer 
Zeit seirien Stil — mit dem Kunsthandwerke werden 
sie nie und nimmer in Berührung kommen. Was 
hier Wandel schafft und schaffen muss, das ist ein 
Zurückgreifen auf den Ursprung aller und jeda 
Form, ein Zurückgreifen auf die Natur verbunden 
mit zielbewusstem, selbständigem Arbeiten, das den 
Schmuck mit fremden Federn, und wären es ^Unser 
Väter Werke", von sich weist. Wir brauchen des- 
wegen durchaus nicht über zu Bord werfen, was wir 
bisher als schon und gut anerkannt haben. Das isi; 
nicht von nöten, aber wir wollen, um mich eines 
Wortes von A, Ilg (Vorrede zu dem Werke ^e 
Pflanze", Wien, bei Gerlach und Schenk) zu bedienen, 
uns nicht vom Schnitte des altmodischen Bockes 
zwängen und pressen lassen, wir wollen uns seiner 
Schönheiten freuen, aber uns doch frei bewegen in 
seiner Hülle. 

Seit geraumer Zeit hat es an Stimmen nicht 
gefehlt, welche eine Förderung kunsi^ewerblicben 
Arbeitens in dem eingehenden Studium der Natnr- 
form erblickten. Freilich sind auch hier die An- 
schauungen über einzuschlagende Wege vielfach ve]> 
schieden gewesen. Abgesehen von einer großen 
Zahl kleinerer Veröffentlichungen (Broschüren und 
einzelne Aufsätze) giebt es eine Reihe stattlicher 
Werke, deren Inhalt mit unserem G^enstande sich 
ganz oder teilweise deckt Boeitcher, weiter Jacobs- 
thal wiesen auf die tektonische Entwickelang der 
Naturform hin, Krumbholz beschäftigte sich mit dem 
vegetabilen Ornament, Verwandtes behandelte Siauf- 
facher, in eingehender Weise Moser (Omamentale 
Pflanzenstudien auf dem Gebiete der heimischen Flora), 
weiter JRobert (La flore omementale), HtUme (Plant 
Form) und Haite (Plant studies for art students). 
Zu den bedeutendsten Erscheinungen sodann zahlt 
das schon oben citirte, bei Gerlach und Schenk in 
Wien erschienene Werk „Die Pflanze in Kunst und 
Gewerbe'% dessen omamentaler und kunstgewerb- 
licher Teil von dem genialen A. Seder herrfilut, 
während das Naturalistische von einer Beihe aus- 
gezeichneter Kräfte des österreichischen Kunstge- 
werbemuseums zu Wien bearbeitet wurde. So hoch 
nun auch dieses Werk und die darin niedergelegte 
Fülle künstlerischer Anregui^en bemessen werden 
mag, so leidet es doch an dem einen Umstände, 
dass es für den Anfänger Kaviar ist und bleibt, denn 



NATÜRSTUDIUM ODER VERTROCKNUNG? 



135 



die darin gelosten Aufgaben sind allzu künstlerischer 
Natur, als dass sie dem Lernenden schon ein wesent- 
liches Hilfsmittel boten. Seders Werk ist eine höchst 
anregende Publikation für reife Künstler. 

Anregung ist also in Hülle und Fülle gegeben 
worden. Warum, so fragt man sich mit Recht, hat 
der ausgestreute Same noch nirgends im deutschen 
Lande kräftig Wurzel geschlagen, warum steht eine 
große Zahl von Männern dieser Frage, deren weitere 
Entwicklung freilich zu anderen als den bisherigen 
Resultaten führen muss, achselzuckend, ja protestativ 
gegenüber? 

Vielfach wird von autoritativer Seite die Durch- 
schnittsbefahigung der Schüler als das wesentlich- 
ste Hindernis bezeichnet, das sich einer neuen Art 
der Anschauung und des Unterrichtes in den Weg 
stellt Es unterliegt keinem Zweifel, dass sowohl 
Kunstakademien wie Kunsl^ewerbeschulen die Mehr- 
zahl ihrer Zöglinge nicht aus Kreisen zugeführt be- 
kommen, die durch eine vortreffliche Schulbildung 
ihre geistige Aufnahmefähigkeit bis zu einem ge- 
wissen Niveau zu bringen im stände sind. Dass em 
solchermaßen vorbereiteter Mensch leichter Neues 
in sich aufnimmt, unterHegt keinem Zweifel, merkt 
man es doch gar vielen künstlerischen Elaboraten 
auf den ersten Blick hin an, wes Geistes Kind ihr 
Autor sei, ob lediglich die künstlerische Fähigkeit 
zum Ausdrucke gelange oder ob ihr auch ein ge- 
läutertes geistiges Bewustsein zur Seite gehe. Nun 
wird es schlechterdings nicht möglich sein, allen 
Kandidaten des Kunstgewerbes eine Gymnasialbü- 
dung zu geben, giebt es ja doch auch Lehrer genug, 
die keine solche besitzen imd nichts destoweniger 
ihren Posten vorzüglich ausfüllen. Darin aUein kann 
also das Heil nicht liegen. 

Die auf eine andere als den bisherigen Büdungs- 
gang abzielende Neuerung schlösse nun freilich nicht 
bloß die Schüler in ihr Bereich, sondern auch die 
Lehrkräfte. An diesen wäre es, sich mit dem Geiste 
einer neuen Entwickelungsarbeit zu beschäftigen 
und sie natürlich müssten in allererster Linie voll- 
ständig Herren dessen sein, was sie ihren Schutzbe- 
fohlenen zu doziren hätten. Dass diese dann mit 
der gleichen relativen Leichtigkeit eine andere als 
die bisherige Formensprache zu ihrem Eigentume 
machten, kann nur von prinzipiellen Gegnern ge- 
leugnet werden. Es existirt für kein Kind, sei es 
aus irgend einem beliebigen Weltwinkel her irgend 
welche Schwierigkeit, eine beliebige Sprache zu 
lernen, die dessen Eltern absolut nicht kennen. 
Warum sollte es unmöglich sein, jenem heranwach- 



senden Menschen, der in die Welt der künstlerischen 
Form eingeführt wird, gleich das Original zu zei- 
gen, von dem alle Zeiten ihre ihnen eigenen Über- 
setzungen machten? Statt dessen müssen heute noch 
vom Lernenden erst diese Übersetzungen bis zum 
Überdrusse durchgekostet und kopirt werden, womit 
ihnen dann meist das Verständnis für die Originaler- 
scheinui^ glücklich abhanden kommt. Geht es auf 
den Akademien, dass das Zeichnen nach der Antike 
als erste Stufe der künstlerischen Bildung fortan 
wegfallt und dafür gleich das lebende Modell ein- 
tritt, so muss sich ein analoger Vorgang auch auf 
den Gebieten, welche das Kunstgewerbe berühren, 
erzielen lassen. Es ist, um nochmals auf die Antike 
zurückzukommen, eine bekannte ThatsachC; dass sie 
weit höher von dem geschätzt und besser verstan- 
den wird, der sich an der lebenden Natur bildete 
als von jenem, bei dessen Bildungsgang diese schwere 
Kost das erste Gericht bildete. Pädagogische Be- 
denken — und solche sind es hauptsächlich, die 
einer gesunden Umgestaltung im Wege stehen — 
können mithin nicht als stichhaltige Gründe ins 
Feld geführt werden. 

Es kann sich übrigens bei dem intensiveren 
Heranziehen der Naturformen zum Unterrichte nicht 
in erster Linie um die malerische Erscheinung der- 
selben handeln, oder um es deutlicher zu sagen: Wir 
sind weit davon entfernt, der freien Dekorationsweise, 
wie sie bei den ostasiatischen Völkern gepflegt wird, 
für unsere Zwecke das Wort zu reden. Vielmehr 
muss die Betonung auf eine ganz andere Seite 
gelegt werden. Diese am sorgfältigsten durchgear- 
beitet zu haben ist das Verdienst von Professor 
Meurer in Rcym. Die Art wie er seinem Thema zu 
Leibe rückt, hat freilich seine Vorgeschichte, indessen 
scheint doch gerade er neben einer Reihe von anderen 
Kräften, die sich mit der Frage beschäftigen, dazu 
berufen, den Hauptvorstoß zu unternehmen, zu dem 
ihm übrigens seitens der königl. preußischen Regie- 
rung die Mittel an die Hand gegeben worden sind. 

Gleich weit davon entfernt, an der Naturerschei- 
nung vorwiegend das malerische Element zu sehen 
und dieses zur Geltung zu bringen oder aber in der 
gewachsenen Form ohne weiteres das Motiv zu einer 
stilisirten Gestalt suchen zu woUen, geht er viel- 
mehr der Frage der Entstehungsbedingung, der lo- 
gischen Entwickelung des Gesamten und jedes 
einzelnen Gliedes nach, stellt ihre wechselseitigen 
Beziehungen, ihre Abhängigkeit von einander als 
erste Aufgabe des Studiums hin; er verlangt also 
vom Lernenden vor allem anderen logisches Be- 

?9* 



136 



NATURSTÜDIDM ODER VERTROCKNUNG? 



obachten. Darauf allein kann das übrige sich stützen. 
Es bildet die Grundlage, es ist das vorwiegend archi- 
tektonische Denken, nicht die malerische Anschauung. 
Diese soll damit nicht etwa aus der Welt geschafft 
werden, ist sie doch gerade jene Kraft, welche 
notwendig wird, um mit der mathematisch fest- 
gestellten Form erst den eigentlich künstlerischen 
Bildungsprozess anzuheben. Aber sie kann — den 
Dekorationsmaler etwa ausgenommen — nicht die 
Dosis des Lernens für das Kunstgewerbe bilden. Das 
Malen von Stilleben, von Bouquets u. s. w. wie es 
an vielen Kunstgewerbeschulen behufs Herstellung 
von Examenausstellungsblättem geübt wird, ist 
wohl in den meisten Fällen ziemlich nutzlos. Meist 
sind es, wie die Erfahrung lehrt, keine Arbeiten, 
an denen man Freude haben kann. Vielmehr tragen 
sie nur allzuoft den Stempel des Gequälten und 
zeigen gleichzeitig, dass auch der Lehrer seine 
eigenen Kräfte überschätzt hat. Zum wirklich freien 
Entwerfen malerischer Dekorationen kommt es dabei 
doch nur in den allerseltensten Fällen. Das wird 
mehr oder weniger immer vom Schüler, seiner Be- 
anlagung und der Art abhäDgeu, wie er sein Auge 
bildet. Beibringen lässt sich es sich nicht, ebenso 
wenig wie man den Schüler dazu erziehen kann, aus 
der Naturform auch gleich das stilisirte Ornament 
heraus zu lesen. Auch das ist Sache der Beanla- 
gung. Gerade dabei aber wird das Studium des 
Organischen, Gesetzmäßigen die Grundlage bilden 
müssen. Jede Erscheinungsform der Natur bedeutet 
einen Gedanken. Wer diesen erfasst, versteht auch 
die Form; wer an der Pflanze oder am tierischen 
Körper den Konflikt zwischen Streben und Nieder- 
drücken, mit andern Worten die Wirkung der Wuchs- 
und der Schwerkraft in allen Wechselbeziehimgen 
beobachten lernt, lernt den gedanklichen Ausdruck 
eines Gesetzes kennen. Daraus erhellt, dass die 
Kunstform nur aus der Natur abzuleiten ist, und 
weiter, dass man das stilistische Moment zuerst an 
der Pflanze, überhaupt am Original kennen soll, ehe 
man an die Lösung der Aufgabe geht, stilistische 
Formen aus Naturgebilden herzustellen. Nur wer 
von richtigen Voraussetzungen bezüglich der bis in 
die letzte Faser hinaus auf Gesetzen beruhenden 
Natprform ausgeht, wird dieselbe künstlerisch richtig 
zu verwerten wissen. Das Erkennen dieser Ge- 
setze, und das spricht wohl am stärksten für die 
Neuerung im Unterrichte, — kann gelehrt werden; 
der künstlerische Ausbau der Form aber nicht. 
Wenn vorhin gesagt wurde ^ dass jede Naturform 



einen Gedanken ausdrücke, so ist es nur eme weitete 
Konsequenz y dass der Kunstform dieselbe Aufgabe 
zufalle. Die gedankenlose Kopirerei, das Motive- 
zusammensuchen aus allen möglichen Werken mo^ 
auf diese Weise der eigenen gedankreichen Arbeit 
Platz machen. 

Eigentlicher Zweck des solchermaßen nach tek- 
tonischen Prinzipien geleiteten Unterrichtes kann es 
nicht sein, auch gleichzeitig die praktische tjbe^ 
tragbarkeit für diese, jene Aufgabe zu lehren. Das 
wird stets vom speziellen Falle abhängig sein, d. L 
die Form hat sich dem Zwecke anzupassen. Dass 
eine große Reihe angewandter Formen auf diese 
Art entstanden ist, braucht des weiteren nicht be- 
wiesen zu werden. Schlagend allerdings zeigte es sich 
bei einer ganzen Reihe von Naturabgüssen in Bronze, 
die Professor Meurer gelegentlich eines Vortrages im 
Kunstgewerbeverein zu München zusamt den Abbil- 
dungen der künstlerisch ausgeführten Form vorwies. 

Auf spezielle Beispiele der Meurersckm Theorie 
hier einzugehen hat um so weniger Zweck, als das 
gesamte von ihm zusammengetragene Material 
binnen kurzem der Öffentlichkeit in einem illostratir 
reich ausgestatteten Werke dargeboten werden wird. 
Die Zeichnungen in demselben, alle geometriscb, 
nicht perspektivisch gegeben, sollen nicht den Zweck 
von Vorlagen haben, sondern dem Schüler die Art 
des Studiums und seine Entwickelung klar machen. 
Er soll an der Hand derselben selbst das Natni- 
studium betreiben, die Entfaltung eines Blattes z. 6. 
vom Hauptstiele nach allen Seitenverzweigungen 
hin, das Verhältnis der einzelnen Rippenansätze und 
der dabei in Betracht kommenden Winkel und end- 
lich die dadurch bedingte Gesamtform erkennen 
lernen, mit andern Worten das Skelett zur Grand- 
lage des Aufbaues machen, die äußere Form nach 
dem inneren, festgeliederten Wachstum bemessen. 

Die Sache sieht sich etwas doktrinär an und 
giebt wahrscheinlich vielfach Anlass zu Einwänden 
aller Art. Es wird natürlich auch hier immer dar- 
auf ankommen, wie der Lehrgegenstand behandelt, 
ob er zum Ausgangspunkte einer verknöcherten 
Methode wird oder nicht. Das hängt einzig und 
allein vom Lehrer ab. Die Empfindung f^ das 
künstlerisch feine Ausgestalten braucht dabei nicht 
im entferntesten Schaden zu leiden; wo sie aber 
auf logischem Denken fußt , wird sie weit hoher 
stehen als die beste Nachempfindung, und wäre sie 
selbst vom Besten hergeleitet. ; . 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



SCHULEN UND MUSEEN. 

Rd. Hanau. KgL Zeichenakademien Dem Jahresbericht för 
1891/92 entnehmen wir, dass die Gesamtzahl der Schüler 
durchschnittlich 452 betrug. Von diesen waren 81 Tages- 
vollBchÜler, welche durchschnittlich 45 Stunden wöchentlich 
nahmen, sowie 371 Schüler mit durchschnittlich 9 Stunden 
Unterricht in der Woche. Die Gesamtzahl der Schülerinnen 
betrug 68, von diesen waren 23 Tagesschülerinnen mit 23 
Stunden und 45 Schülerinnen, welche wöchentlich durch- 
schnittlich 12 Stunden nahmen. Infolge der wachsenden 
Schülerzahl und vermehrten Unterrichtes mussten wieder 
Parallelabteilungen gebildet werden, welche von den betref- 
fenden Lehrern im Sommer in, 26, im Winter in 29 Über- 
stunden unterrichtet werden. Die zur Benutzung der Lehrer 
und Schüler bestehende Bibliothek umfasst: 1400 Bücher und 
Sammelwerke mit zusammen 3000 B&nden und Mappen; eine 
systematisch geordnete Vorbildersammlung nach kunstge- 
werblichen Gegenständen 7000 Tafeln; eine Sammlung von 
Handzeichnungen, Kupferstichen und Photographien, nach 
Gemälden und Zeichnungen 4000 Blatt, einschließlich etwa 
1200 Ornamentstichen und ist Montag und Donnerstag von 
10—12 vormittags, 2 — 4 nachmittags und 6—8 Uhr abends 
dem Publikum geöffnet. Die Werke der Bibliothek dienen 
als Lehrmittel der Anstalt und werden in wechselnden Ge- 
branch genommen. An hierorts bekannte Personen werden 
einzelne Bücher und Blätter gemäß der Bibliothekordnung 
auf kurze Zeit verliehen. Die Sammlung der plastischen 
Vorbilder besteht aus 3000 Stück Abgüssen verschiedener, 
meist der Kleinkunst angehöriger Gegenstände, 2400 Ab- 
güssen von Gemmen, Münzen u. s. w., sowie 2739 alten ür- 
kundensiegeln. Von diesen im wesentlichen aus dem Staats- 
archiv zu Marburg stammenden Siegeln werden Abgüsse ab- 
gegeben. Zu der Sammlung gehören femer 860 Metallgegen- 
stände, 350 Kunststickereien und alte Stoffmuster. Durch 
Ankäufe aus Staatsmitteln sowie durch acht Nachbildungen 
wertvoller Gegenstände der Metallindustrie, welche von 
Schülern der Bijouteriewerkstatt hergestellt wurden, haben 
diese Sammlungen eine dankenswerte Bereicherung erhalten. 
Eine besonders reiche Schenkung von Stichen und Zeich- 
nungen für Bijouterie aus dem Nachlass des verstorbenen 
B^jouteriefabrikanten Rödiger wurde der Anstalt durch Frau 
L. Rödiger gemacht. Am 9. August fand in der Aula die 
feierliche Verteilung der Preise aus dem Staatsstipendium 
und derjenigen des Kunstgewerbevereins für die im Früh- 
jahr eingelieferten Konkurrenzarbeiten statt, bei welcher Ge- 
legenheit auch eine Ausstellung von Schülerarbeiten aus den 
letzten zehn Jahren eröffnet wurde, die ein lehrreiches Bild 
von der Entwickelung der Anstalt in dieser Zeit gab. Die 
Gesamtzahl der Schüler betrug 520, davon 452 Schüler und 
68 Schülerinnen. Erstere verteilten sich auf folgende Berufs- 
arten: Ciseleure 107, Silberschmiede 33, Graveure 30, Bi- 
joutiere 184, Juweliere 33, Modelleure 8, Maler 3, Zeichner 6, 
Bautechniker 1, Lehrer 2, Gymnasiasten 9, Realschüler 10, 
Bürgerschüler 14, verschiedene Handwerker 12. Die Ein- 
nahmen an Schulgeldern ergaben 12573 M., die Ausgaben 
insgesamt 80780 M. 



Rd. Eeichenberg. Dem Jahresbericht des Nordböhrnischen 
Qetcerbemuseums für 1890/91 entnehmen wir folgendes: Die 
nach Abzug der Verwaltungskosten übrig gebliebenen Sum- 
men wurden zum größeren Teile fQr die Sammlungen , zum 
kleineren för die Bibliothek verwendet. In beiden Teilen 
der Sammlungen halfen eine Reihe von Geschenkgebern die 
Anzahl der Objekte nicht unwesentlich vermehren. Zu An- 
käufen fßr die Sammlungen gab die weithin bekannt ge- 
wordene Auktion Vincent in Konstanz Gelegenheit; es ge- 
lang hier für das Museum eine Reihe wertvoller Objekte zu 
erwerben, unter denen namentlich vier hervorragende Schwei- 
zer Glasgemälde als längst ersehnter AnfJEing einer Abteilung 
für Glasmalerei bewillkommnet wurden. Sie bestehen aus 
einer vortrefflich erhaltenen Figurenscheibe und zwei gleich- 
falls wohlerhaltenen, farbensatten Wappenscheiben, zu denen 
sich noch ein schön gezeichnetes gotisches Architekturstück: 
gelbe Fialen auf blauem Damastgrunde gesellte. Als wei- 
tere Stücke konnten erworben werden: eine flott modellirte, 
weiße figürliche Gruppe aus Porzellan von Ludwigsburg, 
Venus und Adonis, eine Platte mit Schale aus chinesischem 
Damastporzellan mit figürlicher Malerei, eine scharf model- 
lirte Siegburger Schnelle mit großen Kostümfiguren, eine 
Nassauer Flasche mit Wappen in Flachrelief, ein Nassauer 
Krug mit fein modelUrtem Landsknechtsfries, eine edelge- 
formte Glaskanne, bedeckt mit gravirten Rokokoomamenten, 
zwei vierkantige chinesische Porzellanflaschen mit schönem 
farbigen, naturalistisch gehaltenen Emailblumendekor, ein 
weißer und zwei vergoldete Rokokokonsoltische, eine acht- 
ecb'ge ühr mit durchbrochenem, geschnittenen vergoldeten 
Bronzegeh&use und ein schmiedeeiserner Kronleuchter aus 
naturalistisch gehaltenen, bemalten Rosenzweigen, deren 
Blumen aus Porzellan gebildet sind. Die Textilsammlung 
erhielt als Zuwachs einen großen Perserteppich mit satter 
Farbengebung. Neben abgeschlossenen Werken erhielt die 
Bibliothek auch an Zeitschriften einen recht erheblichen Zu- 
wachs, so dass die Anzahl derselben einen großen Teil der 
weitaus bedeutenderen Schwesteranstalten nicht unerheblich 
Übertrifft. Dadurch ist auch dem in der kleinen Stadt an- 
säßigen Kunsthandwerker reichlich Gelegenheit geboten, 
sich Über die kunstindustrielle Bewegung in den großen 
Kunstcentren zu unterrichten. Die Gesamtzahl der im Lese- 
zimmer aufliegenden Zeitschriften beträgt zur Zeit 126. Von 
diesen sind: 42 Kunst- und kunstgewerbliche Zeitschriften, 
74 technische, industrielle und kommerzielle Zeitschriften, 5 
aUgemeine wissenschaftliche und belletristische Zeitschriften, 
und 5 gehören der politischen Tagespresse an. Infolge dieser 
weitgehenden Bereicherungen der Sammlung und der Biblio- 
thek gelangt der Charakter des Museums als Centralstudien- 
mittelsammlung für Handwerk, Industrie und Schule des 
Handelskammerbezirkes Reichenberg immer mehr zum Aus- 
druck und zu immer lebhafterer und weitgehenderer Aner- 
kennung, wie die stetig in der Zunahme begriffenen Besuchs- 
und Entleihungsziffem zeigen. Der Gesamtbesuch des Mu- 
seums belief sich im abgelaufenen Verwaltungsjahre auf 19561 
Personen, von welchen 7784 auf die Sammlungen, 6738 auf 
die Bibliothek, 1745 auf die Vorträge, 676 auf den offenen 



138 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Zeichensaal und 2618 auf die Ausstellungen kommen. An- 
gesichts des Umstandes, dass der schon im vorigen Th&tig- 
keitsberichte beklagte Raummangel periodische Ausstellun- 
gen auch in diesem Berichtsjahre, mit Ausnahme einer Schüler- 
arbeitenausstellung, welcher aber im vergangenen Jahre drei 
Ausstellungen gegenüberstehen, nicht zuließ, darf die nor- 
male Besuchsziöer als eine erheblich steigende angesehen 
werden. Die Ausleihungen aus Bibliothek und Vorbilder- 
Sammlung erreichten gegen das Yoijahr wiederum eine Er- 
höhung um 5071 Bücher und Vorlagen, indem die Summe 
der ausgeliehenen Bücher und Vorlagen von 13181 des Vor- 
jahres auf 18152 des in Rede stehenden Berichtsjahres stieg. 
Wenn dagegen die Ausleihziffer der kunstgewerblichen Ob- 
jekte nur die Höhe von 261 Stück erreicht, so ist dies auf 
den Umstand zurückzuführen, dass der größte Teil der Mu- 
sealarbeiten dieses Jahres auf die Neuinventarisirung der 
Sammlungen kam, eine Arbeit, welche nur in den äußersten 
Fällen ein Ausleihen von kunstgewerblichen Gegenständen 
erlaubte. Nunmehr ist die umfassende Arbeit der Neuinven- 
tarisirung glücklich beendet Das fertige Inventar weist mit 
Ausschluss der typographischen Sammlung und der Teztil- 
abteilung 3779 Nummern auf. Zu recht erfreulichem Berichte 
giebt auch in diesem Verwaltungqahre wieder der offene 
Zeichensaal Anlass. Derselbe wurde von 63 ständigen und 
613 vorübergehenden Schülern besucht, gegen das Voijahr 
ein plus von 10 ständigen und 113 vorübergehenden Besu- 
chern. Die ständigen Schüler teilen sich in 31 Damen und 
32 Gesellen und Lehrlinge, welch letztere sich wieder nach 
den einzelnen Berufsarten in 5 Dekorationsmaler, 7 Bild- 
hauer und Graveure, 4 Lithographen, 4 Tischler, 2 Metall- 
gießer, 3 Maurer, 2 Photographen, 1 Buchbinder, 2 Muster- 
zeichner und 2 Porzellanmaler scheiden. Unter den vorüber- 
gehenden Besuchern befanden sich 3 Kunstgewerbe- und 9 
Staatsgewerbeschüler. Durchschreitet man in den Abenden 
der Wintermonate den offenen Zeichensaal, in welchem dicht 
gedrängt Gesellen und Lehrlinge sitzen, um sich nach des 
Tages Arbeit und Mühe noch weitere Belehrung und Aus- 
bildung zu verschaffen, so kann man sich das hohe GefElhl 
der Anerkennung für solchen Schafienstrieb nicht versagen. 
Die Thätigkeit des offenen Zeichensaales wurde dahin erwei- 
tert, dass während des Sommerhalbjahres ein Kursus für 
Zeichner und Maler nach dem lebenden, männlichen und 
weiblichen Modell (Kostümstudien) abgehalten wurde. Dieser 
Kursus, dessen Dauer vorläufig auf drei Monate an zwei 
Nachmittagen der Woche festgesetzt und der nur für eine 
beschränkte Zahl von Teilnehmern, die im künstlerischen 
Zeichnen und Malen vorgerückt waren, bestimmt war, hatte 
zehn Teilnehmer. Seine Ziele waren: Künstler, Musterzeich- 
ner, Lithographen, Dekorationsmaler, Glas- und Porzellan- 
maler, Modelleure, Bildhauer, überhaupt Kunsthandwerker, 
welche in ihren Arbeiten in die Lage kommen, die mensch- 
liche Gestalt anwenden zu müssen, mit den Formen und 
Farben der bekleideten männlichen und weiblichen mensch- 
lichen Gestalt vertraut zu machen. Leider muss hier kon- 
statirt werden, dass der Kursu^, der mit freudigem Schaffens- 
eifer seitens der Teilnehmer begann, mitten in seiner Thätig- 
keit aufhören musste, weil es nicht möglich War, geeignete 
Modelle zu beschaffen. Nichtsdestoweniger soll ein zweiter 
Versuch nicht unterlassen werden. In dem Beamtenstatus 
des Museums trat im Laufe des Berichtqahres insofern eine 
Veränderung ein, als Herr Architekt Albert Hofmann infolge 
einer Berufung nach Berlin die Geschäfte am Museum nieder- 
legte und an seine Stelle der frühere Assistent des Germa- 
nischen Nationalmuseums in Nürnberg, Herr Dr. Franz Fried- 
nch Leitechuh, Privatdozent der Kunstgeschichte an der Uni- 



versität Straßburg, trat An Stelle des ausgeschiedenen As- 
sistenten Herrn August Erben trat Herr Karl Lederle in den 
diesseitigen Dienst ein. Was die innere Thätigkeit des Mu- 
seums anbelangt, so galt es in diesem letzten Vierteljahre 
die Lösung zweier Aufgaben anzubahnen: die Herstellung 
eines Zettelkataloges über sämtliche Abteilungen des Mu- 
seums und die Bearbeitung eines Führers durch das Museum. 
Die erstere Aufgabe, welche gleichzeitig auch die wichtigste 
Vorarbeit für den künftigen wissenschaftlichen Katalog bildet, 
ist bereits ziemlich vorgeschritten, die zweite wird im Juni 
1892 insofern beendet sein, als bis zu dieser Frist die Druck- 
legung des Führers wird beginnen können. Der Führer wird 
es thunlicbst vermeiden, in den „Katalogton** zu verfallen, 
sondern soll an der Hand von technologischen, geschicht- 
lichen und künstlerischen Erläuterungen die Sammlungen 
beschreiben und die wichtigsten Gegenstände hervorheben. 
Mit der Herausgabe des „Führers" werden auch einige Än- 
derungen in der Aufstellung vorgenommen werden müssen; 
denn mit dem Erscheinen desselben wird eine klare Über- 
schau, die jetzt infolge allzu dichter Aufstellung scbwer ist, 
doppelt notwendig werden. Freilich wird der Baummangel 
auch dem ehrlichsten Streben, hier Wandel zu schaffen, 
hemmend in den Weg treten. Jedem, der an die Zukunft 
des Museums denkt, wird die Schaffung eines neuen Ge- 
bäudes als Notwendigkeit erscheinen; denn die jetzigen 
Räume sind ebenso ungeeignet als unzulänglich für Museums- 
zwecke. — Der Generalabschluss balancirt in Einnahme und 
Ausgabe mit 18865,55 Fl.« wobei unter den Ausgaben 18713 
Fl. fQr Gehälter, 3727 zu Ankäufen ftlr die Sanmilung und 
2005 Fl. zur Erweiterung der Bibliothek verwendet worden. 
unter den Einnahmen fehlte seit zwei Jahren der wichtige 
Posten von 8000 Fl. des Landesausschusses. Bekanntlich 
war die Bewilligung abhängig gemacht von der Bedingung, 
dass in der Verwaltung der Museen die Gleichberechtigung 
beider Volksstämme des Königreichs Böhmen gewahrt wird. 
Diese Forderung, welche die Tschechisirung des Instituts zur 
Folge gehabt hätte, wurde vom Kuratorium ohne weiteres 
abgelehnt Auf Grund dessen stellte der Landesausschuss 
wesentlich andere und günstigere Bedingungen, deren Er- 
füllung bereits früher, ohne dass sie besonders ausgesprochen 
waren, erfolgt war. Nur die letzte: Herausgabe eines Kata- 
logs in böhmischer Sprache schien insofern etwas bedenk- 
lich, als ein solcher Katalog in dem stockdeutschen Reichen- 
beig keine Abnehmer finden dürfte. Durch Annahme dieser 
Bedingungen hat das Kuratorium die Existenz des Museums 
gesichert, und ihm einen Vorwurf daraus zu machen, wäre 
bitteres unrecht. Hoffen wir, dass das Institut auch unter 
den neuen Verhältnissen seinen deutschen Charakter bewahre. 

VEREINE UND VERSAMMLUNGEN. 

Der Kunstgewerbeverein in Pforxheitn wird im Früh- 
sommer nächsten Jahres eine BijouteriefaehatissteUung zur 
Feier der Eröffnung des dortigen Kunstgewerbemuseump ver- 
anstalten und ladet zur Beschickung dieser Ausstellung ein. 
Nähere Auskunft erteilt Herr Hob. Furtwängler in Pforzheim. 

AUS WERKSTÄTTEN UND FABRIKEN. 

Aus Pforzheim wird uns mitgeteilt, dass eine dortige 
Firma durch Vermittelung eines Kaufhauses in Kalkutta den 
Auftrag zur Anfertigung einer Elefantendecke aus 22 kara- 
tigem Golde erhalten habe. Das Goldgeflecht von 12 Fnfi 
Länge und 18 Fufi Breite soll mit Brillanten, Perlen und 
fiärbigen Edelsteinen besetzt, die Ränder mit Quasten und 
Götterfigürchen^ diese iß massivem Golde, beh&igt werden« 



i 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



139 



Der Geeamtwert dieses filefantenschmuckes wird etwa eine 
Million Mark betragen. 

SAMMLUNGEN. 

— Frankfurt a/M. Der Stadt Frankfnrt ist dnrcli die 
Monifizenz eines Bürgers Michael Linel eine großartige Stif- 
tung ZQ teil geworden: eine Sammlung von Erzengnissen 
der Kleinkunst, wie sie nur wenige öffentliche Institute ihr 
eigen nennen können. Leider hat ein plötzlicher Tod den 
hochherzigen Stifter um die Freude gebracht, die ehrende 
Anerkennung und den Dank seiner Mitbürger entgegenzu- 
nehmen, der um so lebhafter gewesen w9xe, als die Stittung 
der Sammlung, die den Franklürtern völlig unbekannt wai-, 
ganz überraschend kam. In stiller Zurückgezogenheit hat 
der Besitzer gesammelt und war wenig geneigt» seine Öch&tze 
der Bewunderung und Kritik Berulener und Unberufener 
auszusetzen. Auch sammelte er nicht nach einem besonderen 
System: was ihm gehel und seinen Neigungen entsprach, er- 
warb er, da eben seine Mittel dies gevtatteten. Allerdings 
können wir auch hier, wie bei jedem Sammler, gewisse Lieb- 
lingsgruppen erkennen, welche sich einer bevorzugten Phege 
erlreut haben. Das bedeutendste Stück ist der berühmte 
„Famass'* der alten Meißener Fabrik, eine große Gruppe, 
welche Apollo und die neun Musen, sowie den Fegasus dar- 
stellt, welcher mit seinem Üul' den kafitalischen Cjuell ent- 
stehen Iftsst. Die Gruppe, aus der Sammlung S6cretan in 
Paris stammend, zeigt eine ungewöhnlich gute Erhaltung. 
Künstlerisch noch höher stehend, wenn auch weniger um- 
tangreich, ist eine allegorische Gruppe der Ludwigsburger 
Fabrik; um eine Spitzsaule, auf deren Gipfel Amor kauert, 
schlingen die Grazien ihren Reigen, während die Wahrheit, 
durch den Spiegel charakterisirt, sich zu einer männlichen 
Figur niedergelassen hat, die sich am Boden in ohnmäch- 
tiger Wut zu winden scheint Aber auch die übrigen deut- 
schen Fabriken des vorigen Jahrhunderts sind in anmutigen 
Gruppen, Tierüguren, Hiechbüchschen etc. vertreten: so Karl 
Theodors Lieblingsschöpfung Frankenthal, die Höchster Fa- 
brik, durch Melchiors groli gedachte Kompositionen berühmt, 
Fulda, Mymphenburg, Altwien, endlich auch durch schöne 
Tassen repräsentirt die alte Fabrik von Wedgwood; durch 
eine Kollektion ostasiatischer Porzellane ist auch dieser 
Zweig der Keramik gut vertreten. Aber auch die anderen 
Zweige der Keramik sind nicht vernachlässigt; die italie- 
nischen Majoliken zeigen die Merkmale der verschiedenen 
Fabrikationsstätten des lt>. Jahrhunderts. An Gläsern finden 
sich deutsche Emailgläser neben venezianischen lllligran- 
und Milletiori, italienischen und deutschen Flügelgläsem ver- 
treten. Die Technik des deutschen Glasmalers Schaper lässt 
sich hier besser studiren wie die der sog. Doppelgläser. Auch 
die Technik der sog. Hinterglasmalerei ist gut vertreten. 
Von großem künstlerischen Wert sind zwei Lüster, der eine 
von Meißener Porzellan, der andere von Bergkrjstall von 
ungewöhnlicher Größe. Unter den Arbeiten der Plastik fällt 
uns vor allem ein Werk auf, welches eine der vornehmsten 
Dekorations weisen der Renaissancezeit darstellt, es ist die 
Büste eines römischen Imperators (wahrscheinlich Vitelliusj, 
die aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt ist. Der 
aus dunkelrotem ägyptischen Porphyr gemeülelte Kopf trägt 
einen Lorbeerkranz von vergoldeter Bronze; von gleichem 
Material schlingt sich der Kaiaermantel um die aus farbi- 
gem Marmor gebildeten Schultern. Einige größere Bronze- 
üguren: die Porträtbüste eines jüngeren Mannes im Kostüm 
des 17. Jahrhunderts, und eine fast lebensgroße Bnmnen- 
iigur: badende Nymphe, welche ihr Haar ausringt, zeichnen 
sich durch ihre außerordentlich schöne Färbung aus; andere 



Bronzen, ein sitzender Flötenspieler und ein Satyrpaar nach 
Clodion, zeigen die schöne durchsichtige Patinirung. Von 
sonstigen Werken der Kleinplastik, welche auch noch in 
kleineren Bronzefiguren und Büsten reichlich vertreten* ist, 
heben wir eine Anzahl von Arbeiten in Holz hervor, frei- 
stehende Figürchen, die als „Bettler" oder „Buttenträger'' 
bei den Sammlern sehr beliebt sind. Unter den letzteren 
namentlich finden wir ein Stück aus dem 16. Jahrhundert 
— einen jungen Burschen, der in flotter Stellung seine sil- 
berne Butte auf dem Rücken trägt — eine Arbeit, die hin- 
sichtlich ihres Kunstwertes dem größten Museum Ehre machen 
würde. Unter den Fiachreliefarbeiten in Holz nimmt die- 
jenige Art eine ziemliche Bedeutung in Anspruch, die man 
als „Prager Arbeiten'* bezeichnet. Unterscheidend lür die- 
selben ist die Behandlung des Reliefs in verschiedenen bunt 
gelobten Holzarten, auch wohl, wie bei den beiden Bildern 
„Susanne im Bade'* und „Joseph und Potiphar** durch Zu- 
hilfenahme von Elfenbein und Alabaster bereichert. Gewöhn- 
lich werden diese Tafeln in Prager Arbeit zu Einsätzen in 
Schränkchen und Kassetten verwendet; auch bei uns sehen 
wir mehrere derartiger kleiner Ziermöbel, vor allem einen 
Schrank mit der Geschichte vom verlorenen Sohn und ein 
Schachbrett, welches der besten Zeit des 17. Jahrhunderts 
angehören dürfte. An die Holzskulpturen schließen sich die 
von Solenhofener Stein, vor allen zwei geätzte Platten, Jagd- 
szenen in oüener Landschaft darstellend, welche durch dis- 
krete Färbung einen besonderen Reiz erhalten. Wahre 
Prachtstücke linden wir unter den Möbeln. Ein kostbarer 
holländischer Schrank in rotem Lack mit Goldornament und 
Beschlägen; eine prächtige Kommode in Palisanderholz im 
Stil Louis XY. und als Paradestück ersten Ranges eine Wie- 
derholung des herrlichen Kabinetts der Marie Antoinette in 
Trianon, dessen Beschläge zu den ersten Leitungen der fran- 
zösischen Giselirkunst zählen dürften. Meben diesen drei 
Hauptstücken treten die übrigen Möbel in den Hintergrund, 
wenn sie an sich auch gute Repräsentanten ihres jeweiligen 
Zeitgeschmackes sind. Dies gilt namentlich von emer reich- 
geschweiften Schreibkommode mit unzähligen Schubladen 
vom Ende, und einem Pfeilerschränkchen, schwarz mit Mes- 
singbeschlägen, vom Anfang des 17. Jahrhunderts, während 
uns ein hübech gezeichnetes „Kabinett** die bei den Italienern 
beliebte Anwendung der farbigen Stucco-lustro zu Möbelein- 
lagen vorführt Ein l'isch zeigt in seiner eingelegten Platte 
die guten Ornamente des beginnenden Barocks; mehrere ge- 
schnitzte Stühle die reiche Zierweise der italienischen imd 
deutschen Renaissance. Unter den Bijouterien der Linel- 
sammlung finden wir die mannigfaltigsten Kleinarbeiten, 
welche dem Menschen zum Schmuck oder zur gefälligen 
Spielerei dienen, kostbar zum Teil durch das aufgewendete 
Material, das Gold und die Edelsteine, zum Teil durch den 
ganz erheblichen Kunstwert. Besonders Bemerkenswertes 
aus diesen Anhängern, Broschen, Schnallen, Ührchen, Ta- 
baks- und Bonbondosen, Chatelainen, Necessairs und hundert 
anderen Kleinigkeiten herauszuheben, ist unmöglich. In das 
Gebiet des menschlichen Schmucks gehören in weiterem 
Sinne auch die Fächer; eine kleine Kollektion derselben, 
welche uns hier begegnet, enthält wenigstens einige recht 
beachtenswerte Stücke. Auch an größeren Edelmetallarbei- 
ten ist die Sammlung reich; ein deutscher Renaissancebecher 
in jener klassischen Form, zu welcher Holbein in seinen Ent- 
würfen das Vorbild geliefert hat — ein Doppelbecher aus 
Wurzelholz, ein kleiner Traubenbecher, mehrere große Hen- 
kelkrüge und einige gute Beispiele des gravirten, auf Kugel- 
füßen stehenden Deckelbechers aus dem 17. Jahrhundert 
Den Silberarbeiten schließen sich auf der einen Seite die 



140 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Niellen an, jene in Eapfenticbmauier mit ochwarzer Aue- 
miung auf Silber zur Eraoheinung gebrachten Daratellun- 
gen; auf der anderen Seite die omamentalen Zionarbeiten, 
die Heisterleiitimgen der dentsclien Foimscbneider des 16. 
Jahrhnndert«. Durch zwei groSe, wertvolle Platten, einen 
Henkelkrug nnd zirei iogen. WochenBchüuela sind dieselben 
hier au6 beste vertreten. Auch an Uhren; Stand-, Wand- 
und l^schubren bt kein Mangel, unter denen eine in Bronze 
und veißem Marmor ausgeführt« Lonis XVI. -Ühr besoadera 
hervorragt Als eine wertvolle Bereicbening hat endlich 
der Bruder dea Verstorbenen eine nrnfaiBende Kollektion 
alter Bacbeinbände tunzugengt, die in rnuatergültigeo Exem- 
plaren eine Entwickeluug des Kinbandea darstellt und be- 
stimmt sein dürfte, auf das Frankfurter Bucbbinde^werbe 
befruchtend und anregend zu wirken. 



Weltaisstellmg In (Mcago 1893. 

Der KommiBsar des Deutschen Reiches für die Welt- 
ansatellung in Chicago, Uebeimer Begiernngsrat Wermuth, 
bat in den Beimt, der ihm fOr die Auasteltung zur Seite 
gestellt wird, von bayerischer Seite den Direktor des Baye- 
rischen Gewerbemnseums in Nürnberg, Th. v, Eramer, für 
bayerische Industrie und Gewerbe, und Direktor t. Lange 
und Konservator Kopp vom Kunstgewerbeverein MQnchen 
für das bayerische Kunstgewerbe gewählt. Der MQnchener 
Kunitgew erbe verein vertritt fQr die Ausstellung in Chicago 
nicht nur die Interessen der Müuchener, sondern überhaupt 
die des ganzen bayerischen Kunstgewerbe«, während die 
Vertretung der bayerischen Industrie und de« bayerischen 
Gewerbes dem Bayerischen Gewerbemuseum in Nürnberg 
flbertragen ist 

Daa folgende Komitee ist von der Prinzessin Friedrich 
Karl, welche das Protektorat über die zu bildende deulaehe 
tVauencereinigung für die Weltaosstellang Qbemonunen hat, 
ernannt worden: die Hofdame Gr&fin Klementdne v. POckler, 
Frl. Katharina v. Colouib, Frau Staatsminister v. Scbelling, 
Frau Staatsminister Delbrück, Vorsitzende des Vereins der 
Künstlerinnen und Eunetfreunde , Frau Stadtrat Noeldechen 



(Vaterländischer Prauenverein), Prl. v. Kendell, siellMrtis- 
tende Vorsitzende des Vereins der Künstlerinnen, Frau Sidie- 
peler-Lette, Vorsitzende des Lettevereins, Frau Profsasot Ksw- 
lowsky, Schriftführerin des Lettevereins, Fntn Direktor Sdm. 
der, Frl. v. Cotta, Direktorin des Viktorift-Lyceuma, Fil 
Louise Fuhrmann, Oberin im städtischen Krankenhanie, FiL 
Helene Lange (Bealknise für Mädchen), Frl. v. Höbe, Vot- 
steherin des Vereins „EdelweiB", Eammerherr Freihen tu 
Wangenheim, Geh. Oberregieningsrat v. Ronx, Prof Dr. 
Waetzoldt, Direktor der kOnigl. Elisabetbachnle. 

In der letzten Sitzung dea Eiekntivkoiniteei fBr dit 
Weltausstellung von Chicago wurde der Architdl 1^ 
Bresaler mit der Dni^führung der archit«ktoniachen Dml 
dekorativen Arbeiten fllr die öaUrreiehüehe Abteütag bt- 
traut Derselbe hat sich anfangs Hai nach Chicago I» 
geben, wo er im Vereine mit dem BegiemogskonuniBU' 
Dr. V. Falitschek an die Ausführung der ußtigen Arbtiia 
schreiten wird. Gegen Ende April wird die Einsendang ia 
gesammelten Anmeldungen seitens der Filialkoni itees am itn 
Provinzen erwartet, so dass man in kurzer Zeit ein Gtunt 
hild der Osterreichiachen Abt«ilung beaitien wird. Wie fid 
aber schon jetzt zeigt, ist namentlich das Interesse der Setcr- 
reichieohen Industrie in Wien und NiederOsterreich, sowie 
in Böhmen, Mähren und Schlesien an der Beteiligung «in 
recht lebhaftes. Nach einer Mitteilung des Qeneralkonsab 
der Vereinigten Staaten in Wien, Herrn Julius Goldschmidt 
bedarf es bei der Versendung von Ansstellungagfiteni, ob- 
schon die Fakturen Ober dieselben in gewohnter Weise us^ 
gefertigt werden sollen, der konsularischen Beglanbigong 



IvL d«n Tafeln. 

Der heutigen Nummer liegen xtnei Tafeln bei; die eiu 
bringt eine IntarnafüUung von einer Tiroler IVohe nsdi 
einem Aquarell von JVottt Paukrrt in Farbendmch, die 
andere ein verkleinertes Faksimile von dem grasiSsen Ent- 
würfe, den Seinr. Oötx zu dem Bhrenpreüe der Grolher- 
zogin von Baden für die vorjährige Fachausstellnng sags- 
fertigt hatte. 



Herausgeber: Arthur Pabst ii 



Eöln. — für die Redaktion verantwortlich: Artta- Heematm in Leipzig. 
Druck von Axtgutt Prita in Leipzig. 



1 dem Ehreopreise Ihrer K. H. der Groraberzogin Luise von Baden zdf dentechen Elcheransatellang. 
Von Direktor H. Götz. 



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INTARSIA VON EINEM SCHRANKCHEN 

im Besitze des Direktors H. Kaxnautk id Bozen. 

Aufgenommen von F. Paukikt. 






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DInklor der Könlgl. Bayr. SlutsgemüldegalRrien und Frotcss«r u der Dniitrsitil und der Tecbnisfbeii Baehschnle a Kochen. 

Dm „A-lbiim der Kulnen Roms" enthält 43 AiiBichten und Pläne, Bowie einen großen Plan 
der Ausgrabungen vom Jahr 187T. Die Ansichten sind foft ERmtlich in mehrfarbieein Tondruck kSnstleriach 
Bchön ausgeführt. In ihrer Gesamtlieit bieten sie ein ungewjlhulich klares und Euuicbaijiicbea Bitd der Trümmer aus 
dpm ktansiächen Rom, Zwei von venchiedenen Standpunkten aufsenommeue Ansichten dea Forum Bomanam 
zur Kaiserzeit führen außerdem diesen mit den berrlichaten Bauwerken geschmückten Plati des goldenen Bom 
deutlich vor. Sitmtlicbe DiuutellungsgeßenBt&nde sind mit besonderer Rück«icht auf ihre KigenEchaft als Kunat- 
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äSünfcfien p ciuiprcdjcn; mir bürfen ba^et roo^t f)on"e"r bafe bog SBecE SnECaim finben unb ficft l>alb eine gtofee 

Jlnjot)! ©önMcrinnen emctben roirb. ©ö lucrbcn in bcr I, ©«ie folqenbe Stile uettreten fein: bet grieiSid^ev 

c8»ifde, otienfanfifie, »wiimf^e, gpfififc (mit 2 93ogen), "^tttaiffamt' (mit 4 ^ogcn), umtwcMfUmt, 

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kart M. 2.—. 



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zu den lletamorphoseii des 




herausgegeben von Dr< B. Eogelman. 

26 Tafeln mit 13 Selten Text finerfello. 

Kart. 2 H. 60 Pf. Geb. a X. 20 Pf. 

Von der Anschauung ausgehend, das? 
der Geist der Antike nicht nur in den 
Sclirlftquellen, sondern auch nnd zwarvor- 
neliTiilich in den erhaltenen Kunstdenk- 
miiltru der Alten zu suchen sei, hat der 
Herausgeber eine ZusammensteUnng der 
wicliti^'sten Darstellungen homeriscber und 
ovidisciie.r Sceiien nntcniommen. Er hofft 
damit allen Freunden der klassischen Ge- 
dichte einen Dienst zu erweisen. lusbe- 
.sondere soll der Atlas der Jagend zu gute 
küinmen, deren Phantasie bei dem trocknen 
Formalismus der Gi*ammatik nnd Syntaj 
niclit selten Mangel leidet. Weit entfernt 
davon, das Interesse vom Stoffe abzuzieliev, 
werden diese klassischen Illustrationen 
£?erade den Schüler auf die Größe des In* 
iialtesi der Dichtungen hinführen, eeine Aof« 
merksamkeit für den Gegenstand immter 
auib neue anregen und seine Begelstenmff 
früher zu wecken im Stande sein, als dies 
erlahrnngstjeniäß ohne die Heranziehuns 
der Denkmäler der Fall zu aein pflegt 



Hierzu eine Beilage von F. A. Brockhaus in Leipzig-, 

Druck von Au;^ust Pries iu Leipzig 




f 



I 

r. 



i 



Ehrenschild für den Forsten Bismarck. 

<n den OfBzieren der L and wehrbatai Hone Burg und Stendal. 



KxMtta tÜT i)cD HonaDer EhrenbUrgecbriet d«» FBnUn BUmkrak. 



DAS BISMARCKMUSEUM IN SCHÖNHAUSEN. 



IER Geburtflort des Fürsten 
Bismarck ist ein freundlicher 
wohlhabender Flecken in der 
finichtbaren, weit ausgedehn- 
ten Eibniederung, nicht weit 
von dem alten* interessanten 
TangermUnde, dessen hoch- 
- ragende TUrme in der Feme 
sichtbar sich erheben. Yom Bahnhof führt eine 
schattige ÄUee etwa eine Viertelstunde weit nach 
dem Orte. Wir erblicken rechts hinter einer langen 
Mauer alte, mächtige Baume, halbverBteckt hinter 
denselben Dächer von Gebäuden und einen weitaus- 
gedebnten Garten. Es ist der alte Stammsitz der 
Bismarckschen Familie, furchtbar verwüstet im dreißig- 
jährigen Kriege, dann wiederaufgebaut, im wesent- 
lichen wie er noch jetzt sich darstellt, vornehm 
und einfach, im Innern wenig ansprechend, wenn 
nicht der Zauber der mächtigen Persönlichkeit, 
welche hier erstand und wuchs, jeden Kaum mit 
seinem Beize erfQllte. Jetzt hat Graf Herbert 
Bismarck, welchem die Herrschaft Schönhausen seit 
kurzem fibergeben worden ist, mit seiner jungen Ge- 
mahlin seinen Wohnsitz darin aufgeschlagen; die 
KnmtgewerbebUlt. K. F. III. 



alten Gemächer sind unter pietätvoller Bewahrung 
ihres urgroßväterlichen Charakters neu und wohnlich 
hergerichtet Ihren Hauptschmuck bilden die kost- 
baren Gemälde Lenbacbs, welche in den verschieden- 
sten AufTassungen den gewaltigen Kopf des großen 
Staatsmanns wiedergeben; bemerkenswert ist femer 
eine kunstgewerblich hochinteressante Tapete von 
dickem weißen Seidenstoff und kostbarer Plattstickerei, 
welche früher die Wände des Schlafzimmers der 
Königin Marie Antoinette in Versailles bekleidete, 
dann in den Wirren der Revolution durch viele 
Hände nach Deutschland, endlich in das Reichskanzler- 
Palais und bei einer baulichen Umänderung als 
Geschenk des alten Kaisers in den Besitz des Fürsten 
Bismarck gekommen ist. Der Eintritt in das Schloss 
ist schwer zu erlangen. Wir wandern rasch durch 
die herrlichen alten Linden und Kastanien, deren 
herabhängende Aste im Boden wieder Wurzel ge- 
schlagen haben, zu den daneben stehenden mächtigen 
französischen Geschützen, welche als Geschenk 
Kaiser Wilhelms aui dem Rasenplatze stehen, und 
von welchen das eine mit der Jahreszahl 1772 in 
reichem ornamentalen Schmucke und feinster Ci- 
selirung prangt. Halb ausgefeilt ist das Bour- 



142 



DAS BISMARCKMUSEUM IN SCHOENHAUSEN. 



bonische Lilien wappen, halb auegefeilt das darüber 
geschriebene liberte, fratemit^, egalite, darüber breit 
hingelagert das N mit Krone und Lorbeer. 

Dann verlassen wir den Hof, um uns dem eigent- 
lichen Ziele des heutigen Tages dem Bismarckmu- 
seum zuzuwenden. 

Der große Bismarcksche Besitz war bekanntlich 
im Laufe der Zeiten zur Hälfte in fremde Hände 
übergegangen. Am 1. April 1885 aber, dem 70. Ge- 
burtstage des Fürsten brachte das deutsche Volk 
diese bisher getrennte Gutshälfte dem Reichskanzler 
als Ehrengabe dar. Das hierzu gehörige früher 
„Gärtnersche" sogenannte neue Schloss ist ein ein- 
facher aber vornehm wirkender, aus dem Anfange 
des vorigen Jahrhunderts herrührender Bau, dessen 
etwas vorspringendes Mittelstück mit bescheidenen 
Rokokostuckomamenten geschmückt ist und über 
dem Eingang das FamiUenwappen in Sandstein 
zeigt Das Schloss wird von einem einfachen 
freundlichen Park und Garten umgeben^ wendet 
seine Front der Hauptstraße zu und wird von der- 
selben durch einige prächtige Linden getrennt. 

In diesem Gebäude ist das Bismarckmuseum 
eingerichtet, eine sich fast täglich noch vermehrende 
Sammlung aller der kostbaren, geschichtlich und 
künstlerisch merkwürdigen Geschenke und Wid- 
mungen aller Art, welche in so unerhörter Fülle 
dem gewaltigen Staatsmann von seinen zahlreichen 
Verehrern dargebracht worden sind. Es ist natur- 
gemäß noch kein abgeschlossenes Ganze, da viele 
kostbare Stücke sich noch in der Umgebung des 
Fürsten selbst befinden, aber es tritt uns doch schon 
ein überwältigender Reichtum der interessantesten 
Gegenstände entgegen, und es ist leicht begreiflich, 
dass das erst seit kurzem aufgelegte Fremdenbuch 
schon viele Tausende von Namen aufzuweisen hat. 

Man tritt zunächst in einen hellen Flur, in 
welchem eine französische Mitrailleuse steht, und 
begiebt sich von dort durch ein hölzernes Treppen- 
haus in den Vorsaal, welcher eine von Eugen Wolf 
in Zanzibar gewidmete ethnographische Sammlung 
von WaJBFen, Bekleidungsgeräten, Musikinstrumenten 
des Wadschagga-Stammes und anderer Völkerschaften 
Ostafrikas enthält. Außerdem ziehen die Studenten- 
reliquien des Fürsten und eine Reihe kostbar ge- 
schnitzter Wein- und Bierfösser das Auge auf sich, 
welche mit edlem Stoff gefüllt von hervorragenden 
Weinbauern, Brauereien gestiftet worden sind und 
die den Beweis liefern, dass auch das plumpe Rund 
des Fasses künstlerisch behandelt zu einer ent- 
sprechenden Wirkung gebracht werden kann. Er- 



habene bunte Schnitzereien, kräftige Sprüche anf 
zierlichen Spruchbändern ,In trinitate robur", oder 
„Trinke Kraft zu kühnem Kämpfen '^ wechsehi imt- 
einander ab. Noch ein Blick auf die an den Wänden 
hängenden mächtigen amerikanischen Jagdtrophaen, 
dann treten wir durch die mit dem trefflich aoage- 
führten Bismarckschen Wappen geschmückte Thor 
in das eigentliche Museum ein. 

In dem ersten und vornehmsten Gemach lassen 
wir uns auf dem mit olivenfarbigem Plüsch über- 
zogenen, mit dem eingewebten fürstlichen Wappen 
geschmückten Rundsessel, einem Meisterwerk der 
Elberfelder Hautelisseweberei nieder, überragt ?on 
der Heinzeschen Kolossalbüste Kaiser Wilhelms L 
und überblicken die Geschenke, welche von regierenden 
Fürsten dargebracht worden sind, lauter lebensgroße 
Gemälde von Potentaten. Entschieden das beste 
ist das .treffliche Bild des schnauzbärtigen Königs 
Humbert von Italien mit den energischen Zügen, in 
breiter Technik gemalt^ (leider ist der Name des 
Künstlers nicht angegeben), in der großen Generals- 
uniform. Das Bild wurde dem Fürsten verehrt, ds 
Kaiser Wilhelm H. 1889 seinen ersten Besuch in 
Italien machte. Gleichwertig ist das gel^enÜich 
der Dreikaiserzusammenkunfb in Skierniewice 1884 
geschenkte charakteristische Bild des Kaisers Franz 
Joseph I. von Österreich und ebenfalls gut das BM 
Kaiser Alexander IH. von Russland. Mit Interesse 
erblicken wir die Kaiserproklamation in Versailles 
am 18. Jan. 1871 von A. v. Werner, welches von den 
Mitgliedern des preußischen Königshauses zum 70. 
Geburtstag geschenkt worden ist Das Bild wirkt 
in dem kleinen Format unruhig in der Farbengebung. 
Der Rahmen, durchflochten von Wappen und Namen 
ist ein kunstgewerbliches Kleinod. 

•Ein sehr mäßiges Bild unsers jetzigen Kaisers 
ist das Abschiedsgeschenk desselben bei der fiot- 
lassung des Fürsten aus dem Staatsdienst, von ganz 
anderer Wirkung der alte Kaiser Wilhelm 1. im 
Krönungsomat, von Bülow. Beim Schloss des 
Friedenskongresses in Berlin am 13. Juli 1878 wurde 
dies imposante Bild, dessen im Rahmen befindliche 
Schilder auf die Friedensschlüsse zu Wien, Nikols- 
bürg und Versailles hinweisen, dem Fürsten als 
Zeichen besondrer Anerkennung verliehen. 

Die treflOiche große Marmorbüste des Prini- 
Regenten Luitpold von Bayern im Hubertuskleid 
von Rümann und des Kaisers von Osterreich, ferner 
ein Porträt der Königin von England, letzteres sehr 
verjüngt und idealisirt, fesseln die Aufinerksamkeit, 
ganz besonders aber ein prachtiger silberner Ehren- 



DAS BISMARCKMÜSEUM IN SCHOENHAÜSEN. 



143 



Schild, welchen die Offiziere der Landwehrbataillone 
Burg und Stendal des Regiments 26 ihrem Chef, 
dem Fürsten, am 73. Geburtstag desselben über- 
reicht haben. In Komposition wie Technik gleich 
heryorragend, meisterhaft ciselirt, zeigt das Schild in 
der Mitte das fürstliche Wappen, von einem Lorbeer- 
kranz umgeben, der mit einem Bande geschlossen 
ist, mit der Inschrift: »Wir Deutsche fürchten Gott, 
sonst nichts in der Weif Von köstlicher Zeichnung 
ist das reiche, banddurchzogene Banken werli: des 
Schildes, Ton welchem sich in heraldischem Schmuck 
die Schilder abheben, welche die Buhmestage des 
Begiments bezeichnen. Energisch und fein modellirt 
sind die dazwischen angebrachten Gestalten der 
Tapferkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Klugheit 
und Tugend. 

Einen höchst interessanten Gegensatz zu diesem 
sinnigen und beziehungsvollen echt deutsdien Werk 
des Kunstgewerbes bildet ein ebenso echt asiatisches 
Kunstwerk, das Geschenk der Kaiserin von China, 
ein mächtiger Elefantenzahn auf einem Unterbau 
von Ebenholz. Beide wimmeln von unzähligen 
winzigen Figürchen irdischen und himmlischen Ur- 
sprungs, die sich in allen erdenklichen Hantierungen 
in landschaftlicher Umgebung bewegen und wie 
eine riesige Filigranarbeit aussehen, ein Bild des 
peinlichsten, geduldigsten Fleißes, aber schematisch 
erstarrt, zwar unendlich kostbar, aber ebenso 
unerquicklich. 

In dem anstoßenden Zimmer fesseln namentlich 
die scharf markirten geistvollen Züge Leos XIII. von 
Lenbach, eine Skizze ersten Banges; auch ist von 
Interesse ein Bild des Königs von Slam, mit dem 
fast unmöglichen Namen Clulalongkom Phra Chula 
Chrom Klao, das eine Mal in europäisch geschnittener 
Uniform, das zweite Mal in der überladenen, von 
Goldbrokat und Edelsteinen starrenden Staatstracht 
des asiatischen Fürsten mit untergeschlagenen Beinen 
auf einem Throne sitzend, an eine Buddhastatue 
erinnernd. Daneben steht eine hohe bronzene Vase 
aus Japan, ein Geschenk der dortigen Deutschen 
zum 70. Geburtstage des Kanzlers. Ein mächtig 
ausgebauchtes Gefäß wird von eiger kauernden 
Pagode auf den Schultern getragen. Auf dem 
Deckel sitzt ein mächtiger Ochsenfrosch und frohen 
Blickes stürmt uns ein Fischer entgegen, welcher eine 
wertvolle Perle gefunden hat und in der hocher- 
hobenen Hand zeigt. 

Ein weiteres orientalisches Kunstwerk von her- 
vorragender Bedeutung ist ein mit minutiösester 
Feinheit in Elfenbein geschnittenes Schachspiel, bei 



welchem namentlich die beiden Könige und die Kamel- 
und Elefantenreiter von feinster Charakteristik sind. 

Von vollendeter Kunst ist femer die große sil- 
berne Denkmünze, welche bei dem 50 jährigen Priester- 
jubiläum des jetzigen Papstes 1887 geprägt wurde 
— ein Geschenk des Papstes, sodann die Adresse, 
welche die Berliner Bürgerschaft am 29. März 1890 
beim Scheiden des Kanzlers aus Berlin gewidmet 
hat, von gedankenreicher Konzeption und trefflicher 
Ausfuhrung, ein Werk von W. Friedrich. Der eiserne 
Bufer im Streit streift die schwere Büstung ab unter 
Beihilfe eines Seydlitz-Kürassiers. Eine ideale Ge- 
stalt — Berlin — bietet ihm den Lorbeerkranz und 
deutet auf die in Stein gemeißelten Daten seiner 
Buhmesthaten. In strahlendem Glanz baut sich ein 
Buhmestempel auf, an dessen Stufen prächtig ge- 
zeichnete Putten mit Emblemen der Macht und 
Herrschaft spielen. Im Hintergrund erhebt sich 
die Siegessäule und das im Werden begriffene Beichs- 
tagsgebäude, überragt von der Germania. 

Auch die Adresse selbst mit ihren reichen 
Kopf- und Bandleisten kann als eine hervorragende 
Leistung der Schriftkunst bezeichnet werden. Der 
reich mit Edelsteinen geschmückte krumme Ehren- 
säbel mit der kostbaren Ciselirung ist im Besitz 
des Pascha Ali von Janina gewesen. Dicht daneben 
ruht ein vergoldeter Lorbeerzweig auf schwarzem 
Marmor mit dem eigenhändigen Schreiben der 
Kaiserin Augusta. „Im Sinne unsres verklärten 
Kaisers zur Erinnerung an 50 erfolgreiche Jahre 
25, März 1888.** 

In diesem Zimmer beginnen bereits die Ehren- 
bürgerbriefe, welche dem Fürsten von den ver- 
schiedensten Städten gewidmet worden sind; es fehlt 
zwar hierbei nicht an Geschmacklosigkeiten, an 
prunkvoll aufdringlicher Nichtigkeit und Dutzend- 
ware; im großen und ganzen aber bieten diese in 
Büchsen, Bollen^ Kassetten, Büchern, Tafeln, Mappen 
und Bahmen, in jeder nur erdenkbaren Form ver- 
wahrten Widmungen ein sehr charakteristisclies Bild 
dessen, was das Kunstgewerbe in dieser Beziehung 
zur Zeit zu leisten vermag. Allerdings steht in 
vielen Fällen die schwere Truhe, die mächtige Mappe, 
der wuchtige Foliant gradezu im Missverhältnis zu 
dem dünnen Blatt, welches gewöhnlich den alleinigen 
Inhalt bildet, und wenn alle diese Pracht werke, so 
wie es sich gehört, nebeneinander aufgelegt würden, 
dass jedes einzelne für sich allein gesehen und ge- 
würdigt werden kann, so gehörten die ausgedehntesten 
Bäume dazu, vne sie nur in den seltensten Fallen 
zur Verfügung stehen. Mannigfach hat man dies 

21* 



144 



DAS BISMARCKMÜSEÜM IN SCHOENHAUSEN. 



empfuDden und zu äDdern gesucht. So giebt na- 
mentlich die mit großem künstlerischen Verständ- 
nisse komponirte Erzpktte der Stadt Mfinchen, in 
welche, fein ciselirt und mit markigen Lettern, die 
Widmungsschrift eingravirt ist und die zum Auf- 
hängen bestimmt ist, den Weg zur Abhilfe dieses 
Übelstands an. Die Einbaucle und Umhüllungen 
dieser Widmungen in gepunzter und gestanzter 
Lederarbeit, aus allen möglichen sonstigen Stoffen 
zeichnen sich häufig durch außerordentlich feine 
Verwendung der Naturformen als Verzier ungsmotire 



wundervolle Einfassung umrahmen eine getriebene 
Metallplatt«, welche allegorisch den Kampf und Si^ 
der Macht des Lichts über die anstürmenden Dämonen 
der Zeret&rung und Finsternis darstellt. 

Weniger durchgebildet ist der ziemlich über- 
ladene EhrenbDrgerbnef von Hamburg, indes b&- 
merkenswert durch treffliche Elfenbeinschnitzereien 
ans dem Kreise der Herkulessage. In einem der 
folgenden Räume steht der schöne Ehrenhumpen von 
Silber mit Ebenholzuntersatz welchen die deutschen 
Studenten am 10. Aug. 1891 in Kissingen gewidmet 



r Hanauer Kusett« S 



aus. Es sind kostbare Metallarbeiten in allen er- 
denklichen Stilarten dabei, die Perle darunter ist die 
kostbare Kassette, welche den Ehrenbürgerbrief der 
Stadt Hanau birgt, ein Prachtstück, ebenso reich 
an Erfindung, wie in der Ausfilhrung. Die alte 
berühmte Goldschmiedekuust in Hanau hat sich mit 
diesem StUck ein glänzendes Zeugnis ausgestellt. 
In Schmelz, Email, fein ciselirten und tauschirten 
Ornamenten, mit Edelsteinen und trefflich geschnit- 
tenen Kameen geschmückt, von zierlichen silbernen 
Putten umgeben, stellt sieb das kostbare Werk dar. 
Das Wappen der Stadt und des Fürsten und eine 



haben, ein äottes, tüchtiges Werk, gekrönt von 

einem frisch entworfenen mittelalterlichen Scholar 

mit der Fahne in der Hand, bei dessen Anblick der 

Fürst seine Fieude darüber ausgesprochen hat, dasa 

er endlich einmal an Stelle der ewigen blonden 

deutschen Professorentochter, die zu allen Germanien 

Modell gestanden habe, eine neue Gestalt erblicke. 

Auf dem Rand des Humpens ist eingravirt: 

,.0b wir des Reichea Uinne trinken 

Aus goldnem Weia, mit rotem Blnt, 

Bie wir einst starbend medemnken. 

Wird nnverlOscfat Dein Name blinken 

In unsres Herzens tie&ter Glat." 



DAS BISMAECKMUSEUM IN SCHOENHAUSEN. 



Ein mächtiger Eaucherkessel in Messing, als 
Geschenk des Siiltans, ein weiterer Elefantenzabn — 
von den Deutschen in Binna gestiftet, sind noch 
hervorzuheben ; letzterer auf silbernem Unterbau ein 
Meisterwerk feiner Omamentirung, welche mit 
birmanischen Volkstypen netzartig das Elfenbein 
umzieh!^ Drachen und Schlangen, welche auf einem 
glockenförmigen Bau ruhen, in reichem Silber tragen 
den Zahn, 

Das folgende Zimmer enthält die zahlreichen 
Gaben, namentlich Bronzegüsse, welche bei den 
verschiedensten Gelegenheiten der alte Kaiser seinem 
Kanzler geschenkt hat, in unerschöpflicher FtÜle 
und in steter Beziehung zu den Thaten und Er- 
folgen Bismarcks. Hier steht auch ein dtlrftiger 
Holzstuhl mit zerscblissenem Strohsitz. Er stammt 
aus der Hütte eines Webers in Donchery und 
Kaiser Napoleon 111 hat auf demselben gesessen, 
als er am Morgen des 2. September 1870 mit dem 
Kanzler Ober die Kapitulation von Sedan ver- 
handelte. 

Die Qbrigen geschichtlichen Erinnerungen, soweit 
sie nicht ein künstlerisches oder kunstgewerbliches 
Interesse haben, hier zu erwähnen, würde den 
Babmen dieses Aufsatzes Überschreiten, ebenso mnss 
eine Beschreibung der massenhaften Gaben, welche 
Liebe und Verehrung aus allen Ständen dem Kanzler 
gewidmet haben, unterbleiben. Nur möge wegen 
seiner feinen und kunstvollen Malerei ein schönes 
Forzellantablett hervorgehoben werden, welches der 



jetzige Kaiser zu Weihnachten 1S8S geschenkt hat, 
mit der Inschrift „Tu trinitate pax." (in der Dreiheit 
ist Friede) und von Bankenwerk umgeben die 
Wappen der Dreibundsmächte, daneben den Fürsten 
als Herold mit einer Standarte in der Faust 

Auch die Büste des Kanzlers tritt uns in allen 
möglichen Auffassungen, im Schlapphut oder Helm, 
in großer Uniform oder im Hausrock entgegen, 
sogar in der Haltung des Moses von Michelangelo 
als Gesetzgeber. Am vertrautesten ist uns die ge- 
waltige Büste des Staatsmanns von Reinhold B^as, 
sowohl im Gipsmodell wie in Bronze gegossen. 

Die Bibliothek enthält eine große Menge von 
Schriften, welche den Fürsten und seine Zeit be- 
handeln, auch hat hier in mächtiger Truhe mit der 
An&chrifl ,Meminisse juvabit" eiu umfangreiches 
Zeitungsmuaeum seine Stätte gefunden. Fortwährend 
kommen neue Zuwendungen hinzu, und man wird 
in diesen Bäumen wohl später alle Quellen zusammen 
finden, aus welchen Belehrung über alles, was mit 
der Person des Fürsten zusammenhängt, geschöpft 
werden kann. 

M^e der Tag noch fem sein, wo dasjenige, 
was den Fürsten in seinem Sachsenwalde jetzt noch 
umgiebt, zur Vervollständigung dieses einzigartigen 
Museums abgegeben werden wird. Voraussichtlich 
werden dann sämtliche Bäume des Schlosses kaum 
ausreichen, diese Fülle zu bewältigen. 

K. OSIUS. 



Di« JumiitxerbaTg. 



EIN JAMNITZER. 

VON MARC. ROSENBERO. 



'Änläsalich des Tierz^jahrigen Begierungsjubi- 
läutns des „Qroßherzogs von Baden ist von Prof. 
Marc. Rosenberg in Karlsruhe eine größere Publi- 
kation nber: ,I}ie Kunstkammer im groß berz<^li eben 
ResidenzschloBS in Karkrube* erscbienen, welcbe 
nicht in den Buchhandel gebracht worden ist Eins 
der merkwürdigsten Stücke dieser Sammlung ist die 
oben abgebildete Jamnitzerburg. (Höhe 33 cm.). 
Sie stammt aus der ehemaligen Rastatter Sammlung 
und hat in den alten Verzeichnissen derselben stets 
einen hervorragenden Platz eingenommen. Es ist, 
trotz der verschiedenen Schiebladen, welche etwa 
auf ein Schreibzeug schließen lassen, ein BSucher- 
geiaß. Innerhalb der Felsenpartie, auf welcher sich 
die Bui^ erhebt, ist ein blecheFoes Pßnncben 
untergebracht, auf welches Kohlen und Räucher- 
werk gelegt werden können. Der Rauch zieht 
dann luBtig durch die Schornsteine ab Wäre damit 
das Interesse abgethan, welches das 17. und 18. 



Jahrhundert an diesem Gegenstande nahmen, eo ist 
es doch nicht so fUr unsere forschungslustige Zeit, 

welcbe an den eingeschlagenen ^A ^M Stempeln 

eine Jamnitzerscbe Arbeit erkannt hat. 

Für die deutsche Goldschmiedekunst der Re- 
naissance ist der Name Jamnitzer dasselbe, was (ti 
die gleiche Periode in Italien der Name CellinL Es 
giebt aber nur einen Cellini, dagegen nwanxig Jam- 
nitzer. Bei der Zuschreibung an den ersteren int 
man sich nur mit einem Meister auseinandeizosetUD, 
bei einer Zuschreibung an den letzteren mit rtcJ^"- 
Wir dürfen uns daher nicht damit zufrieden geben, 
einfach zu konstatiren , dass eine Arbeit von Jw- 
nitzer vorliegt, sondern wir mOssen featstellen, tm 
welchem Jamnitzer sie gefertigt ist. 

Der berühmteste unter den Meistern diw 
Namens ist Wenxd, der Hofgoldschmied von «ff 



DIE JAMNITZER-BDRG. 



147 



Kaisem und Königen: Karl V., Ferdinand I., Maxi- 
milian II. und Rudolf II. Ihn hat die Nachwelt nie- 
mals vergessen, und wenn man im allgemeinen von 
Jamnitzer spricht, so denkt man zunächst an Wenxd, 
Er ist der Sprosse einer weit verzweigten Oold- 
schmiedefamilie, welche von Mähren nach Wiener- 
Neustadt gezogen und von da nach Nürnberg über- 
gesiedelt ist. Hier wird er der Gründer einer eige- 
nen Goldschmiedeschule, welche in seinem Bruder, 
seinen Söhnen und Neffen ihre hauptsächlichen Ver- 
treter findet. Während einzelne unter diesen zu selb- 
ständiger Bedeutung gelangen, wie z. B. Christoph, 
der Zeichner jener berühmten Grotesken und V erfer- 
tiger vieler glänzender Prachtstücke in den Schatz- 
kammern von Wien, Berlin, Dresden, Schwerin und Mos- 
kau, verlieren sich die mei- 
sten andern unter der tonan- 
gebenden Individualität und 
unter der geschäftlichen Rou- 
tine des Altmeisters WenzeL 
Auch in seinem Sohne Abra- 
ham Jamnitzer, zünftig 1579, 
dem Verfertiger unserer 
Kassette, erkennen wir nach 
den zwei oder drei von 
ihm nachweisbaren Arbeiten 
keinen selbständigen Geist 

Bei unserem Gegenstan- 
de ruht die Goldschmiede- 
arbeit hauptsächlich in dem oberen , die Burg dar- 
stellenden Teile. Man braucht kein Architekt zu 
sein, um zu erkennen, dass es sich hier nicht um 
die Kopie eines wirklich vorhandenen Bauwerkes, 
sondern um ein Phantasiegebilde handelt, wie es 
in dem Kopfe eines „Liebhabers^ entstanden sein 
mag. Das Schloss besteht, wie der obenstehende 
nach der äußeren Erscheinung konstruirte Grundriss 
erweist, aus einem Hauptbau mit zwei angeschlos- 
senen Räumen, welche man als Timitz, Saal und 
Kapelle bezeichnen könnte. In der hier gegebenen 
Anordnung aber und in der Ent Wickelung der Ober- 
geschosse zeigt die ganze Anlage das Walten einer 
der einschlägigen Verhältnisse gänzlich unkundigen 
Hand. Auch vom Standpunkte der Militärarchitek- 
tur ließe sich gegen das schlecht verteidigte Thor 
und gegen die an vollständig unzugänglichen Stellen 
angebrachten und daher zwecklosen vier Rundtürme 
vielerlei aussetzen. 

Wenn man auch im allgemeinen von einer Gold- 




GrundiisB der Silberbnrg. 



Schmiedearbeit die Beobachtung solcher Rücksichten 
nicht fordern kann, so habe ich doch Wert darauf 
gelegt zu konstatireuy dass sich auch in dem vor- 
liegenden FaUe der Meister durch dieselben nicht 
gebunden fühlte. Auf diese Weise hat er gewisse 
Fesseln abgeschüttelt, wodurch aber einerseits die 
zu stellenden künstlerischen Anforderungen nur ge- 
steigert werden, während seine Arbeit auf der an- 
deren Seite den Anspruch auf ein erhöhtes archäo- 
logisches Interesse verliert, welches man gewissen 
Kunstwerken entgegenbringt, wenn sie ein Denkmal 
der Architektur genau kopirt wiedergeben. Hierher 
gehören außer dem berühmten Reliquiar von Soissons 
und dem Dresdener Pokal mit der Feste Sonnenstein 
noch die drei vergoldeten Tafelaufsätze von 1640, wel- 
che dänische Schlösser als 
Räuchergefaße darstellen. Es 
sind Geschenke des Königs 
Christian IV. von Dänemark 
an den Zaren, welche heute 
noch zu den Prachtstücken 
der Oruschenaja Palata im 
Kreml zu Moskau zählen. 

Zum Schlüsse sei noch 
bemerkt, dass ich mich 
einer petitio principii schul- 
dig gemacht habe, als 
ich die auf der Burg vor- 
kommenden Goldschmiede- 
marken für Abraham Jamnitzer in Anspruch nahm. 
Dass das N auf Nürnberg weist und der Löwenkopf 
auf ein Glied der Familie Jamnitzer, ist bekannt; 
dass aber die Initialen A I auf Abraham Jamnitzer 
zurückzuführen sind, muss erst bewiesen werden. 
Dazu bin ich umsomehr verpflichtet, als ich selbst 
an anderer Stelle Albrecht Jamnitzer, den Bruder 
Wenzels, als Verfertiger der Kassette angegeben 
habe. Ihm, als dem berühmtesten Meister dieser 
Familie, auf welchen die Initialen A I ebenfalls 
passen, glaubte ich die Arbeit zuschreiben zu müssen. 
Inzwischen aber gelangte ich in den Besitz einer 
um das Jahr 1609 niedergeschriebenen Liste, welche 
die Nürnberger Meister nebst ihren Zunftxeichen, seit 
Einführung der Meisterstempelung, aufzählt Hier 
findet sich die unzweideutige Angabe, dass AWrecJU 
mit dem Löwenkopfe ohne j^liche Initialen stem- 
pelte, Abraham dagegen so, wie es auf der Kassette 
sichtbar ist, nämlich mit den persönlichen Initialen 
A I über dem Familien wappen, dem Löwenkopf. 



k. HorFMiNK, Berlin. 



NEUE BÜCHER- UND VORLAGENWERKE. 



DOCH bevor daa Wiener orientalisclie 
I Museum seine große Publikation Qt>er 
I die Teppichausstellnng begonnen und 
I die wichtigen Ergebniese derselben 
I verwertet hat , hat Julius Lessing 
der Serie der trefElichen Vor- 
bilderhefle des Berliner Kunstgewerbemuseums als 
Heft 13 eine Anzahl orientalischer Teppiche publi- 
zirt') gegen deren meisterhafte Wiedei^abe die 
Wiener einen schweren Stand haben werden. Lessing 
bezeichnet das Heft selbst als eine Fortsetzung seines 
großen Teppichwerkea vom Jahre 1877, in dem er 
zuerst wesentlich nach alten Bildern die Muster der 
frOben Teppiche reconstrnirte. Inzwischen haben 
sich, wesentlich aus alten Kirchen, große Mengen 
von Originalteppicheo gefunden , von denen das 
Berliner Museum wohl die umfassendste Kollek- 
tion (225 Sttlck) besitzt Aus dieser Masse giebt 
nun das vorliegende Heft eine Anzahl der am meisten 
charakteristichen Stöcke wieder und zwar mit der 
vorgeschriebenen Absieht, zunächst damit dem prak- 



1) Jiil. Lessing, OrientaliBChe Teppiche. IGTaf.inFurben- 
druck, gr. Fol. Berlin, Q. Waemuti. (iO M. 



tischen BedOrfnis der Teppichweberei entgegenzo- 
kommen. Infolgedessen ist bei der Reproduktion mit 
Hilfe der Photographie eine Darstellung gewählt, 
welche nicht bloß die Zeichnung im a%emeineii, 
sondern die Führung und Farbe jeder einzelnen 
Umrisslinie genau erkennen lässt. So sind hierVce- 
hilder gewonnen, nach denen der Zeichner arbeiten 
kann, wie nach dem Originalteppich. 

Dieses wichtige Moment hebt die neue Publi- 
kation über alle bisher existirenden und wird bei 
dem relativ billigen Preis (60 M.) ohne Frage in alle 
Musterzeichner -Ateliers und Fabriken Eingang 
finden. In der Einleitung giebt . der Herausgeber 
eine kurze Übersicht über Zeit und Ort der Ent- 
stehung, wobei mit Recht die Brussafiiesen henn- 
gezogen werden, und weist bei Besprechung der 
ornamentalen Formen auf denEinflnss hin, den China 
auf die persische Kunst ausgeübt. Jedenfalls bieten 
die auf den 16 Tafeln meisterhaft wiedergegebenen 
Teppiche einen festen Anhalt fQr die BestimmuDg 
des in Sammlungen zerstreuten Materials und wird 
die Publikation kleinerer Muster hoch willkommai 
sein. 

Ist die Lessingsche Publikation wesentlich »uf 
die Praxis berechnet, so bringt uns eine Studie tou 



NEUE BÜCHEBr UND VORLAQENWERKE. 



149 



M. lüegl ') eingelieade Uitteilungen über die im Besitz 
des österreiGhiscben Eiiiserliaiues befindlicheo älteren 
orientalischen Teppiche: es sind 15 an der Zahl aher 
sämtlich Ton aller- 
erster Qualität, dar- 
unter wohl der 
schönste Teppich 
der Welt: der be- 
rühmte Jagdlejipich, 
der seiner Bedeut- 
nng entsprechend 
hier zum ersten 
Male eine einge- 
hende aasserordent- 
liche gründliche 
Behandlung unter 
Beigabe zahlreicher 
IllufitrationeD er- 
fährt Als eine 
zweite wichtige Un- 
tersuchong mäch- 
ten wir herrorhe- 
ben den 5. Ab- 
schnitt, der sich 
mit den sogenann- 
ten Polentq^nchen 
beschäftigt, von 
denen drei charak- 
teristische in Ab- 
bildung mitgeteilt 
werden. Schon trfi- 
her hat Riegl die 
Haltlosigkeit der 
bekannten Mazars- 
kilegende nachge- 
wiesen, und hier 
macht er zunächst 
aus innem Grün- 
den wahrscheinlich, 
dass wir es hier 
mit persischen Tep- 
pichen des ausge- 
henden 16. Jahr- 
hunderts zu tbun 

haben. Dazu kom- Rokokorahmen von 1 

men einige wich- 
tige Notizen über die Herkunft derartiger Teppiche im 



Schatz von S. Marco, wo durch die Fra^e unzwei- 
felhaft entschieden ist Damii ist die Polenleyende 
ein für aik Mal aus der Weit geschafft — gewiss 
zum großen Leid- 
wesen der Herren 
Krapulinski und 

Waschlapski, 
denen damit ein 
Stück nationaler 
Größe abgefallen 
. ist Vielleicht er- 
finden sich nun die 
braven Tschechen- 
brüder eine natio- 
nale Teppich&brik, 
Sehr erwünscht 
wäre es, wenn der 
Verfasser nun auch 
die Suaandsehird- 
legende 'gründlich 
beleuchtete und 
sine ira et studio 
und ohne irgend 
welche Rücksicht- 
nahme klar legte, 
was klar zu legen 
ist. 

Beruhen die 
eben besprochenen 

Unters uchun gen 
Über orientalische 
Teppiche wesent- 
lich auf den er- 
haltenen Original- 
werken, so schöpft 
eine Arbeit von Dr. 
Manfred Mayer ') 
über die Geschichte 
der Wandteppich- 
fabriken des Wit- 
telsbachischen Für- 
stenhauses in Bay- 
ern im wesentlichen 
aus Urkundenma- 
, HomuNN. Berlin. teriaL 

Gewöhnlich gilt 
beute noch im Handel jeder bessere Wandteppich 



1] A. Riegl, ältere orientalische Teppiche aus dem Besitz 
des flst^ireichiachen KaiserbauBes. In 14 Tafeln. Sepamtab- 
druck aaa den Wiener Jahrb. 
KunitganerbabUU. N. F. 111. 



1) Manfred Maijer, Geschichte der WandteppichfabrikeD 
de» Wittelbachiachen Ftlrateahaoses in Bayern. Hit 21 Tafeln 
in Lichtdruck. München, Georg Hirth 1892. 



150 

ab „echter Gobelin" d. h. als in der Maaufaktar 
des Gobelins zu Paria verfertigt. Man ftixebtet, der 
Wert dieser kostbaren Erzeugnisse der Textilkunst 
werde vermindert, wenn sie an anderen Orten ent- 
standen seien. FreilicK, was wusste man von anderen 
EDtstehnnga orten. In München erfuhr man aller- 
dings, daas die Folle der im Nationalmusenm der 
Residenz befindlichen, in Bayern selbst hergestellt 
seien aber mehr anch nicht: wo, 
wie durch wen? DarQber erhielt 
man keine ÄaskunfU 

Es ist nun dos Verdienst des 
Dr, M, Mayer, hier Klarheit ge- 
schafft zu haben. Mit außeror- 
denUicher Sorgfalt hat er die 
bayerischen Archive dorchstSbert 
und geradezu erstaunliches Ma- 
terial zusammengetragen und 
verarbeitet Für glänzende Aus- 
stattung hat Georg Hirth gesorgt. 

Die Ergehnisse von Mayers 
Untersnchungen sind kurz fol- 
gende. 

Drei verschiedene Fabriken 
haben unter den bayerischen 
Fürsten bestanden. Die erste 
blühte unter den prachtliebendeu 
pfälzischen Pfalzgrafen Ott-Hein- 
rich von Neuburg und dem Kur- 
fürsten Friedrich III., wobei es 
nicht sicher ist, wo dieselbe er- 
richtet war: es streiten sich da- 
rum mehrere Städte. Von ihren 
Erzeugnissen sind eine ganze An- 
zahl erhalten. Weitaus die be- 
deutendsten Leistungen verdanken 
aber die Münchener Schlösser der 
von Mayer als „erste" bezeich- 
neten Fabrik, die unter Masir 
milianll.von 1604— 1615 florirte. 
Hier erscheint vor allem ein Flam- BuookitändeT van a. 
I ander der „Tappizier" Haus 
van der Biest, der die Seele des Ganzen war und 
nach mannigfachen Dran gsalirun gen seinen Abschied 
nahm. Die Erzeugnisse der Fabrik zeigen durchaus 
den Obrakter der flämischen Kunst jener Zeit; fUr 
eine Anzahl derselben zeichnete Feter Candid die 
Kartons. 

Leider bestand die Fabrik nicht lange; der Aus- 
bruch des dreißigjährigen Krieges bereitete ihr ein 
jähes Ende, 



NEUE BÜCHER- UND VORLAGENWERKE. 



Genau ein Jahrhundert ruhte die Teppich Wirkerei 
am bayerischen Hofe, bis dieselbe durah Max Emannel 
1718 wiederum von auße« her, diesmal aus Paris 
durch französische Arbeiter wieder ins Leben ge- 
rufen wurde. Erst 1766 finden wir den ersten Bayern, 
der ein Meisterstück in der Kunst macht: Joseph 
Tressler. Diese zweite Münchener Fabrik bestand 
bis 1799; ihre Erzengnisse bezengen die Höhe der 
Kunst, doch rentirte die Sache 
nicht. WegenzugToBer Unkosten 
wurde sie 1799 durch ein Dekret 
aufgelöst, aber dem Personale 
überlassen, diese Kunst auf ihre 
Hand fortzusetzen; aac^ worden 
die Mittel bewilligt, die begon- 
nenen Arbeiten zn vollenden. 
1810 hörte die Arbeit ganz aa£ 
Alles in allem sieht man, 
dass die ganze Kunst eine impor- 
Hrte war, durchaus abhängig von 
fremden Künstlern und getn^n 
von der Gunst einiger Fürsten, mit 
deren sinkender Macht und ab- 
nehmendem Interesse sie anch 
dahinging. 

Ein Exkurs des Verfassers 
berichtet Ober eine in WOrabuig 
kurze Zeit 1730—1749 blühende 
Teppich Wirkerei, wo man ans An- 
lass des großartigen Schlossbaues 
derartigen Wandschmucks be- 
durfte. 

In einer Fülle von Anmer^ 
kuDgen hat der Verf. den Nach- 
weis über das benutzte Material 
niedergelegt: dieselben bilden 
nicht den unwichtigsten Teil des 
Buches; die Abbildungen bieten 
leider nur Erzeugnisse der beiden 
Münchener Fabriken: von den 
HoppuNN, Barii«. Erzeugnissen der Neubeig-Fran- 

kenthaler und Würzburger Werk- 
stätten hätten wir gern eine oder die andere Probe 
gesehen. Was wir aber schmerzlich vermissen, ist 
ein Register; ohne dies ist die Arbeit des V^erfassers 
halb vergeblich. 

Hatten wir es in dem eben besprochenen Werk 
mit bayerischen Kunstwerken aus früheren Jahrhun- 
derten zu thun, so führt uns eine Prachtpublikation 
des AUierlschen Verlags in die modern bayerische 
Kunst. Der genannte Verlag unternimmt es, auf 



NEUE BÜCHER. UND VORLAGENWERKE. 



151 



lOO Tafeln nach Auswahl des Professors L. Omdin, 
dessen Name allein schon für die Zweckmäßigkeit 
der Anlage bürgt, eine Anzahl Details Wanddeko- 
rationen, Möbel, Geräte etc. aus den Königlichen 
Schlossern Neuschwanstein, Linderhof und Herren- 
chiemsee zu reproduziren.^) Mit großer Freude ist 
dies Unternehmen zu begrüßen; denn bisher waren nur 
Gesamtaufnahmen dieser Wunderwerke moderner 
Dekoration im Handel: jetzt ist es möglich, die Einzel- 
heiten derselben zu studiren und nutzbar zu machen. 
Die lOO Tafeln sind in 10 Hefte verteilt, deren ersten 
als Probeheft, Musterblätter aus allen Gebieten — 
auch einige alte Möbel aus der Residenz enthält. 
Die spätem werden nach Schlichen Gruppen ge- 
ordnet und einzeln käuflich sein. Diese sehr ver^ 
ständige Anordnung ermöglicht jedem das zu erwer- 
ben, was er braucht und zwingt niemand, sich 
nicht mit unnötigem Ballast zu beladen. Ein dem 
ersten Heft beigegebenes Verzeichnis giebt Auskunft 
über den Inhalt der einzelnen Hefte: namentlich 
dürften die Wanddekorationen in romanischem Stil 
und die romanischen und gotischen Möbel, für die 
ja so wenig alte Originale als Vorbilder erhalten 
sind, willkommen sein. Gern hätten wir als ein 
Heft die Prachtwagen und Schlitten beigegeben ge- 
sehen, da die photographischen Aufiiahmen derselben 
ziemlich kostbar sind. „Zur Einführung'' giebt Prof. 
Gmelin eine Übersicht über die bei dem Bau der 
Schlösser beschäftigten Künstler und Handwerker. 
Man sieht hier, wie die Aufträge des Königs jahre- 
lang die weitesten Kreise beschäftigt haben; wie 
Unsummen in das Volk gedrungen sind, vor allem 
aber, wie die Münchener Kunst an diesen Arbeiten 
erstarkt und gewachsen ist. Sicher sind diese riesigen 
Aufträge, bei denen nie nach dem Preis gefragt 
wurde und die Notwendigkeit, schnell und exakt zu 
arbeiten, ein Hauptgrund für die außerordentliche Ent- 
wickelung des Münchener Kunsthandwerks gewesen 



und der Höhe, auf der es heute noch steht und 
alle überflügelt hat. So hat die angebliche Ver- 
schwendungssucht des prachtliebenden Königs reiche 
Früchte getragen, und wunderbar ist nur, wie alle 
diese Arbeiten während der ganzen Zeit heimlich 
haben ausgeführt werden können. 

Auch das moderne Barock und Rokoko wie es 
in den Königsschlössem zur Verwendung gekommen 
ist, wird in einigen Heften veröffentlicht werden. 
Und daran möchten wir eine verwandte Publikation 
schließen, nämlich die vollständige und umfassende 
Sammlung schöner modemer Rokokoarbeiten, die wir 
dem kgl. Hofholzbildhaaer A Hoffmann in Berlin 
verdanken.^ Dieselbe bietet in drei Serien, davon 
zwei erschienen sind, eine Fülle der köstlichsten 
Möbel aller Art, Stühle, Sessel, Schemel, Gueridons, 
Konsoltische aller Art, sowohl in ganzer Ansicht als 
in Einzelheiten. Daran reihen sich Bilderrahmen, Uhr- 
gehäuse, Konsolen u. a. m. Der Wert dieser Publi- 
kation liegt zunächst darin, dass die modernen Rokoko- 
formen hier in edelster Gestalt erscheinen: hier ist 
keine Überladung, alles mit Maß und Verständnis 
abgewogen, viel glatte Profile und Flächen ange- 
wandt Selbst Holzbildhauer, hat der Herausgeber 
das richtige Verständnis für die Technik und thut 
dem Material nirgends Gewalt an. 

Eingehendes Studium der alten Rokokoarbeiten 
und die zahlreichen Restaurationsarbeiten in den 
KgL Schlössern - Hoffmann wird u. a. die vortreff- 
liehe Wiederherstellung der sog. Goldnen Galerie in 
Charlottenburg verdankt - haben dem Herausgeber 
die Formen jener höchsten Blütezeit der dekorativen 
Kunst zur andern Natur werden lassen. 

Als besonderer Vorzug der Publikation, aus der 
wir einige Proben beigeben, müssen die DetaUs an- 
gesehen werden, die bei der klaren und plastischen 
Wiedergabe direkt in den Werkstätten fast als Mo- 
delle Verwendung finden können. A. P, 



1) Jos, Albert und L, Omdinj Details, Wanddekora- 
tionen, Möbel, Geräte etc. aus den Egl. bayerischen Schlössern 
Neuschwansteiu, Linderhof und Herrenchiemsee etc. 10 Hefte 
Lichtdrucke ä 10 Taf. Fol. ä Heft 8 M. 



1) Holzskulpturen und Möbel in Rokoko. Entworfen 
und zumeist fQr die Kgl. Preuss. Schlösser ausgeführt von 
Ad. Hoff mann. Berlin, Hessling & Spiel mey er. 3 Serien a 
30 Taf. Lichtdrucke. 




22^ 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 

Hottenroth, die Trachten, Haus, Feld und Kriegsgerät' 
Schäften der Volker aUer und neuer Zeü, 2 B,ände mit 240 
Farbentafeln, Stuttgart. Gustay Weise M. 120. Jahre sind 
vergangen, ehe die erste Lieferung erschien: aber was lange 
währt, wird gut, das können die Herausgeber und Verleger 
mit Stolz sagen. Es ist ein echt deutsches Werk — denn 
das bekannte Werk von Barinel ist französischer Herkunft — 
und in jeder Hinsicht mit deutscher Gründlichkeit abgefassi 
Wie der Titel sagt, ist er ein Trachtenwerk im weitesten 
Sinn: alles was der Mensch zu seiner Leibes Notdurft und 
Nahrung bedarf, ist in Abbildungen gegeben. Auf 240 Ta- 
feln ziehen an uns die Völker aller Zeiten vorüber, von 
den grauen Zeiten des frühen Orients, wo wir uns, wie bei 
den Phöniziern nur durch Kombination eine Vorstellung 
von der Tracht machen können, bis zu der Zeit, wo der alles 
nivellirende Geist des 19. Jahrhunderts die lange Hoee und den 
Schoßrock einführte und die Modejoumale die Herrschaft 
übernahmen. Zu den Kostümen gesellt sich das Gerät aller 
Art, Schmuck, Waffen, Kirchengeräte, Mobilien, alles auf 
den Haupttafeln in Farben wiedergegeben und die Abbil- 
dungen sind in oft staunenswerter Weise, um Platz zu ge- 
winnen, ineinander geschachtelt, ohne dass dadurch der 
Deutlichkeit Eintrag geschieht. Vielfach wird der Gebrauch der 
Geräte durch Darstellungen nach gleichzeitigen Denkmälern 
illustrirt und im Text sogar vielfach Schnittmusterder Kleidungs- 
stücke gegeben. Die letzteren dürften das Werk besonders auch 
für Theater empfehlenswert erscheinen lassen, wo die historische 
Form der Kostüme oft noch recht viel zu wünschen übrig 
lässt. So entrollt sich auf 240 Tafeln in 3133 ganzen Kostüm- 
figuren und 4438 Abbildungen von Geräten, Waffen, 
Schmuck etc. ein lebendiges Bild von der Kultur der Mensch- 
heit, wie sie übersichtlicher irgendwo kaum gefunden werden 
kann. Vortrefflich erläutert wird nun dieses Abbildungs- 
material durch einen Text, der eingehend namentlich das 
Kostümwesen behandelt. Auch hier begegnen wir einer 
umfassenden Sachkenntnis des Herausgebers, die auf breiten 
historischen und kunstgeschichtlichen Studien beruht. Deren 
Text wird außer 31 mit Rücksicht auf die betr. Periode 
geschickt ausgewählten Initialen mit 850 Abbildungen zu 
weiterer lUnstrirung zugefügt. So haben wir ein Werk, 
man könnte sagen ein kulturhistorisches Museum, vor uns, 
das in den weitesten Kreisen Verbreitung verdient. Künstler 
und Kunsthandwerker, Geschichtsforscher und Theater- 
leiter, Architekten und alle werden hier Rat und Belehrung 
finden. Aber da der Mensch nie ganz zufrieden ist, so 
haben wir noch einen Wunsch: es fehlt ein Register, erst 
dadurch würde das Werk ganz und gar seine Aufgabe er- 
füllen. A. P. 

Brockhaus^ Conversations-Lexikon. 2. Band mit 48 Tafeln, 
14 Karten und 22 Abbildungen im Text. Preis pro Band 
10 M. Der zweite Band Brockhaus, dessen Erscheinen 
durch den Setzerausstand leider verzögert war, hält 
durchaus, was der erste versprochen: er ist vollkommen 
nach jeder Richtung. Auf über 6000 Fragen des mensch- 
lichen Wissens, die zwischen den Worten „Astrachan" bis 
„Bilk** (ja was ist Bilk? sogar Bilk steht darin I, ein Vorort 
von Düsseldorf) liegen, erhält, man Auskunft. Und welche 



Auskunft! Viele dieser Artikel sind wissenschaftliche ib- 
handlungen von größtem Wert, namentlich die natarwiaen- 
schaftlichen; um sich schnell über die meisten Fragen xa 
Orientiren, die iftglich aufstoßen, braucht man nui zum 
Brockhaus zu greifen: selbst juristischen Rat erteilt er. 
Abhandlungen wie Banken, Ausstellungswesen, Bahnhöfe, 
babylonische Kunst, Bildhauerkunst kommt eine Reihe ganz 
vorzüglicher Abbildimgen zu Hilfe. Eine besonders angehende 
Behandlung hat die Reichshauptstadt erfahren: zwei volle 
Bogen sind ihr ohne die Spezialartikel gewidm^, die uns 
eine eingehende Darstellung aller Verhältnisse geben, vie 
kaum an einer anderen Stelle zu finden sein dürfte. Zvä 
ganz ausgezeichnete Pläne in Buntdruck und eine Karte 
und Ringbahn geben von der großartigen Entwicklung 
dieser Stadt ein anschauliches Bild. Unter den Abbildungen 
der öffentlichen Gebäude mag der künftige Dom besonden 
hervorgehoben werden. Unter den natorwissenschafüidien 
Artikeln sind beftonders von allgemeinem Interesse die über 
Bakterien, die durch eine treffliche Farbentafel erllaiat 
sind und die zur Kenntnis des menschlichen Körpers dienen. 
Zugleich ist der Welt der Technik, für die heute jeder ge- 
bildete Mensch besonderes Interesse haben muss, ein bidter 
Raum gewidmet. Gerade auf diesem Gebiet ist es überam 
schwierig, sich schnell und sicher zu orientiren, ohne Spe- 
ziallitteratur. Neben den naturwissenschaftlichen und tech- 
nischen Abhandlungen sind die Geographie und VOlkerkonde 
besondei'S eingehend behandelt Bei dem großen Inta:eae, 
das heute gerade diesen Gebieten entgegengebracht wird, 
ist das besonders dankenswert Den drei Weltteilen Ameiika, 
Afrika, Asien im ersten Teil folgt im zweiten Band AastnlisD. 
Die Karte dieses Weltteils dürfte wohl die zuverlfiBsigste 
sein, die es zur Zeit giebt. Was aber den Wert des Bncbis 
überhaupt ausmacht, ist das Bestreben, wirklich aufklSrend 
zu wirken. Hier werden die Resultate freier wissenschaftliche 
Beobachtung dem großen Publikum in klarer Form geboten, 
mit dem Brockhaus dringt Aufklärung imd Bildung in Hvis 
und Familie, und so ist das Unternehmen wohl geeignet, deD 
heutigen Bestrebungen, auch die Bildung in gewisse Bahnen 
zu lenken, mit Erfolg entgegen zu arbeiten. 

E. Christensen. Neue Flachomamente. 25 Tafeln. Altena, 
Gebr. Herz 1892, Fol. 7.50. Die mannigfachen Versudie, duieb, 
das Studium der Naturformen zu neuen omamentalen Gebüd® 
zu gelangen, die namentlich in England gemacht sind, haben 
auch bei uns in Deutschland vielfekch Nachahmung gefonden. 
In dem großen Werk von Gerlach und Schenk, die Pflanze, 
ist dies in ausgedehntem Mafie geschehen und neuerdings 
ist Meurer in Rom nach dieser Richtung als Apostel aoig^ 
treten. Von ihm ist ein großes Werk zu erwarten, d» 
namentlich als Unterrichtsmaterial dienen soll. Auf diesem 
Gebiet thätig finden wir auch den Dekorationsmaler E (^ 
stensen, Hamburg. Derselbe hat den Versuch gemacht, wie er 
sich hübsch ausdrückt, „einfache bescheidene, jedermann Te^ 
traute Pflanzen" zu omamentalen Gebilden umzügestaltaL 
Und dies ist ihm trefflich gelungen. Selten haben wir so ge- 
lungene Resultate aus derartigen Versuchen, die mit ye^ 
ständnis ftLr die Formen der Natur und mit großem Geflcbick 
unternommen sind, gesehen. Der Künstler hat sich mOgW 
von strenger Stilisirung femgehalten: er fällt nicht ins reise 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



153 



Ornament, wie die Renaissance und lässt der Natur ihre 
Rechte. Namentlich in den Friesen ist die leichte Bewegung 
in den Stielen und Blättern von großem Reiz. Durch Ver- 
bindung von Blatt, Blüte und Frucht der einzelnen Pflanzen 
und deren mannigfache Kombination gewinnt der Künstler 
eine Fülle von Mustern, die zu allen möglichen Zwecken 
verwendbar sind: Friesen in erster Linie, dann Hoch- und 
(juerfüllungen und quadratische Umrahmungen, Spiegelver- 
zierungeu. Dazu einzelne Entwürfe zu Plafonds, ganzen 
Plafonds und^ Eckstücken. Einigen zwanzig Pflanzen be- 
gegnen wir auf den Tafeln, alle gute Freunde aus Wald, Feld, 
Wiese und Garten. Als besonders gelungen müssen die Ver- 
wendung der Erdbeeren, aus der allein acht verschiedene 
Friese und Füllungen kombinirt sind, die wilde Rose, Distel 
und Veilchen bezeichnet werden. Selbst der duftende Wald- 
meister und ein Pilz hat herhalten müssen. Auf den beiden 
besten Tafeln wird ein schön stilisirter Löwe und ein Adler bei- 
gegeben: zwei Blätter, die von der Befähigung des Künstlers 
für streng heraldische Zeichnung beredtes Zeugnis ablegen. 
Ohne Frage werden die neuen Flachomamente in den Kreisen 
der Dekorationsmaler schnell Eingang finden: geben sie 
doch völlig neue Motive, die direkt verwendbar sind und bei 
denkenden Benutzem auch Anlass zu eigenen Erfindungen 
bieten werden. Besonders dürften sie sich für die Scha- 
blonenmalerei empfehlen, was durch die Wiedergabe in 
zwei Tönen wesentlich erleichtert wird. Wir wünschen 
diesem wirklich verdienstvollen Unternehmen weiteste Ver- 
breitung, was den Künstler unzweifelhaft zu weiteren Ar- 
beiten auf diesem Gebiete veranlassen würde und womit er 
sich den Dank aller derjenigen verdient, die sich die Auf- 
gabe gestellt, die Verknöcherung in unserem Kunsthandwerk 
zu bekämpfen! a. P. 

VEREINE UND MUSEEN. 

Fr.- Düsseldorf. Verein xur Beförderung der Anstalt für 
Kunststickerei und Fratienencerb, In den Jahren 1884 bis 
1888 gelang es dem Verwaltungsrate des Centralgewerbe- 
vereins, große Sammlungen von Stickereien, Spitzen u. a. 
durch Frauenhand herstellbaren Gegenständen zu erwerben. 
Als für die Verwaltung der Textilsammlung Anfang 1889 
eine Dame angestellt werden konnte, welche an der k. k. 
Kunststickereischule in Wien in den verschiedensten Tech- 
niken der Kunststickerei und Spitzenarbeit ausgebildet wor- 
den war, war der Wunsch rege geworden, die vielen Vor- 
bilder dem weiblichen Geschlechte durch Unterricht nutz- 
bringend zu machen. Man fasste demnach den Plan, für 
das Vereinsgebiet des Gentralgewerbevereins eine - Anstalt 
für Kunststickerei und Frauenerwerb in Düsseldorf zu er- 
richten, welche Schule und Lehrwerkstätte zugleich in den 
mannigfaltigen Zweigen für weibliche Handfertigkeit Unter- 
richt geben sollte. Für eine Anstalt auf so breiter Basis 
war aber sehr viel Geld nötig. Um die Mittel durch frei- 
willige Sammlungen beizuschaffen, wurden Anfang 1890 einige 
Damen zu einer Besprechung nach der Textilsammlung ein- 
geladen, welche den Plan im allgemeinen billigten und sich 
bereit erklärten, Geldmittel zur Verwirklichung desselben 
zu werben. Am 28. März 1890 wurde ein Aufruf erlassen, 
um ein Grundkapital von 50000 M., teilbar in 1000 Anteil- 
scheinen ä 50 M., beizubringen. Wenn diese Summe bis 
Weihnachten 1890 zusammengebracht würde, sollte am I.April 
1891 die Anstalt ins Leben treteuk Leider ergaben die Samm- 
lungen bis Ende November kaum 6000 M. Es war somit 
nicht möglich, das Institut in der geplanten breiten Grund- 
lage einzurichten, und musste erwogen werden, ob mit den 
beschafften Mitteln am 1. April 1891 klein angefangen wer- 



den oder die Sammlungen bis zur Beschaffung der vollen 
50000 M. fortgesetzt werden sollen. Man fasste den Plan, 
zunächst eine kleine Kunststickereischule einzurichten und 
wurde die Verwalterin der Textilsammlung ermächtigt, denen, 
die sich melden, in den verschiedenen Techniken der Kunst- 
stickerei unter Benutzung der Textilschätze des Gentralge- 
werbevereins Unterricht zu erteilen, wozu für Honorar und 
Anschaffungen für die Zeit bis 1. April 1892 dem Fonds 2000 
M. entnommen wurden. Das Jahr 1891 begann für die junge 
Anstalt in erfreulicher Weise, indem Herr Reichsbankdirektor 
Rüge derselben eine Stiftung, bestehend aus 400 M. deut- 
scher Reichsanleihe samt aufgelaufenen Zinsen überwies. 
Am 16. Januar fand die konstituirende Hauptversammlung 
statt, in welcher die Bildung eines Vereins zur Beförderung 
der Anstalt für Kunststickerei und Frauenerwerb beschlossen, 
der Statntenentwurf zur Vorlage an den Vorstand des Gen- 
tralgewerbevereins genehmigt wurde. Weiter wurden dem 
Direktor Frauberger zur Bestreitung der Kosten aus dem 
vorhandenen Fonds für die Zeit vom 1. April 1891 bis 1. April 
1892 2000 M. bewilligt. Von diesen Ergebnissen wurde in 
der Sitzung am 23. Februar die Kommission des Gentralge- 
werbevereins für Finanz- und Vereinswesen verständigt. Sie 
fasste den folgenden Beschluss: „In Bezug auf die Kunst- 
stickereianstalt hat die Kommission gegen die Verwendung 
der Beamten des Gentralgewerbevereins, soweit damit keine 
Schädigung der Vereinsinteressen stattfindet, gegen die Be- 
nutzung der Sammlungen und geeigneter Räume in der Bleich- 
straße und gegen die Leitung der Anstalt durch den Direk- 
tor nichts einzuwenden, doch dürfen dem Gentralgewerbe- 
verein keine finanziellen Opfer aus der Sache erwachsen.*' 
In der Sitzung des Beirates am 27. Februar wurde der Vor- 
anschlag für das erste Jahr genehmigt, die Verwalterin der 
Textilsammlung als Lehrerin an der Kunststickereischule an- 
gestellt, deren Arbeiten in der zweiten Hälfte des Monats 
März zur Ausstellung gelangen sollten, und das Programm 
der Schule genehmigt Somit waren die erforderlichen Vor- 
bereitungen getroffen, damit die Schule am 1. April begin- 
nen konnte. — Das erste Verwaltungsjahr hat, wie schon 
die ausgestellten Arbeiten zur Genüge beweisen, recht er- 
freulich abgeschlossen. Für den ersten Kursus, welcher An- 
fang April begann, haben sich zehn Jahresschülerinnen und 
zwei Stundenschülerinnen gemeldet. Der Unterricht behan- 
delte bei wöchentlich 30 Stunden die Holbeintechnik, den 
gleichseitigen italienischen und gleichseitigen Wiener Kreuz- 
stich, den Doppelplattstich und die einfache Weißstickerei. 
Durch sechs Stunden wöchentlich wurde Zeichenunterricht 
erteilt. Von den zehn Jahresschüleiinnen wurden dem Pro- 
gramm zufolge seitens des Beirates die sechs Talentirtesten 
zum zweijährigen Kursus zugelassen. Dieselben werden kosten- 
frei unterrichtet und erhalten auch das erforderliche Mate- 
rial umsonst; sie verpflichteten sich aber dafür, die vollen 
zwei Jahre an der Schule zu bleiben. In dem zweiten Kur- 
sus, welcher Anfang Oktober begann, wurden diese sechs 
Tagesschülerinnen in der Herstellung von Flachknoten, Ma- 
kram^e, Leinwandstickerei und Leinendurchbruch unterrichtet; 
zwei Schülerinnen meldeten sich für die Erlernung der ein- 
fachen Weißstickerei, eine Schülerin wurde ausnahmsweise 
nur für den Zeichenunterricht angenommen und außerdem 
meldeten sich neun Stundenschülerinnen. Es stieg somit die 
Frequenz von 12 auf 18 SchtUerinnen. Im dritten Kursus, 
welcher Anfang Januar 1892 begann, wurden ebenfalls 18 
Teilnehmerinnen unterrichtet Den sechs Jahresschülerinnen, 
welchen das Recht zum Besuche des zweijährigen Unter- 
richtes eingeräumt worden war, wurde die Herstellung der 
persischen Klarwerkarbeiten, der arabischen Technik, der 



154 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Janinatecbnik, des punto tirato und des KettensticlieB gezeigt. 
Die StundenBchüleriimen erhielten teils Zeichenunterricht, 
teils Unterricht im Sticken. Letzterer betraf teils Erlernung 
einer bestimmten Technik, teils Hilfe bei Ausfuhrung eines 
bestimmten Gegenstandes. Schon im Herbste hatte sich die 
Notwendigkeit ergeben, eine zweite Lehrkraft anzustellen, 
weil es unmöglich war, ohne Schädigung einer Gruppe Tages- 
schülerinnen und Stundenschülerinnen durch dieselbe Leh- 
rerin zu unterrichten. Der Beirat genehmigte deshalb die 
Anstellung einer zweiten Lehrkraft auf ein Jahr. Die Lei- 
stungen der Schule im ersten Betriebsjahr, die ebenso sehr 
von den Fähigkeiten und dem £ifer der Lehrkräfte, wie von 
Talent und Fleifi der Schülerinnen Zeugnis geben, sind aus- 
gestellt. An der Ausstellung sind, weil weder die Arbeiten 
der Stundenschülerinnen noch die Lehrgänge von fünf Tages- 
schülerinnen, welche nach Absolvirung des Weißstickerei- 
kursus abgingen, zurückbehalten werden konnten, nur acht 
Schülerinnen beteiligt, welche in 87 Stickereien (teils Lehr- 
gängen, teils ausgeführten Arbeiten) und in 75 Blatt Zeich- 
nungen ihre Leistungen während des ersten Schuljahres 
darstellen. 

Preisausschreiben. Der FrauenbUdungs- Verein in Breslau 
beabsichtigt, aus seiner Klasse für Kunststickerei ein vor- 
bildliches Wahrzeichen für Jungfrauen-Bildungs-, Erwerbs- und 
andere Frauen- Vereine, in Gestalt und Form eines Banners, 
hervorgehen zu lassen. Für den besten Entwurf zu einem 
solchen Banner hat der Vorstand einen Preis von 75 Mark 
ausgesetzt Zur Bewerbung zugelassen werden nur Damen. 
Der Entwurf ist ganz oder zum Teil farbig auszuführen, 
mit genauer Angabe der zu verwendenden Stoife, sowie der 
zur Anwendung kommenden Techniken und ihres Materials. 
Für die Vorderseite sind Symbole des häuslichen, gewerb- 
lichen und Bildungslebens der Frau, sowie eine Devise in 
deutscher oder lateinischer Sprache in freie Wahl gestellt 
Eventuell soll das Mittelstück als Wappen zu einem Stem- 
pel zu verwenden sein. Als Techniken kOnnen außer Gold- 
u. s. w. Stickerei verwendet werden: Nadelmalerei, Appli- 
kation, punto tirato, spanische Goldspitze und andere Kunst- 
sticharten. Die Rückseite trägt die Bezeichnung: Frauen- 
bildungs- Verein. Breslau. 1893. Die Größe des Banners soll 
72:90 Gentimeter, ohne Behang, betragen und muss die Ein- 
sendung des Entwurfes bis zum 1. Oktober dieses Jahres 
erfolgen. Derselbe ist mit einem Motto zu versehen, das 
sich gleichfalls auf einem geschlossenen Couvert befindet» 
in dem die genaue Adresse der Einsenderin enthalten ist 
Zeichnerinnen und Malerinnen, Kunst- und Kunstgewerbe- 
schulen, sowie Kunststickerinnen in ganz Deutschland werden 
auf diese Gelegenheit zur Verwertung erworbener Fertig- 
keiten aufmerksam gemacht Der Name der mit dem Preise 
gekrönten Einsenderin wird bei Ausstellung des Banners in 
Chicago als solcher bezeichnet und soll dies zu weiteren 
Aufträgen dienen. Das Preisrichteramt liegt in den Händen 
der Herren Dr. Janitsch, Direktor des Schlesischen Povinzial- 
musenms, Professor H. Kühn, Direktor der Kunstschule und 
von Frau Anna Simson, Vorsitzende des Frauenbildungs- 
Vereins, sämtlich in Breslau. 

AUSSTELLUNGEN. 

Weltausstellung in Chicago 1893. Der Norddeutsche 
Lloyd in Bremen hat sich erboten, die für die Weltaus- 
stellung bestimmten deutschen Güter mittelst Postdampfer 
von Bremen nach Baltimore zu einem Frachtsatze von 
IV2 Dollar fOr das Kubikmeter oder 1000 Kilogramm 
in Schifiswahl zu befördern. Dieser Fra^ihtsatz gilt für 
alle Güter, deren Gewicht oder Maß 2000 Kilogramm oder 



2 Kubikmeter per GoUo nicht übersteigt, mit Ansnalmi« 
von Ölgemälden, sonstigen Kunstgegenständen und Wert- 
sachen. Die Fracht für Oelgemälde beträgt 2 Dollan far 
das Kubikmeter und diejenige für sonstige Knnstg^^ieiut&nde 
und Wertsachen 1/4 Prozent vom Werte. Für CJolli im Ge- 
wicht von über 2000 Kilogramm oder von über 2 Kubökmeter 
bis zu 5000 Kilogramm oder 5 Kubikmeter beti^.^ die Fneid 

3 Dollars, für Colli über 5000—15000 Kilogramm 4V2 Dollari. 
Für Gegenstände von größerem Gewicht oder solchen Dimen- 
sionen, dass dieselben nicht bequem durch die Lnken gehen, 
bleibt die Festsetzung des Frachtsatzes besonderer Verein- 
barung vorbehalten. Mit der dekorativen Ausgestaltung dnes 
Teils der deutschen kunstgewerblichen Gruppe der Welt- 
ausstellung, wird, wie das „Gentr. Bl. d. Bauv/* mitteilt, 
der Münchener Architekt, Professor Gabriel Seidl betnuat 
werden. Von sonstigen deutschen Architekten und Ingenieuren 
sind zur Zeit die Berliner Architekten Hoffacker und Begie- 
rungsbaumeister Radke bei der Platzverteilung, der Grappen- 
anordnung und der dekorativen Ausschmückung der deutBchen 
Abteilung für das Reichskommissariat thäiig, während 
der Ingenieur und Hüttenverwaltungs- Assistent HaU»- aus 
Württemberg an den Arbeiten zur Einrichtung der deutschen 
Maschinenabteilung beteiligt ist. 160 bayerische Kmoist- 
gewerbetreibende haben sich bisher behufs Beteiligung an 
der Weltausstellung gemeldet. Die bayerischen Aussteller 
erhalten eine Subsidie von 45000 Mark aus Staatsmitteln. 

St. Berlin. Verein für Volkskunde, Dr. Ulrich Jahn 
hielt kürzlich einen Vortrag über das für die Weltausstd- 
lung in Chicago zu gründende Nationalmuseum. Es wird 
geplant, ein deutsches Dorf aus der besten Zeit bäuerlicher 
Wohlhabenheit, etwa vor Beginn des dreißigjährigen Krieges 
zu errichten. Hier sollen sämtliche Häusertypen, das &9n- 
kische und altfränkische Haus, die schlesische Baude, das 
alemannische, hessische, schwäbische Haus, ein Spreewsdd- 
bau ihren Platz finden. Dazu sind schon bedeutende An- 
käufe gemacht, z. B. eine Lüneburger Trinkstube (gegen 
1560), ein Zimmer von den Halligen und anderes mehr. In 
der Mitte des Dorfes soll sich eine mittelalterliche Burg er- 
heben, welche das eigentliche Nationalmuseum enthalten soll, 
für welches hauptsächlich das Berliner Trachtenmuseum seine 
Schätze hergeben wird; es sollen Figuren modellirt werden, 
die paarweise jede Landschaft durch die altüberlieferte Yolks- 
kleidung darstellen, und sich zu einem Huldigongszuge für 
den deutschen Kaiser gruppiren. Außerdem soll die Bmg 
eine ganze Geschichte der deutschen Waffenkunst in den 
besten erhaltenen Erzeugnissen aus privaten und öffenÜichen 
Sammlungen bieten. Femer hat Dr. Jahn vor kurzem auf 
einer friesischen Hallig eine Sammlung von Silbergerät an- 
gekauft, die von der Wohlhabenheit ihrer Besitzer deutlich 
Zeugnis ablegen; eine massive Kaffeekanne, beinahe ein^ 
Fuß hoch, silberne Schalen, Theebüchsen, reizend omam^L» 
tirte Armleuchter mit Lichtputzschere, Messer und Gabeln 
mit zierlicher Silberfiligranarbeit an den Stielen, LöSel, ge- 
waltige, schwere silberne Schuhschnallen bilden den Bestand 
dieses kostbaren Schatzes der „armen'' Strandd5rfler. Alle 
diese Gegenstände sollen nach Beendigung der AussteUmig 
für das Berliner deutsche Trachtenmuseum erworben werdm. 

{Nat.-ZtgO 

Beteiligung der deiäschen GlasmdUrei in Chicago, Der ur- 
sprüngliche Plan, die mächtigen Fenster des IndustriepalaBtaE 
mit deutschen Glasmalereien zu schmücken, ist aufgegeben wor- 
den, da bekannt wurde, dass die unter diesen Fenstern ge- 
legenen Galerien anderen Nationen zugewiesen worden sind, 
und es nicht angängig schien, die darüber liegenden Fenster 
nüt deutschen Glasmalereien zu versehen. Doch wäre ei 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



155 



erwünBcht, dass die deutsche Glasmalerei sich nichiBdesto- 
weniger an der Ausstellung beteiligte, da der Bedarf z. B. 
an Eirclienfenstem in Amerika bei der großen Baulust auf 
diesem Gebiete ziemlich groß ist. Dem Gebrauch von Glas- 
fenstem in Privathftusem ist das amerikanische Fenster nicht 
günstig, das wie das englische zum Schieben in der verti- 
kalen Achse mit Federmechanismus eingerichtet ist und daher 
für Glasmalereien nur den oberen Flügel übrig lässt. Auf 
der Ausstellung wird in der Kapelle für kirchliche Kunst, 
an dem Repr&sentationshause wird jeden&lls eine Anzahl 
Glasfenster, an denen die Glasmalerei ihre Kunst zeigen 
kann, angebracht sein. 

Die Berliner WeUausatellung ist lange Zeit der Gegen- 
stand erregter, zum Teil sehr politischer Debatten gewesen. 
Dass sie ein gefährliches Experiment, eine Art Operation 
am Körper Deutschlands gewesen w9xe, ist zweifellos. Sie 
würde indes beschleunigend auf den Pulsschlag des öffent- 
lichen Lebens gewirkt und vielleicht eine unschädliche vor- 
übeigehende Fieberhitze erzeugt haben, andererseits h&tte 
sie gewiss manche ungesunde Stockung beseitigt. Da aber 
der nervus rerum eine hervorragende Rolle dabei spielt und 
eine Schwächung dieses Nervs im Zeitalter des bewafineten 
Friedens langwierigen Schaden, zum mindesten nachhaltige 
Niedergeschlagenheit zur Folge gehabt haben würde, so war 
es vielleicht fQr das bedächtige Deutschland das Beste, den 
Gedanken einstweilen fallen zu lassen. Wir würden vom 
Standpunkte des Kunstgewerbes freilich eine solche Ausstel- 
lung mit Freuden begrüßt haben. Der Nutzen, den ein 
solcher civilisatorischer Brennpunkt nach allen Seiten hin 
ausstrahlt, ist ja nicht zu berechnen, aber ohne Zweifel 
bedeutend. Ob der mögliche Schaden, der bei ungeschickter 
Leitung und Organisation eintreten kann, den Nutzen völlig 
paralysirt oder ihn übertrifft — wer möchte das voraus- 
sagen? Schwer ins Gewicht mag auch die Erwägung ge- 
fallen sein, dass Berlin die Routine, die vielen Kniffe und 
Praktiken, die bei einer Weltausstellung gekannt und geübt 
werden müssen, nicht praktisch erlernt hat. Das Selbstver- 
trauen hat, wie es uns scheint, bei dem Gedanken von An- 
fang an gemangelt Weniger gewiss der Regierung, die den 
Gedanken mit allem Eifer ausgeführt haben würde, wenn 
er vielfache, überwiegende Zustimmung gefunden hätte. Die 
Umfrage bei den Industrieilen hat eine Lauheit zu Tage ge- 
.fÖrdert, die wir weder loben noch tadeln wollen: sie ist vor- 
handen, und damit gut. Gewiss ist eineiseits, dass unsere 
großen industriellen BetriebssiAtten, in deren Absatzgebiet 
die Sonne nicht untergeht, keine Ursache haben, der Idee 
besondere Begeisterung entgegenzubringen. Ihnen sind hohe 
Repräsentationskosten sicher und der Nutzen, d. h. die Aus- 
dehnungsfähigkeit ihrer Beziehungen fraglich. Andererseits 
aber möchten wir die Frage, ob der weit größeren Zahl von 
mittleren und kleineren Etablissements nicht mehr genützt 
als geschadet werden könnte, entschieden bejahen. Es geht 
damit ähnlich wie mit den großen Kunstausstellungen. Um 
Männer, wie Menzel, Lenbach zu fördern, veranstaltet man 
keine Kunstausstellung, und wenn man sie nach der Zweck- 
mäßigkeit solcher Kunstproduktsammlungen früge, gäben sie 
wohl nicht sehr ermutigende Antworten. Aber zu Nutz und 
Frommen der gproßen Menge der sich bildenden Kräfte sind 
diese Schauhallen da, der Unzahl Künstler zweiten und drit- 
ten Grades dienen sie sehr wirksam; ja sie sind dieser Un- 
zahl heute unentbehrlich. Unter den Firmen, die nicht 
gerade die ganze Welt bedienen, hat sich aber eine lebhafte 
Meinung fQr die Berliner Weltausstellung auch nicht gezeigt, 
und das ist sehr zu bedauern, die Gründe mögen sein, wie 
sie wollen. In diesen Kreisen ist, wie es scheint, das Gefühl 



der Zusammengehörigkeit) das Gefühl, gemeinsame Interessen 
zu haben, das Bedürfnis, von einander zu lernen, nicht sehr 
stark entwickelt; man wittert und fürchtet die Konkurrenz, 
wohl, weil man glaubt, mehr zu geben, als zu empfangen. 
Dies Selbstbewustsein scheint mindestens verfrüht, wenn es 
nicht eher übertriebene Ängstlichkeit ist Ohne Zweifel 
würde mancher, der sich so ängstlich hütet, seine Karten zu 
zeigen, und lieber die seiner Mitbewerber nicht sehen wil), 
die Entdeckung machen, dass auch die Gegner manchen 
guten Trumpf aufzuweisen haben. Er wird Impulse em- 
pfangen, wo er sie nicht vermutete; sein Blick, .der nur ein 
kleines Gebiet bestrich, wird freier schweifen, schlummernde 
Kräfte werden geweckt, Vorurteile abgestreift werden und 
Abhängigkeit wird wohl gar in Selbständigkeit gewandelt 
werden können. Aber sollten alle diese schönen Dinge, diese 
fruchtbaren Anregungen nur zu erzielen sein, wenn man den 
ganzen Erdball inkommodirt? Kann dies nur von einer in- 
ternationalen Ausstellung erwartet werden? Wäre es nicht 
möglich, durch Vereinigung dessen, was Detäsehland bietet, 
ähnliche Früchte zu zeitigen? Zwar nicht ganz so vollsaf- 
tige und zahlreiche, aber doch so weit entwickelte, so nahr- 
hafte, um eine allgemeine deutsche Ausstellung zu rechtfer- 
tigen. Solch eine Veranstaltung läuft nicht Gefahr, durch 
vorlaute Nachbarn in Frage gestellt zu werden; sie würde 
weit weniger kostspielig sein und wäre eine vortreffliche 
Vorarbeit für eine spätere, sorgsam vorbereitete Weltaus- 
stellung in Deutschland, die für sich betrachtet, doch immer 
nur wie ein gewagter Sprung aussieht. 

Basel, Schtceixer. Ausstellung der gewerbl. Fachschulen, 
Auf Veranstalten des Schweizer. Industriedepartements findet 
vom 4 — ^25. September d. J. eine Ausstellung der Schüler- 
arbeiten der vom Bunde mit BetriebsbeitrSgen bedachten 
kunstgewerblichen und technisch gewerblichen Fachschulen, 
Fachkurse und Lehrwerkstätten im Neubau für die Allgemeine 
Gewerbeschule in Basel statt. Die Beschickung dieser Aus- 
stellung hat wiederum nach bestimmten Gesichtspunkten zu 
erfolgen, wie dies ähnlich der Fall war für die Ausstellung 
der gewerblichen Fortbildungsschulen in Zürich 1890. Es 
haben an der die^ ährigen Ausstellung im ganzen 35 An- 
stalten teilzunehmen. Ein ausführlich gehaltener £[atalog 
in deutscher und französischer Ausgabe wird eine Skizze 
der historischen Entwicklung dieser obem Stufe des ge- 
werblichen Bildungswesens in der Schweiz, Verordnung und 
Reglement der Ausstellung 1892 und eine Beschreibung der 
Organisation und der Betriebsverhältnisse der ausstellenden 
Anstalten nebst Orientirungsplan darbieten. Die Ausstellung 
nimmt 2734 m Nutzfläche in Anspruch. 

Mainz. Auf der mit der Generalversammlung der 
Katholiken Deutschlands verbundenen „Ausstellung für christ- 
liche Kunst", die in etwa einer Woche in den Räumen des 
kurfürstlichen Schlosses eröffnet werden soll, wird nicht nur 
die Malereif sondern auch die Bildhauerei, Architektur und 
Kunstindustrie zahlreich vertreten sein. Hunderte von Sen- 
dungen aus allen Teilen Europas sind bereits eingetroffen; 
als Absender der Werke findet man nicht nur Private, son- 
dern auch Kirchen, Klöster etc. Besondere Berücksichtigung 
sollen die Maler des Mittelalters erÜEÜiren, während die 
neuere religiöse Kunst u. a. durch Kartons von Overbeck ver- 
anschaulicht wird. Wo die Herbeischaffung der Originale 
nicht möglich war, wird die Photog^phie benützt. Viel In- 
teresse dürfte eine kleine Sammlung charakteristischer Altäre 
erwecken. 

In Berlin ist am 13. August eine Ausstellung von Woßi- 
nungseinriehtungefi eröffnet worden, aus der man den Fort- 
schritt der Möbelindustrie Berlins erkennen kann. Sie ist 




156 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



sehr reich an Material; der Katalog verzeichnet 253 Ans- 
Rteller, zum großen Teile sind es kleinere Werkstätten, die 
sich beteiligt haben, während die Großindustrie sich auf ein- 
zelne Prunkstücke beschränkt. Die „Frankf. Zeitg/' bemerkt 
dazu: Die Ausstellung ist zu umfangreich fOi die Enge der 
Räume, die den Ausstellern zur Verfügung standen. 114 
Kojen sind zu Wohn- und Kflchenräumen eingerichtet, außer- 
dem sind zahlreiche Kollektivausstellungen von Spezialitäten 
der Möbelindustrie veranstaltet worden. Die großen Glanz- 
und Prachtstücke sind in der Minderzahl gegenüber jenen 
Einrichtungen, die dem Bedürfnis eines Bürgertums von mitt- 
lerer Kaufkraft dienen. So weit man jetzt schon in der un- 
fertigen Ausstellung ein Urteil gewinnen kann, ist ein ach- 
tungsgebietendes Maß technischen KOnnens erreicht. Neben 
der Neigung zu echtem und mehr noch falschem dekora- 
tivem Prunk, erscheint das Bestreben vorherrschend, sich 
ziemlich ängstlich an vorhandene Stil formen zu halten. Der 
Anschluss an die Renaissance (vlämische, deutsche Frühre- 
naissance) wird festgehalten, aber zu überwuchern scheint 
der Modegeschmack von Rokoko und manchmal artet er in 
Kunstspielerei aus. Die Freude an der Imitation japanischen 
Stils ist im Schwinden begriffen. Mehrere Prachtstücke der 
Ausstellung erregen ganz besonders die Schaulust der Be- 
sucher; so ein Bibliotheksaal der Firma J. C, Pfaff (Eichen- 
holz mit Polisandervertäfelungen Kaufpreis 30000 M.) das 
Arbeitszimmer des Kaisers auf der Yacht „Kaiseradler" in 
Ahorn mit Rosenholzeinlage, hergestellt von der Firma Otto 
Völcker, Friedrich Thierichens Herrenzimmer in deutscher 
Frührenaissance, Prächiels Salon (Shippendalestil, Amaranth 
mit Intarsien), J. Groschhis Gartensalon (Stil Louis XV.), 
Ferd, Vogts Schlafzimmer in Olivenholz nach Danziger Mo- 
tiven, C, df jß. Fahnkows üppige Landwohnung einer Schau- 
spielerin, Siebert <& Asehenbachs Erkerausbau in Zimmer- 
gotik u. s. w. 

St. Berlin. Das Museum für deutsche Volkstrachten und 
Erzeugnisse des Hausgewerbes in der Klosterstraße hat sich 
das Ziel gesteckt, die deutschen Volkstrachten sowohl wie 
die mannigfachen Erzeugnisse des häuslichen Gewerbefleißes, 
welche in unserer alles nivellirenden und mit Fabrikerzeug- 
nissen überschwemmenden Zeit immer mehr aus dem Ge- 
brauche des Volkes verschwinden, vor dem gänzlichen Unter- 
gänge zu bewahren. Man muss staunen, wie in der kurzen 
Zeit seit 1889 aus kleinen Anfängen sich das Museum zu 
einer reichhaltigen Sammlung, welche in den ihr zugewie- 
senen Räumen kaum noch Platz haben, entwickelt hat. Die 
geplante Ausstellung eines deutschen Dorfes mit Häusern 
aus allen Teilen des Reichs auf der Weltausstellung in Chi- 
cago, für welche Dr. Ulrich Jahn sich thätig zeigt, wird 
hoffentlich dem Museum neue Schätze zuführen. Vollstän- 
dige Bauernstuben finden sich aus Elsass und dem Spreewald, 
Modelle von Häusern aus dem Schwarzwalde und aus West- 
falen ; reichhaltige Traehtensammlungen aus allen Teilen des 
Reichs. Zur Unterstützung des Museums hat sich ein „Verein 
für Volkskunde" gebildet, der sich hauptsächlich die Auf- 
gabe gestellt hat, den wissenschaftlichen Ausbau der Volks- 
kunde zu betreiben und einen Mittelpunkt der deutschen 
i'orscher und Sammler fEir das Volksleben und dessen Ge- 
schichte zu bilden. (Post.) 

Auf der Buchgetrerblichen Ausstellung in Amsterdam 
erregen die ausgestellten Bucheinbände mannigfaches In- 
teresse. Der Gesamteindruck ist vorteilhaft, wenn auch viele 
Aussteller nur kopirt haben und zwar ziemlich verständnis- 
los. Manchmal werden auf einem Einband Stempel ver- 



schiedener Jahrhunderte vereinigt Stilgefühl und hAm> 
sinn findet man häufig noch sehr unentwickelt. Im taaukm 
sind zu rühmen: die Leistungen von F, J. V. van dm Bmd 
im Haag, insbesondere zwei große Bände mit LedenuAfl^ 
Stempel- und Bogendruck, ausgezeichnet durch gute Site 
wähl und glückliche Zeichnung. Femer einige ?tfkm. li 
Hand vergolders J. A. Loeber jr. in Leiden z. B. täam friü 
Ecras^-Saffianband mit Fächervergoldung in der Alt 41 
Senils und die Nachahmung eines alten BandchOM.it 
Rollendruck, ein Quartband von blauem Kalbleder imip» 
tischen Vergoldungen, der ohne Stempel nur mit 
hergestellt ist, und ein persischer Koranband. Die 
Hübel <t Denck in Leipzig, deren Geschäftsgebiet mHk 
die ganze Welt erstreckt, hat eine reiche Sanmümig MIk 
loser Pressdrucke und zwei Meisterstücke der EaUlß 
ausgestellt. Ein juchtenroter Saffianband geh&it n'iil 
Besten, was die Ausstellung bietet. Bemerkenswert yrdk 
hübsche Holzdecke mit Kerbschnifjtverziemng tob 4I|I 
Amsterdamer Bildhauer W. A. G. van der Kinderen; Wtt 
liehe Pressarbeiten sandte J. F, GiUay in Dordredii, «ffe 
sind von Stokking db van Lüh und Wed. Anderson 4 mk 
in Amsterdam ausgestellt. In der französischen AbMhf 
findet man die berühmte Firma Grud db üngdbrntmii 
Paris, die durchweg mustergültige Nachbildungen ate 
eingesandt hat. Dagegen nichts Modernes. G, L. van 
huixen in Amsterdam hat verschiedene kirchliche 
meist marmorirt und mit Messingbeschlag, vorgeftM^w 
„Glanzpunkt'' der Ausstellung ist der Schaukasbai i^ 
G, B. Brom in Utrecht, wo Gold- und Silberarbdtei.« 
das Buchgewerbe, Missales mit silbernen und veitgMfß 
Deckeln mit Edelsteinen verziert, prangen. . 'fy, 

(AUg. Anz. f. Buchbin 
In Paris ist am 1. August die Ausstellung li^j 
de la femme eröffiiet worden. Sie steht unter der 
von Herrn Marius Vachon und umfasst alle die 
die mit der Frau in Berührung stehen, und zwar 
nicht nur, was gegenwärtig, sondern auch was 
leistet wurde. Es sind nicht etwa bloß Handfi 
beiten, die dort zu sehen sind; das Programm ist 
eher zu weit als zu eng gefasst Alles, was dazu 
Reiz des ewig Weiblichen zu erhöhen und ins hefil-l 
zu setzen, findet sich dort vereinigt. Unter anderäft 
sich in dieser merkwürdigen Schaustellung eine 
Dioramen, die die Wandelungen, die die Pariserin 
durchgemacht hat, dem Beschauer vorführen. 

ZU DEN TAFELN. 

-X. Dem vorliegenden Hefte ist eine Tafel mit 
lungen aus dem Kunstgewerbemuseum zu Karlsrakfr- 
geben, einen Beschlag aus verzinntem Schmiedefltej 
eine aus Nussbaum geschnitzte Stuhllehne. Die 
rühren von Schülern der Kunstgewerbeschule in* 
her. — Femer geben wir die Abbildung der Dedn-'t 
im vorigen Hefte publizirten Ehrenadresse für Direktor) 
in Ebrenfeld. Die Decke ist auf Grund orientalischtt^ 
vom Buchbindermeister Adam in Düsseldorf entt 
ausgeführt. — Ein Seitenstück zu der Intarsia 

die das vorige Heft aufwies, ist der beigelegte Fj , — ,, - 

eine Füllung von einer Truhe, die sich im Besitz am Wit 
Direktors Kamauth in Bozen befindet. — Die vierte Mf 
legte Tafel, einen Ehrenschild aus dem Bismarckiuutf^ 
darstellend, ist auf S. 143 erwähnt. 



Herausgeber: Arthur Pabst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipzig. 

Druck von August Pries in Leipzig. 



11s 



li 



INTARSIAFÜLLUNG VON EINER TRUHE 

im Besitze des Direktors H. Karnauth in Bozen. 

Aufgenommen von F. Paukbut. 



a J, G. Fritnclw !■ Lcipilf. 



^ 



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Da« „Album der Kulneu Xtoma" enthält 42 Ansicbten und Pläne, sowie einen großen Plan 
der Ausgrabungen Tom Jahr 1877. DieAnsichton sind fast sämtlich in mehrfarbigem Tondrnck könstlerisch 
schQn aasgefUhrL In ihrer Geeamtheit bieten sie ein ungewühnlich klares und anschauliches Bild der Trümmer koa 
dem klaemachen Rom. Zwei von verschiedenen Standpunkten aufgenommene Ansichten des tf'orum Romanam 
inr K&iserEett (Uhren auBerdem diesfo mit den herrlichsten Bauwerken geschmflckten Platz des goldenon Rom 
deutlich vor. Sämtliche Darstelliingsgegenstande sind mit besonderer RQclaidit auf ihre Eigenschaft als KanBt- 
denkmäler von dem Herausgeber selber, einem der heivorrElgendsten dentschen Kunsthistoriker der Gegenwart, 
gezeichnet, darum doppelt lehrreich und aia kunstwi.'fBenschaftiiches Material wertvoll. I>ennoch übertreffen die 
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